Beiträge von Ludger Merkens

    Man muß schon unterscheiden, ob da 50- 100 Ableger/Völker am Stand stehen oder die 5 eines Anfängers der nicht bemerkt (sorry) was in den Kisten ab geht.

    bei 50-100 Völkern am Stand (halte ich mit Verlaub gerade aus Sicht des Pollenangebots für zu groß) ist auch das Risiko, dass in der Umgebung der Pollen nicht ausreicht, deutlich größer, als bei 5 oder 6 Völkern im Umkreis.


    Gruß
    Ludger

    Hallo Rene J. ,


    wenn ich lese, dass du einerseits 10-12 neue Völker aufbauen willst, andererseits aber nicht soweit Herr über deine Zeitplanung bist, dass du einen klassischen Zuchtdurchgang machen kannst, drängt sich mir die Sorge auf, dass du mit den resultierenden knapp 20 Völkern auch überfordert sein könntest. Also überleg dir diesen Schritt genau. Aber schauen wir uns dein Vorhaben von der inhaltlichen Seite an:


    Du möchtest von einem "bevorzugten" Volk nachziehen, hängst aber Brut von weiteren Völkern zu. Da solltest du deine bevorzugten Waben zumindest markieren, falls du in der Luxussituation sein solltest, auswählen zu können.


    Kannst du Englisch? Wenn ja, dann such mal nach dem Begriff OTS (On The Spot (queen rearing)). Das ist ein Verfahren, mit dem du die Wahrscheinlichkeit, dass eine von dir ausgesuchte Zelle zur Weiselzelle ausgebaut wird, steigern kannst. Das Bogenschnittverfahren (kleiner Bogenschnitt) kann dir auch helfen.


    Du bekommst dann mit guter Chance von deinem Lieblingsvolk gute Zellen und vermeidest auch, dass die Bienen zu alte Zellen in Pflege nehmen.

    Das Pflegeergebnis sollte bei einer wirklich gut gefüllten Kiste kein Problem darstellen. Aber es ist nicht garantiert, dass sie auf allen von dir gewünschten Waben auch Zellen ziehen. Mit etwas Geschick, kannst du natürlich auch hingehen und Naturzellen ausschneiden und auf eine andere Wabe umsetzen. Das ist natürlich schon wieder Terminarbeit, die nicht in deinen 7 Tage Rythmus passt. Denn der Zusammenbau entspricht in gewisser Weise dem Umlarven. 7 Tage nach dem Umlarven wären die Zellen aber gerade in einem sehr empfindlichen Zustand. Überflüssige Zellen ausbrechen kannst du natürlich zu diesem Zeitpunkt.


    Tip 1 - starte deine Aktion dieses Jahr am 1. Mai - und schau mal in den Kalender... Vielleicht willst du ja doch eine klassische Serie starten?


    Tip 2 - schau dir Liebigs "Völkervermehrung in 4 Schritten" genau an. Dort steht noch einiges dazu, wie du die Ableger aufbauen kannst.


    viel Erfolg
    Ludger

    Im Augenblick habe ich auch wenig Sorge, dass wir Pollenmangel haben könnten. Wer sich unsicher ist, kann bei den aktuellen Temperaturen aber einfach mal nachsehen. Wenn die Larven im Futtersaft schwimmen, ist alles ok. Ein Blick auf die Waben kann auch nicht schaden, wenn schon frischer Pollen als Vorrat im Volk ist, braucht man für die kommenden Tage ebenfalls keine Sorge zu haben. Selbst wenn jetzt massenweise Brut angelegt wird und ab nächste Woche nochmal ein paar kalte Tage angesagt sind, wo mangels Flugwetter kein neuer Pollen eingetragen werden kann, sollte das immer noch kein Problem sein. Erst wenn sich diese Phase länger ausdehnen sollte, kann man darüber nachdenken zuzufüttern. (Letztes Jahr waren das hier im Bergischen Land 4 kalte Wochen, wo trotz blühendem Raps keine Biene flog.)

    Obwohl ich entsprechendes Futter in der Hinterhand habe, halte ich nichts davon, pauschal mit Pollenreizfutter zu versuchen einen künstlichen Bruteinschlag hervorzurufen. Bei Futterteigen, die nur niedrige Eiweißkonzentrationen haben, hätte ich sogar die Sorge, dass wegen des hohen Zuckeranteils, die falschen Bienen (nämlich alte Bienen) den Teig abnehmen und dann, weil sie nicht mehr darauf eingestellt sind, diesen selbst zu verstoffwechseln, Durchfallprobleme bekommen könnten.

    Wir imkern hier nicht in den trockenen Bereichen von Kalifornien wie Randy Oliver. In normalen Jahren und bei normaler Völkerführung, dürfte Pollenersatzfütterung hierzulande meist überflüssig sein.

