Beiträge von Ludger Merkens

    Thema: nicht behandeln


    Wird bei Zucht, VSH, VSB, ... nicht auch "behandelt"?


    Rolf

    doch meistens schon.

    Aber je weiter VSx fortgeschritten ist, umso häufiger hat man Völker, wo die Behandlung deutlich reduziert, oder sogar ganz eingestellt werden kann. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich deshalb dieses Jahr einige Völker verloren habe. Es handelte sich meist um eingefangene Schwärme (und um meine Sanftmut-Carnialinie), die meinen Erwartungen an die Behandlungszeitpunkte einfach nicht entsprachen. Da war ich mit meiner Spätsommer Varroakontrolle schon zu spät, wo meine meisten Völker noch unter 3% phoretischem Milbenbefall standen.

    Aber überwachen muss man schon, alleine wegen der Fremdgenetiken ;)


    Gruß
    Ludger

    Ok, eigentlich mache ich diese Ankündigungen nur im "Schwierige Zeiten" Faden. Aber da ich grade hier bin, passt das ein bischen ins Thema. Heute Abend gibts in der "Montagsimkerei" das Thema "Grundlagen der Bienenzucht". Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, der hier mitdiskutiert?


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    Gruß
    Ludger

    Zitat

    Wenn klein zu sein bei der Paarung wirklich ein Vorteil wäre, wären doch heute alle Drohnen klein, oder?

    Nein, es kommt auch in der Natur durchaus vor, dass sich unterschiedliche Strategien zur Fortpflanzung gleichzeitig durchsetzen, bzw. nebeneinander erhalten bleiben. Lange und Ausdauernd fliegen zu können und damit für eine lange Zeit auf die Damen warten zu können hat genauso seine Vorteile, wie schnell und wendig zu sein, wenn Drohn in die engere Situation kommt. Sich vordrängeln zu können, hat auch Vorteile... Eine große Spermamenge abgeben zu können setzt sich auf Dauer auch durch.


    Sind alles Kompromisse und im Mittel sind Drohnen deutlich größer als Arbeiterinnen...


    Gruß
    Ludger

    Dort ist es laut Belegstellenordnung nicht erlaubt andere Rassen von Königinnen aufzustellen

    Wo hast Du das gelesen? Hier finde ich nichts darüber

    https://imker-mittelfranken.de/belegstelle-tiergarten/

    In der dort verlinkten Belegstellenordnung, steht im Punkt "Unterbindung Drohnenflug" explizit, dass nur Königinnen der Rasse Carnica auf der Belegstelle zugelassen sind.


    Gruß
    Ludger

    Hallo ,


    ( Rainfarn) ich habe das Heft auf das du dich beziehst nicht hier vorliegen. Ich bin davon ausgegangen, dass es dort eine historische Untersuchung eben zurück in die Mitte des 19. Jhd. gegeben hat. Nur so machte das mit dem 19Jh wie du geschrieben hast für mich Sinn. Und wenn damals also 18xx schon diese zyklischen Populationseinbrüche zu beobachten gewesen wären - hätte ich das spannend gefunden.


    Ansonsten ist es das Wesen von Zucht, dass die genetische Bandbreite reduziert wird. Man selektiert aus einer Population nach eigenen Kriterien aus und vermehrt typischerweise von den selektierten Völkern stärker nach, als das ohne den Züchter passieren würde. Um die Erblichkeit hoch und damit die Planbarkeit der Nachkommen hoch zu bekommen, wiederholt man den Schritt in einer geschlossenen Zuchtpopulation. Dabei müssen bzw. sollen sogar andere Ausprägungen verloren gehen. Das können Ausprägungen sein, die man gezielt nicht haben möchte - z.B. übertriebene Agressivität. Das können Ausprägungen sein, die man einfach nicht berücksichtigt, berücksichtigen kann. So sieht man beispielsweise in günstigen Klimaten oftmals eine gewisse Neigung zur Kalkbrut nicht, weil der entsprechende Stress auf den Bienenvölkern nicht herrscht, der zum Ausbruch der Krankheit führt.


