Beiträge von ribes

    Dahinter steht doch die Frage, was unter der Vokabel "Zucht" verstanden wird. I.A. wird Zucht als das Beeinflussen der Fortpflanzung durch Zuchtwahl unter Verfolgung von Zuchtzielen definiert. Alle Streitfraktionen sind sich doch einig darin, daß wir Imker - gewollt oder ungewollt, bewußt oder unreflektiert - durch unsere Völkerführung zwangsläufig auch die Fortpflanzung der Varroamilben beeinflussen, resp. in diesem Sinne "züchten". Die Varroamilben leben nunmal in jedem unserer Völker und zwar in lebensnotwendig enger Symbiose. Jede imkerliche Entscheidung hat somit Auswirkung auf das Bienenvolk und damit auch auf die in ihm lebenden und sich vermehrenden Milben und deren evtl. Ausbreitung in andere Bienenvölker hinein.


    Nur an den Methoden der Zuchtwahl scheiden sich dann die Geister.

    Beispiel:

    Trotz der genetischen Einheitlichkeit unserer heimischen Varroamilben (KoreaGenotyp) finde ich bspw. die von Kleingartendrohn im Vorwort seines TBE-Konzeptes aufgestellte These nach wie vor bedenkenswert: Bestenauswahl bei Varroa durch Anwendung von Varroaziden -><- Schlechtestenauswahl bei biotechnischen Methoden wie etwa TBE (PDF in #1):


    Manne:

    1. Was haben all die (zum überwiegenden Teil langjährig erfahrenen) Imker Deiner Meinung nach anders und falsch gemacht, als die Varroa nach Deutschland einwanderte? Von den alten Kollegen, die hier schon in den 1980er Jahren = vor der Varroa imkerten, höre ich auf Nachfrage nur: Wer damals so weiterimkerte wie vor der Varroa, dem verreckten seine Völker unweigerlich. Und es gab damals nach deren Schilderungen einige, die meinten, Varroa betreffe sie nicht und die partout versuchten, so weiterzuimkern wie vor der Varroa. Was genau haben die damals im Gegensatz zu Euch ab 1993 grundlegend falsch gemacht?

    2. In bestimmten Regionen der DDR kam Varroa erst 1988, ja sogar erst 1989 auf. 1989/90 brach in der DDR das gesamte Vermarktungs- und Dienstleistungssystem rund um die Imkerei zusammen und jeder Imker war plötzlich auf sich allein gestellt. Spätestens 1990 gab es viele, viele Bienenvölker, die gänzlich von imkerlichen Eingriffen verschont blieben. Einer der ehemaligen BSV berichtete als Zeitzeuge, wie traumatisch er diese Zeit und das jämmerliche Eingehen des gesamten Völkerbestandes ganzer Bienenstände damals miterleben mußte, die bis dahin alle "wie vor der Varroa" betreut, aber nicht einmal mehr abgeerntet worden waren (Zusammenbruch des staatlich garantierten Absatzmarktes). Wie erklärst Du Dir diesen Widerspruch zu Deinem Slogan? Falsches Zucht-/Genmaterial, keine Dunklen Bienen? Falsche Beuten? Das zumindest behauptet Herr Schiffer. Nur: In diesen Beuten wurde vor Varroa sehr erfolgreich geimkert und: Auch die Schwärme, die 1990 von unbetreuten Völkern abgingen und sich in hohlen Bäumen o.a. natürlichen oder menschengebauten Hohlräumen einnisteten, haben zumindest hier in der Region nirgends überlebt, sind alle eingegangen - sagen zumindest die Kollegen, die das damals miterlebt haben.

    30 Tage lang bei mehreren mit OXS behandelten Völkern täglich den Milbenfall gezählt, um die Dynamik abzuschätzen. Zusammengefasst fallen in den ersten Tagen viele Milben mit einem "peak" bei 4 bis 6 Tagen. Dann flacht der Milbenfall ab, bis dieser nach weiteren 10 bis13 Tagen nochmals einen kleinen "peak" erreicht. Dies konnte ich mir nur so erklären, dass einige Milben, die in offene Zellen kurz vor Verdeckelung eingewandert waren, dann Schaden erlitten hatten und bei Schlupf der Biene / durch Putzen abgefallen sind.

