Beiträge von Har

    https://www.tandfonline.com/do…X.2018.1430999?src=recsys


    In diesem Artikel werden zwei Wege zur Varroa-Resistenz/Toleranz beleuchtet: der züchterische und der natürliche. Als ein Vorteil der natürlichen Auslese wird der Erhalt der genetischen Vielfalt gesehen, die den Bienen auch bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen hilfreich sein könnte.

    Unterscheidung zwischen vertikaler und horizontaler Verbreitung des Parasiten: der natürliche Prozess ist die vertikale Weitergabe. Letztere unterstützt die Entwicklung wechselseitiger Anpassungen. Imkerliche Eingriffe tragen zur horizontalen Verbreitung bei. Einzelaufstellung und Schwärmen-lassen helfen bei der Vermeidung horizontaler Durchmischung.


    Gruß vom Harry

    Meines Wissens sterben resistente Völker NICHT, wenn sie in eine andere Region verbracht werden. Nur die Nachkommenschaft, die ist dann nicht mehr resistent.

    Doch das tun sie leider schon.

    Lieber Reiner,

    hast du dafür eine Quelle?

    Klar - irgendwann sterben Völker. Aber ich hab mal gelesen, dass das transportierte Volk selbst noch für eine gewisse Zeit weitergelebt hat. Nur bei den Nachkommen hat es nicht geklappt.

    Gruß vom Harry

    Warum Resistenzen nicht verpflanzt werden können.


    Weil es die Populationen sind, die resistent sind, nicht das einzelne Volk.


    Schon die Einzelbienen eines Volk repräsentieren eine gewisse genetische Vielfalt, sind es doch Halb-Geschwister von 10-15 unterschiedlichen Vätern. Dementsprechend sind auch die Resistenzmerkmale auf die Einzelbienen im Volk unterschiedlich aufgeteilt.


    Bei den einen ist vielleicht das Ausräumverhalten stärker ausgeprägt, bei den anderen das Milbenbeißen usw. Möglicherweise ist die „passende“ Mischung für die Resistenz verantwortlich.


    Meines Wissens sterben resistente Völker NICHT, wenn sie in eine andere Region verbracht werden. Nur die Nachkommenschaft, die ist dann nicht mehr resistent.


    Das könnte daran liegen, dass die Gen-Mischung bei den Paarungen in fremden Regionen durch die andere genetische Drohnenzusammensetzung sofort verändert wird.


    (Gleiches gilt auch für die Populationen von Milben und Viren. In anderen Regionen gibt es andere populationsgenetische Spektren, die dann vielleicht nicht mehr „passen“.)


    Gruß vom Harry

    Was bedeutet Varroa-Resistenz von Honigbienenpopulationen? Wenn von einer jährlichen Verdopplungszahl der Bienenvölker ausgegangen wird, dann bedeutet Resistenz, dass bis zum Sommer des Folgejahres durchschnittlich 50% der Völker überlebt haben und sich wiederum vermehrt haben. In so einem Fall könnte man von 100% Resistenz sprechen.


    Die bisher vorgefundenen Resistenzen von Honigbienenpopulationen beruhen auf mehreren unterschiedlichen Faktoren, die gar nicht alle zusammen kommen müssen. Vermutlich haben diese Einflussgrößen nicht alle das gleiche Gewicht. Aber in der Summe müssen diese Faktoren zu 100% Resistenz geführt haben, da die Populationen sonst verschwunden wären.


    Die zum Überleben aufsummierten Teilfaktoren können unterschiedlich stark wirksam sein. Beispiel: das maximale Ausräumverhalten könnte 70% zum Gesamtgeschehen beitragen, die größtmögliche Brutpausenlänge 30%, die maximale Erhöhung der Brutnesttemperatur aber nur 20% (alles rein hypothetisch).

    (Möglicherweise funktioniert es auch nur allein mit Ausräumverhalten. Allerdings deuten die bisherigen Befunde in eine andere Richtung.)

