Beiträge von Johannes

    Uwe und Henry:


    Gute Idee, so werde ich das beim nächsten Mal versuchen. Danke!


    (Die gekäfigte Königin hatte mir ohnehin immer Bauchschmerzen gemacht, seit ich das Verfahren vor Jahren gezeigt bekam. Allerdings war der Grund, mich darauf trotzdem einzulassen, der Gedanke, daß die Tierquälerei im Grunde nicht wesentlich größer ist, als wenn zwei versehentlich versprengte Arbeiterinnen 2 Wochen vom Volk getrennt im gefüllten Fütterer an der Decke herumlaufend überleben müssen. Die können ja auch überhaupt nicht mehr ihrem sozialen Bedürfnis und ihrer üblichen Tätigkeit nachgehen. Die Königin ist bei Imkern (mich ausdrücklich eingeschlossen) emotional viel höher besetzt - die darf einfach nicht leiden. Obwohl ihre Leidensfähigkeit objektiv wohl der einer Arbeiterin entsprechen dürfte. Aber das muß sie künftig dann ja auch nicht mehr... :))

    Im Sommer nach der Ernte bilde ich Jungvölker als Kunstschwärme und löse Altvölker, die ich in der nächsten Saison nicht mehr weiterführen möchte (i. d. R. weil die Königin ihre 2 oder 3 Ertragsjahre hatte) auf. In diesen Völkern lasse ich nach dem Brutscheunenprinzip die Brut bei gekäfigter Königin auslaufen, währenddessen erfolgt auch die Varroabehandlung mit Ameisensäure. Nach dem Auslaufen der Brut kehre ich die Bienen entweder einem schwächeren Volk vor die Tür und lasse sie einlaufen oder schüttle sie abseits vom Stand ins Gras. Dann sind meist nach einer Stunde alle Bienen verteilt auf die Nachbarvölker am Stand, wo sie sich eingebettelt haben.


    Das hat bisher immer funktioniert, in beiden Varianten.


    Dieses Jahr war in einer der Brutscheunen die gekäfigte Altkönigin verstorben; das Volk war brutfrei, also ohne Anzeichen von Afterweisel. Weil es sehr ruhig saß und ich ganz sicher gehen wollte, dem benachbarten Jungvolk kein künftiges Drohnenmütterchen zuzufegen, löste ich die Brutscheune nach der klassischen Methode auf und fegte sie abseits vom Stand ab.


    Ärgerlicherweise bettelten sich die Bienen nun aber überhaupt nicht wie gewohnt bei den Nachbarn ein, sondern sammelten sich als schwarmartige Traube am jetzt leeren Platz der Beute. Dort hängen sie jetzt den dritten Tag und verhalten sich ruhig.


    Die einzige Erklärung, die mir einfällt, ist, daß sich in der Brutscheune noch eine unbegattete Jungkönigin befand, im Sinn einer stillen Umweiselung. Andereseits habe ich keine frisch geschlüpfte Zelle gesehen, als ich die leeren Waben wegräumte.


    Hat das jemand auch schon erlebt und weiß einen Rat?

    Hallo Jonas,


    bitte entschuldige, wenn die Polemik mit mir ein wenig durchgegangen ist - das Thema liegt mir zu sehr am Herzen, und da neige ich manchmal zur Hitzköpfigkeit. :)


    Die Kernaussage meines letzten Postings sollte nicht sein, daß importierter Biohonig durch die Bank schlecht ist (was ich vielleicht nicht deutlich genug nicht geschrieben habe). Die Kernaussage war, daß die Käufer derzeit mehr auf das Bio als auf die Qualität achten.


    Ein Erlebnis bei einem Biofachhändler: ich gucke durch das Honigregal, in dem (retrospektiv geschätzt) 10 verschiedene Chargen stehen. Alle sind von 2 verschiedenen Abfüllern, kein einziger wurde vom Erzeuger direkt abgefüllt. Die Herkunft: etwa 4 Mischungen aus EU- und Nicht-EU-Ländern, etwa 4 aus Südamerika, 2 aus Europa (Akazie aus Ungarn, Wald aus Italien).


    Beim näheren Hinsehen ist von einer Charge eins von 3 noch vorhandenen Gläsern gärig. Einige Wochen vorher hatte ich ein Glas einer anderen Charge aus Südamerika probiert, die sich gut verkauft, obwohl es fast der teuerste Honig in diesem Laden ist. Der Honig hatte über 19% Wasser und einen Zentimeter Flüssigphase über mittelgrob kandierter Festphase. (Und die 19% beziehen sich nicht auf die obere Schicht - vor dem Messen wird gründlich gemischt und die Probe luftdicht verschlossen aufgetaut.)


