Beiträge von beemax

    Dennoch sind diese Werte m E. so hoch, dass andere Faktoren dabei nur untergeordnete Rollen spielen und ich eine Selektion der Milben durch das Drohnenbrut-Schneiden als sehr unwahrscheinlich erachte. Zumal ja lange nicht jeder Imker Drohnebrut schneidet und die Varroa-Populationen nicht isoliert sind sondern sich stets aufs Neue wieder vermischen und so den Genpool divers halten.

    Exakt das wollte ich deutlich machen - danke Llecter . Für evolutionäre "Drift" braucht es zwingende Umstände. Und die sind nicht gegeben.

    Wenn schon nachgeschwätzt, dann wenigstens renommierten Wissenschaftlern...

    Hier den relevanten Auszug aus der unter #5 zitierten Arbeit von J. Radtke:


    "Drohnenbrut wird im Mittel 8 bis 10mal so häufig befallen wie Arbeiterinnenbrut (FUCHS 1989, 1990, BOOT et al. 1995, ROSENKRANZ und RENZ 2003). Lange wurde nach möglichen Ursachen gesucht und olfaktorische Reize wurden zumindest mitverantwortlich gemacht (FUCHS 1989, ZETLMEISL und ROSENKRANZ 1994, DILLIER et al. 2000). Eine Kairomon-Wirkung des von Drohnenlarven besonders stark abgegebenen Fettsäureesters Methylpalmitat (TROUILLER et al. 1994), konnte jedoch nicht bestätigt werden (ZETLMEISL und ROSENKRANZ 1994, AUMEIER und ROSENKRANZ 1995). Eine aktive Bevorzugung der Drohnenlarven erschien aufgrund der absoluten Verteilung von Varroa-Weibchen auf Drohnen- und Arbeiterbrut zweifelhaft (RADTKE 1997). Ein wesentlicher Grund für den höheren Befallsgrad der Drohnenlarven dürfte in ihrer Größe zu finden sein: Um diese zu erreichen, müssen sie von den Arbeiterinnen intensiver gefüttert werden, weshalb die Ammenbienen zumindest in den letzten 60 Stunden vor der Verdecklung 2,8 mal mehr Zeit bei einer Drohnenlarve verbringen, als bei einer Arbeiterinnenlarve (CALDERONE und KUENEN 2003). Dadurch erhöht sich für fortpflanzungsbereite Varroa-Weibchen die Möglichkeit, gerade auf Drohnenbrut abzusteigen. Zudem erfolgt die Verdeckelung einer Drohnenzelle über einen Zeitraum von 48 Stunden, während diese Phase bei Arbeiterinnenzellen nur Stunden dauert (CALDERONE und KUENEN 2003). Bereits IFANTIDIS (1988) und später auch BEETSMA et al. (1999) hatten für Drohnenbrutzellen eine mit Stunden deutlich höhere Attraktivitätsdauer im Vergleich zu Stunden bei Arbeiterinnenzellen festgestellt, ohne die Ursachen klären zu können. Aus der um 2,8fach längeren Pflegezeit und der 2,4 fach längeren Verdeckelungsphase lässt sich ein 5,6 - 11,2fach höherer Befall der Drohnenbrut erklären (CALDERONE und KUENEN 2003)."

    In der Arbeit wird u.a. H. Hänel zwar zitiert, jedoch nicht im Zusammenhang mit den von ihm nachgewiesenen höheren Juvenilhormonspiegeln der Drohnenlarven in Relation zu Arbeiterinnenlarven, die verantwortlich für die Bevorzugung der Drohnenbrut bei A. cerana ist. Zudem ist die Muttermilbe bei A. cerana in der Arbeiterinnenbrut infertil (H. Hänel), was die zwingende Fokussierung der Milbenvermehrung auf die Drohnenbrut macht.


