Beiträge von Re-Mark

    Zumal deine Erläuterungen auch gewisse methodische Mängel aufweisen:

    Der Vergleich mit der Therapiedosis hinkt. --> Therapiedosierungen sind bei Lithiumtherapien bereits arg am Limit.

    Es war eine Abschätzungsrechung, um darzustellen von welchen Mengen wir hier überhaupt reden und was man sich unter diesen Mengen vorstellen kann.


    Ja, in der Therapie geht man ans Limit. Und wenn jemand ohne Einschleichen die Dosis einer Quilonum-Tablette einwirft wird er/sie das sehr wahrscheinlich ziemlich deutlich merken. Aber von dieser Dosis wäre selbst das ganze Glas des Beispielrechnungshonig weit entfernt, und normalerweise isst man kein ganzes Pfund am Tag.


    Daran ändert auch die Addition durch mögliche Lithiumgehalte im Trinkwasser nichts, zumal es in Mitteleuropa meines Wissens nach kein so stark lithiumhaltiges Trinkwasser gibt. Es gibt ein paar Mineralwässer, die wohl auf einen Lithiumgehalt von 1 mg/l kommen. Einige haben auch noch etwas mehr, aber bei der Mehrzahl von denen würde ich mir mehr Sorgen wegen des Urangehaltes machen als wegen des Lithiumgehaltes...


    Fakt ist: Lithium ist keine 'neue' Substanz, deren Wirkung auf Menschen erstmals untersucht werden müsste. Es ist seit Jahrzehnten untersucht. Und in manchen Gegenden der Welt leben Menschen seit hunderten (oder tausenden?) Jahren damit.

    (da fehlt schon mir die Zeit und die Lust das alles zu recherchieren und nachzurechen)


    Aber mir gehts eher um das Bewusstsein, dass wir hier Lebensmittel produzieren.

    Keinen Bock zu recherchieren oder nachzurechnen, aber bei anderen ein Bewusstsein schaffen wollen...


    ...genau um diese Einstellung in weiten Kreisen geht es mir. Ich bin weder ein glühender Lithium-Befürworter, noch lehne ich es ab. Was ich ablehne ist diese ständige billige Warnerei. Denn es ist billig, bei jeder Gelegenheit zu warnen, ohne Realitätscheck, ohne Hintergrundinfos. Zumal schon ein Dutzend andere Leute beim selben Thema das gleiche getan haben.


    Und es ist kontraproduktiv, weil es genau das Gegenteil erreicht, Warnungen werden weniger beachtet, wenn ständig vor allem möglichen gewarnt wird, selbst wenn gar keine Gefahr besteht.


    Man stelle sich den Schäfer vor, der jedesmal wenn er irgendwo ein Stück Fell sieht ruft "der Wolf, der Wolf!"

    Oder auch Kunden... puh, ich hab schon die Zeitungsartikel vor Augen, wenn das Zeug dank übereifriger Hobby-Wissenschaftler am Ende im Honig landet. Da sollten die Verbände und Institute imo nochmal ganz dringend vor warnen.

    Ganz dringend sollten wir vor allem mal Mathematik-Kurse und Seminare für Risikoabschätzung für Leute einführen, die gerne warnen...


    Mit den Zeitungsartikeln bzw. dem möglichen Skandal hast du ja durchaus recht, aber nur deshalb, weil auch die Medien offenbar keine Überschlagsrechnungen und Risikoabschätzungen mehr beherrschen.


    Zunächst mal müsste ein Imker tatsächlich völlig bescheuert sein, um während der Tracht und mit aufgesetzten Honigräumen Lithiumsirup zu verfüttern, und das gleich aus mehreren Gründen:

    - mit aufgesetzten Honigräumen füttert man eh nicht

    - die mögliche Wirkung dürfte stark herabgesetzt sein, allein schon aufgrund Verdünnung

    - die erwähnte Wirkung auf die Bienenbrut


    Aber nehmen wir mal für eine Überschlagsrechnung den Worst Case an:

    Ein ganzes Gramm Lithiumchlorid würde per Sirup gefüttert und landete in einer einzigen Honigzarge. Die Zarge würde geschleudert, nehmen wir 15 kg Honig an. Dann hätte man 67 mg Lithiumchlorid pro kg Honig oder 33,3 mg pro Glas. Lithium hat eine Atommasse von 7, Chlor von 35,5. Der Massenanteil von Lithium in Lithiumchlorid ist:

    7/(35,5+7)=0,165 (ca. 16,5%)

    33,3mg*0,165=5,5mg

    Ein 500g-Glas Honig würde also 5,5 mg Lithium enthalten.


