Beiträge von ribes

    Schillbee : Unser Verein hat sich anläßlich der Archivierung alter Unterlagen und der Ausstattung eines Museums u.a. mit der Geschichte der Bienengesundheitsvorsorge in unserer Region näher befaßt. Ein ehemaliger DDR-BSV hat uns berichtet und entsprechende Dokumente (z.B. den von jedem Imker zu führenden Gesundheitspaß für seine Bienen; ebenso seine monatliche Berichtspflicht an die damalige Kreisverwaltung - Vorläufer des heutigen VetA) erläutert. Die Völker des BSV wurden selbstverständlich von einem anderen BSV kontrolliert. Die Eintragungen im Gesundheitspaß zeigen naturgemäß eine flexible Überwachungsdichte - eben der Saison angepaßt.

    Es mag sein, daß es selbst in der zentralistisch organisierten DDR regionale Unterschiede gab. Deshalb schrieb ich auch von "hier".

    Dankenswerterweise hat mich ein Kollege auf einen Fehler in meinem #52 aufmerksam gemacht, den ich hiermit berichtige wie folgt:

    Sachsen hat am 1.2.2019 das ehrgeizigste Monitoringprogramm aufgelegt, das es je gab: Innerhalb von knapp 4 Jahren soll jeder Bienenstand in Sachsen beprobt werden!


    https://www.lds.sachsen.de/bek…g/?ID=14731&art_param=810


    Diskutiert wurde dieses spezielle Thema hier:

    Faulbrut-Monitoring in Sachsen

    Sehr interessant fand ich den Vortrag von Dr. Titera über die tschechischen Erfahrungen mit dem flächendeckenden jährlichen AFB-Monitoring zu einem einheitlichen Zeitpunkt mittels Probenahme durch die Imker selbst (Gemüllprobe) = Link in #12.

    ...Sicherheitshalber habe ich aber noch eine weitere Wabe mit frischer Brut eingehängt, damit sie sich im Ernstfall, dass jetzt keine Königin drin ist, doch noch eine neue machen können.


    Donnerstag kann ich nochmal vorbeikommen...Die...bekommen grad Saeure.

    Wo hast Du denn solche Arbeitsschrittfolgen gelernt? Unabhängig davon: Hast Du Dir einmal überlegt, daß ein Volk unter Säure (vermutlich AS) Schwierigkeiten haben könnte, innerhalb von 2 Tagen die Nachschaffung als erste Priorität umzusetzen?

    ...kannst halt in jedem Supermarkt sporeninfizierten Honig kaufen und vor dem Dresdner Ausbruch gabs halt einen Sommer ohne viel Tracht.

    Dieser Infektionsweg ist zwar nicht völlig auszuschließen, aber für die wenigsten AFB-Fälle ursächlich. Dr. Koithan hat in seiner Dissertation sehr überzeugend nachgewiesen, daß AFB nicht mit der Völkerdichte zunimmt, sondern vielmehr von der Dichte des flächendeckenden Netzes von AFB-Früerkennung und epidemiologischer Vorsorge:

    http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1016/

    Ganz praktisch: Zu Zeiten der DDR hatte hier ein BSV höchstens 50 Völker zu inspizieren - das aber jeden Monat. Und die Völkerdichte betrug ein Mehrfaches der heutigen.


    ...Dummerweise ist in der Nachbarschaft noch ein Imker vom "alten Schlag", der gern im Frühjahr die Waben rausstellt zum Ausschlecken lassen,

    Auch die alten Imker haben einen Verstand. Den kann und muß man erreichen und so überzeugen, daß der Routinier bereit ist, seinen über die Jahrzehnte angesammelten Erfahrungshorizont zu überschreiten. Das ist naturgemäß um so schwerer, je mehr Erfahrungen angesammelt wurden. Das liegt sogar in der Natur des Menschen, der im Interesse von Schnelligkeit und Effizienz tendenziell dazu neigt, Erfahrung/Routine zu bevorzugen, um nicht bei jedem Schritt wieder vom Urschleim her alles bedenken, abwägen und neu überlegen zu müssen.

    ...mich für Faulbrut Prävention interessiere, ich wohne nahe an Berlin.