    (Wenn man Völker außerhalb der Saison für bestimmte Aufgaben einsetzen möchte, z.B. ein Drohnenvolk zur Verlängerung der Belegstellensaison daran hindern möchte, die Drohnen abzutreiben, mag man zu anderen Schlüssen kommen. Aber sonst sehe ich Pollenmangel bei uns eher als Ausnahmezustand)


    Gruß

    Ludger

    Gibt es keine Buckfast in Gegenden mit Käfer? Oder dürfen wir auf diese Erfahrungen nicht zurückgreifen, sondern müssen die selber machen?

    Es gibt möglicherweise in den USA noch Bienen, die auf (alte) Buckfastlinien zurückgehen und Kontakt zum Käfer haben. Die dürften aber länger keinen (genetischen) Kontakt zu den hier existierenden Linien gehabt haben. Evtl. Erfahrungen dort sind für unsere Bienen also wenig aussagekräftig.


    Möglicherweise wurden auch Buckfastbienen wieder von hier direkt nach Afrika exportiert, aber darüber kenne ich keine Rückmeldungen.


    Sollte der Beutenkäfer hier ankommen, würde ich die oben genannten Buckfastlinien (Elgon, Monticola, GR etc.) als "Verdachtskandidaten" betrachten, um nach entsprechenden Resistenzen zu suchen. Aber letztlich läuft das darauf zurück, was du sagst - die Erfahrungen (mit unseren hier selektierten Buckfastlinien) müssen wir selber machen. Denn selbst wenn sich das Ausgangsmaterial ursprünglich gegen den Käfer zu helfen wusste, stand diese Eigenschaft seit etlichen Generationen nicht mehr unter Selektionsdruck - da ist die Aussage über evtl. Resistenzen reichlich gewagt.

    Aber die Erfahrung brauche ich nicht ....


    Gruß
    Ludger


    Macht es einen Unterschied, ob ich die ehemals varroatoleranten Völker als Kunstschwarm oder als Brutableger umsiedle?

    Bitte nicht alle varroaresistenten Völker in einen Topf schmeissen.


    Es gibt verschiedene Mechanismen, die zu einer Resistenz führen können. Einige dieser Verhaltensweise sind direkt erblich, namentlich VSH zieht mit dem Tausch der Königin mit um. Da die Pflegebienen das Verhalten zeigen müssen, tritt das Verhalten zutage, sobald die ersten eigenen Bienen der neuen Königin zur Pflegebiene werden. Hier spielt Kunstschwarm oder Ableger keine Rolle. Nachschlüpfende, fremde Brut zögert allenfalls das Eintreten der Verhaltens minimal heraus, ändert aber nichts am Gesamtergebnis.

    Es kann aber auch andere Resistenzformen geben, wo Mechanismus und Weitergabe (z.B. die Frage der Erblichkeit) noch nicht so genau erforscht sind und unter Umständen die Form der Ablegerbildung eine Rolle spielen könnte.


    Gruß
    Ludger

    Auch zum Thema "regional angepasst" hat Dr. Büchler in der Diskussion nach seinem Vortrag ein paar Worte gesagt. Er betrachtet eher Klimaähnlichkeiten, als Distanzkilometer, wenn es um die Anpassung der Biene an einen bestimmten Standort geht. Regional angepasst muss also nicht unbedingt heissen - innerhalb von 10 - 50 oder 100 km Umkreis "zu hause". Danach kann man nicht ausschließen, dass z.B. eine winterfeste, schwedische Elgon nicht auch in den Alpen zurechtkommt. Umgekehrt sitze ich hier im bergischen Land - Luftlinie kaum 50km vom Rheingraben entfernt. Aber phänologisch liegen da oftmals mehr als 14 Tage dazwischen.


    Gruß
    Ludger



    Ich kann die Beobachtung von Bernhard gut nachvollziehen. Insbesondere in den letzten 2 Jahren hatten wir in der Phase der TBE teilweise extremen Pollenmangel. Die Kombination von fehlendem Pollen/Eiweiß, bei gleichzeitig starkem (erzwungenen) Bruteinschlag, ist tatsächlich äußerst problematisch und führt nicht zu gesunden "fetten" Winterbienen.


    Neben der Pollenversorgung von Außen, kommt es meiner Meinung nach, außerdem auch auf den Zeitpunkt der Brutentnahme im Entwicklungsrythmus der Völker an. Befindet sich das Brutnest bereits zu sehr in der Rückwärtsentwicklung, fehlen die Pflegebienen, die den nächsten Bienensatz aufbauen können. (Oftmals daran zu erkennen, dass man keine geeignete Wabe mit offener Brut für eine schöne Fangwabe findet) Durch die Entnahme der Brut kommen dann auch keine schlüpfenden Jungbienen nach. Völker mit hohem Flugbienenanteil tragen unter Umständen noch viel Honig ein, können aber die Brut nicht im notwendigen Maße pflegen. Passen also die Randbedingungen für eine Brutentnahme nicht, dann hat Bernhard absolut recht, dann ist die Brutentnahme unter dem Versorgungsaspekt der Bienen eher eine Katastrophe.


