Beiträge von rall0r

    Wer diesen Berichten schlicht nicht glaubt, ist eingeladen, mit überschaubaren Aufwand in der eigenen Imkerei das Diskutierte zu versuchen.

    Habe ich alles durch - ich habe das Diskutierte ausprobiert, und es hat nicht zuverlässig funktioniert.


    VarroMed wirkt nicht ausreichend bei etwas stärker befallenen Völkern, eine im 8 Wochen-Rhythmus wiederholte Behandlung löst das Problem auch nur unzureichend.
    VarroMed mit ApiVar zu kombinieren, ist nicht zugelassen, und ob es wiederholbar funktioniert, lässt sich derzeit nicht sagen.
    Es ist teures, zeitaufwendiges Gefrickel an Bienenvölkern, welches zu keinen reproduzierbaren Ergebnissen führt, im Gegensatz zu anderen, hinlänglich bekannten und erprobten Verfahren.


    Und weil der Satz jetzt auch das zweite oder dritte Mal gefallen ist:

    (§3) Wir haben Erfahrungswissen,

    Es gibt das Erfahrungswissen von Leuten, die das vom Bernhard propagierte Konzept umgesetzt haben, und damit auf die Nase gefallen sind.
    Es gibt aber bestimmt auch jene, bei denen es funktioniert hat.

    Und nu?

    Erfahrungswissen, auch "anekdotische Evidenz" genannt, ist einfach wenig hilfreich. Darauf seine Entscheidungen zu begründen, ist mit Risiken behaftet.

    Aber Gottseidank gibt es auch gute Verfahren zur Varroabehandlung, die auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen.

    ich mache es immer so, dass ich ein Kürzel für die Quelle der Mittelwand, die verlötet wird, auf den Oberträger mit Edding schreibe. Das funktioniert gut für die grobe Nachvollziehbarkeit.

    Wenn mir eine entsprechende Behandlung tatsächlich signifikant mehr Honig je Volk bringen würde (Konjunktiv!), dann wäre das also tatsächlich gut angelegtes Geld.

    Ich hadere eben mit "wenn". Das VarroMed im Frühjahr zu einer besseren Honigernte führen soll, erscheint mir zweifelhaft, wenn ich wieder Randys Varroa Model zu Hilfe nehme:


    Wenn ich mit 10 Milben in die Saison starte, und bis Juli nichts unternehme, sind Anfang Juli <400 Milben im Volk. Wenn ich ab März alle 2 Monate VarroMed träufele, und davon ausgehe, dass es total super wirkt (was es nicht tut), dann habe ich Anfang Juli rund 250 Milben in der Kiste.

    Das sind natürlich nur Circa Werte und mit Vorsicht zu genießen, aber dass etwa 150 Milben einen signifikanten Unterschied im Honigertrag machen sollen...


    Selbst wenn ich von 50 Milben als Startpopulation ausgehe, haben wir dann Werte von 1700 Milben Anfang Juli (ohne Zwischenbehandlung) zu 1100 Milben (mit VarroMed). Selbst hier bin ich nicht wirklich überzeugt, dass es einen Unterschied macht, ob zum Ende der Honigsaison 800 Milben mehr oder weniger im Volk sind.


    Oder andersherum aufgezogen:

    Wenn ich eine hohe Startpopulation habe (sagen wir mal 300 Milben), dann habe ich ohne Zwischenbehandlung Anfang Juli ~10.000 Milben, wenn ich Zwischenbehandlungen einbaue, sind es ~6600.

    Die Zwischenbehandlungen dämpfen zwar das Wachstum der Milbenpopulation, aber eben nur in einem Maße, dass ich nicht unbedingt von einem betrieblichen Nutzen überzeugt bin.


    Da bleibt dann eben die Frage nach Kosten/Nutzen.


    PS: Was mir an dieser Diskussion gefällt, ist die konkrete Auseinandersetzung mit der Varroa-Entwicklung anhand des Varroa Models. Wollte ich schon immer mal machen, und das ist gerade ein willkommener Anlass :)

    Das Konzept von Bernhard funktioniert nach dem Modell von Randy sehr stabil wenn 4 Punkte erfüllt sind

    Das stimmt schon, und lässt sich mit dem Varroa Model auch schön nachprüfen.

    Mein Problem damit ist aber, dass die Kombination ApiVar/VarroMed als Tandem so nicht zugelassen und auch nicht erprobt ist.

