Beiträge von Ludger Merkens

    500 gefallene Milben nach einer Bedampfung im Winter?? Das ist dann schon sehr viel oder?

    Ja 500 gefallene Milben nach einer "Restentmilbung" im brutfreien Zustand im Winter sind viel. Aber bei einer angenommenen Wirksamkeit von 90% sind dann immer noch 50 Milben im Volk. Das ist die Größenordnung, die in der Schweiz als Maximalbelastung nach Winterbehandlung empfohlen wird.


    Bei einer Oxalsäurebedampfung kann man dann tatsächlich überlegen ein 2tes Mal zu behandeln. (Bei einer Sprühbehandlung würde ich die Grenze höher legen, da die Belastung höher ist)


    Bei einer Träufelbehandlung sollte man sich das Volk für das Frühjahr merken und z.B. durch regelmäßigen Drohnenbrutschnitt den Befall bis zum Sommer zusätzlich klein halten. Auf keinen Fall doppelt träufeln, hier überwiegt die Schädigung einen evtl. Gewinn durch die Milbenreduktion.


    Gruß

    Ludger

    nochmal ganz kurz - oder zumindest so kurz wie mir möglich...


    weibliche Bienen (Arbeiterin und Königin) haben einen doppelten Chromosomensatz

    männliche Bienen haben einen einfachen Chromosomensatz


    Geschlechtsbestimmung (bei Bienen) geht nicht über haploid - diploid, sondern darüber, ob ein oder zwei Varianten des Geschlechtsallels vorliegen. (Allel bedeutet Genort für eine Eigenschaft, bei Menschen wird z.B. die Blutgruppe über ein Allel bestimmt)


    Bei haploiden Bienen, gibt es nur eine Variante des Geschlechtsallels -> Drohne

    Bei diploiden Bienen, gibt es im Normalfall 2 Varianten des Geschlechtsallels -> weibliche Biene

    Trifft aber zufällig 2x dasselbe Geschlechtsallel aufeinander -> Drohne (diploid)


    Dieses Aufeinandertreffen von 2 gleichen Allel(Varianten) nennt man homozygot. Auf dem Geschlechtsallel homozygote Bienen sind also diploide Drohnen. (Alles klar? ;) )

    Solche diploiden Drohnen werden von den Arbeiterinnen aber als "nicht richtig" erkannt und ausgeräumt -> Brutlücke


    Grundsätzlich gibt es bei den Bienen > 15 verschiedene Varianten von Geschlechtsallelen, d.h. bei Standbegattung ist es sehr unwahrscheinlich, dass zwei gleiche Geschlechtsallele aufeinandertreffen.

    Paart man aber Nachkommen einer Königin untereinander an, dann kann diese ja nur die eigenen beiden Geschlechtsallele weitergeben. Entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Allele aufeinandertreffen. Entsprechend steigt auch die Häufigkeit von Brutlücken. Da das Geschlecht genauso vererbt wird, wie andere Eigenschaften auch, steigt in gleichem Maße aber die Wahrscheinlichkeit, dass auch andere Eigenschaften homozygot vererbt wurden.


    In der Folgegeneration (F1) erhält man "nach Mendel" entsprechend sehr einheitliche Bienen, die dazu neigen, bei Fremdanpaarung einen starken Heterosiseffekt zu zeigen. Vorteil für den Züchter, bzw. für den Käufer dieser Nachzuchten (gute Wirtschaftsköniginnen).


    Treten Brutlücken unabhängig von einem solcherart gezielten Zuchtprozess auf, sind sie aber fast immer ein Zeichen für eine Brutkrankheit, da ja wegen der vielen verschiedenen Geschlechtsallelvarianten Homozygotie auf dem Geschlechtsallel wie gesagt sehr unwahrscheinlich ist.


    Gruß
    Ludger

    Dort überlebten auch Völker mit vielen Viren und Völker mit wenig Viren brachen zusammen.

    In einem älteren Beitrag habe ich mal gelesen (so ungefähr):

    " ... ich glaube wir übersehen da noch was ... "


    Rolf

    Diese Aussage dürfte immer wahr bleiben.


    Erklärungsversuche wie meiner, zumal wenn auf wenigen Zeilen zusammengefasst, müssen Vereinfachungen bleiben. Diese Vereinfachungen sind wichtig, um arbeitsfähig zu werden und eine Ausgangsbasis für eigene Versuche und Beobachtungen zu bekommen. Anderenfalls wird die Anzahl der Parameter schnell zu groß, als dass man noch Überblick behalten könnte.