    Je weniger Zuchtziele man sich also setzt, umso schneller wird man diese Zuchtziele erreichen, umso schneller aber auch andere, wertvolle, aber nicht verfolgte Eigenschaften verlieren. Dieser Mechanismus ist zwangsläufig und es ist da egal, ob das Zuchtziel Hygiene oder Flügelindex heisst. Eigenschaften, die man nicht zur Selektion heranzieht, werden zügig ins Durchschnittliche abgleiten. Verzärtelung/ Peppelei - und da hat wasgau immen einen wichtigen Hinweis gegeben hat, selektiert gegen Überlebensfähigkeit. Wenn ich den Bienen jede Form von Stress erspare, sehe ich die Bienen, die auch mit diesem Stress zurechtgekommen wären nicht und ich verliere diese Information für meine Zuchtauswahl. Günstiges Klima ist insofern auch eine Art von Verzärtelung in Hinsicht auf Kalkbrutresistenz.

    Solange kein Selektionsdruck für eine bestimmte Eigenschaft vorliegt, prägt sich diese Eigenschaft auch nicht gesteigert aus. Es ist deshalb auch unwahrscheinlich, dass Resistenzeigenschaften gegen Varroa im Rahmen der frühen Zuchtmaßnahmen verloren gegangen sind. Da es keine Varroamilben gab, hätte es auch in der Natur keinen Selektionsvorteil für milbenresistente Eigenschaften gegeben. Der Selektionsdruck innerhalb der Wild- und der Zuchtpopulation in Hinsicht auf diese Eigenschaften war also gleich niedrig.

    Verzärtelung, durch intensive medikamentöse Behandlung, sorgt aber dafür, dass wir auch jetzt - zumindest in der Fläche - nur geringen Selektionsdruck in dieser Hinsicht haben.


    Um zum Thread zurückzukommen. Aus dem Überlegungen bis hier, folgt dass es unsinnig ist, aus einem rein morphologischen Kriterium "Flügelindex" ein Zuchtkriterium zu machen. Man hat keinen Gewinn für die wirtschaftlichen Eigenschaften der Biene, man wendet seinen Blick von evtl. wichtigeren Eigenschaften sogar ab. Dennoch ist der Flügelindex nicht komplett unsinnig zu beobachten. Zucht hat nämlich auch einen Bedarf an Planbarkeit. Um bestimmte Zuchtwege sinnvoll gehen zu können, brauche ich Informationen über die Ahnen meiner Zuchttiere. Paarungskontrolle ist also durchaus ein wichtiges Werkzeug für den Züchter - und hier ist der Flügelindex durchaus ein pragmatischer Ansatz um Fehlpaarungen aufzudecken, oder ein Maß für den Verwandschaftsgrad in einer Zuchtpopulation zu bekommen.


    Unsinn ist es in meinen Augen, wenn man den Flügelindex seines Werkzeugcharakters beraubt und zum Zuchtziel stilisiert. Das ist genauso wenig sinnvoll, wie den Buckfastbienen einen einheitlich braungelben Farbton anzüchten zu wollen.


    schönen Abend noch
    Ludger

    Mitte des 19. Jhd. gab es hier in Europa definitiv noch keine Varroa. Die ist erst Mitte des 20. Jhd. hier angekommen. (1970er-1980er Jahre) Aber es wäre spannend zu wissen, welche Ursachen damals schon für diese Zyklen verantwortlich war.


    Gruß
    Ludger


    p.s. was hat das mit Merkmalsuntersuchungen und deren Interpretation zu tun?

    Hallo JaKi,


    naja, wie wird man das schon machen? Bei nicht zu niedrigen Temperaturen bei 1-2 Völkern am Stand die Beute öffnen, Wabenblock in der Mitte öffnen (bei 12er Dadant ist dafür immer Platz) und nachschauen. Manchmal reicht auch schon "Hand auflegen", weil du ein (zu) großes Brutnest an der aufsteigenden Wärme spüren kannst.

    Nicht jede Woche dieselbe Beute öffnen... und nicht jede Wabe durchblättern. Meist siehst du schon am Bienensitz, wo du fündig wirst.


    Und ja - Mitte November (14 Tage nach dem ersten Frost) ist mir lieber, als mitte Dezember.


    Gruß

    Ludger

    Varroakontrolle,

    Gewichtskontrolle,

    Fluglochbeobachtung

    ab Ende Oktober stichprobenartige Kontrolle auf Brutfreiheit -

    bei Brutfreiheit - Varroa Winterbehandlung


    Letztlich beobachten, ob etwas aus dem Plan läuft und ansonsten auf die Finger setzen. Je nach Brutumfang, kannst du durchaus später im Jahr nochmal den Wunsch zum nachfüttern haben.


    Gruß
    Ludger