    Bei A. mellifera ist die Relation der Juvenilhormonspiegel in Arbeiterinnen- und Drohnenlarven nicht so eklatant unterschiedlich, was J. Radtke auch korrekt interpretiert hat (s. erste markierte Passage oben).


    Dagegen ist wohl einzig die höhere Pflegefrequenz der Drohnenbrut maßgeblich für einen möglichen erhöhten Befall (5,6-fach bis 11,2-fach, was naturgemäß höchst variabel ist). Mit anderen Worten - es gibt eine rein statistische Begründung in Form der erhöhten Pflegefrequenz. Das heißt nicht, dass es zwingend so sein muss. Und das kann man durchaus in der Praxis so auch finden.

    Wie kommt ihr darauf, was Arbeiterinnen eine Drohnenzelle öfter und intensiver besuchen/pflegen.

    Bis zur Verdeckelung ist das doch meiner Meinung nach die gleiche Zeit. (3 Tage Ei, 6 Tage Rundmade)

    Bernd - exakt so isses!


    Vieles ist eben auch herbei- und nachg'schwätzt.

    Sowohl als auch, denke ich. Wenn die Kö' weg ist wird in der Zeit bis zur erfolgreichen Nachzucht das Brutnest vollgetragen mit Pollen und Nektar; denn es braucht ja wieder viel Energie, um eine neue Frauschaft aufzubauen. Benötigt eine neue, begattete Kö' mehr Platz zum Stiften, wird der überschüssige Honig ins "Vorratslager" getragen.


    Die Honigräume lässt man am besten so wie sie sind und was später neu dazu kommt, wird entsprechend behandelt wie das bereits Eingelagerte.


    Insofern - weniger ist mehr.

    Speziell die Erklärung, dass der Milbenbefall bei den Drohnenzellen höher ist durch die längere Pflege durch befallene Bienen klingt für mich sehr einleuchtend.

    Die Begründung ist zwar einleuchtend, aber eher nicht realistisch. Keine Milbe kann vorausdenken. Der Trigger ist die erhöhte Juvenilhormonkonzentration in der Drohnenlarve, der Bienen und Milben anzieht. Zwar kann rein statistisch ein vermehrter Milbenbefall der Drohnenbrut erfolgen (, weil die Pflegebienen länger oder öfter diese Brut pflegen), das erklärt aber nicht die angeblich viel höhere Befallsrate. Darum zweifel ich die auch an.


    Ein Ammenmärchen auch der angeblich besonders hohe Befall der ersten Drohnenbrut. Der Milbe ist die erste beste Brut kurz vor Verdeckelung gerade recht. Und das ist nun mal Arbeiterinnenbrut....

    Immerhin haben wir als Steuerzahler das über den bayerischen Freistaat mitfinanziert. O.k. - wir Nordlichter eher nicht ;)


    Jetzt habe ich endlich eine Anregung, meine Klotzbeute in Betrieb zu nehmen. Das war mir bisher zu aufwändig wg. Betreuung und dem ganzen Hassel...


    Die soll ja bei dem Modell unterbleiben, um die Bienen nicht zu stören :/ Und wie das mit dem Honigaufsatz geht, habe ich noch nicht verstanden.

    Probiere es aus:

    Stecherkö. entfernen, ca. 2 h Volk zur Bewußtwerdung von Weisellosigkeit in Ruhe lassen, danach die BrW mit nur einer SZ vom abgeschwärmten Volk zuhängen. Vorsichtig agieren, die Larve in der Schwarmzelle ist erschütterungsempfindlich.

    Warum nicht so machen, wie Berggeist es vorschlägt - Wb mit WZ und ansitzenden Bienen einhängen. Die werden ihr Baby schon schützen.


    Ich mache das ab August, dann gibt's keine Probleme mit der Umweiselung und die Neue kommt samt Bienen und Brutnest mitten ins vorhandene, nachdem die alte Kö' raus ist.

    Ob mit Bf, Ca oder El - ich breche zweimal Zellen aus und achte auf genau das, was wasgau immen schrieb, bis auf den Flügelschnitt.


