Beiträge von BernhardHeuvel

    Eine Dauerbesiedlung einer Baumhöhle oder sonstigen Bienenwohnung ist fast immer eine Fehleinschätzung, die durch die rasche Neubesiedelung entsteht.


    Wenn man böse wäre, könnte man das über die von Imker betreuten Kästen auch behaupten. :) Neue Königin jedes Jahr, so viele Ableger jedes Jahr (wofür eigentlich?) und so weiter...


    Vielleicht ist die Nestflucht aber auch ein Mechanismus, der von der Natur so gewollt ist. Schließlich brüten Vögel auch nicht jedes Jahr im gleichen Nest. Und viele Tiere wechseln ihre Schlafplätze regelmäßig, um den Parasitendruck zu verringern. Ein in der Verhaltensbiologie weithin bekannter Mechanismus.


    Im Endeffekt macht es der ursprüngliche Wirt der Varroa, eine andere Unterart der Apis mellifica (ja genau, nicht mellifera...) ja auch so, indem er mehrfach im Jahr ausschwärmt.


    Auch der Tod ist ein Mechanismus des Lebens. Würde man den Tod verhindern, würde das Leben aussterben. So komisch das klingt.


    Auf der anderen Seite sehe ich in den Aktionen der "Spechthöhlen-Aktivisten" auch wenig Sinn. Die Bienen leben – so unglaublich das klingen mag – nicht im Bienenkasten oder in einer Baumhöhle, sondern eingebettet in einer Landschaft. Wer hier biologisch was erreichen will, muss die Landschaft gestalten und kultivieren. Lebensgerecht kultivieren. Einfach irgendwelche Bienen in Baumhöhlen stecken und verkümmern lassen, funktioniert ganz offensichtlich nicht.


    Und noch ein Wort zu den "natürlichen Wäldern". Nirgends hungern Bienen schneller als im Hochwald, wo es zu wenig Pollen und oft auch zu wenig Nektar gibt. Das wusste man schon im Mittelalter, wo man es bei Nicol Jacobi nachlesen kann: an den Waldrändern in der Nähe zu den von Menschen bestellten Feldern gibt es den meisten Honig.


    Das mag den einen oder anderen Menschenverächter/Misanthrop nicht gefallen, aber eine Lösung kann nur mit den Menschen gefunden werden. :)

    Gute Güte, so viele Beiträge in einem Tag. Nun gut.


    Ich habe mir gerade nochmal die Honigverordnung angesehen, die jeder hier im Gesamttext einsehen kann: https://www.gesetze-im-interne…v_2004/BJNR009200004.html und kann keinen Bezug zum Thema finden.


    Ich habe mich für die Anwendung von Varromed entschieden, weil es als einziges Mittel für die Anwendung im Frühjahr zugelassen ist. Europaweit und in Deutschland im Speziellen. Persönlich finde ich die Propolisbestandteile gut, die es damals auch in Bienenwohl gab. Und der Verzicht auf Zucker in der Lösung, weil Zucker und Oxalsäure immer Darmschäden bei den Bienen verursacht. Das Leaky Gut-Syndrom bei Bienen. Die Wirkung ist völlig ausreichend, wenn das neue integrative Konzept verstanden und angewandt wird.


    ApiVar nutze ich nach der letzten Ernte als Sommerbehandlung. Ich nutze ApiVar als eines von zwei zugelassenen Mitteln mit dem Wirkstoff Amitraz. Daß ich Apitraz nicht nutze, hat in erster Linie mit meiner persönliche Abneigung gegen die Herstellerfirma zu tun.


    ApiVar mit Amitraz muss eigentlich nur in dicht mit Bienenvölkern besiedelten Gegenden, zum Beispiel in der Stadt, jedes Jahr eingesetzt werden. In weniger dicht besetzten Landstrichen reicht es, alle drei-vier Jahre einmal mit ApiVar die Grundbehandlung zu machen. Hier ist die Behandlung mit Varromed nach dem neuen Konzept jedoch weiter notwendig.


    Langfristig – und so schreibe ich es ja auch in meinem Buch – ist die eigenständige Varroaresistenz der Bienenvölker notwendig. Ich unterstütze die Varroaresistenzzucht. Ob die Sache rein genetisch über die Zucht erfolgt, sei nochmal dahingestellt. Meiner eigenen Erfahrung nach bedarf es da zusätzlich zur "technischen" Lösung auch eine biologische Lösung. Sprich: die Anwendung des Wissens über die Bienen- und Varroabiologie. Wir wissen sehr viel und handeln noch nicht danach.


