Beiträge von Björn Bienenfreund


    Hallo Bernhard,
    ich glaube, dass der Hebel der Konsumenten und der Hebel der politisch/gesellschaftlich Arbeitenden zusammen erst einen starken Arm ergeben. Denn diese beiden Bereiche sind eng miteinander verwoben. Menschen, die sich über Konsumfragen politisieren und politische Menschen, die ihr Konsumverhalten ihren Erkenntnissen anpassen - das gibt zusammen eine stärkere Bewegung, um letztlich Einfluss auf die Produktion zu haben, wie ich auch vor zehn Tagen in Berlin erlebt habe.
    Mmh, an der Tierpatentierung sind doch die entsprechenden Konzerne auch schon dran. Dass der massenhafte Konsum von Tierprodukten nicht im Interesse großer Konzerne liegt, erscheint mir noch nicht verständlich. Aber berichte doch mehr darüber, Näheres würde mich interessieren.
    Es gibt doch einige hier angebaute Pflanzen, aus denen sich Fette gewinnen , die Vollverpflegung brauchen sie ja auch nicht zu gewährleisten, aber lassen sie sich noch weiter ausbauen? Ich denke da an Nüsse(habe selber einige Walnüsse und ohne Ende Haselnüsse gepflanzt), Raps, Sonnenblumen,etc. .Ich bin natürlich kein Insider dieses Stoffes, wenn ich aber z.B. an das Verhältnis denke, wieviel pflanzliche Energie für die Produktion pflanzlicher Fette benötigt wird, könnte ich ich mir eine angemessene Anpassung des Verhältnisses auf unserem Speiseplan als ökologisch sinnvoll vorstellen.
    Viele Grüße,
    Björn

    Hallo Bernhard,
    Mensch, hier entwickelt sich aus einem kleinen Thraed, der nur zur Info bzgl. einer Demo gedacht war, ein längeres Gespräch - klasse!
    Nunja es geht ja nicht darum, Tiehaltung zu verteufeln, meine Veganer-Zeiten sind seit fast 20 Jahren vorbei, nur meinen wir doch die heutige Produktionsform und solange die so ist, wie sie ist, finde ich es sehr wohl richtig, über eine Reduktion von entsprechend fetthaltigen Lebensmitteln nachzudenken, bzw. es auch zu tuen. Mal abgesehen von ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten.
    Wieso sollte die Lebensmittelindustrie , zu der doch auch die Milch-und Fleischindustrie gehört, davon provitieren, wenn wir konventionell erzeugte tierische Fette meiden und statt dessen vermehrt ökologisch produzierte Fette mit einem größeren Anteil an pflanzlichen Fetten (also nicht von regenwaldvernichtenden Palmölplantagen,etc.), bzw. prinzipiell Produkte aus ökologischem, bzw. bäuerlichem, regionalen Anbau konsumieren, bzw, proklamieren? Das geht doch dann Hand in Hand mit so fruchtbaren Aktivitäten, die Simon gerade anschaulich beschrieben hat.
    Deinen Buchtip finde ich sehr interessant, ich werde es mir vielleicht zu Gemüte führen.
    Grüße,
    Björn

    Hallo Simon,
    alles klar, ich schalte bei diesem Thema auch manchmal etwas zu schnell, weil es so enorm wichtig und dadurch natürlich auch sehr emotional ist.
    Magst Du etwas von Deinem Meeting berichten?
    Viele Grüße,
    Björn

    Hallo Simon, Danke für den wertvollen Link, er ist äußerst aussagekräftig und zeigt, wie groß der Einfluss jedes einzelnen Konsumenten ist. Dass besonders fetthaltige Milchprodukte so dermaßen klimaschädlich sind, gefolgt von Fleischprodukten und Reis ist eine brisante Tatsache. Solche Aufstellungen müssen verstärkt verbreitet werden, sind sie doch letztlich existenziell für unsere Zukunft und die der Erde. Ich mag ja auch nicht unnötiges Dramatisieren, aber die Situation ist nun mal dramatisch...

    Das ist alles nicht so einfach, glaube ich:
    So etwas gab es ja bis vor einigen Jahren schon, nannte sich Flächen Stillegung.
    Wurde eingestellt, da die Flächen für alternative Energiepflanzen, sprich Raps und Mais, benötigt wurden. Auf den Flächen steht jetzt Mais für die "Bio" Gas Anlagen.