    Lithium ist von Natur aus überall vorhanden, auch im Trinkwasser. In manchen Gegenden (Regionen in den USA, China) soll die übers Trinkwasser aufgenommene Menge 10mg pro Tag betragen.

    Zugegeben, bei uns ist die Menge geringer, z.B. in der Größenordnung 0,01mg/l

    (Beispiel österreichische Studie http://bjp.rcpsych.org/content/198/5/346.full-text.pdf)

    Nun isst man aber auch kein ganzes Glas Honig, bei einer plausiblen Tagesmenge von 50g würde man auf 0,5mg Lithium kommen.


    Ist das nun viel? Wäre ja immerhin die 50fache Menge dessen, was man in einem Liter österreichischen Trinkwassers erwarten kann...


    Eine Quilonum Retard-Tablette enthält 12,2 mmol Lithium. Bei einer Molmasse von ca. 7g/mol würde das 0,0122mol*7000mg/mol=85,4 mg Lithium entsprechen. (Falls ich mich gerade nicht verrechnet habe, habe das ganze nur auf die Schnelle überschlagen.)


    5,5mg/85,4mg=0,064 (oder 6,4%) - selbst ein ganzes Glas unseres Musterrechnungshonigs würde nur ca. 6,4% der Dosis einer in der Medizin genutzten Lithium-Tablette erreichen.


    (gebt mir Bescheid, wenn ich mich verrechnet habe)


    Die letzte notwendige Information zur Risikoabschätzung:

    Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Lithium einerseits und Giften wie z.B. Blei oder auch synthetischen Pestiziden andererseits:

    Auch Blei kommt von Natur aus überall auch im Trinkwasser vor, in meist sehr geringen Mengen. Aber Blei (oder andere Schwermetalle) sammelt sich im Körper an, und es hat immer eine Giftwirkung. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Glas Wasser mit einem Bleigehalt knapp unter dem gesetzlich zulässigen Grenzwert und einem Glas mit nur einem Zehntel davon, würde ich das Glas mit dem geringeren Bleiwert nehmen, selbst wenn es teuer oder schwerer zu beschaffen wäre.

    Bei Lithium hätte ich dieses Bedenken nicht. Wenn die Dosis merklich unter der therapeutischen Dosis liegt hat es auch keine Giftwirkung. Auch nicht, wenn ich dieses Wasser zehn Jahre lang jeden Tag trinken würde.


    Im Gegenteil, es gibt sogar Hinweise darauf, dass Lithium im Trinkwasser (deutlich geringere Mengen als üblicherweise in der Medizin verwendet, aber deutlich höher als bei uns durchschnittlich im Trinkwasser zu finden) positive Wirkungen auf die menschliche Gesundheit hat.

    https://www.aerzteblatt.de/nac…te-vor-Demenzen-schuetzen




    Schlussfolgerung:

    Gibt es PR-Risiko? Ja!

    Gibt es ein medizinisches Risiko? Nein!



    Was mir viel eher schlaflose Nächte bereitet: was ist, wenn 'die Medien' mal herausfinden, dass Bienen auch gerne an Güllepfützen Wasser holen...?

    Hallo,


    ich verwende auch die runden 115mm-Teile, von Holtermann. Habe mir dafür eine Lochsäge gekauft, um selber Innendeckel mit den passenden Löchern zu versehen.


    Eine recht umfassende Seite über Bienenfluchten, leider auf Englisch, findet sich hier:

    http://www.dave-cushman.net/bee/clearerboards.html


    Die 115mm-Rundflucht heißt dort Swienty-Round-Escape. Interessant fand ich, dass es sogar bei diesem einfachen Design Details gibt, in denen sich die Hersteller unterscheiden: bei manchen (den meisten?) ist zwischen den beiden Ausgangslöchern eine Trennwand, damit die Bienen nicht ewig im Kreis laufen können. Es gibt/gab offenbar auch welche, bei denen das nicht so ist.

    Die mitgelieferten Italienischen mit 8 Ausgängen funktionieren zwar einwandfrei, sind aber mühsam in der Handhabung, da ich diese immer wieder demontieren muss (werden aufgeschraubt).