    Eben erwähnter Randy Oliver hatte mich auf den "Dreimonatseffekt" hingewiesen. Sprich: Seinen Versuchen nach, erholt sich die Varroapopulation nach einer Behandlung spätestens nach drei Monaten wieder auf 100 Prozent des Ursprungszustandes vor der Behandlung.


    Dann kam eine Studie aus den Niederlanden mit Ameisensäure im Frühjahr hinzu und vor allem die Studie aus Kanada:

    Currie, RW and P Gatien (2006) Timing acaricide treatments to prevent Varroa destructor (Acari: Varroidae) from causing economic damage to honey bee colonies. Can. Entomol. 138: 238–252

    DOI: https://doi.org/10.4039/n05-024


    Seither, und das sind jetzt schon einige Jahre, kann ich diesen starken Effekt auch selbst bei mir beobachten. Andere mit mir befreundete Imker sehen diese Effekte auch. Und bei denen, die zum Beispiel beim Sonntagstreff bei mir gehört und das übernommen haben. Hier liegt also schon reichlich Erfahrungswissen vor, wie Manne sagen würde: natürliches Erfahrungswissen.


    Letztendlich ist das den meisten Wissenschaftlern auch bewusst gewesen, als sie zum Beispiel den Drohnenschnitt im Frühjahr erfunden haben. Naja, eigentlich geht das Drohnenschneiden auf eine lange Tradition zurück. Früher hat man Drohnen geschnitten, weil man den Drohnen den Honig nicht gegönnt hat. Heute eben, um die Varroa zu kürzen. Leider ist das Drohnenschneiden im Ergebnis eher kontraproduktiv. Ich habe das immer wieder über Jahre versucht und festgestellt, daß ich durch das Weglassen des Drohnenrahmens (und daher auch kein Schneiden der Drohnen) eine ganze Zarge Honig mehr ernten kann. Das ist für mich ein Zeichen dafür, daß gerade mehrfach wiederholtes Drohnenschneiden die Bienen auf irgendeine Weise schwächt. Ich vermute, daß die unnatürlich große Fläche Drohnenbrut einfach zu viel Fettkörper verbraucht. Verringerter Fettkörper gleich weniger Futtersaft für Flugbienen gleich weniger Honig.


    Drohnen haben die Bienenvölker trotz fehlendem Drohnenrahmen übrigens natürlich trotzdem reichlich und in ausreichender Menge.


    Soviel erst einmal dazu.


    Viele Grüße


    Bernhard

    Huih, da komme ich mit dem Lesen nicht mehr mit. So viele Beiträge in kurzer Zeit.

    "alle Investitionen auf Eis legen". Wieso das? Die Investition heute ist billiger als die von morgen und sie produziert auch morgen noch das Produkt von heute, aber zu den Preisen von morgen! Warum also deiner Meinung nach Investitionen nicht auch auf Vorrat anlegen?

    Das ist reines Erfahrungswissen von alten Leuten. So erkläre ich mir den Hintergrund:


    Bei größeren Investitionen laufen die Kosten des Projektes aus dem Ruder, weil Energie- und Materialkosten nicht mehr zu planen sind.


    Bei kleineren Investitionen hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, daß Liquidität wichtiger ist als ein Gerät zur Produktion. Auf die allermeisten Gerätschaften lässt sich beim Produzieren verzichten.


    Ab einem gewissen Level produziert es sich schlecht gegen eine Entwertung/Inflation. Ich gebe Dir Recht, wenn alles vorbei ist, sieht das wieder anders aus. Aber dann werden möglicherweise über eine Währungsreform nochmal Vermögen "umgeschichtet". Sondergewinne oder Übergewinne sind ja jetzt schon Gegenstand der medialen Monologe.


    Wer hindert uns Imker das gleiche zu tun? Verkaufe das 500gr. Glas nur noch für 10 EUR!


    Noch hindert uns der Markt, weil der Markt für teuren Honig sehr viel geringer ist als der Massenmarkt.


