Beiträge von Beorn

    newbees : Die Bienenhaltung nach Warré oder in einer Klotzbeute könnte da auch etwas für Dich sein. An der Bienenkiste stört mich, dass man Wachsplatten braucht und eine horizontale Kiste wärmetechnisch nicht optimal ist. Der Nachteil an Warré ist vielleicht, dass der Honig aus ehemals bebrüteten Waben stammt (ich schmecke keinen Nachteil heraus und finde den Ganzjahreshonig nur super lecker). Und eine Klotzbeute ist wahrscheinlich die natürlichste Imkerei - (nur) die Ernte wird ein tolles Gematsche.

    Bernhard du schreibst in deiner Warre Anleitung selbstpersönlich »Sie legen Vorräte an, wer weiß - vielleicht sogar zu viel?! Dieser natürliche Überschuss ist der Anteil des Imkers, der den Bienen nur dieses "Zuviel" abnimmt - nicht mehr«
    und jetzt das . Ich bin verwirrt.


    Du bist schnell zu verwirren. Aber ist doch alles in einer Linie. Erst schreibt Bernhard vor ein paar Jahren "... vielleicht sogar zuviel?" und jetzt scheint er sich sicherer zu sein und schreibt, ein Zuviel gibt es nicht. Ist doch eine ehrliche Entwicklung. Klar wird jetzt keiner deswegen die Imkerei aufgeben, aber als großer Tierfreund sollte man sich auch nicht verstehen, sondern eher als verkappter Honigbär.


    Der Überschuß an Honig ist ein Märchen.


    Hmm, sonst würde eine in Ruhe gelassene Beute nach ein paar Jahren auch überlaufen. So wie in den alten Geschichten von den Ländern wo Milch und Honig flossen. :)


    Dann kommt der Imker mit der Standard-Varroabehandlung seiner Wahl - Streß hoch zehn, weil brutkillend und stockklima-zerstörend für Wochen.



    Heute habe ich hier folgendes zur bescheidenen :wink: Warré-Betriebsweise entdeckt:


    Zitat

    Somewhat more difficult to administer thymol or oxalic acid Varroa treatments and possible higher risk of residues in honey. Response: Evidence from Belgium and France where Warré hives have a longer history shows that they have Varroa burdens about one-tenth that of framed hives in the same apiary. Many Warré beekeepers are managing without acaricides. If necessary, thymol could be used after the honey harvest in early autumn. The colony should not be disturbed in winter, which is when oxalic acid would normally be administered.


    Auf deutsch: aus Belgien und Frankreich, wo Warré-Beuten schon eine längere Tradition haben, wurde berichtet, dass es in Warré-Beuten etwa ein Zehntel an Varroa als in Rähmchenbeuten gab (in der gleichen Gegend). Viele Warréaner kommen ohne Milbenbekämpfungsmittel aus und wenn, dann wird Thymol genutzt und im Winter sollte garnicht gestört werden.


    Klingt unglaublich und die genauen Quellen sind auch nicht benannt, aber ganz ignorieren würde ich es auch nicht. Ohne eine Diskussion um Details der Varroabehandlung loszubrechen könnte man als These mitnehmen: weniger Stress für die Bienen und es gibt weniger Milben.


    Auch die Aussage: "Ich lasse alle Völker schwärmen (wenn sie wollen) Die haben das so schnell wieder aufgeholt. Wenn ich den Schwarm zufällig einfangen kann ist gut, wenn nicht, ist auch gut." möchte ich mal hier zum Thema Bequemlichkeit und Vitalität der Völker zur Diskussion stellen. Ich persönlich kann dem einiges abgewinnen.


    Also ich kenne mehr als ein halbes dutzend Leute persöhnlich, die sehnlichst auf einen Schwarm gehofft haben. Für Warréaner ist ein Naturschwarm ein Traum (fast schon ein Muß), der dieses Jahr leider nicht immer in Erfüllung ging. Und falls es doch mal zu viele Schwärme in einer Gegend werden sollten, dann hilft die Schwarmbörse mit Abnehmern.

    Hat die zerflederten Flügeln die Milbe angeknappert oder hat diese Biene ein sehr stressig intensives Arbeitsleben hinter sich?


    Was denkst Du, wie es mit AS weitergeht, ich meine in den nächsten Jahrzehnten oder länger? So weit ich hörte, wurde die Behandlung in den letzten Jahrzehnten intensiviert.