    Könntest du die nicht vielleicht statt mit Schrauben mit Stiften oder Polsternägeln und passend vorgebohrten Löchern aufstecken, so dass die Bienenflucht zwar so wie bisher verwendet wird, aber ohne Werkzeug montiert und demontiert werden kann?

    Unter Einfluß von Säuren bildet sich vermehrt das für Bienen giftige HMF. Ich würde deshalb vorsorglich nicht parallel füttern und möglichst wenig offenes Futter auf den Waben haben wollen.

    Offenes Futter ist durch den möglichen OX-Eintrag durch Sublimation auch für die Bienen nachteilig (HMF-Synthese, Stoffwechsel-/Darmbelastung mit OX).

    Darmbelastung ist richtig, aber HMF...?

    Die Ameisensäure, insbesondere Langzeitbehandlungen, säuert das Futter sogar durch die geschlossenen Deckel hindurch an. Und da interessiert dich die Säurewirkung durch Oxalsäurekristalle?

    HMF bildet sich in sauren Fructosehaltigen Zuckerlösungen vor allem bei erhöhten Temperaturen. Honig und auch Bienenfutter sind eh im sauren pH-Bereich. Ich weiß jetzt gerade nicht auswendig, welchen Einfluss die Säurekonzentration auf die HMF-Bildung hat, aber soweit ich mich erinnere spielen Temperatur und Zeit eine größere Rolle.

    Und wie gesagt, die Ansäuerung durch Ameisensäure dürfte eh größer sein, als es die Oxalsäureblockbehandlung überhaupt sein kann.


    Grüße,

    Robert

    Und gegen diese unreflektierte Hurra-wir schmeißen-es-auch-rein-Stimmung, die im krassen Gegensatz zum sonstigen hier gepredigten Purismus steht.

    Wo ist denn eigentlich diese "Hurra-wir schmeißen-es-auch-rein-Stimmung"? Ich habe sie noch nicht gesehen. Es gibt ein freudig-Erregtes Geschnatter in Imkerkreisen. Die allermeisten haben nur die Pressemitteilung gelesen. Ein paar auch den Nature-Artikel. Nur ganz wenige die Patentschrift.

    Die übergroße Mehrheit traut sich eh nicht, irgendwas auf eigene Faust zu kaufen oder gar anzwenden, was aus dem Dunstkreis 'Chemikalienhandel' stammt.


    Ja, ein paar Imker kaufen es vielleicht und wenden es unsachgemäß an. Und? Schlimmstenfalls erzeugen sie damit eine chemische Brutentnahme. Für Menschen besteht durch ein Gramm Lithiumchlorid pro Bienenvolk kein Risiko, solange sie nicht die gesamte Futterportion selber essen.


    Wieviele haben unsachgemäß "Bienenwohl" gekauft und angewandt? Oder regelmäßig irgendwelche Kräutertinkturen ins Futter gerührt? Wieviele Völker gehen jedes Jahr ein, weil jemand grundlegende Fehler beim Auszählen oder beim Bewerten des Milbenfalls macht und deshalb die Varroabehandlung noch ein paar Wochen verschiebt?


    Verhältnismäßigkeit!

    Wo kommen wir hin, wenn Jeder für sich selbst beansprucht einstufen zu dürfen, was Handgranate, was Pflasterstein und was liebgemeinter Softball ist

    Diejenigen, die dazu grundsätzlich und überhaupt nicht in der Lage sind, sollten vielleicht besser alle eigenverantwortlichen Tätigkeiten und Meinungsäußerungen einstellen und auf Anweisungen ihrer Führungskader warten...


    Wenn man den gesunden und von einer gewissen Vorbildung unterstützten Menschenverstand vollständig aus dem Leben verbannen will, dann gibt es bald keine menschliche Gesellschaft mehr.

    Der Trend geht eh dahin, Künstliche Intelligenz ist aktuell das Thema. Die weiß eh besser, was gut für uns ist, gell? Wo kommen wir denn hin, wenn Menschen noch selber Entscheidungen treffen...

    Wir haben bei den Neonicotinoiden gelernt, dass es nicht ausreicht, nur danach zu sehen, ob die Bienen innerhalb von 72 Stunden sichtbare Schäden zeigen. Diesen Fehler muss man nicht leichtfertig wiederholen. Es sollten alle Entwicklungsstadien und die gesamte Volksentwicklung mit in Betracht gezogen und dann entschieden werden, ob der Nutzen einen eventuellen Schaden aufwiegt.

