Beiträge von Har

    Stell dir vor, dass nur dunkle, wilde Bienenvölker unter Artenschutz gestellt werden. Das heißt, dass nur dunkle Drohnen in ihrem Begattungskreis sein dürfen. Das heißt 5 km rund um das Artenschutzgebiet dürfte niemand was anderes halten als dunkle Bienen.

    Quelle?

    Hauskatzen und Haushunde müssen doch auch nicht zur "Rassereinhaltung" von Wildkatzen und Wölfen aus deren Gebieten entfernt werden?

    Arten sind biologisch klar voneinander abgegrenzt. Der Rassebegriff (oder auch Unterart) ist eher fragwürdig. Zu einer Art gehört alles, was sich miteinander fruchtbar vermehren kann. Die Unterscheidungen in Carnica, Ligusta usw. sind Momentaufnahmen, weil die Eigenschaften aller Rassen einen großen gemeinsamen Genpool der Art Apis mellifera bilden. Und je nach regionalen Gegebenheiten sind halt die einen oder die anderen Merkmale des gemeinsamen Genpools vorteilhafter und das gibt dann die "Rassen".

    Die Unterschutzstellungsbemühung einer „Wildrasse“ geht deshalb ein bisschen in die Leere.


    Aber warum soll ein Bienenvolk im hohlen Baum nicht geschützt sein? Die Unterschutzstellung heimischer wilder Bienenvölker wäre aus meiner Sicht jetzt noch nicht der Untergang des Abendlandes.

    Mein Nachbarimker imkert mit A. m. m. - Ich find das gut. Das kann den Genpool meiner Völker nur bereichern.

    Gruß vom Harry

    Es bleibt spannend!

    Bisher ist mir nur bekannt, dass es behandlungsfreie Weltgegenden und Imkereien gibt, die mit der Methode Nicht-Behandeln (also nicht auf züchterischem) Weg zu diesem Zustand gelangt sind. Aus Furcht vor Totalverlusten bin ich selbst eher auf dem Weg, mich aus dem Behandeln „auszuschleichen“ (aber noch nicht am Ziel). Ich kann mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dauerhaft Medikamente zu geben.

    Sollte die züchterische Bearbeitung schneller zum Ziel führen – dann würde mich das auch freuen - Hauptsache nicht mehr behandeln müssen.

    Für mich ist das Menschengemachte nicht immer der Weisheit letzter Schluss. -Wenn es möglich ist, der Natur ein Stück weit ihren Lauf zu lassen und auf diesem Weg Behandlungsfreiheit zu erreichen – fänd ich auch ok.

    Gruß vom Harry

    Ein Gedanke wird hier, glaube ich, vergessen, nämlich, dass man gegen oder mit Varroa erfolgreiche Bienen nicht in andere Gebiete transferieren kann, bzw. dass Bienen, die in einer Gegend mit der Varroa ohne medikamentöse Behandlung erfolgreich sind, in einer anderen Gegend scheitern.

    An diesem Gedanken hab ich auch eine zeitlang geknabbert. Nach meinem Verständnis gehört inzwischen zu einer varroafesten Population die entsprechende „Lufthoheit“. D.h. nur wenn auch die dazugehörigen Drohnen in überwiegender Zahl den Luftraum besetzen, kann eine varroafeste Population genetisch stabil bleiben.

    Das theoretische, ist halt auch nicht immer praktisch.

    Die Theorie leitet sich aus der Praxis ab.


    Varroafestigkeit gibt es überall dort, wo nicht gegen die Milbe behandelt wird.


    Ist doch interessant, sich zu überlegen, wie der zugrunde liegende Mechanismus funktionieren könnte. Es sieht doch so aus, dass Apis mellifera unter ganz unterschiedlichen Bedingungen zur Varroafestigkeit findet.

    Einziges verbindendes Element ist die Behandlungsfreiheit.


    Was ist falsch daran, zu überlegen, wie das auf Grundlage allgemeiner biologischer Gesetze möglichst einfach erklärt werden könnte?

    Ich bin übrigens auch Praktiker mit jahrzehntelanger Erfahrung.