    Bei mir hat die Preiserhöhung – vorausschauend bereits letztes Jahr durchgeführt – zu einer Halbierung des mengenmäßigen Umsatzes geführt. Die Käufer sind äußerst preissensibel und essen eben nur noch ein halbes Glas pro Woche. Und nicht mehr ein ganzes Glas, wie vorher. Das Frühstück fällt etwas schlanker aus. Ganz nach der FDH-Diät. (Friss-Die-Hälfte-Diät.) Heutzutage sind die Käufer preissensibler denn je.


    Ähnliche Erfahrungen haben größere Imker bereits in der Vergangenheit – also vor der verstärkten Inflation – in den Supermärkten immer wieder gemacht. Geht der Preis um einen Euro rauf, halbiert sich der Umsatz. Aktionen mit 20 % Rabatt erhöht den Umsatz um 75 %.


    Ich habe für den Ausgleich die Anzahl der Verkaufsstellen erhöht, aber das erzeugt beim Ausliefern und Verwalten wiederum erhöhten Aufwand. Kleinere Gebinde zum alten 500 g-Glaspreis – sozusagen Inflationsgläser – sind auch nur eine vage Lösung, weil die Gläser ähnlich teuer sind wie normal große Gläser und weil der Aufwand beim Abfüllen steigt.


    Kurzum: so leicht ist das Thema nicht zu lösen, trotz vieler Stellschrauben.


    Da gibt es eine Lösung: Für den Luxusmarkt produzieren. Der ist wenig preissensibel. ;)

    Ich weiß aus eigener Anschauung, daß gerade die Wohlhabenden sehr preissensibel sind. Da muss schon Prestige mit dem Luxusgut einhergehen. Nun ist Honig nicht gerade ein Luxusgut wie ein Sportwagen oder eine teure Uhr.


    Bisher war es hipp und prestigeträchtig gewesen, die Bienen zu retten und was für die Umwelt zu tun. Wenn aber der allgemeine Wohlstand mit dem Hackebeil reduziert wird, wird es einen Sündenbock geben, und das werden voraussichtlich die Grünen sein. Der grüne Anstrich, den sich die Imkerei gibt, ist heute hipp und kann nach außen zur Schau getragen werden. Diese Mode kann aber schnell verwelken (wie Tulpen in der Tulpenkrise...) und dann wird Honig wieder ein relativ normales Lebensmittel.


    ...allgemeinen Inflationsrate...

    Die natürliche Erfahrung spiegelt diese Inflationsrate nicht wider.


    Sei Du besonders gegrüßt, Manne, es freut mich wirklich von Dir hier zu lesen! An natürlicher Erfahrung haben leider die Wenigsten heute ein Interesse. Zahlen und die "Wissenschaft" sind die Götter der heutigen Zeit. Das passt auch besser zu den Avataren und dem Metaverse, in dem sich die Menschen heute verstecken. Vor sich selbst verstecken! Wir reden nochmal drüber, wenn wir uns begegnen sollten.


    Mein Großvater war Imker in der Nachkriegszeit, der Honig war sehr begehrt.

    Und da waren die allgemeinen Lebensverhältnisse noch mal deutlich elementar eingeschränkter als heute.

    Das Toptauschobjekt war so was von überflüssig : Zigaretten!

    Meine Großmutter hatte mit dem Fahrrad Zigaretten und Butter aus Holland nach Deutschland geschmuggelt, um die Familie über Wasser zu halten.


    Wenn es wirklich hart auf hart kommt, gibt es wieder Bezugsscheine und Wertmarken. Aus dem Tagebuch einer anderen Urgroßmutter aus der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges: "Willy hatte sogar einen Vorrat an Mehl, Grieß, Zucker usw. organisiert. Ich muß es hier nochmal erwähnen, besonders für die junge Generation, man konnte nicht einfach in den Laden gehen und etwa ein Viertel Schinken verlangen oder Butter oder Äpfel oder eine Tafel Schokolade oder eine Rolle Nähfaden, alles gab es nur auf Marken oder im Schwarzhandel. Zum Beispiel 1/2 Pfund Butter für 250 Mark oder eine Schachtel Zigaretten für 50 Mark."


    Es gibt ein ganz hübsches Buch über die Imkerei in Deutschland, worin die Verhältnisse während der Hyperinflation in der Weimarer Republik auch ganz gut beschrieben werden. Titel: Honig für das Volk. Geschichte der Imkerei in Deutschland. Von Rainer Stripf.