    Bei VarroMed weiss man nicht so genau, was da eigentlich drin ist und ob und wie es mit ApiVar reagiert, ist auch unklar. Wäre ich eine Erwerbsimkerei, ich hätte da Bedenken.


    Ich finde es auch rein ökonomisch für eine Erwerbsimkerei schwer darstellbar:

    VarroMed ist mit das teuerste Behandlungsmittel am Markt. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte 250 Völker, und sollte diese 7 Mal pro Jahr behandeln: 250 Völker x 7 Behandlungen x 35 ml = 61 Liter VarroMed, mal 50 € pro Liter = 3000€.

    Wenn ich jetzt noch 250 * 3€/ApiVar Streifen nehme (=750€), komme ich bei >3500€ für die Varroabehandlung raus.


    Wenn ich jetzt Ameisensäure nehme:

    250 Völker * 0,4 Liter (zwei Behandlungen a 200ml) * 9€ pro Liter = 900€

    Dazu noch eine Winterbehandlung:

    250 Völker * 0,04 Liter (1 x 40 ml träufeln) * 31€ pro Liter = 310€


    Macht in Summe 1200 € im Vergleich zu 3500€ für VarroMed/Apivar.

    Oder ist in einer Erwerbsimkerei der Unterschied von 2300€ irrelevant klein?

    Es lohnt sich daher, diese meine Hinweise in der Praxis im kleinen eigenen Feldversuch nachzuvollziehen. Denn nicht nur bienengerechter – auch imkergerechter ist es. Denn die Brutunterbrechung geht mit einer Logistik und Materialschlacht einher, sowie viel Arbeitsaufwand. Ich bin ganz froh, einen Weg ohne diesen Aufwand gefunden zu haben.

    Ich will das mal eben mit ein paar Grafiken anschaulich machen.
    Die Kernidee ist ja, der Milbenpopulation auch in der Saison alle zwei Monate "eins drauf zu geben", damit sie gar nicht erst so hoch kommt.


    Wenn man mal Randy Olivers Varroa Model zu Hilfe nimmt, und damit ein wenig spielt, dann ergibt sich ein interessantes Bild.


    Ich habe ein wenig die Werten variiert, aber jedes Mal angenommen, dass VarroMed einen hohen bis sehr hohen Wirkungsgrad gegen die phoretischen Milben hat:
    "Hoher Wirkungsgrad" ist gleich 20% der Milbenpopulation wird abgeräumt, der Rest überlebt auf den Bienen oder ist geschützt in der Brut.

    Als "sehr hohen Wirkungsgrad" habe ich eine Reduktion der Population von 30% angenommen.

    Dann habe ich noch ein wenig mit der Startpopulation zu Jahresbeginn und der Anzahl der Behandlungen gespielt.


    Das Endergebnis ist jeweils das selbe.


    Variante 1 - Startpopulation 10 Milben, hoher Wirkungsgrad, 4 Behandlungen.


    VarroaModell_20_prozent_10Milben_4_Behandlungen.png


    Das Volk überlebt, startet aber stark belastet in die kommende Saison (>500 Milben).


    Jetzt folgen einfach alle anderen Modelle, die jeweils etwas mit der Anzahl der Behandlungen etc. spielen:

    VarroaModell_20_prozent_20Milben_4_Behandlungen.png


    Hier kann man schön sehen - wenn die Startpopulation nur geringfügig höher ist, bricht das Volk später zusammen.


    Bei etwas mehr Milben, aber auch sehr guter VarroMed Wirkung, siehts nicht besser aus:

    VarroaModell_30_prozent_50Milben_4_Behandlungen.png


    Bei nur drei Behandlungen gehts auch immer schief:

    VarroaModell_30_prozent.png


    VarroaModell_20_prozent.png


    Ergo:

    Auch dann, wenn man in der Saison behandelt, muss Ende des Sommers noch irgend etwas Ernsthaftes unternommen werden, um die Milbenpopulation tatsächlich einmal abzuräumen.


    Tatsächlich muss man auch fragen, ob eine wiederholte Dauerbehandlung langfristig sinnvoll ist, und nicht der Milbe dabei hilft, auf die für uns falschen Eigenschaften ausgelesen zu werden. Aber das ist ein anderes Thema.


    Jetzt muss also so oder so im Sommer noch eine richtige Behandlung erfolgen.


    Das Buch "Bienen im Kopf" unterscheidet hier zwischen starkem und schwachem Befall, je nachdem, wie viele Milben nach einer Behandlung mit VarroMed nach der finalen Ernte fallen. Wenn der Befall stark ist, wird vorgeschlagen, eine VarroMed Blockbehandlung zu starten, kombiniert mit einem Streifen Apivar.


