Beiträge von Ludger Merkens

    Hallo beemax


    Zitat

    [...] Völker, die gerade mal ohne Behandlung überleben, aber kaum Honigüberschuss produzieren, sind mglw. ein Anfang; das kann's aber nicht sein...

    Das gilt wohl für viele Imker. Egal ob im Hobbybereich, oder im Vollerwerb. Deshalb wird bei den VSH/SMR Zuchtprojekten im Buckfast Bereich, gezielt in klassischen Buckfastlinien nach diesen Eigenschaften gesucht, um den langwierigen Neuaufbau von resistenten aber gleichzeitig wirtschaftlich zu bearbeitenden Linien, aus solchen Überlebenspopulationen zu umgehen.

    Aber letztlich greift man auch hier immer wieder auf Genetiken zurück, die von Pionieren in diesem Bereich, meist in langjähriger Arbeit, unter vielen Rückschlägen (und oftmals unter Anfeindungen) entwickelt wurden. Kombinationszucht z.B. funktioniert erst, wenn man Eigenschaften vorliegen hat, die man kombinieren kann.

    Ohne diesen Vorlauf, wären die aktuell zu beobachtenden Zuchterfolge kaum denkbar. Wenn diese Leute auch abgewartet hätten, bis "fertig" ist, ...


    ist immer noch viel Arbeit vor uns, als packen wirs an.

    Ludger

    Hallo Sulz

    bei der Zucht hast du grundsätzlich die Möglichkeit die Besten zu wählen, oder die Schlechtesten abzuwählen. Dabei kommt es stark auf deine Gesamtsitutation, vor allem auf die Bienendichte in der Nachbarschaft und deine eigene Völkerzahl an.


    Je genauer du dein Zuchtziel kennst (und es auch bestimmen/messen kannst), umso schärfer kannst du eine Bestenwahl treffen. (Im Extremfall, nur von dem einen Besten nachziehen und alle Anderen aus der Zucht ausschließen) Je schärfer du aber selektierst, umso größer wird auch dein Risiko einer Fehlentscheidung. Außerdem steigt das Risiko von Inzucht am Stand. Dieses Risiko wird gemildert, wenn du im Zweifelsfall auf Material von Kollegen zurückgreifen kannst, die eine ähnliche Strategie verfolgen.


    Bist du aber genetisch auf deine eigenen Bienen angewiesen, ist es deshalb sinnvoll, weniger stark zu selektieren. Die Chance auf Zufallsfunde steigt, die Gefahr einer genetischen Verarmung am Stand sinkt, dafür ist mit einem langsameren Zuchtfortschritt zu rechnen. Ein 30/40/30 Mix - von 30% wird aktiv vermehrt, 40% lässt man weiterlaufen, 30% werden aktiv eliminiert, ist hier ein mögliches Startszenario.


    Welche Vermehrungsmethodik du ansetzt ist letztlich dir überlassen. Du solltest aber den Pflegezustand der Königinnen bei der Wahl der Methodik im Auge behalten. Nachschaffungsköniginnen aus im Extremfall auch noch kleinen Brutablegern, werden sich weder gegen die Varroa wehren, noch nennenswerte Honigerträge bringen können.


    Schwarmköniginnen sind in dieser Hinsicht sehr gut gepflegt, von jüngsten (eintägigen) Larven umgelarvte Königinnen stehen ihnen aber kaum nach. Nachschaffungsköniginnen sind oftmals auf einem Level mit von 3 tägigen Larven umgelarvten Königinnen. Königinnen aus stiller Umweiselung sind hingegen meist optimal gepflegt.


    Gezielte Nachzucht über Schwarmköniginnen hat als einziges Risiko, dass du mit genetisch schwarmtriebig veranlagten Völkern mehr "Glück" in der Nachzucht haben wirst. Deine Population wird also dazu neigen, nach und nach schwarmtriebiger zu werden; deine Vermehrungsquote wird steigen, dein Bedarf an Leitern und sonstigen Schwarmfangeinrichtungen aber auch.


    Wenn du dich hingegen einer Züchtergemeinschaft anschließt, oder eine aufbaust und eine genaue Bewertung deiner Zuchtvölker vornimmst, sinkt dein Risiko in Hinsicht auf Fehlentscheidungen und Inzucht. Du kannst dir eine schärfere Selektion und damit einen schnelleren Zuchtfortschritt erlauben. Die Chance auf Zufallsfunde sinkt - außer bei sehr wachsamem Blick auf die eigenen, oder auch Völker von Nachbarn/Kollegen. Nur von einem einzigen Volk nachzuziehen, wäre mir persönlich aber immer zu riskant.


    Gruß
    Ludger

    Hallo Newton,


    je nachdem wo du dich befindest (füll mal dein Profil aus), kannst du Glück haben, dass ein Imkerverein in der Nähe ist, der Aktionen zur Ablegerbildung (mit integrierter Königinnenzucht) anbietet. Evtl. werden auch Umlarvtermine angeboten.


    Alternativ - wenn du für dich alleine zurechtkommen möchtest, oder auch, um angebotenen Zuchtstoff s.o. zu nutzen. Schau dir in dieser pdf den Abschnitt "Zucht im weiselrichtigen Volk" an. Dadurch, dass du verdeckelte Brut über Absperrgitter setzt, kannst du gezielt geeigneten Zuchtstoff pflegen lassen. Bildest mit den Weiselzellen Reserveableger und kannst dann im Laufe des Jahres entscheiden, was du mit den jungen Völkern machen möchtest.


    Gruß

    Ludger

    Hallo Luffi,


    präzise - der Nadeltest ist ein reiner, unspezifischer Hygienetest - danke für die Klarstellung, falls das nicht so rübergekommen sein sollte.


    Genau deshalb, weil Völker mit viel VSH immer einen ordentlichen Hygienewert erreichen, kann man den Hygienetest als Vortest für VSH nutzen. Auch wenn man annehmen könnte, die Völker reagieren nur auf Varroa und räumen dann aus, zeigt die Erfahrung, dass eher gilt: "wenn die Völker schon im allgemeinen Hygienetest versagen, werden sie auch das Varroa spezifische Hygieneverhalten die VSH (varroa sensitive hygiene) nicht gut beherrschen." Man kann also mit dem Hygienetest schonmal eine ganze Reihe Völker aussortieren.


    Gruß
    Ludger