    Heute nennt man das "Greening" und soll in ein, zwei Jahren starten.


    Kann man so nicht stehen lassen - unter Greening verbirgt sich die Bestrebung, eine ökologische Agrarwende zu erreichen. Also wie können langfristig 9 Milliarden Menschen ernährt werden, ohne dass die Belastungsgrenze dieses Planeten dermaßen überschritten wird. Dazu gehört ein ganzes Konglomerat an Gesichtspunkten : Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft, Vielfalt unter anderm durch Fruchtfolge, Stärkung regionaler Märkte, massive Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung und von gentechnisch veränderten Futtermitteln aus Übersee, stattdessen regionaler Anbau von Futtermitteln, Stärkung von nachhaltigem Tourismus, Abbau von Abhängigkeiten von Agrarrkonzernen, Vernetzung von Lebensräumen durch Hecken und Blühstreifen und,und,und.
    Waren darin einst gute Ansätze zu finden, so sind die Errungenschaften u.a. durch den übermäßigen und teilw.falschen Bau der Biogasanlagen leider wieder neutralisiert worden.



    Da stimme ich Dir zu, es kann auch nicht einfach um eine Verringerung gehen, die qualitative Frage, die Henrike auch aufgegriffen hat, also was wird wie angebaut, ist entscheidend. Wenn die Verbindung von Lebensräumen auch ohne Reduzierung der Ackerflächen bewerkstelligt werden sollte, fänd ich das auch gut.
    Die Vorschläge von Ciolos gehen im überiegen weit über die erwähnte Flächenreduzierung hinaus, das scheint ein recht umfangreiches Konzept zu sein, welches viel diskutiert wird. :http://www.herd-und-hof.de/ind…k/catalogue_1/field/2728/


    Dass die Grünen so vorbehaltlos den Biogasanlagenbau begrüßen, entspricht nicht den Tatsachen (Mag natürlich sein, dass Du da andere sehr merkwürdige Vertreter kennen gelernt hast, meine Erfahrungen sind da völlig anders. Und wenn ich in Schriften http://www.gruene-rahden.de/index.php?view=showa&aid=216; http://www.gruene-bayreuth-land.de/3318.html der Grünen lese, dann lese ich dort eine sehr deutliche Kritik an heutigen Praxis : die mangelnde Effizienz vieler Anlagen (die Abwärme wird nur unzureichend genutzt), die einseitige Speisung der Anlagen mit Mais aus gigantischen Monokulturen, die zudem massiv mit PSM behandelt werden müssen und die Verdrängung der bäuerlichen Landwirtschaft durch Pachtverteuerungen und Großbetriebe, Kritik an der Bundesregierung, welche einseitig Großanlagen fördern würde. Zudem wird klar auf die begrenzten Kapazitäten der Agrarflächen in Deutschland hingewiesen.
    Dass viele ökologisch orientierte Menschen mittlerweile sehr ernüchtert vom uneingeschränkten "Seegen" einiger Nawaros sind, ist klar, das geht mir auch so. Daraus aber auf zukünftige Pläne zur ökologischen Reform der Agrarpolitik zu schließen, halte ich für zu pessimistisch.

    Ich auch, er kursiert sogar bei uns im Imkerverein.
    Auch wieder eine politische Frage - welche politische Richtung, bzw. konkrete Partei unterstützt oder blockiert die aktuellen Pläne von Agrarkommisar Ciolos, welcher u.a. fordert, 7% der Agrarflächen umzuwidmen und der Natur zurück zu geben. Dahinter steht ein hochspannendes Konzept, welches geeignet ist, endlich auf hoher politischer Ebene eine Wendung in einer Agrarpolitik einzuleiten, welche Jahrzehnte in eine Richtung lief, die, gelinde gesagt, nicht nur den Bienen alles andere als zuträglich war.
    Björn