    In unserem weiteren Umkreis fallen mir spontan 2 hervorragende Berufsimker ein, die Bioqualität produzieren. Einer allerdings ohne Zertifikat. Da gibt es auch mal keinen Buchweizenhonig, wenn die Tracht ausgefallen und der Vorjahrgang ausverkauft ist. Nebenbei macht der eine aus Liebe zur Sache ein oder zwei lagenreine Honige. Der Käuferkreis dafür ist, wie er selbst sagt, sehr klein, obwohl es - da bin ich seiner Meinung - seine absoluten qualitativen Spitzen sind.


    Den Biohändler frage ich, warum er keine regionalen Honige führt. Antwort: die werden weniger gefragt (so wörtlich!). "Die Leute wollen die besonderen Sorten."



    Zurück zur Sache: das war es, was ich mit dem vielleicht mißglückten Posting ausdrücken wollte. Das Biosiegel (das ich beileibe nicht schlecht finde!) wird nach meinem Eindruck bei nicht wenigen Honigkäufern höher gewertet als die Qualität. Und das finde ich schade, weil guter Honig eine derart spannende und faszinierende Sache ist, je mehr man davon probiert.

    Hallo Markus,


    klar, das ist für einen guten Honig absolut wünschenswert. Es ging mir oben aber um die beim Verkosten direkt erfahrbaren Qualitäten. Die Überschrift "Was ist sensorisch guter Honig" wäre aber zu sperrig gewesen. Im Gegensatz zum Thema Pestizidrückstände, für das die Vigilanz ja glücklicherweise schon da ist und weiter wächst, ist das Thema der sensorischen Qualität bisher in kaum einem Kopf drin. Und die war und ist mein eigentliches Anliegen.


    (Um das beispielhaft zu verdeutlichen: die Leute kaufen massenhaft Biohonig zu höheren Preisen, selbst wenn es sich um südamerikanische, phasengetrennte 19%-Brühe handelt, weil ihnen die Pestizidfreiheit und anderes "naturnahes" wichtig ist; die Sensorik spielt, von den Grundrichtungen "würzig"/"mild" und "flüssig"/"cremig" abgesehen, aber kaum eine Rolle. Und das ist ein Jammer. Es ist, als ob im Regal der Weinhändler nur 2 Sorten stünden, "Bio-Weißwein" und "Bio-Rotwein". Stell Dir diese pestizidfreie Katstrophe mal vor :-D)


    Viele Grüße, Johannes

    Mein bester Honig ist eigentlich der, der gerade aus der stockwarmen Wabe geschleudert wird. honig verändert sich ja noch danach. Manchen tut das sehr gut, manche kriegen so ein bisserl holziges Aroma.

    Genau - das finde ich auch immer wieder spannend. Flüssige Frühtracht z. B. hat in meiner Gegend ein kitzelnd-pfeffriges Aroma hinten auf der Zunge. Das ist später nach der Kandierung weg. Die Kandierung ist wie eine Reifung. Nach der aromatisch spannenden flüssigen Phase kommt die aromatisch langweilige trübe Phase während der Kandierung. Der auf die endgültige Festigkeit eingestellte Honig ist dann wieder aromatisch vielschichtig, aber anders als zu Beginn.

    Liebig sollte man gelesen haben, finde ich. Er ist offenbar ein hervorragender Imker und kann gut schreiben.


    Man darf allerdings beim Lesen nicht vergessen, daß das, was als Evangelium verkauft wird, nicht auch zwangsläufig immer Evangelium ist. Liebig ist - das merkst Du schnell - ungeheuer von sich selbst und seiner Betriebsweise überzeugt. Beim Lesen glaubt man gerade als Anfänger schnell, daß es sich um die alleinseligmachende handelt. Sein eher polemisches Niedermachen der Dadantbeute z. B. finde ich dünn begründet und irrational. Aber das wirst Du selbst schon sehen...

    (Fortsetzung aus dem Gläser-Thread, damit's dort nicht zu offtopic wird)


    Summ! schrieb:

    Was, bitte, ist guter Honig?


    Über Geschmack muß man streiten.


    Eine wunderbare, eigenwillige Freundin hat mich vor Jahren mit diesem Satz nachhaltig beeindruckt. Und recht hat sie. Es stimmt nämlich nicht, daß man über Geschmack nicht streiten kann. Man kann das ganz wundervoll.