    Viele Grüße


    Bernhard

    Zum Pressen habe ich noch folgende Praxiserfahrungen hinzuzufügen:


    1. Wenn man die Waben vor dem Pressen würfelt, also mit dem Messer in Würfel schneidet, bleibt viel weniger Honig im Wachs übrig, als wenn man die Waben einfach so in den Presskorb gibt oder sie gar reinquetscht. Ein Franzose hat dazu eine Art Obstschneidegerät für Honigwaben entwickelt, genannt Moulimiel. Im kleinen Stil reicht aber das Küchenmesser und ein Schneidebrett.


    2. Beim Anziehen der Presse immer wieder Wartepausen einlegen. Also Presse fest anziehen, den Druck für fünf Minuten wirken lasse – es braucht Zeit, bis der Honig ausläuft – und dann wieder weiter anziehen. Es ist erstaunlich, wie weit herunter der Preßkuchen gedrückt werden kann, wenn man dem Ganzen etwas Zeit gibt.


    Ich würde auf jeden Fall auch ein Pressnetz einsetzen, so wie es beim Obstpressen verwendet wird.


    Viele Grüße


    Bernhard

    wie seht ihr das mit möglichen Lieferengpässen für Imkereibedarf in den kommenden Monaten? [...] Wie schätzt ihr das die kommenden Monate ein? Habt ihr aktuell schon früher als sonst bestellt oder auf Vorrat eingekauft? Wie ist Euer Gefühl, was die Liefer-Verlässlichkeit von notwendigem Imkereibedarf (Futter, Gläser, Deckel, Beuten, Rähmchen usw.) für die kommenden Monate angeht? Seht ihr das eher entspannt oder eher skeptisch? Und wie schätzt ihr in diesem Zusammenhang die Preisentwicklung von Imkereibedarf in den nächsten sechs Monaten ein?

    Hallo Matthias,


    soweit ich das überblicken kann, wird die Inflationsrate weiter steigen, (hoffentlich) irgendwo bei 10-14 % einen Spitzenwert erreichen und dann wieder auf vielleicht 5 % sinken, wo sie allen Anschein nach noch einige Jahre bis zu einem Jahrzehnt verharren wird.


    Inflation wird immer mit Preissteigerungen in Verbindung gleichgesetzt – Inflation bedeutet aber vor allem eine Entwertung des Geldes. Sprich: fürs gleiche Geld gibt es weniger. Bei einer Inflationsrate von nur 5 % über 10 Jahre – da sinkt der Geldwert auf weit unter 20 % der heutigen Kaufkraft.


    Inflation ist normal, hohe Inflationen sind auch normal, führen aber zu einer Welle von Folgen. Wer den alten Leuten zuhört, die solche hohen Inflationen bereits erlebt haben, oder sich andere Länder mit solchen oder noch viel höheren Inflationszahlen ansieht, der bekommt einen Eindruck, was uns noch bevorsteht.


    Im Prinzip ist das richtige Verhalten: alles auf Lager legen, Tauschware bereitlegen, alles wiederverwenden, Preise im Gleichschritt mit der Inflationsrate anheben (Wertverlust weitergeben), Umsatzeinbrüche durch Vergrößerung der Absatzpunkte ausgleichen, und ganz wichtig: alle Investitionen aufs Eis legen.


    Aber selbst diese Maßnahmen garantieren nicht das wirtschaftliche Überleben, sondern erhöhen die Chance ein wenig.


    Die überbordenden Energiekosten – unsere Abschläge für Wärme wurden vom Versorger gerade um das Dreifache angehoben, der Brief kam gestern rein – machen jegliches Produzieren fast unmöglich. So wie Habeck es sinngemäß sagte: einfach den Laden zumachen und nicht mehr verkaufen. :/


    Also mein Eindruck ist, daß die Preise in den nächsten Monaten weiter steigen werden. Die Lagerhallen der Händler werden wohl auch beheizt oder wenigstens vor Frost geschützt. So eine Halle – je nach Dimension – verbraucht im Monat große Mengen Energie. Das geht schnell in die 10.000-100.000 Kilowattstunden. Wenn dann Rechnungen für Zehntausend oder Hunderttausend Euro Abschlag pro Monat ins Haus flattern, müssen diese Kosten von den Händlern weitergegeben werden. Die Transportkosten erhöhen sich auch ständig, fast egal auf welchem Transportweg.