    Es war eine ermutigende Stimmung unter uns - trotz stürmischem Schneeregens war es so vielen Menschen wichtig, für eine Agrarwende auf die Straße zu gehen.
    Wenn man zuweieln allein vor einer Zeitung sitzt oder aus dem Fenster sieht, wie der Nachbar in der Nähe meiner Bienenstöcke Roundup und anderes PSM oder die Antibiotika oder Chlostriedien versetzte Hühnergülle auf den Acker einbringt, dann mag einen zuweilen auch mal der Frust oder gar die Verzweifelung packen. Dann aber wieder mit so vielen Entschlossenen den Unmut kund zu tuen und sich in vielen Gesprächen auszutauschen (auf der insg. 11-stündigen Busfahrt konnte ich ich stundenlange Gespräche mit mehren entschlossenen Imkern führen - das gab Kraft und Ideen!) - dann ist wieder genug Treibstoff für weitere Vorhaben vorhanden! Weiter geht`s !
    Mit imkerlichen Grüßen
    Björn

    Hallo Waxnstoana,
    Deinem letzten Posting stimme ich absolut zu, das entspricht auch meinem bescheidenen Kenntnisstand. Dieses ganze Thema ist ungeheuer spannend und inspirierend!
    Ich hatte nur den Text von Deiner Nachricht 922 nicht damit in Zusammenhang bringen können.
    Egal - weiter geht`s . (Ich plane gerade mein weiteres Vorgehen in diesem und nächstem Jahr - da gibt`s einiges zusammenzutragen und zu verändern...)
    Grüße,
    Björn

    Natülich steht das im Zusammenhang! In Brasilien imkert man mit den kleinen Bienen mit den kleinen Zellen und dort wird nicht gegen die Varroa behandelt. Quelle:Brasilianische Imker auf der Apimondia.
    Servus


    Hallo waxnstoana,
    magst Du den Zusammenhang , den Du da siehst, näher erläutern? Dass in alten und kleineren Zellen mehr Varroen zu finden seien, mag ja sein; warum weiß ich nicht, was das aber mit Naturbau zu tuen haben soll(es wird dort doch nur von alten und neuen Waben gesprochen, von Naturbau lese ich da nichts) und inwieweit dies ein Argument für oder gegen die Betriebsweise mit den kleinen Zellen ( von der ich viel halte) sein soll, erschliesst sich mir nicht...
    Grüße,
    Björn

    "Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!" -Aber: Brasilien führt die Rangliste als Agrar-Exportland an. Auf dem Sektor Bienenforschung gibt es deshalb wohl auch hervorragende Wissenschaftler: Giancarlo A. Piccirillo und David De Jong. Sie beschäftigen sich mit der Varroa destructor. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung eines mehrseitigen wissenschaftlichen Artikels: "Alte Brutwaben sind häufiger von der Varroa befallen als neue; die parasitische Bienenmilbe Varroa befällt im Brutnest bevorzugt größere als engere (kleinere) Zellen....Der durchschnittlliche Prozentsatz der von Milben befallenen Zellen in den alten Waben war mit 22,6% signifikant höher als in den neugebauten Waben (9,75%), obwohl der Innendurchmesser mit 4,58 mm in den alten Zellen signifikant kleiner war als in den neugebauten Waben (4,85 mm). In jedem Volk war die Brut in den alten Waben stärker befallen als in den neuen. Im Bereich von 4,5 bis 4,9 mm gab es eine Überlappung in der Größe der Brutzellen bei den alten und neuen Waben, in diesen Fällen war die Brut in den alten Zellen 4 x so häufig mit adulten V.destruktor-Weibchen befallen als in frischen Zellen. Daraus schließen die Bienenforscher, daß einige Eigenschaften der alten Wabe oder die in alten Waben aufgezogene Arbeiterinnenbrut diese für die eindringenden Milbenweibchen attraktiver macht als Arbeiterinnenbrut in frischgebauten (Natur)-Waben."
    Dies ist ein Fingerzeig darauf, daß die kleinzelligen Waben mit unbelasteten Wachs oder im Naturbau von den Varroen weniger befallen werden.
    Servus und viele Grüße


    Hallo,
    diese Ergebnisse sehe ich in keinem Zusammenhang mit der Betriebsweise der kleinen Zellen : an vielen Stellen wurde dagelegt, dass sich durch Alter kleingewordenen Zellen nicht mit Zellen vergleichen lassen, welche von vorneherein klein waren. Es kommt doch auch auf die Anzalhl/Zellen pro Fläche an : zahlreiche Parameter wie Wärmehaushalt, Bienenanzahl und daraus resultierendes Verhalten (z.B.Putzverhalten) werden dadurch maßgeblich beeinflusst. Man muss immer wieder betonen, dass erst durch das Zusammenwirken all der von z.B. Dee Lusby genannten Faktoren diese Betriebsweise gelingen kann. Es gibt offensichtlich auch noch andere Bertiebsweisen, die ohne Behandlung klar kommen, aber wir beziehen uns doch hier auf die von Stephan vorgestellte Art zu imkern.
    Grüße,
    Björn