    Stimmen hingegen die Randbedingungen, ist also eine gute Eiweiß-/Pollenversorgung gegeben und erfolgt die Brutentnahme früh genug, dass noch ausreichend Pflegebienen zur Verfügung stehen (hier bei mir im letzten Jahr bis 1. Juliwoche), so dürfte der von Büchler bzw. Radtke beschriebene Effekt dominieren.


    Spätere Brutentnahmen sind bei extremen Varroabelastungen unter Umständen durchaus auch noch hilfreich. weil sie schnell und ohne zusätzliche Schädigung der adulten Bienen zu einer Milbenreduktion führen. Sie stellen in meinen Augen aber eine Notoperation dar, von der man zwar auf ein Überleben des Volkes hoffen darf, nach der man aber nicht davon ausgehen sollte, dass im folgenden Frühjahr zur Apfelblüte ein aufsatzreifes Volk zur Verfügung steht.


    Gruß
    Ludger

    Stormarner Unwissenheit lässt grüssen.

    Varroa, ja wurde hier eingeschleppt, war aber schon auf dem Weg. Somit nur ....

    Das ist für mich neu, woher ist die Information? VG

    Hallo Georgie ,


    Der Wirtswechsel (von Apis Cerana nach Apis Mellifera) war bereits erfolgt. Die Ausbreitung der Milbe in Asien und Russland war bereits im Gange. Letztlich wurden die befallenen Völker ja nur importiert, um eine Bekämpfungsstrategie zu entwickeln, bevor die Milbe uns erreicht.

    Einen kleinen Auszug zur Geschichte der globalen Ausbreitung der Varroamilbe findest du bei "die Honigmacher"


    Gruß
    Ludger

    Moin zusammen,

    dabei wäre aber auch festzuhalten das es, ohne die Imker, die Varoa und AFB in Europa wahrscheilich gar nicht geben würde!

    und Tschüss!:P

    LG Martin

    Hallo Martin,

    die AFB, heisst amerikanische Faulbrut, weil dort das erste Mal der Erreger erkannt und beschrieben wurde. Nahezu zeitgleich zur europäischen Faulbrut hier in Europa. Die Krankheit selbst ist aber so alt, dass sie mit den Bienen aus Europa nach Amerika exportiert worden ist. Die Symptome der AFB hat schon Aristoteles beschrieben. (Der war Imker)


    Gruß
    Ludger

    Und keiner hat von Dadant auf Bienenkiste gewechselt?

    Ich will auch nur ehrliche Antworten. 8o

    nö, aber ich hab mal mit dem Gedanken gespielt, eine TBH in 12er Dadant Anschlussmaßen als Brutraum zu nehmen. Da dann Absperrgitter und Dadanthonigräume 'drauf. Aber da ich wandere, bin ich davon wieder ab. Ach ja - da müsste mir auch noch jemand erklären, wie man das Umwohnen mit einer TBE verbindet.


    Gruß
    Ludger

    Hallo FetteMaja


    du startest zwar mit Ablegern, möchtest diese aber nicht als Ableger weiterführen, sondern zu normalen Völkern aufbauen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, diese Ableger in einen Ablegerkasten zu stecken. Aus diesem Ablegerkasten würden diese (ehemaligen) Ableger hoffentlich sehr schnell herauswachsen.

    Ein Ablegerkasten ist nur für neugebildete Ableger interessant. Maximal noch zur Überwinterung, bis zum ersten Frühjahr nach der Bildung. Man braucht keinen Ablegerkasten, denn man kann einen Ableger aber auch problemlos in einer normalen Beute unterbringen.

    Dennoch ist der Ablegerkasten ab einer gewissen Völkeranzahl ein interessantes Werkzeug. Wie Kikibee schon gesagt hat, sparen sie Platz im Auto (wenn man gleich mehrere Ableger auf einmal bildet und diese vom Ausgangsstand auf einen neuen Platz verbringt) Sie sind gegenüber einer vollen Beute preiswerter, (lassen sich evtl. selber bauen) und ermöglichen mit vergleichsweise kleinerem Materialaufwand, eine größere Anzahl von Ablegern aufzubauen, zu pflegen (und die Königinnen darin auf ihre Leistung zu testen, die guten werden weitergeführt, die schlechten anders verwertet.)

    Das sind aber alles Vorteile, die erst zum Tragen kommen, wenn man bereits eine Reihe von Völkern, oder eine ausgereifte Betriebsweise hat, wo auch bei kleiner Völkerzahl evtl. zwei - drei Reserveableger fest ins Konzept gehören können.

    Für den Anfang brauchst du definitiv keine Ablegerkästen, sondern "richtige" Beuten, in denen du deine neuen Ableger zu Wirtschaftsvölker aufbauen kannst.


    Gruß und viel Erfolg
    Ludger Merkens