    Richtigerweise müssten die Einflussgrößen als Summanden (nicht als Faktoren) bezeichnet werden, da sich ihre Wirkung (vermutlich) aufaddiert und nicht multipliziert. Dagegen dürfte es sich bei der Stärke der Ausprägung einer Einflussgröße um einen Faktor handeln.

    Angenommen das maximale Ausräumverhalten trägt 70% zum Überleben bei, dann liegt der Wert in der Praxis irgendwo darunter. Ein halb so gutes Ausräumverhalten würde dann einen Beitrag von 35% zum Überleben beitragen. Also

    0,5 * Einflussgröße Ausräumverhalten (70%) -> 35%.

    Dann würden noch 65% fehlen, die von anderen Einflussgrößen beigesteuert werden müssten.


    Zum Glück gibt es die resistenten Populationen schon. Wollte nur mal ein Modell beschreiben, dass die mir bekannten Befunde erklären würde. Nämlich, dass die resistenten Populationen jeweils unterschiedliche Varroa-Abwehr-Strategien zu verfolgen scheinen (Masterarbeit Buchegger), oder dass es nicht von der Rasse abhängt. Oder die vergleichsweise hohe Geschwindigkeit, mit der sich diese Anpassungen vollzogen haben: Da schon alle Eigenschaften im Genpool vorhanden sind, kann die populationsgenetische Aufkonzentrierung gewünschter Eigenschaften vergleichsweise schnell zu besser angepassten Populationen führen. Das ist keine Evolution im engeren Sinne sondern eine Anpassung, die durch die große Bandbreite an möglichen Genkombinationen schon in den Populationen schlummert.


    Gruß vom Harry


    Noch ein paar Stichworte zur Büchler honey show Teil 2-4


    * Lokal angepasste Populationen machen sich besser

    * Regionale Anpassungen sollten erhalten bleiben

    * TBE wirkt, ist im Mai sehr effektiv, mindert aber den Honigertrag, deshalb besser Anfang Juli

    * Bienen wissen am besten, wie sie ihr Brutnest organisieren


    Auslese über Drohnen:

    - fliegen bis zu 7km zum Paaren

    - vermilbte Völker haben weniger Drohnen, mit geringerer Leistung

    - Die Gene milbenlastiger Völker werden so auf drohnenseite effektiv aussortiert


    * Schwärmen hilft

    * Einzelaufstellung hilft

    * Vermeidung von Medikamenten, auch von Säuren

    * natürliches Verhalten unterstützen

    * Standorte ausprobieren und nur die besten Standorte behalten


    Gruß vom Harry

    Bernhard Heuvel war auch mal ein "junger Wilder" und in vielen seiner Ansichten nicht so weit weg vom jetzt Kritisierten.

    Müsste eigentlich auch noch hier im Forum nachzulesen sein.

    Gruß vom Harry

    Hallo Rolf,

    mir ist zumindest nichts bekannt, über Reaktionen.

    Aber die grundlegenden Erkenntnisse sind ja auch nicht wirklich neu. Das Thema behandlungsfreie Populationen gibt es hier im Forum von Anfang an. Das wird auch in wissenschaftlichen Arbeiten behandelt.

    Für mich wäre die Schlussfolgerung, die Behandlungspflicht auszusetzen. Aber ich fürchte, schon die Diskussionen hier zeigen, dass das schwierig ist.

    Auf der anderen Seite muss naturliebenden AnfängerInnen gesagt werden, dass Behandeln ein Muss ist, wenn sie ihre Völker nicht verlieren wollen.

    Gruß vom Harry

    Guten Abend Sulz,

    schade.

    Aber trotzdem danke, dass du uns deinen Weg beschrieben hast. Kein Überwintern auf Honig usw. (Keine kleinen Zellen hattest du glaub ich noch vergessen).