    Man darf nur 2 (mindestens 2) große Fehler nicht machen. 1. man darf nicht vergessen, dass man eine Vereinfachung gemacht hat, muss also weiter die Augen aufhalten. Und 2. darf man sich trotzdem von diesem Wissen nicht entmutigen lassen.


    Gruß
    Ludger

    Bekommen Königinnen bei der Mehrdrohn-Besamung eine größere Dosis Sperma verabreicht als bei SDI? Oder funktioniert MDI technisch anders, so dass eine größere Menge davon in der Samenblase gespeichert wird?

    Ja, nur in Optimalfällen hat ein einzelner Drohn so viel Sperma, dass eine volle Besamungsdosis erreicht wird.

    Es gibt mehrere MDI Techniken, man kann Einzelportionen erstellen und damit direkt eine Königin besamen. (siehe Beispiel von Helmholt ) Wobei 4 Drohnen eher in Richtung auf eine gute Nachzuchtfähigkeit optimiert ist, als auf gute wirtschaftlichkeit der Königinnen.


    Oder es wird von vielen Drohnen Sperma gesammelt, gemischt und dann die Königinnen nach festem Volumen besamt.


    Gruß

    Ludger

    Hallo wasgau immen ,


    meine These lautet wie folgt. (Müssten wir durch entsprechende Untersuchungen prüfen)


    Kumulation in den Milben und Vektorisierung ist ausreichend um den Effekt zu erklären. Durch die systematische Behandlung gegen die Milben, überleben auch Bienenvölker wo in den Milben hohe Viruskonzentrationen vorliegen. Es sind halt wegen der Behandlung nur wenige Milben und nur wenige Bienen betroffen. Diese überlebenden Milben infizieren Brut, ihre (Milben)Nachkommen sind automatisch hoch infiziert (da sie an infizierten Bienen fressen). Noch nicht infizierte Milben fressen irgendwann auch an infizierten Bienen und in überschaubarer Zeit (wenige Jahrzehnte) steigt allgemein das Viruslevel in den Milben.


    Durch Hardbond wird dieser Kreislauf durchbrochen, da hier zuerst die Völker sterben, wo besonders hohe Viruskonzentrationen vorliegen. Die Viruslast in der (geschlossenen) Bienenpopulation sinkt, die Völker können mit mehr Milben überleben (wie bei Ankunft der Milben auf unseren Bienen) scheinbar besteht bei diesen Völkern eine bessere Milbentoleranz. Kommen diese Völker wieder mit hochinfizierten Milben in Kontakt (gelangen in eine offene Population), ist diese Toleranz dahin.


    Am ehesten verändern sich in diesem Szenario die Viren. Erstens sind sie sowieso diejenigen Beteiligten, deren Genetik sich am schnellsten ändert und zweitens sind sie hier die Virenstämme bevorzugt, die sich schnell vermehren und den nächsten Vektor (neue Milbe) erreichen, bevor diese einer Behandlung zum Opfer fällt.

    Weder muss die Milbe agressiver, noch die Biene empfindlicher zu werden, um die scheinbar steigende "Virulenz" der Milben zu erklären.


    soweit mein Erklärungsversuch


    Gruß
    Ludger

    Stewfan allein damit schon Völker zu selektieren, die keine Nosema verbreiten bzw cbpv durch die Varroa übertragen.

    Hallo Bernd,

    Nosema ist kein Virus, sondern wird als Mikrosporidium (einzellige, parasitisch lebende Pilze) eingeordnet. Insofern würdest du einen Befall mit Nosema bei einer Virusanalyse nicht detektieren und eine Verbreitung von Nosema nicht unterbinden können. Aber mach "Sackbrut" 'draus und ich bin mit der Grundaussage deiner Meinung.


    Hätten wir wieder die Viruslasten in den Milben, wie in den 80er Jahren, würden auch heute unsere Völker mit 5000 unserer heutigen Milben überleben, ohne dass an der Genetik der Milbe Veränderungen notwendig wären.