    [U]Nur ein Punkt noch: Jede Milbe die an einer Made oder Bienen rumsaugt. Fügt damit doch der Biene schmerzen zu bzw. schädigt Sie? Qälen die Nichtbehandler damit nicht unnötig Ihre Bienen? Wie ist das zuvereinbaren? Oder wiegt das nicht so schwer wie eine behandlung?


    Wäre schon, wenn's nur um "Wer quält mehr ginge?". Geht es nicht darum, einen Weg zu finden so dass in ein paar Jahrzehnten noch weitverbreitet Honigbienen anzutreffen sind? Evolution oder Züchtung war schon immer auch ein unangehmer oder schmerzlicher Prozess. Gibt es eine Alternative?


    Ausserdem sehen Bienen mit Varroa nicht gerade gequält aus. Wahrscheinlich wird sie sich gegen Ende schwach fühlen. Bei der AS-Behandlung waren die Bienen aber schon ziemlich aufgebracht.


    Aber Dinge die durch einen Eingriff des Menschen in Schieflage gebracht worden sind (hier Einführung der Varoamilbe in Europa ) als gegeben oder wie auch immer hinzunehmen und zu sagen die Biene regelt das schon selbst, finde ich sehr gefährlich. Es sind schon genug Tiere durch den Menschen ausgestorben,meistens durch Aroganz und Dumheit.


    Was ich den Medien so entnehme, kommt es zur Zeit gerade zu einer bedrohlichen Schieflage - es verschwinden Völker (CCD), die Anzahl der Imker nimmt ab und die Varroa verlangt nach immer stärker Behandlung. Vielleicht etwas übertrieben, aber für mich klingt dies so, dass wenn es so weitergeht, stirbt die Honigbiene aus.


    Ich finde es auch gefährlich, eine Situation als gegeben hinzunehmen und zu sagen, so ist es schon richtig. Das Behandeln mit Säuren hat keine Abhilfe oder Besserung der Situation geschaffen, sie hat sich verschärft oder sehe ich das falsch?


    Nicht dass ich sage, Nichtbehandeln ist die Lösung, aber nach dem heutigen Erfahrungsstand kann man auch nicht sagen, dass Behandeln mit Säuren eine dauerhafte Lösung ist. Eine naturnahe Betriebsweise scheint mir unumgänglich und Sabi(e)nes Plädoyer geht meines Erachtens in die richtige Richtung. Dazu gehört auch, das Behandeln mit AS in Frage zu stellen.


    Wie würdet ihr denn eine bienenfreundliche Imkerei betriebswirtschaftlich und imkerlich angehen?
    Ich bin echt gespannt...:Biene:


    Nun, ich weiss nicht ob man's überhaupt "Imkern" nennen kann, aber die Klotzbeute à la rouches troncs hat's mir neben der Warré-Beuten besonders angetan. Ich freu mich' immer riesig, wenn ich den regen Flugbetrieb an den drei kleinen Fluglöchern sehe. Beeindruckt war ich auch, wieviele Jungbienen ihre Flugübung am Nachmittag vollzogen. So viele habe ich bei den Warrébeuten nie gesehen, der Schwarm hat sich prächtig entwickelt.


    Natürlich ist das keine Imkerei im modernen Sinne, aber ich hoffe, dass die absolute Ruhe, die das Volk genießt, sich auch langfristig positiv auf das Volk auswirkt. Ob und wie oft geerntet wird, habe ich noch nicht entschieden. Aber wenn es soweit ist, dann wird's bestimmt ein Erlebnis und hat nicht viel mit dem Entnehmen von Rähmchen zu tun. :lol:


    Mein Traum ist, dass irgendwann die Naturschutzverbände "Klotzbeuten" in die Wälder hängen, so wie es für Hornissen schon zu sehen ist. Bienen nicht als Honigproduzent, sondern als Bestandteil eines funktionierenden Biotopes, als Bestäuber und Nahrungsquelle für andere Waldbewohner. Bis dahin ist es bestimmt ein weiter Weg. Um die professionellen Honigproduzenten nicht ganz zu verstimmen würden sich erste Pilotprojekte in Gegenden ohne Bienen (Imker) anbieten, die es ja leider schon gibt. An dieser Stelle wäre endlich mal der Mensch für die Biene da und nicht die Biene für den Menschen.


