Beiträge von Johannes

    Hallo Vogtländer,


    ich bin nach fast 7 Jahren froh, mich seinerzeit für das 12er-Dadant entschieden zu haben. Diese Punkte sind für mich die wichtigsten:


    1. Die Futterreserve nach der Sommerernte. Hier (und in vielen anderen Gegenden) ist nach der Sommertrachternte Mitte Juli bis Anfang August eine ausgeprägte Trachtlücke. Gerade kräftige Völker, die zu dieser Zeit manchmal noch auf 9-10 Waben brüten, können da schneller in Futternot kommen, als man glaubt. Manchmal geht das von einem Tag auf den anderen. In der 12er-Beute ist auch im Sommer die 1. und 12. Wabe meist eine reine, schwere Futterwabe, die einem in dieser Hinsicht Luft verschafft. (Eine Erstfütterung nach der Abschleuderung mit ein paar Litern mache ich trotzdem immer - aber ich muß nicht mit den Kanistern in der Hand hinsprinten.)


    2. Der Platz. Alle paar Jahre gibt es mal eine Ausnahmekönigin, die so riesige Brutnester anlegt, daß sie sich über alle 12 Waben erstrecken, und auch auf den Randwaben nicht nur ein paar Zellchen bestiftet sind. Ich hatte das bisher zwei mal und war in dieser Zeit froh um den zusätzlichen Raum.


    3. Die Drehbarkeit um 90° - das war anfangs für mich gefühlt wichtiger als es das heute ist; seinerzeit habe ich großen Wert auf gleichmäßiges Volltragen der Honigwaben gelegt, und da kann man mit Drehung um 90° schöne Ergebnisse erzielen. Inzwischen ist mir das nicht mehr wichtig, zumal ich je nach gewünschtem Wassergehalt auch knapper aufsetze - dadurch wird eh alles voll und verdeckelt. Im Keller und im Zargenlager ist es trotzdem immer noch praktisch, die Kisten irgendwie aufstapeln zu können, ohne auf die Ausrichtung zu achten - entscheidend wäre das für mich aber nicht.

    Überzeugt, Rudi - nächstes Jahr werde ich das auch mal versuchen. Ich bin insofern gespannt, als daß hier ab Mitte August zuverlässig eine nicht unerhebliche Springkrauttracht einsetzt; späte Tautrachten kommen hingegen nur alle paar Jahre in nennenswertem Umfang vor. Mal sehen, wie sehr das zum Brüten in der untergesetzten Zarge stimuliert. Großzellige Honigwaben habe ich ja genug.

    • Lange Zeit ohne Königin und ohne offene Brut, aber ohne Drohnenbrütigkeit.
    • Beim Auflösen kein Einbetteln in Nachbarbeuten (wie sonst üblich).
    • Bildung einer Schwarmtraube - definitiv ohne Königin - im Freien in der Nähe des alten Standortes.
    • Nach dem Aufstellen eines weiselrichtigen Ablegers an diesem Platz Verlust der Königin.
    • Verlust von 2 weiteren zugesetzten Königinnen.


    Es scheint, als ob die lange Weisellosigkeit (im Spätsommer/Herbst?) so was wie "asoziale Bienen" entstehen lässt, die noch nicht mal ihre letzte Chance in Gestalt eines guten Ablegers erkennen.


    Es ist interessant, daß jetzt schon mehrere Imker hier über ganz ähnliche Erfahrungen berichtet haben - ich hatte selbst ja einen der Threads eröffnet. Ich habe das Gefühl, es gibt einen Zusammenhang zur Jahreszeitenphase des Bienenvolkes. Bei mir war es ja auch so: die Völker, die bis zuletzt eine Königin hatten, ließen sich immer problemlos auflösen, das weisellose aber nicht.


