Beiträge von Jürgen Binder

    Lieber Eisvogel,

    ich wollte Michael Weiler nicht vorführen! Wir hatten verabredet, daß ich ihm gegen Ende meines Vortrags das Wort erteile! Also bitte Maß halten beim Urteilen, wenn keine Hintergrundkenntnisse da sind. Leider kam dann - weil insgesamt die Redezeit vorbei war - doch kein wirklicher Austausch mehr zustande. Sein Urteil über die Wabe war nicht korrekt, denn die Waben waren von einem nichtgeschiedenen Volk. Sonst hätte ich sie ja wohl kaum als Beispiel für ein nicht geglücktes Überwintern gezeigt. Aber ich wollte ihn selbstverständlich nicht bloßstellen. Und schon gar nicht öffentlich.

    Jürgen Binder

    Frühschieder und Spätschieder. Gefällt mir. ^^

    Man hat auch schon gehört, daß Exportbetriebe zeitweilige Engpässe durch Eigenimporte ausgleichen.


    Woher hast Du denn das gehört? Hast Du das von den Exporteuren gehört, die das machen, oder von denen, die es anderen zutrauen, oder ist das eine allgemeine Gerüchtewolke? Könntest Du bitte sagen, von wem Du das über wenlchen Importeur gehört hast?

    Ja, aber was bedeutet denn das für uns? Gegenseitige Belehrungen, daß bei großem Druck Umwege gesucht werden, führen doch zu nichts.


    Für die Schweiz gelten übrigens die gleichen Veterinärbestimmungen wie in der EU. Und die Beutenkäferbestimmungen wurden vom VDRB ventiliert. Aber mit den Funktionären dort müssen schon die schweizer Kollegen selbst fertig werden.

    Danke. Wir kennen alle nur Ausschnitte. Daß das endlich ausgesprochen wird.


    Zuerst trifft das Problem die italienische Kollegen. Jetzt wollen italienische Wissenschaftler herausgefunden haben, daß der Beutenkäfer, der in Kalabrien eingeschleppt wurde, genetisch identisch mit den Beutenkäfern in Kamerun sei. Da aus Afrika keine Bienenimporte nach Italien kommen bleibt die Invasion durch einen kommerziellen Transport höchst abwegig. Natürlich könnten es Schwärme auf containerschiffen gewersen sein, die bis nach Kalabrien überlebt haben. Was wegen der Dauer der Schiffspasssage auch unwahrscheinlich ist. Süditalien importiert keine Kunstschwärme! Süditalien EXPORTIERT Bienen. Das können sie wegen ihres privilegierten Klimas.


    Die Italienischen Imker vertreten unterschiedliche Auffassungen zur Problematik (wie wir auch!). Der Berufsimkerverband und viele mittlerweile sachkundige Imker vor Ort befürworten aber, daß statt alles zu verbrennen Alternativen für den Umgang und die Reduktion des Käfers entwickelt werden. Das kann man nicht, wenn alles gleich abgefackelt wird.


    Die Sache ist doch so: alle dort, die den Käfer noch nicht haben, bangen Tag für Tag, daß sie ihn nicht bekommen. Sollte er auf natürlichem Weg nach Norden kommen, dann wird sich das anders äußern und herumsprechen. Es gibt dann tatsächlich zirkelartige Funde. Das ist bis jetzt wohl noch nicht der Fall.


    Die Reaktiion der Schweiz ist meiner Meinung Nach übrigens abstrus. Kaum Bienenimporte, in 2015 wurden bereits in Süditalien Produktionsbetriebe von Kunstschwärmen von schweizer Sachverständigen kontrolliert - übrigens mehrere hundert Kilometer entfernt vom Sperrebiet und in einem anderen Bundesland - jetzt 8 Beutenkäferkontrollen innerhalb von 4 Wochen bei der Einfuhr (auch wenn die Bienen NICHT aus Italien kommen!) und dann noch die 140 Imker, die das Überwachungsregime aufrecht erhalten. Und gleichzeitig ist die Schweiz - man muß es in diesem Zusammenhang leider sagen - imkerlich das Schlusslicht in Europa, vor allem was Bienenkrankheiten anbelangt. Und der Reißerische Artikel von mellifera.ch ist auch typisch für die aufgeheizte Atmosphäre dort. Reggio die Calabria ist die Provinzhauptstadt mit der zuständigen Veterinärbehörde für die Rote Zone.


    Bienenexporte aus Sizilien und Kalabrien sind nicht gestattet (EU-Regelung), also bekommt man auch kein TRACES von dort. Würde ein solches auftauchen, was nützte es dem Importeur? Es würde wohl ein schweres Erdbeben auslösen.


    Was heißt das alles für uns? Die Betroffenen sind zuerst die Sizilianer und Kalabresen, dann kommen die anderen Italienischen Kollegen. Und dann kommen irgendwann mal wir. Bis dahin kehrt hoffentlich Sachverstand ein.

    Lieber Christian,


    ein ganzes Fragekompendium, das Du da stellst. Ich selbst imkere seit etwas über 20 Jahren und befasse mich seit 8 oder 9 Jahren mit der Frage der "Anpassung". Der Begriff "einengen" ist für nach meiner Beobachtung - ich gebe viele Lehrgänge - etwas einseitig und vielleicht für manchen mißverständlich.