    Diese Datenreihe ist interessant. Kannst Du noch etwas zum dem Behandlungsmodus (einmalig oder Block?) und zur jahreszeitlichen Einordnung/Entwicklungsphase der Versuchsvölker sagen?


    Wir haben hier auch einen imkerlichen Erfahrungsaustausch. Kollegen mit mehrjähriger Behandlungserfahrung berichten bei Blockbehandlungen mit OX-Staub durchgängig von folgender Statistik des behandlungsbedingten Milbentotenfalls:

    Tag 0 abends = Staubbehandlung

    Tag 1 ca. 75 ... 80% des Fallmaximums

    Tag 2 Fallmaximum

    Tag 3 nur noch ca. 50% des Fallmax. -> deshalb abends erneuter Behandlungsschritt mit der gleichen Totenfallstatistik. Die erfolgreichsten Überwinterer schwören dabei auf 5 Behandlungsschritte alle 3 Tage (5 x 3), wobei es auch Kollgen gibt, die erst bei einem behandlungsbedingten Abfall von < 10 Milben/Tag (gemessen von Tage 1 - 3) den Behandlungszyklus beenden.


    Die tägliche Fallstatistik wird v.a. jetzt im Herbst selbstverständlich auch von äußeren Faktoren beeinflußt. Man sieht das besonders im Vergleich der Fallzahlen nachts (bei Kälte weniger Putzaktivität, dichter Bienensitz) und tagsüber (Lockerung der Bienentraube).

    freyflug: Die Dissertation von Dr. Verena Schneider


    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12025/


    hat andere Ergebnisse erbracht als die von Dir vermuteten Thesen (bspw. Zitate von S. 56 + 60):


    "Es wurde unter den gesammelten Proben weder der Japan-Biotyp, noch eine andere Milbe der Gattung Varroa gefunden. Dieses Ergebnis entspricht den Untersuchungen von Anderson und Trueman (2000), die bereits in anderen europäischen Ländern Analysen mit ähnlichen Untersuchungsansätzen (vgl. auch Anderson, 2000) durchgeführt haben. Anhand der Ergebnisse aus bekannter Literatur (Anderson 2000, Anderson und Trueman 2000, Solignac 2005), lag nahe, dass es in Europa nur einen Biotyp gibt, und dass dieser der Korea-Biotyp ist."


    "...kann nicht ausgesagt werden, dass es unterschiedliche Migrationswege der Milbe nach Deutschland gab. Vielmehr wird die Meinung erhärtet, dass aufgrund der homogenen, genetisch identischen Gruppe die Milbenpopulation in Deutschland einen gemeinsamen Ursprung hat. Andererseits kann damit belegt werden, dass der Wirtswechsel eindeutig vor der Besiedelung Deutschlands stattgefunden hat, was auch der Literatur entnehmbar ist (De Jong 1982, Donzé 1996, Oldroyd 1999)."

    Hamburger-Jung: Pias Völker hatten keine TBE. Bei hohen Fallzahlen brüten die vermutlich gegen Varroaschäden an, haben also noch große Brutnester/Versteck- und Vermehrungsmöglichkeiten für Varroa. Da ist die relative Varrolast so hoch, daß man eingreifen muß.


    Bei Dir (TBE Mitte/Ende Juni?) könnte jetzt das Brutnest nur noch klein sein, weil genügend gesunde Belegschaft an Bord ist. Bei nur noch wenigen Brutzellen fallen vermehrt Varroen, da ihnen der Unterschlupf in offene Brut fehlt. Die Fallzahlen zeigen dann nur scheinbar eine hohe Varroalast an, obwohl diese relativ (als Schnitt/Biene) gering ist. Diese These müßtest Du vor Ort überprüfen (Windeldiagnose, notfalls Durchsicht).

    Ich habe bei verschiedenen Kollegen Varrox im Einsatz beobachtet. Da waren die Abwinkelungen des Distanzbleches recht unterschiedlich (Transport-/Lagerungsschaden, Produktionstoleranz?), weshalb alle Kollegen eine feuerfeste Unterlage benutzten.