    Was passiert, wenn der Winter dann endlich vorbei ist, steht in den Sternen. Das wir mittelfristig bei Inflationsraten von 2 % landen werden, denke ich, ist mehr oder weniger ausgeschlossen.


    Obwohl keiner wirklich sagen, was passieren wird – es wird auf jeden Fall knifflig für alle Wirtschaftstreibenden.


    Viele Grüße


    Bernhard

    Das gilt dann ja auch für die TBE?!

    Wird es dabei nicht eine wesentliche Rolle spielen, wann die Brutunterbrechnung erfolgt (je früher desto besser)?

    Ja, ganz genau. Es spielt nur eine unwesentliche Rolle, ob man die Bienen früher oder später schädigt. Diese Maßnahmen sind auch gar nicht notwendig, wenn die Behandlung an der Biologie der Varroa ausgerichtet wird: die Population erholt sich in der Saison schon nach zwei Monaten auf den Ursprungszustand! Damit müssen wir arbeiten.


    Bei der totalen Bauerneuerung (TBE) kommt des Weiteren noch hinzu, daß die alten schwarzen Waben entfernt werden. Wie ich andernorts bereits schrieb, spielen diese alten Schinken eine wesentliche Rolle bei der Gesundheit der Bienen und dem selbstständigen Überleben. Das liegt daran, daß die Wassereigenschaften bei dunklen Waben anders sind als bei hellen Waben: durch die Bienenseide (von den Puppen) können dunkle Waben das Zehnfache des eigenen Gewichtes an Wasser aufnehmen. Während reine helle Wachswaben gar kein Wasser aufnehmen.


    Aus diesem Grund brüten die Bienen im Sommer auch besonders gern auf dunklen Waben, weil diese einen besseren Wasser- und Feuchtehaushalt ermöglichen. Insbesondere bei den immer trockeneren und heißeren Sommern der vergangenen Jahre, macht das enorme Unterschiede aus.


    Die ganze Idee der totalen Bauerneuerung basiert auf einer einzigen Studie, in der gezeigt wurde, daß alte Waben mit der Zeit Viren und Pestizide ansammeln können(!). Daraufhin haben schlaue Leute ohne viel Bezug zur Bienenbiologie (siehe oben) gefolgert, daß das Entfernen der alten Waben mit den ganzen Viren und Pestiziden der Gesundheit der Bienen förderlich sei. Das ist aber eine Kopfgeburt, also Theorie.


    In der Praxis brauchen die Bienen alte Waben um zu überleben. Schon in mittelalterlichen Büchern lassen sich darauf Hinweise finden: die Klotzbeuten wurden erst nach fünf Jahren geerntet, nachdem das Wabenwerk voll ausgezogen und dunkel war.


    Meine Wabenhygiene sieht so aus: Viren und auch Pestizide zeigen über das Brutbild ihr Vorhandensein an. Sprich: Krankheiten und Gift erzeugen Symptome. Diese zeigen sich anhand der Brut. Eine Wabe mit Gift und Viren ohne Symptome gibt es nicht. Alle Waben mit löchriger Brut fliegen daher sofort und zu jeder Jahreszeit sofort raus. Fertig ist die Wabenhygiene.


    Alle anderen alten schwarzen Schinken bleiben bis zu meinem Lebensende in den Bienenvölkern. Und nein: die Zellen werden nicht kleiner – die Bienen können sehr gut mit ihren Mundwerkzeugen schaben und putzen. Und das tun sie auch. Sie bauen manchmal sogar Arbeiterinnenzellen zu Drohnenzellen um, usw.


    Freundliche Grüße


    Bernhard

    Das ist nicht blöd gefragt. Natürlich müssen andere Faktoren – Brutkrankheiten wie Faulbrut und Varroa etc. ausgeschlossen werden. Aber hier sieht man auf dem Detailbild ein gutes Kennzeichen: neben dicken Rundmaden liegen Zellen mit Eiern.


    Auf einer normalen Wabe sind die Altersstufen der Eier und Maden und Rundmaden und verdeckelten Zellen spiralförmig nebeneinander angelegt, schön sortiert und ordentlich.


