Beiträge von swissmix

    beemax Ich konnte das im Frühjahr 2019 selber beobachten. Angeregt durch den allgemeinen Schied-Wahn ;) habe ich einige Völker Mitte Februar eng geschiedet, Futterwaben hinter das Schied. Dann kam eine Kältephase. Ich hatte sooo ein schlechtes Gewissen, dachte, ich hätte mit meinem Handeln den GAU herbeigeführt, musste dann aber feststellen, dass die Völker allesamt offenbar völlig problemlos einfach die Waben hinter dem Schied geleert haben, ohne ihren Wintersitz zu verschieben. Wie schon andernorts beschrieben, werde ich in Zukunft nicht mehr so eng und so früh schieden, aber die auch von Bernhard Heuvel vertretene Theorie, dass die Wintertraube nicht wandert, sondern das Futter mittels einer «in-house-supply-chain» (sehr schön! ;) ) herbeischafft, hat sich bei mir in der Praxis bewahrheitet. War sehr interessant zu sehen.

    Spannend! Danke für den Erfahrungsbericht, Sulz ! In seinen Monatsbetrachtungen hat Bernhard Heuvel ziemlich genau dieselben Überlegungen angeführt. Trotzdem öffnet er im Februar dann doch nochmals die Kisten, um mit Varromed zu behandeln.

    Und wenn man sich was Kleines bastelt, auf dem der Varrox steht? Notfalls würde es wohl schon ein kleines Holzbrettchen tun, das man in eine Kunststoffbeute einschiebt und auf das man den Varrox stellt? Nur als kleine Idee am Rande.


    Hier in der Schweiz dürfen wir verdampfen. Ich habe mir den Varrox angeschafft und bin damit sehr zufrieden. Autobatterie schleppen ist kein Ausschlusskriterium. Die Vorteile überwiegen diesen kleinen Nachteil deutlich. Es soll auch Leute geben, die den Varrox direkt am Stromnetz betreiben, was eine Variante für den Hausgarten wäre. Wie genau, da müsste man sich hier im Forum schlau machen. :)

    Danke, @wasgau_immen (aka wasi)! Ich stehe dazu, dass ich mit diesem Jahr überfordert war und einige Fehler gemacht habe. Aufgeben will ich nicht, sondern besser machen! :thumbup:


    Dir auch ein frohes Fest und ein reichlich gesegnetes neues Jahr!

    Tobias

    Dabei wird erst im April gezählt;(

    Mein herzliches Beileid!

    Mit 5 Völkern bin ich in den Winter gegangen. Und jetzt habe ich schon 60% Verlust. Aufgrund meiner 2018 diagnostizierten Bienengiftallergie bin ich nicht optimal in 2019 gestartet. Nachdem ich deswegen 2019 null Kilo Honig geerntet habe wollte ich wenigstens stark in 2020 sein und nun das.

    Hier sieht es ganz ähnlich aus: Wir hatten in der Schweiz das schlechteste Honigjahr seit mindestens zehn Jahren. Ich habe auch null Kilogramm Honig geerntet. Meine Völker standen auch lange sehr schlecht da; die Begattungserfolge waren miserabel. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal (teure) Königinnen zugekauft, vier Stück. Zwei habe ich durch Dummheit in die ewigen Jagdgründe befördert. Einige erfolgreich begattete Königinnen wurden aus unerfindlichen Gründen nach zwei, drei Wochen seit Beginn der Eilage abgestochen. Vom eigenen Volk. Mein Fazit ist nun ganz ähnlich wie Deins: Null Honig, kaum Völkervermehrung, geschwächte Völker, weil ich zu lange doch noch auf Honig gehofft und nicht gefüttert hatte. :(

    Die drei Völker sind wohl schon länger tot: Varroa. Dabei dachte ich mit 7x Oxamat im Dreitagesabstand Mitte Juli wäre ich gut dabei.

    Kein Honig, kein Völkerzuwachs in 2019. Ich gehe ins fünfte Imker-Jahr und fühl mich wie der absolute Rookie:cursing:

    Noch ist mir kein Volk gestorben, aber eins (mit einer teuren Königin) hatte sehr viel Totenfall. Milbentotenfall nach Oxalsäurebehandlung ist teilweise grenzwertig. Volksstärken eher gering. Ich gehe ins sechste Imkerjahr und fühle mich nicht wie ein Anfänger, sondern eher wie ein Versager.


    Mein einziger Vorsprung Dir gegenüber (noch kein Volk gestorben bis jetzt) ist wohl darauf zurückzuführen, dass ich im Sommer Brutfreiheit herstelle (dieses und letztes Jahr: TBE mit zweimaliger Fangwabenentnahme à la Kleingartendrohn).