    Passt übrigens bestens zur Populationsgenetik. Wenn es sich im Genpool zurecht geschüttelt hat, sind die genannten Randbedingungen vielleicht gar nicht so entscheidend. Aber wie gesagt: Danke dir (und Manne und Werner), dass wir anderen uns ein Bild machen können.

    Gruß vom Harry

    Um beim Thema Lernen zu bleiben:

    Die National Honey Show hat den ersten Büchler Vortrag 1/4 online:

    Danke Ludger Merkens,

    bin erst jetzt zum Büchler Vortrag (1) gekommen. Klasse.

    Neben Einzel-Merkmalen ist beim Institut Kirchhain auch das Merkmal "überleben" mit im Pool. Hab jetzt erst den ersten Teil geschaut. Besonders gefallen hat mir, dass Büchler die Winterbehandlung kontraproduktiv findet. Behandelt wird im Juli und August...

    (Auch hier wieder die Warnung vor Nachahmung. AnfängerInnen sollten so behandeln, wie es die NachbarimkerInnen tun.)

    Um ein Gefühl für die Verhältnisse zu bekommen, braucht es ein paar Jahre. Ich fühl mich auch nach 30 Jahren immer mal wieder als Anfänger... Aber seit knapp 20 Jahren komme ich ohne Winterbehandlung zurecht.

    Gruß vom Harry

    Ja, ich habe eröffnet.

    Und hätte ihn auch nach der ersten Meldung dazu (Zitat!) schließen sollen.

    Nö,


    ist doch interessant.

    Gerade hab ich dank dieses Fadens in der Schweizerischen Bienen Zeitung gestöbert und bin in den Ausgaben 10/19 und 11/19 über den Bericht der englisch/walisischen behandlungsfreien Imkereien gestolpert.


    https://www.bienen.ch/fileadmi…ben/2019/1119-SBZ-web.pdf


    Da sind ImkerInnen den Weg gegangen. Das Erfolgsrezept war: Vorhanden-Sein wilder Bienenvölker, Nicht Behandeln, Ausdauer und die NachbarImkerInnen begeistern.


    Nicht irritieren lassen, dass ganz unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Erfolgsrezepte genannt werden. Wahrscheinlich sind viele Randbedingungen, die als kausal angesehen werden, einfach zufällig mit in dem Paket, was jeweils zu Behandlungsfreiheit geführt hat.


    Gruß vom Harry

    Zu den Gotlandversuchen, habe ich offenbar mehr Infos, als all diejenigen, wo dies als "Erfolgsrezept" propagieren.


    Seit Dez 2019, ist es aber öffentlich, und kann im Archiv der schweizerischen Bienenzeitung 12/2019 online gelesen werden......Und nun ist auf deiner Liste, auch noch der Arnot Forest.....

    Lieber Sulz,

    danke für die Info. Sehr interessant und etwas ernüchternd. Andererseits ist die Gotland-Population so winzig - weniger als 20 Völker - dass es vielleicht einfach nicht für stabile Verhältnisse reicht.

    Und was ist mit Arnot Forest?

    Gruß vom Harry

    Im Falle von Gotland, konnte sich diese Population nicht halten. Und um den verbliebenen Rest nicht auch noch zu verlieren, wurden sie nun zur Sicherung der Genetik, gegen die Milbe behandelt.

    Hallo Sulz, hast du dazu eine Quelle?


    Aber außer auf Gotland funktioniert es z.B. in Brasilien, Südafrika, Russland, Avignon und Arnot Forest und dann noch in Wales, Irland, Barbados usw.


    Das "Erfolgsrezept" war wohl immer, dass nicht behandelt wurde.


    Für die einzelne Imkerin, den einzelnen Imker in Deutschland ist das aber leider nicht so einfach. Schließlich wird umgebend flächendeckend behandelt. Die Völker einfach so abzusetzen funktioniert nicht.


    Gruß vom Harry