    Ich auch. Aber es wurde immer wieder davon berichtet, dass man versuchte, die Bienen durch größere Zellen größer zu bekommen. Diese Überelgungen und auch Versuche (Mittelwandpressen mit größeren Zellen) sind gut dokumentiert.



    Das wiederum ist die spannende Frage: Helfen kleinere Zellen wirklich bei der "Bekämpfung" der Varroa?
    Und auch: Ist es möglich, die Bienen auf kleineren Zellen anzuziehen? Ich weiß nicht, wie groß die biologische Toleranz bei der Bienengröße ist. (Gibt's dazu irgendwelche Untersuchungen?).
    Wie lange wird schon mit kleinen Zellen experimentiert? 10 Jahre oder mehr? Einen Durchbruch bezüglich Varroatoleranz kann ich noch nicht erkennen. Berichte diesbezüglich gibt es. Aber Papier ist das eine und die varroa-trotzenden Völker das andere.
    Ich bin skeptisch, sehr skeptisch. Man sollte mehr probieren, als argumentieren. Noch ist die Praxis das Kriterium der Wahrheit.


    Hallo, ich kann nur empfehlen, sich u.a. durch diesen Thread zu arbeiten, wenn Du dann noch auf Stephan`s HP liest, kannst Du Dir leichter eine Meinung bilden.
    Ich finde es manchmal irritierend, wenn mehr Praxis gefordert wird - Stephan, selber Imker mit 300 Völkern, berichtet doch von zehntausenden von Stöcken weltweit, welche mit der kleinen Zelle(und anderen unverzichtbaren Komponenten) und ohne Varroa-Bekämpfungsmittel arbeiten. Wenn auch das nicht Praxis ist... was dann?
    Und warum die Praxis mit den kleinen Zellen nicht wie ein Lauffeuer über den Planeten geht - es ist meiner Einschätzung nach ein ganzes Konglomerat u.a. aus Innovationsunfreudigkeit, Fehlschlägen aufgrund fehlender Komponenten bei der Umstellung auf eine behandlungsfreie Betriebsweise, zu kurzem Atem und mangelnde Einigkeit der Imkerschaft( Wenn z.B. der Nachbarimker fleißig weiter immer vitalere Varroen heranzüchtet, wird`s schwerer,oder wenn Bienen einseitig auf Schwarmträgheit, Ertrag und Friedfertigkeit gezüchtet werden), fragliche Position der Bieneninstitute (dazu gibt`s recht wiedersprüchliche und für mich sehr irritierende Angaben) und nicht zuletzt diverse geschäftliche Interessen. Das ist ja in anderen Bereichen menschlichen Lebens nicht anders...
    Was die Versuche mit angeblich kleinen Zellen angeht : Es ist bekannt, dass die Zellen nur in einer Richtung 4,9mm groß waren, produktionsbedingt(oder aus Ignoranz?) waren sie ausnahmslos in den anderen Richtungen wesentlich größer. Dies bestätigte mir letztens auch noch ein Mitarbeiter aus Hohenheim. Und - nur kleine Zellen alleine bringen auch keinen Durchbruch.
    Und zum Probieren kann ich Dich nur aufrufen, das machen einige seit Jahren mit Erfolg, eine ganze Reihe fängt nun, durch diese Diskussion inspiriert, damit an - die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren ...
    mit imkerlichen Grüßen
    Björn

    Servus,
    ich hab diese Woche mal einige Naturbauwaben von Schwärmen, die in einem alten Bienenhaus über ein paar Jahre immer wieder verlassene Beuten besiedelten, gemessen. Sah optisch erst mal kleiner aus, war aber bei allen exakt 5,4.


    beehead


    Das ist für mich nicht weiter verwunderlich, die Bienen sind ja selber aus großen Zellen geschlüpft.
    Björn