    Naja, was soll ich sagen? Kopf hoch, weitermachen! Ich wünsche Dir ein Bienenjahr 2020, das Dich doppelt für das miese Jahr 2019 entschädigt. :)

    Als Anfänger ist einem oft nicht bewusst, dass gerade (vermeintliche) Details ausschlaggebend für den Erfolg oder den Misserfolg sein können. Welchen Unterschied es bspw. macht, ob man Mittelwände oder Anfangsstreifen gibt, kann man gar nicht richtig beurteilen. Auch den Unterschied, ob ein Kunstschwarm Mitte Juni oder Mitte Juli gebildet wird, übersieht man vielleicht. Ich verstehe die Beiträge von millefiori so, dass er echt darum bemüht gewesen ist, sein neues Volk erfolgreich ein- und auszuwintern. Da haben wir von Anfängern hier im IF schon wesentlich haarsträubendere Geschichten gelesen! Seid also nicht so streng mit ihm. :)


    millefiori Es ist verständlich, dass Du Deinen Fehler wiedergutmachen und Dein (einziges?) Volk erfolgreich über den Winter bringen willst. Für die kommenden Jahre sollte Dir aber bewusst sein, dass es zur guten imkerlichen Praxis gehört, keine Schwächlinge zu pflegen. Diese Völker machen wenig Freude, aber dafür viel Arbeit. Den Bienen tut man damit auch nichts Gutes, denn sie müssen ständig auf Hochtouren arbeiten, um gerade so zu überleben.

    Danke für diese sehr ausführliche Darstellung, lieber Wasi! Ich züchte nicht, bin ja erst seit kurzem überhaupt dabei in der Imkerei, kann aber mit einem Drittel gut und einem Drittel so lala gut leben. Müsste mir einfach noch ein neuntes Volk zulegen, damit es dann genau aufgeht … ;)


    Scherz beiseite: Danke für die viele Zeit, die Du hier für Deine Antworten opferst! Ein Kopfmensch wie ich braucht immer wieder mal jemanden, der ihn ganz pragmatisch-praktisch in die Realität zurückholt. :thumbup:

    Llecter Mir ist bewusst, dass die Wirkung einer Reizfütterung höchst fraglich ist, aber wir sprechen ja hier von einer Notfütterung und einer gewissen Unsicherheit darüber, ob eine solche Notfütterung nicht doch etwas im Bienenvolk auslöst, das man im Dezember/Januar nicht auslösen sollte. Es könnte ja bspw. sein, dass eine Reizfütterung sehr wohl einen positiven Effekt hat, der durch eine negative Nebenwirkung zunichte gemacht wird. Damit kann man im Rahmen einer Notfütterung gut leben, ich persönlich aber nur, wenn dieser Mechanismus nach der (verdienten) Winterruhe in Gang gesetzt wird.

    Bei mir haben die Völker im (Zitat MeteoSchweiz) «weltweit wärmsten Oktober seit Messbeginn» und im «weltweit milden November» sehr viel Futter verbraucht, sodass einige davon keine ausreichenden Vorräte mehr bis zur Blütentracht im Frühjahr haben werden, obwohl ich so lange gefüttert habe wie nur irgend möglich. :( Trotzdem werde ich den Futterteig erst Mitte Februar beim Reinigungsflug auflegen. Man ist sich ja offenbar nicht zu 100% sicher, dass Futterteig keine Reizwirkung hat, weshalb ich die Völker jetzt die kommenden zwei Monate noch komplett in Ruhe lassen möchte.

    ManfredT Das klingt ja auch alles ganz plausibel. Ich habe mir den Vortrag von Bernhard mehrfach angesehen und ich habe mir auch die Binder’schen Monatsbetrachtungen mehrfach durchgelesen. Für den Theoretiker klang das alles sehr überzeugend und ich gebe auch offen zu, dass ich es dieses Jahr bei einigen Völkern testweise versucht habe. Einen Unterschied zu den übrigen Völkern konnte ich nicht ausmachen. Dann hatten wir auch richtig schlechtes Wetter in der zweiten Aprilhälfte. Das führte bei allen Völkern gleichermassen zu Schwarmstimmung, Legegang hin oder her. Nur ein Volk verhielt sich deutlich anders als die anderen Völker. Wir hatten dort Anfang März Drohnenbrütigkeit feststellen müssen, weshalb ich die Königin abgedrückt und eine Reservekönigin eingeweiselt hatte. Dieses Volk hinkte dann in der Entwicklung schätzungsweise zwei, drei Wochen hinterher. Die Volksentwicklung passte dann aber perfekt zum Witterungsverlauf und das Volk machte bis zur Honigernte einfach nur riesige Freude, während alle anderen Völker viele Probleme machten, da die Volksentwicklung nicht mit der Witterungsentwicklung übereinstimmte.


    Vom Zeitpunkt des frühen, starken Schiedens an nagte an mir der Zweifel, ob ich damit den Bienen wirklich etwas Gutes tue. Je länger je mehr gelange ich zur Auffassung, dass dies nicht der Fall ist. Wir entfernen isolierende Leerwaben und hängen dafür Thermoschiede mit Styrodur und Alufolie sowie Klebstoffen etc. zu; wir entfernen das «essbare Schied» (Pollenwabe); wir entnehmen Waben und hängen diese später dann doch wieder zu. Jedes Mal öffnen wir die Beute und stören damit die Bienen. Wozu?