    Zu den grundlegenden Unterschieden zwischen Neonicotinoiden und Naturstoffen wie Lithium oder Oxalsäure habe ich schon etwas geschrieben.


    Und ansonsten nochmal: na und? Jedes Jahr sterben zehntausende Bienenvölker in DE an zuviel oder zuwenig oder zu später Ameisensäure. Oder an Behandlung bei zu warmem oder zu kaltem Wetter.


    Wenn mein einer Nachbar in seinem Garten Flugzeugtriebwerke testet, dann ist es eher sinnlos, mir Gedanken über die Lautstärke des Kofferradios daneben zu machen...

    Verhältnismäßigkeit! Das scheint vielen bei ihren Überlegungen verloren gegangen zu sein.

    Ich hätte die Meldung der möglichen Wirksamkeit gar nicht erst veröffentlicht.. Ich sehe jetzt schon die Imker Amok laufen (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Zeugs im Internet bestellen ohne fundierte Beweise, Studien etc.

    Na und? Was kümmert es dich? Es werden ganz sicher weniger Völker daran sterben, als an zuviel oder zuwenig oder zuspäter Ameisensäure...


    da ist die Wirksamkeit wenn eine mögliche Resistenz auftritt wieder für den "A.."


    und ohne Flächendeckendes Behandlungskonzept ist auch die Ausrottung nicht möglich.. sofern das überhaupt möglich ist, da nicht jeder der Bienen hat, auch in Verbänden, Vereinen organisiert ist.

    Und da reicht dann ein schwarzes Schaf und alles ist für die Katz.

    Ich verrate dir ein Geheimnis: es gibt sogar in Europa noch 'wild' lebende Bienenvölker! Völker, die in irgendwelchen Bäumen oder hinter alten Wänden leben und nicht kontrolliert oder behandelt werden.

    Es braucht also gar keine 'schwarzen Schafe' unter den Imkern, die sich einer flächendeckenden Behandlung entziehen. Mal ganz abgesehen davon, dass auch in den Veröffentlichungen zum Lithium gegen Varroa nirgends etwas von 100% Wirksamkeit steht, die aber nötig wären für eine Varroaausrottung mit chemischen Mitteln.

    Der Konsens über gesellschaftliche Regeln wird zunehmend kleiner - sowohl quantitativ wie qualitativ oder bildhaft ausgedrückt: Wir entwickeln uns zum Kleinkind zurück, das sich selbst als das Zentrum der Welt ansieht.

    Au contraire!

    Die Gesellschaftlichen Regeln entwickeln sich zu den Regeln zurück, die ein Kind aufstellen würde. Ohne Differenzierung, ohne Abgleich mit der Realität oder mit Erfahrungen.


    Nicht unschuldig ist daran, daß die 3 Säulen des Staates - Gesetzgebung/Exekutive/Rechtssprechung - den komplizierter werdenden Lebenssachverhalten nur mühsam hinterherkommen.

    Welche komplizierter werdenden Lebenssachverhalte denn? Es sind doch gerade ständige staatliche Regeländerungen und -ausweitungen, die alles komplizierter machen. Es mag sinnvolle Fälle geben, aber eindeutig auch unsinnige. Es wird immer weniger unterschieden. Alles wird gleich gemacht.


    Wasserhähne sollen am besten die gleichen Wassersparnormen erfüllen, egal ob sie in einer spanischen Dürreregion oder in der wasserreichen Bundesrepublik verkauft werden. (und dass die Abwasserkanäle dann mit tonnenweise reinem Trinkwasser gespült werden, weil nicht mehr genug Wasser im Abwasser ist, wird auch ignoriert.)


    Alles was gegen Schädlinge auf Pflanzen gespritzt wird, wird rechtlich ebenfalls gleich behandelt, egal ob es sich um lebensmitteltaugliches Lecithin handelt (gegen Mehltau) oder um ein synthetisches Neonicotinoid.


    Pflastersteine und Handgranaten, für den Gesetzgeber beim Arznei-, Pflanzenschutz- und immer mehr weiteren Gesetzen gibt es da keine grundlegenden Unterschiede...