    Wenn die Brut jedoch Ei neben Rundmade und in dieser Art völlig durcheinander ist, ist das ein Zeichen, daß hier Brut abgestorben ist, die dann wieder mit Eiern ersetzt wurde. Stearin im Bienenwachs erzeugt genau solche Bilder. Dann gibt es noch kleinere Details wie das Ansetzen von Propolis an den Wabenrändern, das leichte Durchhängen der Zelllinien (Stearin wird zugesetzt, um die Verfälschung mit Paraffin zu vertuschen. Paraffin senkt den Schmelzpunkt, Stearin hebt den Schmelzpunkt wieder). Das Verhalten der Bienen ist eher aggressiv.


    In dem hier gezeigten Fall, konnte der Nachweis anhand einer restlichen Mittelwand gezeigt werden, die sich ohne Weiteres aufrollen ließ, während richtiges Bienenwachs bei normalen Temperaturen sehr schnell bricht, wenn man es faltet oder rollt.


    Schreib mich per E-Mail an, wenn Du an einer Zusammenstellung als PDF interessiert bist. Leider kann ich die Datei hier nicht anhängen, da sie 6 MB groß ist. Per E-Mail geht es.


    Jedenfalls gedeihen solche Völker je nach Anteil des Schadwachses nicht gut. Die Königin verausgabt sich, um die abgestorbene Brut zu entfernen. Das Beste ist, solche Waben sofort und radikal aus den Bienenvölkern zu entfernen und dafür ungiftigen Ersatz einzusetzen.

    Im Zuge des Schadens, den ich durch mit Stearin versetztes Bienenwachs bei zugekauften Bio-Mittelwänden hatte – damals glaubte ich noch fest an Bio – hatte ich den gesamten Betrieb auf Plastikmittelwände gesetzt. Da ich bereits mehrere Jahre mit kleinen Zellen (4,9 mm) herumexperimentiert hatte, wußte ich, daß die in Deutschland erhältlichen Plastikmittelwände nicht praxisgerecht sind. Und habe palettenweise Plastikmittelwände aus den USA importiert. Damit habe ich dann meine Völker gerettet, was zu retten war.


    Der Import war ein teures Vergnügen und langfristig will ich kein Plastik mehr in den Bienenvölkern haben. Ein bisschen Hippie und Öko bin ich dann noch geblieben. Und deswegen habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Eine Alternative ist die Imkerei ohne Mittelwände. Diese wird in der Bioimkerei ja häufig angewendet – hatte aber entscheidende Nachteile für die Erwerbsimkerei, die ja beim Wandern von Bienen und mit den großen Fliehkräften in den Schleudern die Waben derart belastet, so daß "Naturbau" – also ohne Mittelwände ausgebaute Rähmchen – nicht halten. Wandern und schleudern ist mit Naturbau also nur begrenzt möglich.


    Hier habe ich den entscheidenden Hinweis von einem Berufsimkerkollegen erhalten, der über die mittelwandlose Imkerei seine Meisterarbeit geschrieben hat. Und zwar werden nicht nur oben sondern auch unten an den Unterträgern Anfangsstreifen gesetzt. Das veranlasst die Bienen die Waben am Unterträger fest zu verankern, was die Waben – nun rundherum an Holz geheftet, ausreichend stabilisiert.


    Hier ein paar Bilder, die ich auf die Schnelle herausgekramt habe, die aber das Prinzip wohl verdeutlichen: (ja, es ist ein klappbarer Rahmen für die Zucht) Die Rähmchen bekommen oben und unten Anfangsstreifen. Die oberen Anfangsstreifen können ruhig weniger hoch sein, die unteren Anfangsstreifen sollten etwas eher sein, so 3-4 cm.


    Diese auf diese Weise präparierten Rähmchen taugen wenig im Frühjahr, da dann Drohnenbrutzellen darin angesetzt werden. Da wir mit dem angepassten Brutraum in der 12er-Dadant (Bruder Adam-Beute) arbeiten, erweitern wir den Brutraum im Frühjahr nicht. Sondern erst mit dem Auffüttern im Sommer – und da wird dann Arbeiterinnenbau aufgeführt. Im Honigraum ist das ja fast egal, ob da dicke Zellen gezogen werden.