    2019/2020 stellte ein sächsischer Imker Gebrauch und Bau eines Sublimators vor auf Basis eines handlichen Lötbades (solderpot)* mit aufgesetztem Rohrstück (komfortabel abgeschlossen mit Kugelhahn, der zum Einfüllen der OX-Tablette kurz geöffnet und sofort wieder geschlossen wird) und mit Abzweig als Einblasröhrchen in die Beute. Vorteile: Bearbeitungsdauer/Volk 12 sec., kein Gebläse/nur Eigenausdehnung im Sublimationsvorgang, keine Hitzeeinwirkung auf Beute und Bienen. Leider sind die Videos dazu und die Materialliste inzwischen aus dem Netz getilgt. Mir fehlen die passenden Stichworte, um das im I-netarchiv zu finden. Wir hatten auch hier im IF darüber diskutiert - auch das finde ich nicht mehr.

    Kann da hartmut o.a. helfen?


    *z.B. so ein Gerät:

    http://www.wolfgangrobel.de/arcadetech/loetbad.htm

    ...stichprobenartige (und kostenpflichtige) Kontrolle der ordnungsgemäßen Befüllung der Gebinde, beide durch das Eichamt, sind bei uns üblich.

    Lebensmittelkontrollen, durchgeführt durch das Amt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind nun wieder was anderes.

    Daß sich Niedersachsen solch eine Doppelstruktur bei Lebensmittelkontrollen leistet, ist verwunderlich, aber anscheinend Tatsache:

    https://www.men.niedersachsen.…g/ueberwachung-52373.html

    Bevor wieder alles vermischt wird:


    a) Eichung bezieht sich ausschließlich auf die Waage als technischem Gegenstand, erfolgt ausschließlich an der Waage, nicht an der Ware. -> Das Fordern/Einziehen von gefüllten Honiggläsern gehört damit nicht in diesen Bereich.


    b) Lebensmittelkontrolle bezieht sich auf die in den Verkehr gebrachte Ware. Dabei können bspw. überprüft werden :

    - Übereinstimmung von deklariertem und tatsächlichem Gewicht, aber auch

    - die Arbeitsmittel/-abläufe beim Abfüllen bzw. bei der Produktion, Verpackung, Lagerung etc. -> somit also auch die Überprüfung, ob geeichte Waagen verwendet bzw. Eichfristen eingehalten werden.

    Aus Kosten- und Personalgründen verläuft die Prüfung bei einem vernünftig geführten Lebensmittelüberwachungsamt meist in Kaskaden, Prüfintervalle sind oft unterschiedlich für verschiedene Produzentenklassen festgelegt mit Ausnahmeklauseln bzw. anlaßbezogen.


    Daß dem Eichamt in Einzelfällen oder gar generell Kontrollaufträge bzw. Befugnisse der Lebensmittelkontrolle übertragen werden, halte ich für unwahrscheinlich.

    Ich hatte Besuch vom Eichamt am SB Stand...

    Ohne Beanstandungen...bitte zahlen sie 251€ für die Prüfung

    Man muß es scharf trennen:

    a) Die Prüfung einer geeichten/eichpflichtigen Waage zahlt der Betreiber der Waage, denn er ist verpflichtet, die Eichfristen einzuhalten.

    b) Die Prüfung der Lebensmittelkontrolle, ob die deklarierten Maße/Gewichte im Handel mit den Tatsachen übereinstimmen, ist amtliche Aufgabe der Lebensmittelkontrolle und von dieser von Amts wegen aus dem eigenen Haushalt selbst zu finanzieren. So jedenfalls bestimmen es die Regularien unseres Zweckverbandes (ZVL). Gebühren für Lebensmittel- (nicht: Waagen-)Kontrollen stellt unser ZVL nur dann in Rechnung, wenn sich Beanstandungen ergeben, resp. im Zuge eines deswegen gestarteten Ordnungswidrigkeitsverfahrens.

    Nach kurzem Querlesen irritieren mich folgende Punkte an der amerik. Studie:

    1. Sublimationschritte m.E. im zu großen zeitlichen Abstand (je nach 7 Tagen) und nur 3 x. Mglw. wird die längere Wirkung durch die Überdosierung bewirkt, weil die Bienen länger damit beschäftigt sind, OX-Reste aus dem Stock herauszuschaffen (Gemüllbeobachtung)?