    Ich habe mal in einem Labor gearbeitet, da durften wir kein Leitungswasser in den Abfluss gießen, weil das mehr Kupfer enthält, als laut irgendwelchen Vorschriften für diese Art Betrieb im Abwasser zulässig! Ja, in den meisten Wohnungen und Häusern ist aufgrund der Leitungen ein klein wenig Kupfer im frischen Trinkwasser. Das ist auch kein Problem. Aber es gibt Regelungen, wo manchmal im Abwasser weniger Kupfer sein darf als im normalen Trinkwasser.

    Das nenne ich Vorschriften ohne Realitäts-Check.


    Und da gibt es kaum Mechanismen, die das Dickicht wieder auslichten, was irgendwelche Lobbyorganisationen, Gremien und Koalitionsausschüsse mal irgendwann ausgekocht haben.

    Die Regeln wuchern unkontrolliert. Und wenn es irgendeine Erosion gibt, dann ist sie dort zu suchen.

    Da gibt es einen großen Aufschrei nach dem anderen, die bösen Chemiekonzerne würden ihre Pflanzenschutzmittel nicht ausführlich genug testen, um allen Eventualitäten vorzubeugen, und Ihr hortet schon mal ein Säckchen Lithiumsalz, wo gerade mal klar ist, dass erwachsene Bienen nicht sofort davon tot umfallen. Und selbstverständlich sollte ein Zulassungsverfahren auch möglichst unbürokratisch abgekürzt werden!? Wenn das mal ein PSM-Hersteller von sich geben würde!!!

    Das ist mal kein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, sondern zwischen Äpfeln und Pflastersteinen...


    Kleiner Hinweis: das Problem mit den Pflanzenschutzmitteln ist, dass sie in ihrer Wirkung nicht beschränkt sind.

    - Räumlich nicht beschränkt, denn ein Bauer bringt sie auf hunderten Hektar aus, uns sogar außerhalb der Ackerfläche kommt es durch Abdrift noch zu Wirkungen.

    - zeitlich nicht beschränkt, denn die meisten synthetischen Pflanzenschutzmittel können innerhalb weniger Wochen abgebaut werden, manche bleiben sogar Jahre in der Umwelt.

    - auch in der Wirkung bei geringen Konzentrationen kaum beschränkt, zumindest sind negative Auswirkungen auch bei Konzentrationen weit unterhalb der Zielkonzentration bei der Anwendung nachgewiesen.


    Im Vergleich dazu Lithium oder auch Oxalsäure:

    - Ausbringung räumlich auf die Beute beschränkt. Klar, die Bienen tragen auch etwas raus, aber dort (in der Natur- oder Kulturlandschaft) ist es dann nicht mehr von der 'natürlichen Hintergrundbelastung' zu unterscheiden.

    - zeitlich beschränkt - keine Anreicherung von Jahr zu Jahr

    - in geringen Konzentrationen gibt es keine negativen Auswirkungen. Da liegen Größenordnungen in der für negative Auswirkungen nötigen Konzentration dazwischen!


    Ich korrigiere mich: der Vergleich zwischen Lithium (oder Oxalsäureverdampfung) einerseits und synthetischen Pestiziden (Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden) andererseits ist eher ein Vergleich zwischen Pflastersteinen und Handgranaten.

    Ja, beides ist hart, beides kann man in Kisten stapeln und beides kann man werfen. In der Wirkung und damit auch in der nötigen Reglementierung liegen aber Welten dazwischen!

    Je nach Startpopulation im Februar waren das im Juli dann 2.000 bis 20.000 (nach den gängigen Faustformeln hochgerechnet).

    Sehe ich ja Prinzip auch so, aber wenn man annimmt, dass die Wirkung der Oxalsäurebedampfung tatsächlich mind. drei Tage lang anhält (und das tun ja wohl die meisten, sonst wäre auch eine 5 x 4 Behandlung nicht ausreichend), dass also wenigstens 9 Tage lang die aufsitzenden und die schlüpfenden Milben bekämpft wurden, dann hätten auch von Milben, die sich anfangs in der Brut versteckten, mehr als die Hälfte fallen müssen, oder?


    Verdeckelungszeit 12 Tage, gib vor mir aus zwei Tage dazu, falls Milben ewas früher unterschlüpfen. Also für 14 Tage versteckte Milben. Aber 9 Tage lang alle schlüpfenden Milben den Oxalsäurekristallen ausgesetzt, wenn sich insgesamt 2000 Milben im Volk befunden hätten, dann hätte ich wenigstens 1000 Milben im Laufe der Blockbedampfung auf der Windel erwartet. Dann wären immernoch 1000 Milben im Volk, und zur nächsten Blockbehandlung im September könnte man mit wenistens 4000 Milben rechnen. Dann hätten aber wieder 2000 fallen müssen, aber es fiel fast nichts.