    Ich klebe die Anfangsstreifen (hier aus alten Plastikmittelwänden geschnitten, geht auch mit anderen Materialien) entweder mit Wachs oder mit der Heißklebepistole an.


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    Eine Behandlung im Frühjahr verdoppelt die Honigernte des Jahres.

    naja... etwas plakativ, oder?

    Es gibt zwei unabhängig von einander erstellte Studien, eine aus Holland und eine aus Kanada. Die sagen das Gleiche aus, was auch die Praxis zeigt. Es ist tatsächlich so, daß die Varroabehandlung im Frühjahr (und nein, natürlich NICHT mit Amitraz/Apivar... =O) so viel Unterschied macht.


    Den Wenigsten ist bekannt, daß die Flugbienen im Bienenstock von den Ammenbienen mit Futtersaft versorgt werden. Circa 20 % des im Bienenstock erzeugten Futtersaftes wird an die Flugbienen verfüttert. Nachzulesen bei Zbigniew Lipinski, einem Forscher aus Polen. Das ist auch verständlich: während die Flugbienen ohne Weiteres ihren Kohlenhydratbedarf aus dem Honigmagen decken können, sieht es beim Proteinbedarf anders aus. Hier sind die Flugbienen auf die Zuarbeit der Ammenbienen angewiesen.


    Nun ist aber der Gesamtfettkörper des Bienenvolkes entscheidend, ob und wie viel und in welcher Qualität der Futtersaft entstehen kann, da der Futtersaft zwar aus der Futterdrüse der Bienen kommt, die Bausteine für den Futtersaft kommen jedoch aus dem Fettkörper. Der Fettkörper ist ein Organ und keine Fettansammlung.


    Auf diese Weise hängt die Flugaktivität vom Fettkörper ab.


    Da die Varroa aber adulte Bienen ansaugt und den Fettkörper des Bienenvolkes reduziert, auf exponentielle Weise, nimmt in der gleichen Art Flugaktivität und Flugradius ab. Es ist daher essentiell, ganzjährig die Varroapopulation kleinzuhalten.



    Na na. Erstens habe ich nicht von der Anwendung von Amitraz im Frühjahr geschrieben – das ist eine Unterstellung oder eine falsche Interpretation. Dafür zugelassen ist nur Varromed. Und so halte ich es auch.


    Und als ich das Wachsproblem hatte, gab es bei mir in der Imkerei noch kein Apivar. Apitraz verwende ich nicht. Daher liegt hier wohl kein Zusammenhang, den Du hier konstruieren willst, in diesem Sinne vor.


    Entschuldigt das Abschweifen vom Topic.

    Das ist auf die Ferne etwas falsch rübergekommen. Ich kritisiere im Allgemeinen die Brutpause bei Bienenvölkern.


    Meiner Beobachtung nach brüten die auf diese Weise behandelten Bienenvölker weit in den Herbst hinein, während Bienenvölker ohne Brutpause schon spätestens Mitte September aus der Brut gehen und brutfrei bis Mitte Januar bleiben.


    Warum ist das so?! Soweit ich das mit meinen Kenntnissen nachvollziehen kann: in einem Brutnest folgt der Schlupf der Bienen, also der Jungbienen, schön nach und nach gestaffelt.


    Bei einer Brutunterbrechung hingegen wird das Brutnest vollständig entfernt und vollständig neu aufgebaut. Das führt dazu, daß große Mengen junger Bienen auf einmal schlüpfen.


    Das wiederum hat einen stark negativen Effekt auf den Fettkörper der Bienen. Denn die adulten Bienen, welche die jungen geschlüpften Bienen füttern, verlieren ihren Fettkörper. Das wurde auch so in einer Studie eindrücklich nachgewiesen. Und mit dem Fettkörper geht die Langlebigkeit verloren. Die Dauerbiene wird zur "Sommerbiene"/kurzlebigen Biene.


    Anders ausgedrückt: das Bienenvolk verliert mit einem Schlag alle Dauerbienen (früher Winterbienen genannt, heute weiß man, daß ganzjährig Dauerbienen im Volk sind). Bis jedoch ein Bienenvolk neue Dauerbienen erzeugt hat, braucht es mindestens zwei Monate. Meiner Erfahrung nach brüten die Bienen nach so einer Radikalkur mindestens drei weitere Monate. Also im Juli ausgeführt: August-September-Oktober.