    Interessanterweise ist dies ja auch die Zeit, in der Umweiselungen idiotensicher funktionieren. Als ob die Königin ab der Zeit des Drohnenabtriebs für den jahreszeitlichen Volkszusammenhalt nicht mehr so wichtig ist (weil sie sowieso demnächst aufhört, zu legen). Die Pseudo-Schwarmtraube verhielt sich überhaupt nicht weisellos. Vielleicht, weil sie jetzt gar keine Weisel braucht? Und was die Afterweiseln angeht, neige ich zu der völlig unbelegten Vorstellung, daß sich die erst im nächsten Frühjahr bilden, wenn das Volk in Lege- oder Verjüngungsnot kommt. Jetzt "braucht" das Volk die Drohnenmütterchen doch gar nicht.

    Herbert, wo ist der Widerspruch?


    Oder liest Du aus meinen letzten Beiträgen das Ansinnen, irgend jemandem die Freude an seinem oder jemandes anderem Honig zu verderben? Dann hätte ich mich schlecht ausgedrückt.


    Daß es sich lohnt, über Geschmack zu streiten, impliziert doch gerade nicht, daß es irgendwo die mit Löffeln zu fressende Weisheit gäbe, deren gefüllten Teller wir nun zwanghaft imkernd auftreiben müßten... :)


    Es geht mir um die Freude am guten Honig. Je mehr man sich da 'reinbegibt in das Thema, umso größer wird sie. Es geht mir nirgends darum, Honig schlecht zu reden. Es geht mir darum, daß Honig ein derart differenziertes Qualitätspotential hat, daß er darin höchstens vom Wein überboten wird. Ich habe meinen allerersten 19,4%-Honig aus unspektakulärer Frühtracht und mit knackiger Rauchnote vom überängstlichen Anfängerqualmen genossen wie selten später einen anderen. So what?


    Solche subjektiven und emotional gefärben Vorlieben bedeuten doch aber nicht, daß dieser Honig nicht verbesserungsfähig gewesen sei. Ich freu' mich heute wie ein Schneekönig darüber, wenn ich meine Sommertracht auf meinen (subjektiven!) Traumwert von 17,4% bringe und die Frühtracht statt nach verbranntem Rainfarn nach Naturbau schmeckt. Aber: dadurch wird mein erstes Honigerlebnis doch in keiner Weise entwertet. Oder?


    Liebe Grüße,


    Johannes

    Beim Wein gibt es ja viele Möglichkeiten. Wie aber kann man als Imker die Honigqualität ENTSCHEIDEND beeinflussen?


    Meine Meinung dazu (Reihenfolge nach subjektiver Wichtigkeit):


    1. Selbstkritik.
    Bereit sein, den eigenen Honig nicht von vornherein toll zu finden. Sich selbst gegenüber zum Korinthenkacker werden. Tolle Honige anderer Imker probieren. Auch nicht so tolle. Eine Vorstellung davon entwickeln, was man will und was nicht.


    2. Lage, Lage, Lage.
    Mit dem Stand im eigenen Garten kann man ein Riesenglück haben. Das ist aber nicht immer so. Sich vielleicht mit dem Gedanken an einen zweiten Stand weiter draußen anfreunden. Ein Pilotvolk in eine vielversprechende Lage stellen, wo z. B. die Linde etwas weniger knallt und dafür Tau oder Kastanie ein bißchen mehr tönen dürfen. Oder weniger. Oder...


    3. Konzept für den eigenen Honig.
    Hat man einige Jahre Erfahrung mit der eigenen Gegend, bekommt man ein Gefühl dafür, was die Gegend zu leisten imstande ist und was nicht. Ich habe eine phänomenale, völlig lindentaufreie Winterlindenblüte in perfekter Entfernung von meinem besten Stand. Das ist meine Stärke. Ich habe alle paar Jahre auch mal eine Tautracht; wenn man den Schleuderzeitpunkt richtig wählt, kommt da ein Waldhonig 'raus. Aber der ist im Vergleich zu anderen Waldlagen weiter im Süden unseres Landes unterdurchschnittlich, manchmal sogar miserabel.
    Also laß' ich es halt sein. Um im obigen Bild zu bleiben: Reinhard Löwenstein weiß genau, warum er im Uhlen Riesling und nicht Blaufränkisch anbaut. Seine Lage hat perfektes Rieslingpotential. Also macht er nur das, und dafür richtig.


