Beiträge von ribes

    millefiori : Deine Fragen sind von hier aus nicht ohne Spekulation zu beantworten. Wir wissen zuwenig über das Volk, bes. ob die Volksstärke ein Behandlung zuläßt (mind. 5.000 Bienen). Unter diesem Vorbehalt:


    zu 1.: Sofern noch restliche Brut -> behandeln, ggf. Brutflächen entdeckeln


    zu 2.: Du kannst gegen Brutaktivität jetzt nichts unternehmen. Wenn der Bien mit angepaßter örtlicher Genetik jetzt nennenswert brütet, versucht er ein Problem zu beheben (unzureichende demografische Zusammensetzung der Belegschaft, Kurzlebigkeit/zu hohe Sterberate der Bienen wegen Vorschädigung o.a.). Einzige Hilfestellung: Das Volk in Ruhe lassen, keine Klopfproben mehr, allenfalls vorsichtige Windelkontrolle.


    zu 3. Du wirst vermutlich Oxuvar 5,7 verwenden. In der Gebrauchsanleitung bzw hier in der Fachinformation finden sich die Hinweise, die Du suchst (bes. 4.4. Abs. 3, 4.9. B, 4.11.):

    https://imedikament.de/oxuvar-5-7?doc=1

    Erwartest Du in den Wintermonaten Januar + Februar 2020 die vorgesehen Behandlungstemperatur von mindestens +8 Grad?


    Zu den Schadschwellen (lt. Fachinformation 6%, sonst üblicherweise mit 5% angegeben):

    Wenn bei der Restentmilbung innerhalb von 2 Wochen mehr als 500 Milben behandlungsbedingt fallen, rät der Schweizer Tiergesundheitsdienst zur nochmaligen Winterbehandlung. @Kleingartendrohn hat diese Zahl rechnerisch begründet und präzisiert:

    1. Er hat ja die Faustformel entwickelt, aus dem Milbenfall nach erstem und zweitem Behandlungsschritt die Zahl der im Volk verbliebenen Restmilben zu berechnen (PDF in #48):

    Varroatotenfall nach Oxalsäurebehandlung

    Bitte nicht als Rat zur Zweitbehandlung mißverstehen, sondern nur als geistig-rechnerische Aufwärmübung für das Folgende:

    2. Hier hat er die Restmilbenzahl von 50/Volk (wenn kein Drohnenschnitt erfolgt) rechnerisch begründet (#47):Nochmal Oxalsäure Verdampfen?

    3. und hier nochmals zusammengefaßt bezogen auf den Behandlungsabfall präzisiert auf max. 450 Milben/2 Wochen bei Brutfreiheit bzw. 50 Milben bei Restbrut (#59):

    Winterbehandlung auslassen

    Ich halte seine Begründungen und Berechnung für zwingend und betrachte sie heute noch als wertvolles Geschenk an uns Leser.

    Der Versuch eines von AFB betroffenen Imkers, im Ernstfall (meist unter Zeitdruck) mit dem AVet über dessen Anordnungen zu diskutieren, geht meist nach hinten los. In diesem Sinne hilft da der "Gigant" auch nicht, sondern schadet wohlmöglich eher. Gründe sind m.E.:


    1. AFB ist wirklich ein Sonderfall, dem nicht mit den herkömmlichen Hygienemaßnahmen beizukommen ist. Deswegen treffen bereits im Verdachtsfall die Entscheidungen nicht die betroffenen Imker, sondern der AVet. Dabei kann kein Kollege aus Sparsamkeits- o.a. Gründen angeordnete Hygienemaßnahmen abwählen oder gar darauf verzichten. Eine irgendwie geartete Unabhängigkeit kann es da also nicht geben, auch nicht mit dem "Gigant".


    2. BienSeuchV schreibt im AFB-Erkrankungsfall die Abtötung der Völker und Vernichtung des Wabenmaterials vor. Ausnahmen davon muß der AVet mittels Gutachten begründen.

    In diesem Gutachten muß der AVet. neben den objektiven Gründen auch die subjektive Seite, resp. die Zuverlässigkeit des betroffenen Imkers beurteilen. Da kommt das sonstige Verhalten des Imkers ins Spiel (bisherige Betriebsweise und -führung, Gewähr, daß angeordnete Maßnahmen fachgerecht und pünktlich erledigt (und nicht infrage gestellt) werden usw.). (Nur) insofern wäre es ggf. von Vorteil, wenn der AVet den Eindruck gewinnt, daß der Imker bisher immer vorbildlich, fachgerecht und hygienisch gearbeitet und genügend fachlich geeignete Helfer für eine evtl. Sanierung zur Verfügung hat (Vereinskollegen etc.).


    3. Eine wesentliche Aufgabe des AVet besteht ja darin, den Seuchenherd zu finden und zu eliminieren. Sehr wirksames Argument dabei kann die jährliche FKP des gerade besichtigten Bienenstandes sein, viel wirksamer jedenfalls als die imkerliche Behauptung, alle 5 Jahre Rä. und Beuten in Natronlauge auszukochen.


    6. Hier wurde ein Weg diskutiert, wie der Imker ein eigenes Archiv über den zeitlichen Verlauf des AFB-Infektionsstatus seines Bienenstandes anlegen könnte:

    Eigenarchiv Gemüllproben für AFB-Recherchen

    Die labormäßige Auswertung von Proben aus solchem Archivmaterial könnte ggf. auf der Suche nach dem Infektionsherd wertvolle Indizien liefern. Ob und wie diese Möglichkeit im Seuchenfall genutzt wird, entscheidet wiederum die Behörde, die die Ermittlungen führt und bei der alle Informationen zusammenlaufen - also das VetA.