    Das ist ja das Eigenartige an Bienen (Fluglochwache!) generell, besondes augenfällig bei AFB: DIe Seuche wird nicht durch erkrankte Völker exportiert, sondern gerade durch die gesunden, starken, findigen Völker aktiv importiert mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in trachtarmer Zeit!

    Schillbee : Andererseits kann auch der Imker mit den gesunden Völkern durch eigene Fehler diese Wahrscheinlichkeit noch erhöhen, bspw. indem er seine Bienen (gewollt oder ungewollt bspw. durch freies Auslecken-Lassen oder Zulassen von Räubereien am eigenen Stand) auf Import trimmt, resp. zu Räubern erzieht. Da reicht eine einmalige Unsauberkeit, Verschütten von Futter etc. schon aus. So eine in der Natur nicht vorkommende sagenhafte Tracht vergessen Bienen zeitlebens niemals.

    Warum es "kein sinnvolles Ziel sein"sollte, die Sporenlast von Bienenvölkern eines Standes mindestens durch Stichbeprobung als Frühwarnung vor dem klinischen Ausbruch der AFB zu nutzen, bleibt mir unverständlich.

    Und noch einmal: Die Deutsche Imkerei ist sowohl personell und strukturell in keiner Weise mit NZ vergleichbar. Auch die Geografie u.a. epidemiologisch relevante Faktoren sind es nicht.

    Und: Warum sind NZ-Honige bislang deutlich häufiger mit AFB besport als deutsche Honige?

    Und schließlich sei mir gestattet, persönliche Zweifel an der 1 : 1 Umsetzung hehrer Ziele in der Imkerei NZ zu äußern, nachdem ich von Beispielen weiß, wie massiv und leicht man sich dortzulande über selbst elementare Rechtsregeln hinwegzusetzen bereit ist, wenn nur die Gewinnaussichten hoch genug erscheinen. Der Kampf bspw. um Manuka-Trachtgründe durch von Finanzinvestoren frisch gegründete Industrieimkereien wird dort tlw. mit hierzulande unvorstellbar hoher krimineller Energie geführt.

    Nein, als Imker erblasse ich nicht vor Neid, nachdem ich mir manches vor Ort angesehen habe. - obwohl mir sehr wohl auch viel Verlockendes begegnet ist.


    Von einer echten Eliminierung der AFB kann man erst dann reden, wenn selbst ein dichtes Netz von Frühwarnsystemen über mehrere Jahre keine AFB-Sporen mehr anzeigt und alle produzierten Honige keine AFB-Sporen mehr aufweisen. In NZ fehlt es sowohl an einem solch dichten Frühwarnsystem als auch an einer lückenlosen AFB-Beprobung der produzierten Honige. Wenn man in die Betrachtung weiter einbezieht, daß AFB-Sporen äußerst robust sind und selbst unter extremen natürlichen Umweltbedingungen problemlos 30 Jahre und mehr überstehen und keimfähig bleiben, dann wird man das propagierte Ziel, in NZ schon bis 2030 AFB-frei sein zu wollen, als unrealistisch einstufen müssen. Mglw. ist diese Zielerklärung Teil einer Marketingstrategie...

    ...irgendein Schlaubi in Charlottenburg mal so eben rund 25 Altwaben neben dem Müllcontainer entsorgt und damit eine prächtige Räuberei verursacht hatte, sorgt die liebe Imkerschaft mal wieder ganz alleine für (zweifelhafte) Tracht...

    Viel schlimmer als die eine Räuberei auf einigen Altwaben (die in 1 ... 2 h leergeräubert sind) ist der neurologisch nachhaltige Erziehungseffekt. Eine Tracht mit solch hohem Zuckergehalt, wie ihn nur Honig hat, vergißt eine Biene ihr Leben lang nie wieder. Einmal Wassergahalt von 20% - x gemessen, wird sie immer wieder mit aller Energie nach so etwas suchen und natürliche Trachten mit 60% + x Wassergehalt als unattraktiv einschätzen. Einmal Räuber = immer Räuber! Und die lernen ihre Schwestern tanzend an. So funktioniert AFB-Import ganz von allein und bestens, viel häufiger und zuverlässiger als (von manchen AVet fälschlich unterstellt) durch Kontamination mit imkerlichem Werkzeug.