    4. Nicht lockerlassen beim Wassergehalt.
    Welchen Charakter hat mein Honig? Welcher Wassergehalt paßt dazu? (ein paar Ideen dazu stehen hier.) Und dann auf diesen Wunschwassergehalt hinimkern. Das braucht oft ein paar Jahre, bis man den Bogen 'raus hat, und der Weg dahin kann schon von Stand zu Stand verschieden sein.


    5. Honigfehler vermeiden.
    Rauch und bebrütete Waben sind neben einem unpassenden (oft zu hohen) Wassergehalt die beim kritischen Verkosten am häufigsten auffallenden Honigfehler. Also: beides konsequent aus dem Honigraum 'raushalten.


    6. Den richtigen Erntezeitpunkt wählen.
    Soll die Robinienblüte noch mit in die Frühtracht oder schon mit in die Sommertracht? Sollte ich das erste Springkraut besser aus dem Sommerhonig 'raushalten? Haut das mit der Honigreife hin? Etc.


    7. An der Textur arbeiten.
    Vor dem Rühren überlegen, was man will. Cremigkeit? Stichfestigkeit? Oder hat man eher die heimliche Liebe zu ungerührtem Honig? In der Sommertracht die Impfung nicht von vornherein verteufeln. Impfen ist nicht Verschneiden. Diesbezüglich die Idee des optimalen Honigs auch mal über die eigene Dogmatik stellen. Es reichen manchmal weniger als 3% desselben Standes und Jahrgangs aus der Frühtracht.


    8. Gehezu 1.
    Wie ist der Honig geworden? Was hat geklappt, was nicht? Was muß besser werden? Die Arbeit am nächsten Jahrgang beginnt mit der Sommerernte des Vorjahres. Ggf. mit dem Feinschliff anfangen: dynamischer Honigraum (bei nassauer abgucken), Naturbau über'm Gitter (dito), Ertragsreduzierung (weniger aufsetzen, als sie füllen können), frühe Frühtracht besser nutzen durch stärkere Völker - da fängt die Spielerei an, die mit etwas Glück und viel Geduld zu außergewöhnlichen qualitativen Spitzen führen kann.

    Frankreich ist beispielsweise für tolle Weine bekannt. Wo gibt es besonders guten Honig? Gibt es Hersteller, die über Landesgrenzen hinaus für außergewöhnliche Honige bekannt sind? Welches Land ist für besonders gute bzw. qualitativ hochwertige Honige anerkannt, weil z.B. besondere Trachtverhältnisse zu verzeichnen sind? Ich möchte mich gerne durchkosten, um zu wissen, was besonders gut ist bzw. was besonders schmeckt.


    Hallo Hannes,


    ich bin der Meinung, daß, wenn man von überragendem Honig redet, die Sortenorientierung eher störend als hilfreich ist. Die größten Honigerlebnisse, die ich hatte, waren zum größeren Teil keine sortenreinen Ernten. Aber es waren oft Produkte von im kleinen Maßstab arbeitenden Qualitätsfanatikern.


    Es ist beim Wein ja ähnlich. Reinhard Löwenstein (einer der großartigsten Winzer Deutschlands) macht in Winningen Rieslinge, die einem den Atem verschlagen können - weil sie eben nicht das Stereotyp des klassischen Moselrieslings bedienen. Man schmeckt das Terroir, die Lage, die Landschaft - es ist wundervoll. Der Uhlen schmeckt nach Uhlen. Und trotzdem bleibt der Wein ein Riesling. Nur, was für einer!


    Oder beim Honig: Jespers und Najas (vermutlich :)) Vangså Hede schmeckt eben nicht einfach nach einem guten Heidehonig, sondern nach... mehr. http://neuerhonig.wordpress.co…-blind-date-in-der-heide/


    Nur, die Erzeuger sind oft kaum bekannt, weil sie klein sind. Es gibt auch beim Honig "große Namen". Nur kennt sie kaum jemand.