    "Gut ist der Honig, der mir schmeckt."


    Ja. Und doch nein. Als Kind mochte ich Langnese (damals gab's nur den flüssigen) am liebsten, mit Abstand. War der gut?


    Später entdeckte ich dann die Sorten. Raps-Klee aus Kanada. Mann, was für ein Honig. Ich fand den total gut. Heute verziehe ich das Gesicht. Hatte ich damals recht oder heute?


    Sich für Honig zu interessieren, und für die Frage, ob man ihn gut findet, ist Luxus wie Weinprobieren. Je mehr man in die Sache eintaucht, desto faszinierender wird sie. Das Kritischwerden macht Spaß, nicht aus Freude an irgendwelcher Arroganz, sondern aus Freude an den sagenhaften Möglichkeiten guter Imkerei. Und am meisten, wenn man ab und zu das Glück hat, eine echte Ausnahmeerscheinung probieren zu können.


    Ich glaube schon, daß es ein paar Grundkriterien gibt, die Voraussetzung sind für einen guten Honig. Daß sie erfüllt sind, macht den Honig noch nicht automatisch gut, aber es schafft die Voraussetzung. Jeder mag da andere Schwerpunkte haben oder dies oder jenes wichtiger oder egal finden. Ich persönlich finde diese wichtig:



    1. Der Honig sollte von der Landschaft geprägt sein, aus der er kommt.


    Reine Sortenhonige wie Raps, Sonnenblume, Kastanie haben zwar einen sortentypischen Geschmack, sind aber in gewisser Weise austauschbar. Ob der Rapshonig aus der Soester Börde oder aus Mecklenburg kommt, spielt im Geschmack nur eine marginale Rolle. Die spannendsten Honige kommen aus vielfältig und kleinräumig strukturierten Landschaften. Bitte nicht mißverstehen: Raps ist eine tolle Tracht und eine wunderbare Grundlage für Frühtrachthonige. Aber am schönsten wird der Honig, wenn der Raps die übrige Tracht geschmacklich zu Wort kommen läßt.



    2. Der Honig sollte angenehm texturiert sein.


    Ich persönlich schätze bei Frühtrachten eine feine Kandierung und eine schmalzig eingestellte Viskosität. Das heißt aber nicht, daß mir andere Frühtrachten grundsätzlich nicht schmecken. Bei anderen Trachten finde ich, daß die Textur zum Charakter des Honigs passen sollte. Ein Waldhonig ist für mich am schönsten, wenn er flüssig ist. Ein ultrafeine Kandierung fände ich für Heidehonige unpassend (geht vermutlich auch nur mit Verrenkungen).



    3. Der Honig sollte einen zu seinem Charakter passenden Wassergehalt haben, damit sein Bukett optimal zur Geltung kommt.


    Das Trockenheitsdogma der DIB-Honigprämierungen finde ich - sorry für die Drastik - totalen Blödsinn.


    Daß ein Honig, egal welcher Sorte oder Betonung, mit 19% zu feucht ist, darüber wird man sich nicht kloppen müssen. Aber man probiere mal einen goldprämierten Waldhonig mit unter 15% - das hat fast kautschukartige Konsistenz, man schmeckt kaum noch etwas. Oder Rapshonig mit 16%, wenn man ihn überhaupt aus dem zubetonierten Glas kriegt.

    Meine subjektiven Richtwerte für optimale Wassergehälter, die sich auf mein nichtamtliches Mittelklasserefraktometer beziehen, sind etwa diese:

    Ultrafeine, sehr rapsbetonte Frühtrachten 17,7 bis 18,1%
    Feine Frühtrachten 17,5 bis 17,9%
    Feine, aromaintensivere Sommertrachten 17,3 bis 17,7%
    Mittelfeine bis leicht grob kandierende Sommertrachten: um 17%
    Flüssige, dunkle Honige 16,5 bis 17%

    Die hohen Werte bei den fein kandierten Frühtrachten sehe ich nicht nur wegen der besseren Konsistenz des Honigs, sondern auch wegen der in der Frühtracht oft zarten, leiseren Aromatik. Die entfaltet sich bei höheren Wassergehältern in Mund und Nase prompter und reicher; in ganz trockenen Honigen kann sie regelrecht steckenbleiben.