    Jetzt muss man bei dieser Empfehlung zwei Dinge im Kopf behalten: 1. Der Autor des Buches empfiehlt ausdrücklich, sich an Standards/Anleitungen der Hersteller zu halten und keine eigenen Experimente zu fahren, um dann 2.) schon auf der nächsten Buchseite zu empfehlen, zwei Medikamente miteinander zu kombinieren, welche gar nicht zusammen angewendet werden sollen, deren Wechselwirkung vermutlich niemand erforscht hat, bzw. im Falle von ApiVar die Anleitung etwas anderes sagt, als hier vorgeschlagen: "Benutzen Sie 2 Streifen!"


    Sprich: Es handelt sich hier um ein nicht standardisiertes Verfahren, das so keine Zulassung haben dürfte.


    Das ist alles ganz schön abenteuerlich.


    Lange Rede, kurzer Sinn:

    Man mag ja die TBE kritisieren, aber der Büchler und Co. haben da viel dran rum geforscht und Daten gesammelt, in der Praxis ist das Verfahren erprobt und hinreichend anerkannt, die Erfolge sprechen hinlänglich für sich.

    Ich würde jedem Anfänger dazu raten, sich im Zweifel an Büchler und Co zu halten.

    Mithilfe von Apivar/Amitraz, Varromed und der neuen Varroastrategie ist das Thema sehr einfach geworden.

    Apivar trägt immer noch das Problem von möglichen Resistenzen mit sich, ganz zu schweigen davon, dass es mitunter chargenweise Qualitätsprobleme zu geben scheint, die auch immer wieder zu beobachten sind.

    VarroMed kommt hinsichtlich Wirkung bestenfalls an eine Oxalsäurebehandlung ran, wenn man es denn gut meint, mit dem Produkt, aber selbst dann...

    Eine gute Behandlung mit über 90 % Effektivität reduziert die Milben von zum Beispiel 100 Milben auf 10 Milben herunter

    ...werden bei Zwischenbehandlungen in der Saison gerade mal 90% der phoretischen Milben beseitigt, während etwa 70-80% der Gesamtpopulation sich nach wie vor in der Brut versteckt. Wenn man dann..

    Mit diesem Wissen um diesen zweimonatigen Zyklus

    mit VarroMed behandelt, holt man also alle 8 Wochen etwa 10-20% der Gesamtpopulation an Milben weg. Da muss man nicht mal Mathe studiert und exponentielles Wachstum begriffen haben (und eigentlich ist ja r=1.64 oder so), um zu merken, dass damit trotzdem die Hütte brennt.


    Da darf man schon Fragen haben, ob das alles wirklich sinnvoll ist, oder einfach nur ein toller Marketing Gag von BeeVital.


    PS: Ich kenne dieses Behandlungskonzept mit VarroMed aus besagtem Buch. Ich habe es dieses Jahr ausprobiert und mal nachgemessen (mit Alkohol). Es gab in der überschaubaren Versuchsgruppe keine Unterschiede zur Kontrollgruppe. Es gab jeweils welche mit viel und welche mit wenig Milben.

    Das deckt sich aber auch mit meinen Versuchen und Messdaten zu VarroMed insgesamt.

    Die Wirkung von Amitraz/Apivar ist wie Lotto: Entweder es funktioniert einwandfrei und die Völker danken es einem wirklich, oder aber man gerät an eine Charge, bei der praktisch keine Wirkung eintritt. Merkt man leider meist erst zu spät.

    3. Alte Kö käfigen, nach 2 Tagen Käfig raus und an dieselbe Stelle neue Kö in Käfig rein


    Alle Völker haben noch offene Brut. Was ist am sichersten?

    Dieses Jahr arbeite ich vornehmlich nach dieser Methode, nur dass ich 7-9 Tage warte, bevor ich den Käfig mit der alten Kö gegen jenen mit der neuen tausche und diesen auch gleich zum Freifressen freigebe.

    Ich habe vor einer guten Woche etliche Völker gehabt, die hatten nur noch auslaufende, verdeckelte Brut, weil ich im Urlaub drei Wochen lang kein Futter gegeben habe. Zwar hatten besagte Völker sehr wohl noch Futterreserven, aber eben das Brutgeschäft sehr stark zurückgefahren.

    Nachdem ich dann gefüttert habe, wurde das Brutgeschäft auch wieder fleißig aufgenommen.