    ... also, eigentlich ist "Honigsensorik" nicht richtig; ich hatte das gestern so flott hingeschrieben. Es geht um viel mehr als um das, was in den Honiglabors als Honigsensorik betrieben wird.


    Es geht um das Erlebnis. Das ist weiter gefaßt als die Sensorik.


    Einen guten Wein zu erleben ist auch 'was anderes als "Weinsensorik".

    Es rechnet sich nicht bebrütete Waben aufzubewahren!
    Diese Waben gehörten verbrannt, noch nicht mal schmelzen lohnt sich.
    Allerdings ist es besser dieses Verbrennen im Winter zu tätigen!!!

    Da spricht tatsächlich mal einer meine heimlichen Gedanken aus... Ich habe mich seit Anfang August gefragt, warum ich mir eigentlich jedes Jahr das Ausschmelzen der bebrüteten Waben antue. Dieses Herumgefuhrwerke mit dem Sonnenwachsschmelzer, umschwirrt von lechzenden Räubern und unfreundlichen Wespen, nur um dann nach 3 Waben ein paar Tröpfchen Wachs im Wännchen zu haben. Dann das 'Rausgekratze des klebrigen Tresters, wieder die Räuber, noch mehr Wespen, Trestereimer 'rein in den Keller, 'raus aus dem Keller (draußen kann er ja nicht stehen bleiben, weil der Bienen anzieht wie Hulle), und so weiter... (Bitte jetzt nicht mit Dampfwachsschmelzern oder Einkochkesseln kommen - hatte ich auch schon alles, wunderbar funktionierender Selbstbau, nicht weniger schmoddrig, und auch nicht viel mehr Wachs...)


    Ich danke Dir. :p_flower01: Jetzt ist Schluß damit. Ich gönne mir den Luxus des Wegwerfens. Aus den Honigräumen kriege ich genug Wachs, und das ist richtig appetitlich. Demnächst, wenn's herbstlicher wird, gibt's ein Lagerfeuer. Und ich habe eine nervige Sorge weniger.

    Hallo Hannes,


    ich habe eine Radialschleuder mit deutlich größerem Kesseldurchmesser. Der Nachteil ist, daß das Gerät dadurch ganz schön sperrig wird. Ich sehe bei dem geringeren Durchmesser kein Problem: Für dieselbe Zentrifugalkraft mußt Du dann halt den Motor schneller stellen. Die Schleuderhexe (so nennt man den klassischen 80-W-Schleudermotor), die wie in meiner mußtmaßlich auch in der von Dir genannten Schleuder verarbeitet ist, hat drehzahlmäßig noch viel Luft nach oben. Wichtig ist dann, die Geschwindigkeit schrittweise zu erhöhen und nicht volle Kanne auf Topspeed loszuschleudern.

    Hallo Hannes,


    die von Dir genannte Schleuder klingt nach einem sehr guten Preis-/Leistungs-Verhältnis. CFM ist eine Firma, die solide, verläßliche Qualität herstellen soll, sagt man.


    Sehr bestärken kann ich Dich in Deiner Idee, eine Radialschleuder mit Motor zu nehmen:


    1. robuste, quasi unzerstörbare Technik des Schleuderkorbes ohne Scharniere wie beim Selbstwender etc., im Vergleich leicht zu reinigen


    2. Im Ggs. zur Tangentialschleuder müssen die Waben nicht von Hand gewendet werden (pro Schleudergang mußt Du das ja sonst zwei mal tun).
    Während man den nächsten Wabensatz entdeckelt, schleudert das Gerät selbsttätig und ohne teure elektronische Steuerung die Waben leer. Den Mehrpreis für den Motor (im Ggs. zum Handbetrieb) würde ich in jedem Fall investieren.


    3. Extrem schonende Behandlung der Waben; selbst Naturbauwaben ohne Anbau an den Seitenteilen lassen sich bei gefühlvoller Steigerung der Drehzahl ohne jede Beschädigung schleudern


    4. Im Vergleich zum Selbstwender und zur Radschleuder (letztere bietet die beiden letztgenannten Vorteile auch) günstigerer Preis.


    Viele Grüße, Johannes