    Alkso zunächst mal müssen wir doch unterscheiden zwischen der brutfreien Zeit und der Zeit, in der das Volk brütet. Die Traube ohne Brut heizt nur sich selbst. Das hat Ludwig Armbruster, Friedrich Lammert zitierend, bereits Anfang des letzten Jahrhunderts nachgewiesen und in seinem Buch "Der Wärmehaust des Bienenvolkes" ausgeführt. Während der brutfreien Zeit (und das sind nur einige Wochen) spielt es also (theoretisch) keine Rolle, wo das Volk sitzt. Das brutfreie Volk hat auch keine konstante Temperatur. Diese schwankt um bis zu 20 Grad.


    Sobald aber das Volk anfängt zu brüten haben wir eine konstante Temperatur im Brutnestbereich und das Volk muß die Waben mit Futter und Pollen bis auf 35 Grad wärmen. Erst dann kann eine Zelle bebrütet werden.


    In dieser Phase ist es nun enorm wichtig, dem Volk nur den Platz zu geben, den es auch benötigt. Kurz gesagt: im Winter und beginnenden Frühjahr passt man das Volumen des Brutraumes AUF DIE BIENENMASSE an. Von Mitte März bis zur letzten Ernte passt man den Brutraum AUF DIE BENÖTIGTE BRUTFLÄCHE an. Zu jeder Zeit werden also die FUNKTIONSLOSEN WABEN aus dem Bienenvolk entfernt, da sie ja ohnehin keine Funktion haben.


    Natürlich ist das Auswintern ein komplexes Problem. Je stärker Du das Volk einengst, um so besser seine Frühjahrsentwicklung. Wenn Du dabei von der Außenwand der Beute etwas weggehst oder eine gute Isoschicht zwischen dem Rähmchen und der Außenwand einziehst, umso besser. Das Schied muß so beschaffen sein, daß die Bienen auf allen vier Seiten das Schied überwinden können und die hinter dem Schied befindlichen restlichen Futterwaben erreichen können. Sind die Waben fast ganz bebrütet wird um eine Futterwabe erweitert. Zu diesem Zeitpunkt ist natürlich eine optimale Isolation des Deckels von großem Vorteil, da eine Traube wenn sie brütet Wärme nach oben abgibt (verliert), und bei guter Isolation also weniger. Der Boden ist natürlich ebenfalls ab Januar geschlossen. Schimmelbildung findet nur auf funktionslosen Randwaben statt, und die haben wir ja rausgenommen.


    Das so durchgeführte "Anpassen" hat weiterhin zur Folge, daß sich Polleneintrag und Brutflächen nicht wild durchmischen. Brutwaben, die im Frühjahr zu viel Platz haben, verpollen. Das gibt im weiteren Verlauf des Auswinterns Probleme. Wenn ich verstanden habe wie man in diesem Forum Bilder hochladen kann stelle ich zwei Brutwaben gegenüber, eine richtig angepasst, eine ohne Anpassung.


    Also die Aussage, in unseren Kisten sei nicht genug Platz für die Brut und deshalb müsse man den zweiten Raum geben ist doch schon seit langem widerlegt. Eine normale Königin braucht 42.000 Zellen. Das macht 7 Zander (bei 6.000 Zellen pro Wabe) oder 9 Deutsch Normal (bei 5.000 Zellen) oder 5 Dadant (bei 8.200 Zellen).


    Hilft das ein stückchen weiter?


    Jürgen Binder

    Liebe Imkerkollegin,


    das Problem, das Du schilderst, ist ein Zander und DN Problem, denn diese Beuten sind einfach zu klein. Beim Einwintern im Juli und August sind so viele Sommerbienen in der Kiste, daß sie einfach nicht in die Zanderbeute reinpassen. Man schröpft dafür dann entweder Bienen und macht von den Bienen zweier oder dreier Völker einen Kunstschwarmableger oder saniert die Völker durch eine totale Brutentnahme mit zusätzlicher zweimaliger Oxalsäurebehandlung. Wenn Du dann noch nach drei Wochen die Königin erneuerst hast Du ein perfekt überwinterndes Volk. Natürlich fütterst Du NICHT mit Sirup sondern mit einer Zuckerlösung im Verhältnis 0,7 kg Zucker zu 1 Liter Wasser. Dies, damit Du das Brutnest nicht zu stark einengst und um die Brut und Wabenbau anzuregen bzw zu erleichtern.


    Es reicht in einem so sanierten Volk völlig aus, einräumig zu überwintern. Und natürlich wird das Volk auch einräumig geführt im Frühjahr und Sommer.


    Du solltest solange Du noch nicht so viele Beuten gekauft hast Dich mit der Frage der Brutraumgröße befassen. Die Aussagen von Liebig und Aumeier sind dabei wenig hilfreich, da diese beiden ihre zweiräumige Methode propagieren ohne die vielen Nachteile, die damit verbunden sind, zu nennen.


    Herzliche Grüße
    Jürgen Binder