    Das passt einfach nicht. Auch nicht, wenn man davon ausgehen würde, dass sich 90% in der Brut aufhalten (was ich im September eigentlich nicht glaube, und im Dezember schon gar nicht).


    Vielleicht haben doch noch mehr Faktoren zum Zusammenbruch beigetragen.


    Oder, wie gesagt, beim Zählen hat was nicht hingehauen, Bodengitter nicht frei, Ameisen haben Milben weggetragen, was-weiß-ich... :/

    Ich beginne mittlerweile zu verstehen, dass Bienenprobenauswaschen zur Beurteilung des Befalls notwendig wird. Sei es mit Puderzucker oder sei es mit CO2.

    Letzterer deutet darauf hin, dass die "Blockbehandlungen" mit 3 * 3 Tagen zu kurz waren. Dem Irrtum bin ich auch schon aufgesessen; habe aber lernen dürfen, dass 5 * 4 Tage das Mindestmaß für Blockbehandlungen ist.


    Somit erkläre ich das Varroaproblem damit und ggf. war noch / wieder Brut im Stock bei der Dez.Behandlung. Dahin wirkt OXS Staub halt nicht.

    Das erklärt es in meinen Augen aber nicht wirklich. Wenn da in drei Tagen nur gut 50 Milben fallen, und außerdem drei Bedampfungen durchgeführt wurden (was ja mehr als die halbe Verdeckelungszeit abdeckt), dann dürften da keine 100 Milben mehr im Volk gewesen sein. Auf den ersten Blick würden die Zahlen der zweiten Blockbedampfung dazu auch passen: es sind einfach kaum Milben drin gewesen. Auf den zweiten Blick scheinen es mir wieder fast zu wenig Milben zu sein, denn von Ende Juli bis Anfang September hätten sie sich ja wieder gut vermehren können.



    Möglicherweise hat die Bedampfung bei jeder einzelnen Anwendung bei weitem nicht so gewirkt wie sie sollte. Aber es waren zweimal drei Bedampfungen für die zwei Blockbehandlungen plus eine im Dezember zur Restentmilbung. Alle sieben Anwendungen danebengegangen? Da müsste es schon einen systematischen Fehler geben, entweder im Gerät, in der Anwendung, oder beim Auffangen und Zählen der Milben.


    Hatte also dieses Volk einfach wirklich so wenig Milben? Was aber wieder nicht erklären würde, warum es dann eingegangen ist.

    Ich frage mich, ob die Waben tatsächlich mit Gelbsenf-Honig gefüllt wurden. Oder vielleicht doch durch Räuberei bei anderen, zusammenbrechenden Völkern? Dann könnte man evtl. doch mal zu Recht die Reinvasion ins Spiel bringen...

    ...aber andererseits hätte die erst nach der zweiten Blockbehandlung einsetzen können, also Mitte September. Da sollten doch die meisten Winterbienen schon erzeugt sein, oder? Ich weiß ja, dass viele Leute die Reinvasion leugnen (obwohl sie in wissenschaftlichen Veröffentlichungen bestätigt worden ist), aber nur mal theoretisch: würde eine plötzlich in der zweiten Septemberhälfte stark ansteigende Milbenpopulation das Volk überhaupt so stark schädigen können, wenn die Varroabelastung im Juli und August sehr niedrig war, so dass eigentlich gesunde Winterbienen erzeugt sein müssten?


    Und wie ist es mit den Sammelflügen in den Gelbsenf, im Dezember, fangen da wirklich größere Mengen Winterbienen mit dem Sammeln an, so dass es zum Abarbeiten der Wintermannschaft kommen kann?


    Benedikt, hattest du eigentlich im September, Oktober oder November mal Waben gezogen und geschaut, wie dicht sie besetzt sind?

    Und ich vermute mal, du hast am 30.12. nur von oben in fünf Wabengassen Bienen gesehen, aber du weiß nicht, wieviele da tatsächlich noch drin waren, also ob da nicht nur ein paar Bienen zwischen den Oberträgerhölzern waren, oder?


    Grüße,

    Robert