    Gruß vom Harry

    Die Merkmalsausprägungen der Individuen einer Population streuen gemäß Gaußscher Normalverteilung. Es gibt einen Mittelwert, der am häufigsten vertreten ist, und abweichende Werte, die in der Häufigkeit jeweils abnehmen in Richtung der beiden Extremwerte (z.B besonders groß ↔ besonders klein). Die Merkmalsausprägungen, die Varroafestigkeit begünstigen, liegen unter Behandlungsbedingungen abseits des Mittelwertes des jeweiligen Merkmals, sind aber in der Population bereits vorhanden. D.h. die Mittelwerte der Merkmalsausprägungen führen für die Völker in der Summe nicht zu einem auskömmlichen Zusammenleben mit der Varroamilbe. Einzelne Merkmale haben dabei einen unterschiedlich großen Einfluss auf die Varroafestigkeit. Beim Nicht-Behandeln führt die Verschiebung von Mittelwerten im Zusammenspiel verschiedener Merkmale durch sukzessive Aufsummierung bis zu dem Punkt, wo eine Population sich selbstständig erneuern kann. Selektion führt dabei direkt und ohne den Umweg über Mutationen zu dieser Anreicherung vorteilhafter Merkmalsausprägungen. Im einfachsten Fall bedeutet Selektion, dass besser angepasste Völker überleben und weniger gut angepasste Völker sterben. Voraussetzung für populationsgenetische Anpassungen ist ein vielfältiger Genpool, der zwar in Verbindung zu anderen Apis mellifera Populationen steht, wo aber der überwiegende Austausch innerhalb der nicht behandelten Population erfolgt. D.h. die Anreicherung vorteilhafter Merkmalsausprägungen und Kombinationen darf durch den genetischen Zufluss von außen nur geringfügig verwässert werden. Es muss ein Selektionsdruck aufrecht erhalten bleiben (keine Behandlung) um immer wieder nachzusteuern.

    Die gleichen Mechanismen wirken spiegelbildlich auch bei der Milbe und steuern (bei Nicht-Behandlung) ebenfalls in Richtung gemeinsamen Überlebens.

    Ich kenne eine Imkerei, bei der klappt es nun schon seit 27 Jahren ähnlich, in einem, dies unwissend ignorierenden Umfeld

    Manne

    Einige - vielleicht wenige - haben schon von deinen 27 Jahren profitiert. Ich habe viele deiner Informationen (von vor vielen Jahren, aber immer noch hier im Forum nachzulesen) herausgezogen. Neben den in anderen Weltgegenden stattgefundenen Anpassungen von Bien und Milb sind vor allem die Beispiele von dir und Werner für mich Ansporn, die behandlungsfreie Imkerei anzustreben.

    Liebe ImkerforumsleserInnen,

    durch populationsgenetische Selektion wurden auch für Berufsimkereien Wege in die Behandlungsfreiheit gefunden.

    https://www.tandfonline.com/do…080/00218839.2016.1160709

    Ziel des Feldversuches war die Völkerselektion in Richtung Varroaresistenz, unter Berufsimkereibedingungen. Dies sollte durch Herausbilden eines entsprechenden Genpools erreicht werden. Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Vielzahl von Genen allein am Hygieneverhalten beteiligt sind.

    In einer langfristig angelegten Versuchsreihe wurden 268 Völker im Jahr 1999 ohne Varroabehandlung getestet. Nach Verlusten von mehr als 2/3 wurden neue Völker gebildet.

    2013 wurden dann 519 behandlugsfreieVölker in Berufsimkereien eingesetzt.

    Es wurde mit Königinnen aus kommerziellen Zuchten in Lagstrothbeuten mit der Methode „Überlebenstest“ gearbeitet. Gestorbene Völker wurden durch Ableger mit Königinnentöchtern der besten Überlebenden ersetzt.

    Gruß vom Harry

    Es ist doch völlig egal, auf welchem Weg das Ziel varroafester Bienen erreicht wird.


    Von den Zuchterfolgen ist mir noch nicht bekannt geworden, dass Zuchtpopulationen dauerhaft ohne Behandlung auskommen – oder hab ich da was verpasst? Dagegen gibt es NichtbehandlerInnen und Regionen in denen nicht behandelt wird.


    Z.B. hat Manne sein Vorgehen und seine Erfahrungen über Jahre hier im Forum (immer noch nachlesbar) mit uns geteilt. Danke dafür! Dass er heute manchmal etwas kryptisch daher kommt, kann ich irgendwie nachvollziehen.


    Warum sich Erfolge nicht „transportieren“ lassen? Eine Möglichkeit könnte sein, dass für das erfolgreiche Überleben in einer Region der Drohnenmix überwiegend aus varroafesten Herkünften kommen müsste.

    Ich probiers noch mal - diesmal ohne Zitat - ist das so ok, Hartmut?


    https://www.naturalbeekeepingtrust.org/natural-selection


    Dr. David Heaf beschreibt sein Unbehagen angesichts der Aussicht, dauerhaft - und sei es nur mit organischen Säuren - gegen die Varroamilbe vorgehen zu müssen.

    2007 als Heaf mit den Behandlungen aufhörte war in Großbritannien ein Zustand erreicht, wo statt ursprünglich 2 Behandlungen pro Jahr bis zu 7 Behandlungen durchgeführt wurden bei Winterverlusten von über 30%.

    Trotz anfänglich schwerer Verluste hat sich bei Heaf die Verlustrate über alle Jahre dann auf 18% eingepegelt. Heaf arbeitet mit Warre und Schwarmvermehrung.

    Als Ursache für die geringen Verluste vermutet Heaf, dass in seiner Gegend – der Grafschaft Gwynedd, einem kleinen geografischem Gebiet – die meisten Imker nicht behandeln.