    Gruß

    Ludger

    Deichkind ,


    naja - Bernd kümmert sich sowohl um die Prüfvölkchen als auch um die Drohnenseite und organisiert für eine Reihe von Teilnehmern noch Zuchtstoff und die Infizierung. Hut ab, ja das ist ein Programm, dass nicht Alle mal eben von 0 auf 100 stemmen können. Wenn man sich aber darauf konzentriert "nur" ein paar Prüfvölkchen zu führen, dann reduziert sich das Programm schon deutlich. Der Block bis 12 sieht dann genauso aus, als ob man Königinnen für eine Belegstelle (oder eine Besamungsaktion) vorbereitet.


    bis 12) Pflegevolk vorbereiten, umlarven (fahren), Mini+ vorbereiten, Zellen stecken, Schlupf kontrollieren, zur Besamungsaktion fahren. (Absperrgitter an den Minis nicht vergessen)


    Dann kümmert man sich um die Minis - Wenn du dich bei Bernd einbringen würdest, erinnert der dich dann schon daran, wann es ans infizieren geht.


    13-15) Passend zum Termin ein brutfreies Volk erstellen. (z.B. frühe TBE bei 2-3 Völkern machen)

    Völkchen infizieren und zur Auszählaktion bringen.


    Mini füttern und einwintern.


    schon sieht die Welt viel einfacher aus. Und wenn alles optimal gelaufen ist, hat man im nächsten Jahr schon erste überwinterte Königinnen, mit denen man weitermachen kann. Und wenn du nah genug 'dran bist, freut sich Bernd auch schon über einen Sammelbrutableger aus TBE, wo er Milben für die anderen Teilnehmer herbekommt.


    Und wenn dir die Verantwortung für ein SDI Völkchen für den Einstieg noch zu viel ist, dann kannst du den ersten Block damit üben, dass du eine Fahrt zur Belegstelle planst. Schritt für Schritt lernt man dazu und irgendwann ist alles ganz einfach. (Wenn auch wegen der Termine vielleicht trotzdem mal stressig)


    Gruß

    Ludger

    Ist die Milbenernte eine Terminarbeit?


    Können die geernteten Milben per Post verschickt werden?

    Ja - die Milbenernte ist Terminarbeit. Die Einheiten werden normalerweise gerade so infiziert, dass die eingebrachten Milben die Zellen infizieren, die beim Auswertungstermin kurz vor Schlupf stehen. (Lila Augen Stadium der Larven) D.h. das Zeitfenster beträgt ca. 36h.


    Nein - die Milben sollten idealerweise direkt nach der "Ernte" ausgezählt und in die Prüfvölkchen gegeben werden. Ich stelle die "abzumelkenden" Völker deshalb schon Tage vorher an den Infektionsstand. Mein Ziel sind 10min zwischen Ernte und Infektion. Da ist sicherlich noch Luft - aber Milben sind empfindlicher als Zuchtstoff. Postversand ist vermutlich ausgeschlossen.


    Gruß
    Ludger

    Varkaufen find' ich echt nicht einfach.

    Anfäger würden meist einen akzeptablen Preis zahlen, aber wenn man denen nicht gleichzeitig auf die Finger schauen kann, ist man immer unsicher, was aus dem Volk wird.

    Diejenigen, die die Völker sicher betreuen können, können sich auch selber Ableger nachziehen.

    Dann gibt es noch die, die mit vielen Völkern imkern, aber im Frühjahr trotzdem Völker kaufen müssen.


    ... Ludger

    Ähhhhhhhh..............., was hat Pollengewinnung mit Königinnenvermehrung zu tun ?????????????

    Zusätzliche Pollenfütterung sorgt (in Mangelsituationen) dafür, dass trotzdem vitale Brut gepflegt wird, aus der man gut umlarven kann und fördert gleichzeitig die Pflegefähigkeit der jungen Bienen für die Versorgung der Weiselzellen. Solche Zusatzfütterung ist in meinen Augen bei der Königinnenvermehrung aber nur notwendig, wenn man unabhängig vom natürlichen Pollenfluss Königinnen ziehen muss/möchte. Bei einem Königinnenbedarf wie ihn Mike Palmer hat - sicherlich sinnvoll. Bei der Größenordnung, die Bernhard inzwischen hat, sicherlich auch.

    Aber wenn man nur 1-2 dutzend Königinnen braucht, und selbst wenn man seine Serie "auf Termin" für die Belegstelle machen muss, stellt sich die Frage, ob man nicht einfach eine Woche früher oder zwei später fährt.

    Belegstellenbetreiber, die Woche um Woche fitte, gut versorgte Drohnen garantieren müssen, haben da schon eine andere Herausforderung. Die brauchen nämlich dafür auch guten Pollen.


    Gruß
    Ludger