    Ansonsten hoffe ich, dass Warré oder Bienenkiste eine weite Verbreitung finden. Vor allem in Städten und ihren Randgebieten ohne zu viel intensive Landwirtschaft sehe ich gute Chancen. In der Ernte im Frühling sehe ich auch einen vielversprechenden Ansatz, um den Bienenhalter und die Biene zu entlasten. Die bebrütete Wabe wird wahrscheinlich Geschmacksache sein, aber so alt sind die Waben bei Warré nun auch nicht und der höhere Anteil an Propolis und Pollen könnte doch auch ein Qualitätsvorteil sein? Unser letzter Warrèhonig hat jedenfalls Suchtpotential. :)


    Scheint ja ein paar Auf und Ab gegeben zu haben, aber vor drei Jahren hat's schonmal gepaßt. :wink:


    Wirklich zufällig beim Schmöckern eines alten Varroa-Toleranz-Threads entdeckt:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=12376&page=4



    Nur das was Sie mit der Milbe geschrieben hat.
    "Dann kommt der Imker mit der Standard-Varroabehandlung seiner Wahl - Streß hoch zehn, weil brutkillend und stockklima-zerstörend für Wochen."


    Das ist Ihr Krebsschaden. Sie stört die Bienen nicht. Nur dafür wird sie hochwahrscheinlich dann im Herbst 2011 wieder riesige probleme kriegen.


    Was ne Alternative wäre das Schwärme sofort mit Milchsäure etc.. behandelt würden etc.. Da gibt es genug ansetze.... Und im Dezember nur noch Oxsalsäure.


    Nun ja, ich würde Sabi(e)nes Beitrag in Bezug auf Varroa so interpretieren: Die Behandlung mit Ameisensäure stellt einen Stressfaktor da, den man nicht ausser Acht lassen sollte und es wäre gut, diesen Weg zu überdenken. (Das Varroproblem konnte nicht gelöst werden und hat sich über die Jahre verschärft.)
    Und so wie ich das Thema Varroa verstanden habe, hat das Problem viele Ursachen und eine ganzheitliche Herangehensweise (Betriebsweise, Umwelt, ...) könnte von Vorteil sein. Ich sehe Sabi(e)nes Plädoyer ersteinmal nicht als einfache, bewährte Lösung, sondern mehr als eine Anregung die Situation zu überdenken. Was ich so mitbekommen habe verlieren selbst Intensiv-Behandler große Anteile Ihrer Völker. Wenn dem so ist, so wäre vielleicht auch eine zurückhaltende Behandlung plus zurückhaltendes Imkern ein Ansatz für die nächsten Jahre bis eine bessere Lösung gefunden wurde.

    Ging's um "Nichtbehandeln"?


    Ich dachte, Sabi(e)ne ging es hier hauptsächlich um mehr Ruhe für die Bienen, mit dem Preis der geringeren Ernte, aber auch mit dem Vorteil von weniger Arbeit. Schade das Émile Warré keinen Internetzugang hat. ;)


    Und mir ging es auch darum, dass ich nicht glaube, dass wenige lokal konzentrierte Berufsimker die flächendeckende Bestäubung sichern können, nicht nur für die Nutzpflanzen.

    Moin,


    Danke Sabi(e)ne für Dein Plädoyer. :p_flower01: Finde ich toll, wenn einer von der Intensiv-Tierhaltung zu einer sanfteren Betriebsweise findet.


    Was Du schreibst klingt auch ein wenig nach Warrè-Betriebsweise - wenig Arbeit, wenig notwendiger Materialeintrag, kleine Ernte, aber auch ungestörte, gesunde und entspannte Bienen und entspannter Bienhalter. Das ist dass, was wir hier auch versuchen.


    Ich denke, intensive Imkerei an wenigen, kleine Orten ist für die Bienen im Allgemeinen weniger von Nutzen, als wenn tausende entspannte Bienenhalter weit über das Land gestreut sich zwei oder drei Völker im Garten oder auf dem Balkon halten. Hat nicht die Intensivimkerei mit all ihrem notwendigem Know-How und der vielen Arbeit dazu geführt, dass immer weniger mit der Imkerei anfangen oder sie aufgeben? Hat nicht der Wunsch nach immer mehr Ertrag dazu geführt, dass die Bienen nicht mehr in Ihrem natürlichem Rhythmus leben und geschwächt wurden (dazu zählt auch die Verdrängung der alten robusten Landarten und der globale Bienenhandel, der uns die Varroa gebracht hat)? Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen ... doch der Begriff der "Bescheidenen Imkerei" faßt dies eigentlich schon sehr gut zusammen.


    Gruss,
    Micha

    In die rouches troncs und bei meinen auch sind in etwa halber Höhe Stäbe über Kreuz durch die Beute gesteckt und da die Waben an der Seite angebaut sein sollten, hoffe ich, dass das Ganze hält.
    Wenn Du eine komplette Hälfte weggenommen hast, war dann wahrscheinlich auch etwas Brut dabei oder?