    BSV ist einer, der vom VetA amtlich dazu berufen bzw. beauftragt wurde. Die Aufträge können ganz unterschiedlich ausfallen: auf den Einzelfall begrenzt oder mit ganzen Aufgabenbereichen (zeitlich bzw. räumlich bzw. sachlich umrissen).

    M.a.W.: Nicht der Lehrgang macht den Teilnehmer zum BSV, sondern ausschließlich die amtliche Beauftragung. Unser VetA bietet in akzeptablen, oft sogar erstaunlich kurzen Reaktionszeiten ganz konkrete Maßnahmen auf; nicht immer zur restlosen Freude des betroffenen Imkers, aber objektiv betrachtet im Interesse der Allgemeinheit. Dabei muß man gut unterscheiden zwischen den Pflichtaufgaben eines VetA (die zumindest tlw. auf BSV übertragbar sind) und freiwilligen Aufgaben und ggf. zu beantragenden Dienstleistungen, an denen oft auch BSV mitwirken. Wir sind mit unserem VetA in all diesen Bereichen zufrieden. Entsprechende Kontaktpflege verbessert das gegenseitige Verständnis. Unser AVet ist einmal jährlich zur Vereinsversammlung eingeladen, die nichtorganisierten Imker ebenfalls. Der Besucherandrang macht dabei den Faschingsveranstaltungen dieser Zeit durchaus Konkurrenz. Bei uns kommt da nicht nur warme Luft. Wir pflegen aber auch keine Vorurteile.

    ...also werden Lebensmittelhersteller ihre Rohstoffe günstiger aus dem Ausland beziehen.

    80% des in D verbrauchten Honigs stammen bereits seit vielen Jahren aus dem Ausland. Daran würden Preiserhöhungen für deutschen Honig nichts wesentliches mehr ändern. Auf deutschen Weihnachtsmärkten findet z.B. finnischer Honig in billigsten 115g-Plastebecherchen für über 20,- EU/500g, tlw. sogar über 25,-/500g so reißenden Absatz, daß man kaum glauben kann, daß die finnischen Bienen soviel einsammeln:

    https://www.finntouch.de/2018/01/11/honig-aus-finnland/

    Es ist so, wie es eines unserer Vereinsmitglieder immer ausdrückt: Der Preis wird nicht von den Kosten bestimmt, sondern vom Aufwand, den du in den Vertrieb investierst.

    Kannst Du also die Blühstreifen in Dein Marketing integrieren, sind sie von Vorteil.

    Wir dürfen bei dieser Diskussion nicht mehrere Ebenen miteinander vermischen: a) das imkerlich denk- oder machbare und b) was dem Fragesteller - der imkerlicher Laie ist - geraten werden soll.


    Im angefragten Fall geht es darum, etwa 5 Bienen zuverlässig aller 2 Tage aus einem Volk abzufangen. Das geht winters bspw. in einem Apidea - im Keller oder nicht - bestimmt nicht lange gut. Selbst bei einem überwinterungsstarken Volk halte ich so eine Störung alle 2 Tage für grenzwertig, wie ja WFLP bereits schrieb.

    ...einfach eine Brutwabe mit Futter und Bienen und stellen sich diese in eine Art Schaukasten ins Haus. Vielleicht könnte man dies im Winter mit einer Futterwabe machen und dann alle paar Wochen Bienen übersiedeln.

    So einfach geht das nicht. Einzelne Honigbienen gibt es im Grunde nicht, sie sind auf einen funktionierenden Superorganismus - den Bien - angewiesen - müssen also neben dem Lebensraum und Möglichkeiten, mindestens +28 Grad halten zu können, eine Königin haben.

    Es ist wohl am besten, Du suchst den Kontakt zu einem Imkerverein vor Ort. Dort kann man Dir naheliegende Hilfe vermitteln und - nicht zuletzt - auch bei einem evtl. Start ins Imkerleben helfen.

    ...überwintere auf einer Zarge DN, Oft auf 9 oder 10 Waben. Da passt genug Futter hinein.

    ...in Styroporbeuten, nehme ich an.


    Wir hier quartieren unsere Bienen vorzugsweise in Holzbeuten ein, bei mir Zander 1,0. Da ist der Futterbedarf etwas höher und unsere Winter sind wohl auch wechselhafter als im Norden, resp. brut-/-> zehr-freudiger.


    Hymenoptera : Zur Winterbehandlung ist das ASG hier längst weggenommen.