    Diese Werte sind für mich reine Orientierungswerte und kein Gesetz. nassauer z. B. hat eine deutlich trockenere Stilistik und macht durch die Bank phantastische Honige damit. Seine Frühtracht liegt weit unter meinem Zielbereich und ist – für mein Empfinden – ein echter Tophonig. Herrliches, kerniges Bukett mit Anklängen an Milch, Sahne und frische Butter. Wer die Gelegenheit hat, der probiere (ich kenne von seinen Frühtrachten die 2008er).



    4. Der Honig sollte nur nach Honig schmecken.


    M. E. sind die häufigsten geschmacklichen Fehler Rauchnoten vom Smokerpusten in den Honigraum und die warme Muffigkeit von bebrüteten Waben. Letzere kann noch den schönsten Honig verderben. Es mag hier und da einen intensiven, flüssigen Waldhonig geben, der auch ein paar bebrütete Waben verträgt oder – vielleicht – sogar ein bißchen davon profitiert. Meistens geht das aber in die Hose – je milder der Honigcharakter, desto schlimmer.


    Sehr schade sind auch Alterungsaromen – Licht und Wärme können Honig binnen eines Jahres aromatisch verwüsten, und das muß nicht die sonnenbeschienene Fensterbank sein. Das Küchenregal reicht. Meine eigenen Frühtrachtreste vom letzten Jahr stehen bei Raumtemperatur in der halbschattigen Küche und singen ein Lied davon. Rapsige Honige wandeln sich von einem kühlen hellen Bukett hin zu einer... ähm... ich nenne es „Nuttigkeit“, weil mir noch kein besseres Wort eingefallen ist.

    Nochmal: diese Kriterien sind für mich das Gerüst. Also Voraussetzungen, damit ein Honig gut werden kann. Er wird es damit nicht automatisch.

    Und, klar: bei allem Lust am Streit über Geschmack bleibt es immer subjektiv. Sonst machte es ja auch keinen Spaß.

    Die Diskussion um besseres Marketing, schönere und einfallsreichere Gläser, regionalen Bezug etc. ist wichtig und gut.


    Bei allem darf man aber eins nicht vergessen: Eine regionale, individuelle, hochwertige Aufmachung verspricht im besten Fall einen sehr hochwertigen Honig. Es ist absolut entscheidend, daß man dann auch wirklich hervorragenden Honig darin verkauft. Und der macht sich nicht von selbst.


    Wer kennt die Reflexe nicht? - "Ich mit meinen paar Völkern ohne Wanderung und ohne Perizin mache doch sowieso Topqualität", oder: "So liebevoll, wie ich meine Bienen umgehe, kann der Honig nur gut sein". Ich kenne die wohl von mir selbst. Leider tragen sie nicht zur Verbesserung des Qualitätsniveaus bei, im Gegenteil. Es gibt gerade bei den Honigen von den engagierten Kleinimkern sehr große Qualitätsunterschiede.


    Welcher Hobbyimker mit selbstpostuliertem Tophonig hat schon einmal eine Ernte nicht verkauft, weil sie seinen Qualitätskriterien nicht genügte?


    Ich habe nach dem Abschäumen nicht mehr gerührt, das könnte schon mal ne Ursache sein.

    Ja, das ist dann mit Sicherheit die Hauptursache.


    Zitat

    Die Sache mit den Refraktometer hab ich noch gar nicht gewusst, ich werde das ausprobieren und vorallem bei der nächsten Messung auf die Temperaturdifferenzen achten. Wenn ich die Probe entnehme und ins Refraktometer gebe, aber erst nach 2-3 Minuten messe, sollten sich die Temperaturen angeglichen haben??

    Viel wichtiger ist, daß das Refraktometer und die Honigprobe möglichst lange im selben Raum auf demselben Regalbrett gelegen haben - schon unter der Decke ist es ja deutlich wärmer als über dem Boden. Ich lege die Probe im dichten Probenröhrchen und das RFM immer für mindestens 6 Stunden nebeneinander. Bei Hobbocks lege ich das RFM für mindestens dieselbe Zeit auf den Deckel. Gemessen wird dann in diesem Raum, nicht woanders. Schon recht geringe Temperaturunterschiede verfälschen den Wert spürbar, es ist beeindruckend. Gegen die Mißweisung der ATC hilft, die Probe auf das RFM aufzutragen, während es auf dem Tisch liegt, es dann nur kurz aufzuheben und sofort abzulesen. Ich habe mal einen Honig innerhalb von 10 Minuten mit dem Gerät zwischen den Fingern 0,5% "trockener" gekriegt und hatte nicht mal besonders warme Hände.


    Viel Meßerfolg,


    Johannes