    Da danke ich dem Hamburger-Jung für seinen Erfahrungsbericht, der das bestätigt, was man schon zigmal gehört hat: Der Einfluss des Schiedes wird wohl teilweise überschätzt. Für mich ist das Schied sinnvoll als eine äussere Begrenzung des Brutraums für die Zeit bis Mitte Juli, denn zwölf Brutwaben Dadant US fände ich jetzt doch etwas zu viel des Guten für meine Bienen. ;) Ich werde es im März entsprechend setzen und dann bei der TBE im Juli wieder entnehmen, fertig. Es mag sein, dass mir noch das geschulte Auge für die Wahrnehmung der tollen Effekte eines «perfekt» geführten Schiedes fehlen, aber der Immenreiner , WFLP und FranzXR dürften ja doch ziemlich geschulte Augen haben und sehen es offenbar auch nicht. Das gibt mir doch etwas Sicherheit. :)


    wasgau immen Das Buch von Charles Dadant ist sehr interessant! Unglaublich, wie er bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine Imkerei nach Grundsätzen führte, die wir in der Schweiz heute noch tendenziell als (zu) fortschrittlich erachten würden! Was mich aber wirklich überrascht hat, ist seine Aussage, dass er den Brutraum (10 Waben Dadant US) so gross gewählt habe, um auf ein Absperrgitter verzichten zu können, das er nicht als nützlich, sondern als nervend erachte. Und wenn ich es richtig verstanden habe, hat er Schiede verwendet, die von den Bienen nur unten umlaufen werden konnten. An den Seitenwänden hat er es mit Öl-/Wachs-Tüchern («oil Cloth») abgedichtet und oben gab/gibt es ja keinen Beespace.

    millefiori Bei uns in der Schweiz könnte man in Deiner Situation eine Blockbehandlung mit Oxalsäure durchführen, d.h. alle drei, vier Tage über drei Wochen hinweg Oxalsäure verdampfen. Da dieses Verfahren in Deutschland nicht zugelassen ist, dürfte es wohl das Beste sein, wenn Du das Volk mit Oxalsäure einsprühst, wie von Dir geplant. Wenn Du Glück hast, gibt es keine verdeckelte Brut. Sollte es nur ganz kleine Felder mit verdeckelter Brut haben, könntest Du diese ausschneiden, um künstlich einen Zustand ohne verdeckelte Brut herzustellen für die Behandlung. Diese Empfehlung habe ich hier im Forum schon einige Male gelesen und sie leuchtet mir ein. Praktische Erfahrungen habe ich damit nicht, weil ich Oxalsäure ausschliesslich verdampfe, um die Beuten im Winter nicht öffnen zu müssen.


    Ganz allgemein musst Du Dir die Populationsdynamiken der Milben und der Bienen immer vor Augen halten: Was Du jetzt tust, wird Deinem Volk nur helfen, bis zum Trachtende ohne grösseren Eingriff durchzuhalten. Sollte Dein Volk jetzt schon zu stark geschädigt sein, wird es die Durchlenzung nicht überstehen, denn die jetzt vorhandenen Bienen müssen bis dahin durchhalten, aber denen kannst Du jetzt nicht mehr helfen. Sollte sich der Schaden dagegen in Grenzen halten, werden die Bienen den Milben im Frühjahr ohnehin davon brüten. Richtig problematisch wird die Varroabelastung häufig erst zur Sommersonnenwende, weil dann (a) das Brutgeschäft der Bienen zurückgeht, (b) bereits viele Milben in den Völkern sind und (c) die Milben weiterhin richtig Gas geben bei der Vermehrung. Das Verhältnis kippt dann rasant schnell, was aber oft nicht bemerkt wird. Wenn das Brutgeschäft der Bienen Ende September (fast) ganz eingestellt wird, findet man plötzlich überraschend sehr viele Milben in den Völkern. Oft kommt dann jede Massnahme zu spät. Google mal nach «Milbenwunder» und grenze die Suche mit «site:imkerforum.de» ein. Dann solltest Du auf eine sehr anschauliche Darlegung der relevanten Zusammenhänge stossen.


    Falls Dein Volk die Durchlenzung übersteht, aber stark belastet ist, würde ich persönlich ohne Zögern zu einer (sehr) frühen totalen Brutentnahme raten. Meiner Meinung nach besteht die effektivste Vorgehensweise gegen die Milben darin, einmal, aber dafür richtig hart zuzuschlagen. Ich bin deshalb bspw. dazu übergegangen, bei allen Völkern gegen Trachtende (bei uns Anfang bis Mitte Juli normalerweise) eine totale Brutentnahme durchzuführen. Im Winter gibt es eine Winterbehandlung mit Oxalsäure im brutfreien Zustand, mehr nicht. Das reicht bislang.