    2. Jahreszeit bzw. Brutstatus der Versuchsvölker für mich nicht nachlesbar.

    3. Sublimator für mich nicht nachlesbar. -> Wieviel OX landete mglw. nicht auf den Bienen bzw. im Stock oder ging gar in die Umgebungsluft?

    4. Versuchsgruppen sehr klein (10 Völker).

    5. 4g OX sind m.E. gefährlich nahe an der 5g-Schädigungsgrenze, die im Flächenversuch der Fischermühle ermittelt wurde.


    Da macht die Studie der Fischermühle doch einen gründlicheren Eindruck auf mich.

    ...Für mich entscheidend jedoch ist die offensichtlich geringere Irritation der Bienen, soweit ich das aus dem Bewegungsverhalten ableiten kann.


    Im Moment verfolge ich den Ansatz, dass pro Behandlung 4g Oxalsäure gegeben werden müssen, die sich als einzig wirklich wirksame Dosis - gegenüber 1 - 3 gr wie üblich und zugelassen - erwiesen haben (Arbeitsgruppe um Ellis, J apic res 60(2021)3p414-420).

    Vielen Dank Glaronius!

    zu 1.: M.E. kommt es auch auf die Umgebungsbedingungen an. Bei von mir beobachteten Sublimationen z.B. in Magazinen mit Flachboden von unten (Höhe der Windel, ca. 10cm bis zum Unterträger der BrutR-Rähmchen) werden die Bienen infolge des Wärmeeintrags durch den Erhitzer deutlich aktiv, fächeln dagegen an und verteilen so den sublimierten OX-Staub noch zusätzlich gut untereinander. Ähnlichen Effekt beobachtete ich beim Oxamaten, kein Ausweichen der Bienen.

    Bei Naßvernebelung dagegen, noch dazu bei herbstlich kaltem Wetter/Nachttemperaturen würde ich dagegen einen (ungünstigen) Kühlungseffekt vermuten (Verdunstungskälte des mitvernebelten Wassers). Aber da fehlt mir freilich die praktische Anschauung.


    2. Leider kann ich die von Dir genannte Quelle nicht finden. Die würde ich gerne gegenlesen zu den Ergebnissen des Flächenversuchs der Fischermühle an 1.509 Bienenvölkern, in dem 1 g OX/Volk für das Sublimationsverfahren als ausreichend wirksam ermittelt wurde (deutlich über 90 %, kein signbifikanter Unterschied, ob 1,4 g oder 2,8g OX/Volk). Kannst Du uns die genauere Quelle nennen?

    Glaronius: Hast Du wirklich einen signifikant besseren Wirkungsgrad der Ultraschallvernebelung gegenüber der Sublimation festgestellt? So akribisch, wie Du arbeitest, wage ich eine weitere Frage aus echtem und ernstgemeintem Interesse: Kannst Du den Unterschied gar in %-Größenordnungen angeben?

    Manne: Ich bemühe mich wirklich, Deine Bemerkungen zu verstehen. Bei #20 ff. gelingt es mir trotz allen Bemühens nicht.

    Die Ausnahmevölker, die bei mir jemals um diese Jahreszeit (wir haben Ende September) noch Drohnen pflegten, hatten ausnahmslos ein Problem und "funzten" gerade nicht. Ich habe auch bisher von keinem Kollegen gehört, bei dem das nicht so war. Vielleicht bin ich zu unerfahren und blind, die von Dir postulierte gegenteilige Regel zu sehen und ich bin damit sicher nicht allein. Dann hilf mir/uns doch zu sehen?!


    p.s.: Ich spreche von Völkern in der hiesigen Region, nicht von der Südhalbkugel oder südeuropäischen Sonnenregionen.

    Manne: Und - was haben Dir Deine Bienen gesagt zu den späten Drohnen und in Bezug auf die Fragen in #26?


    Ich hatte bisher nur in Ausnahmefällen späte Drohnen in einem einzelnen Volk. Das waren aber nie Völker, die durch besondere Varroatoleranz o.a. positive Eigenschaften aufgefallen wären, sondern im Gegenteil: Die hatten ein Problem, welches mir durch Drohnenbrut angezeigt wurde. Habe ich meine Bienen falsch verstanden?

    Um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich halte Deine These durchaus für prüfenswert. Aber dafür müßte doch mehr "Butter bei die Fische" als bisher.