    Bei einer Kollegin seit mehreren Jahren im Einsatz: Parkside PFMR 1400 (W), stufenlos mit Fingertaste regelbare Drehzahl, M 14 - Aufnahme für Edelstahl-Doppelflügelrührstab (60 cm lang -> da muß sich der Imker beim Rühren nicht so tief bücken).

    ...Und der Bien ist definitiv kein Tier.

    Es mag Leute geben, die das anders sehen, und den Bien spirituell interpretieren wollen. Bei Anthroposopie oder ähnlichem bin ich aber raus.

    Dr. Ferdinand Gerstung steht hoffentlich außerhalb dieses Verdachtes. Gerade für seine Lehre vom Bien als einem Organismus hatte er 1920 die Ehrendoktorwürde der Uni Jena bekommen. Die moderne Biologie drückt sich nun denglisch aus und spricht vom Superorganismus.

    Das ist freilich etwas anderes als ein Fischschwarm oder eine Herde, Rudel etc. oder gar die Winterschlafgemeinschaft von Murmeltieren.

    Fraßschutz v.a. gegen Schnecken ist im Jungstadium ebenfalls anzuraten. Der Bienenbaum kommt in den ersten 3 Jahren als Sämling nicht ohne eine gewisse gärtnerische Betreuung bzw. Schutzmaßnahmen aus. Er ist deswegen keinesfalls invasiv.

    Frost- und Fraßschutz und nicht zuletzt Schutz vor Austrocknung/Gießen lassen sich manchmal (z.B. ab einer gewissen Stückzahl oder größerer Entfernung zum Zielpflanzort) einfacher bewerkstelligen in örtlicher Nähe zum Wohn-/Arbeitsort.

    ...treibt sich jetzt die AFB seit Jahren rum...Daher suche ich ebenfalls nach einer Lösung, die eben Wachsschmelzen und Desinfizieren in einem kann...Der Gigant wäre da eine Lösung

    Wenn ich die Betriebsanleitung richtig verstehe, kann mit dem Gigant nicht in einem Zuge das Wachsschmelzen und das Desinifizieren erledigt werden. Zum Desinfizieren muß der Ausschmelz-/Wachsraum mit Natronlauge gefüllt werden.

    Ob auf diese Weise das Wachs vollständig desinfiziert werden kann, ist fraglich. Die Vorschriften zur Desinfektion von AFB-Seuchenwachs werden jedenfalls damit nicht erfüllt (30 min. bei 120 Grad). Der Gigant arbeitet aber drucklos, kann also max. 100 Grad auf Meereshöhe erreichen. Nicht umsonst ist in der Desinfektionsrichtlinie des BMEL festgeschrieben, daß Seuchenwachs zu verbrennen bzw. einem Fachbetrieb zur Entseuchung zuzuführen ist. Die Werbeaussage über den Gigant, er sei auch zur Desinfektion verwendbar, ist also mit großer Vorsicht zu verwenden und darf in Bezug auf AFB nicht zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl verleiten.

    Sehr kleine Bienen, die aus der Masse der Bienen sofort auffallen, sind nach meinen Erfahrungen schlecht gefüttert worden und kommen wahrscheinlich aus den Bereichen wo die Kern-Temperatur nicht gehalten werden konnte. Als Erstes würde ich aber annehmen, dass diese einen Varroa-Schaden haben.

    Um Mißverständnissen vorzubeugen: Meine Beobachtung von #263 bezog sich nicht auf varroageschädigte Bienen, sondern wirklich nur auf Larven und Bienen aus den beschriebenen kleineren Randzellen. Ich habe mehrere Jahre hintereinander und mehrfach Larven in verschiedenen Altersstadien aus solchen Brutzellen genau untersucht (bis zur schlupfreifen Biene) - ich habe nicht ein einziges Mal eine Varroa sehen können, auch in den Zellen keine Hinweise auf Varroabefall (wie Kot o.ä.). Es bestand m.E. ausschließlich ein Platzproblem für die betroffenen Larven.

    Den zitierten Erfahrungen von Jonas will ich damit aber keineswegs widersprechen, meine Beobachtungen beziehen sich nicht darauf, sondern nur auf zu kleine Brutzellen.

    Irritierend ist für mich das Schweben der Teilchen. Wenn sie weder aufsteigen, noch absinken, müßten sie dasselbe spezifische Gewicht wie Honig haben. Das spräche gegen Fremdbestandteile.

    Ich würde mit Fotos und Beschreibung der Honiggewinnung, Lagerung, Abfüllvorgang bis zum jetzigen Zeitpunkt bei Fachleuten nachfragen, die beruflich täglich mit Honiganalysen befaßt sind. Bitte das Ergebnis hier mitteilen.

    ...Kleinere Zellen, weniger Platz für Futtersaft = kleinere Bienen usw.

    So etwas habe ich hier auch beobachtet: Wenn die Kö. in der Saisonspitze sogar die "Anhaftungs"zellen am Rä.rand bestiftet, entstehen deutlich kleinere Larven -> Bienen aus solchen Zellen. In diesen Fällen sind solche Zellen kleiner als die übrigen Arbeiterinnenzellen und dienen normalerweise vorrangig dazu, das Wabenwerk am Rä. zu befestigen, haben also oft eine unregelmäßige (vom geraden Rä.rand "angeschnittene") Form. Am Flugloch habe ich solche Kleinbienen noch nie beobachtet. Ich vermute, daß sie nur zu Innendienstarbeiten fähig sind wegen ihrer körperlichen Defizite.