    Diese Bienenvölker mögen diese Radikalkur überleben, eine große Bienenmasse aufweisen und varroafreier sein als vorher: sie sind aber bezüglich des Fettkörpers und damit der Dauerbienen nachhaltig angeschlagen. Unter anderem sieht der Imker das dann im Januar und Februar, wenn die Bienen neu anfangen zu brüten. Wird da nicht mit Proteinfutter nachgeholfen, finden sich dann nur kleine Brutnester im Winter.


    Durch die angepasste Varroabehandlung – also mit den Zwischenbehandlungen – konnte ich auf die Brutentnahme mit Erfolg verzichten. Die Bienen gehen mit etwas Rücksicht auf die Bienenbiologie im Sommer schon Ende August, spätestens Mitte September vollständig aus der Brut. Da ich Buckfast, Elgon, Griechische und Dunkle Bienen habe, kann ich die Behauptung vorwegnehmend entkräften, daß es sich um eine Züchtung handelt. Alle Unterarten der Bienen reagieren so, daß sie aufhören zu brüten, wenn sie circa 10.000 Dauerbienen im Sommer erbrütet haben.


    Es gibt auch keinen besonderen Grund, unter schweren Umständen: kalte Nächte, wenig Pollen, schwere Flugverhältnisse beim Wasserholen – bis in den Herbst hinein brüten. Außer eben die blanke Not, Dauerbienen erzeugen zu müssen.


    Es lohnt sich daher, diese meine Hinweise in der Praxis im kleinen eigenen Feldversuch nachzuvollziehen. Denn nicht nur bienengerechter – auch imkergerechter ist es. Denn die Brutunterbrechung geht mit einer Logistik und Materialschlacht einher, sowie viel Arbeitsaufwand. Ich bin ganz froh, einen Weg ohne diesen Aufwand gefunden zu haben.


    Ich muss mich noch wieder ins Forum einleben. Daher entschuldige meine Formulierung. Sie war weder gegen Dich gerichtet, noch anderswie bösartig gemeint. Ich wollte auf einen Punkt hinaus, daß der verursachte Schaden am Fettkörper schwerer wiegt, als der Erfolg, die letzte Varroa ins Jenseits befördert zu haben.


    Freundliche Grüße


    Bernhard

    Es dürfte auch dir nicht entgangen sein, dass die Varroaproblematik in der breiten Basis der Imkerschaft immer noch ein Thema ist.

    Je nachdem, in welcher Gruppe Du innerhalb der Imkerschaft unterwegs bist. Für doch nun etliche Imker ist das Varroaproblem tatsächlich nur noch ein Randthema. Mithilfe von Apivar/Amitraz, Varromed und der neuen Varroastrategie ist das Thema sehr einfach geworden.


    Im Prinzip wartest Du nicht mehr von Dezember bis Juli darauf, daß sich die Milben so stark vermehren. Eine gute Behandlung mit über 90 % Effektivität reduziert die Milben von zum Beispiel 100 Milben auf 10 Milben herunter. Nach zwei-drei Monaten in der Saison hat sich der Bestand wieder auf 100 Milben erholt. Danach geht es exponentiell weiter und im Sommer handelt es sich wieder um Tausende.


    Mit diesem Wissen um diesen zweimonatigen Zyklus, und mit dem Hintergrund, daß die Varroamilben eben auch erwachsene Milben ansaugen und den Fettkörper schädigen(!), ist eine Behandlungsstrategie in eben diesem Rhythmus die neue Vorgehensweise.


    Eine Behandlung im Frühjahr verdoppelt die Honigernte des Jahres. Die Zwischenbehandlung hält die Varroapopulation dauerhaft unter dem Schadlevel. Die Bienenvölker behalten ihren Fettkörper – der für Hormonhaushalt, Flugaktivität, Futtersaft, Immunsystem und weiteres wichtig ist – und gehen viel stärker in den Sommer. Sorgen von August bis Dezember über die Varroa gehören der Vergangenheit an.


    Sprich: mit Ideologie lebt es sich als Imker und Biene schlechter. Die pragmatischen, auf Biologie fundierten Lösungen zeigen hier deutliche Besserung. Oder anders gesagt: wir machen uns als Imker das Leben selber schwer.


    Viele Grüße


    Bernhard