    Hatte auch schon Bf-Kö's, deren Völker die Zellen wieder abgebaut haben. Seinerzeit dachte ich, sie seien geschwärmt, weil ich die Kö' nicht fand. Nach einer Woche waren die stehengelassenen Zellen ausgeräumt und die Kö' munter am Stiften.


    Bienen halt!

    Sorry aber ich verstehe es gerade auch nicht mehr.

    ...

    Irgendwie distanziere ich mich immer mehr von diesem Forum, weil man als ernstgemeinte Anfängerfrage (jaaaa wir wissen es einfach noch nicht besser) immer erstmal eine auf die Mütze bekommt. Bei diesem Thread ist es noch ok aber es gibt andere Beispiele.

    Vorsicht, Deine Frage wurde m. E. mit konstruktiven Hinweisen beantwortet. Wenn diese Vorschläge jedoch aus Deiner Sicht nicht passend sind oder die empfohlenen Aktionen gerade nicht infrage kommen, ist Dünnhäutigkeit nicht angebracht.


    Berichte mal, wie es nach dem "Untersetzen" weiter geht. Es ist doch sehr lehrreich für viele, die hier mitlesen.

    Der wahrscheinlichste Wirkungsmechanismus ist eine Azidose. Das erklärt auch, warum unterschiedliche Säuren Wirkung zeigen.

    Da wäre es schon denkbar, dass Milben Resistenzen entwickeln, wenn sich ein besserer Säurepuffer herausbildet.

    Die Diskussion hatten wir schon einmal (ich finde jetzt leider den Titel nicht). Wir spekulierten, dass die Varroamilben letztlich ersticken, weil die Azidose die Cytochrome in der Atmungskette lahmlegen.

    Und hier erklärt sich die unterschiedliche Pufferkapazität ggü. den jeweiligen Säuren schlicht durch die jew. Insektenmasse. Daraus leitet sich m. E. auch die höhere Wirksamkeit von zweibasigen Säuren wie OXS ab, da die intrinsische Pufferkapazität der Milben überfordert wird.


    Eine entsprechende Resistenzentwicklung müsste entweder die Eintrittspforten verändern (Tracheen, Haftlappen) oder die Pufferkapazität immens steigern. Das halte ich für unwahrscheinlich, da es schädliche Begleiteffekte mit sich bringt (Atmung verschlechtert, Haftwirkung ebenso, keine beliebige Veränderungen im Säure/Base-Haushalt der Milben). Insofern dürften die org. Säuren eher nicht zu Resistenz führen.


    Eher sind es m.E. begleitende Umwelteinflüsse wie der schon erwähnte milde Winter und das frühe FJ, die Monokulturlandschaften und ggf. subletale Pestizidwirkungen und nicht zu vergessen - schadhaftes Wachs (der Kreislauf wird momentan geschlossen!), die es den Bienen schwer machen.


    Meine Meinung


    Rainer

    Zitat aus der Dissertation Einfluss der Brutentnahme bei der Honigbiene Apis mellifera auf die Leistung der Völker und ihre Parasitierung mit Varroa destructor von J. Radtke:


    "[...]Drohnenbrut wird im Mittel 8 bis 10mal so häufig befallen wie
    Arbeiterinnenbrut (FUCHS 1989, 1990, BOOT et al. 1995, ROSENKRANZ und RENZ 2003). [...]"

    Die Arbeit in Ehren - in meiner Praxis konnte ich bei Stichproben das nicht feststellen. Der Trigger zur Einwanderung in die Zellen sowie zur Verdeckelung derer ist der Anstieg des Juvenilhormonspiegels in der Larve. Dieser ist bei A. cerana in den Drohnenlarven deutlich höher als in den Arbeiterinnenlarven. Daraus resultiert der überwiegende Befall der Drohnenbrut bei A. cerana.


    Bei A. mellifera ist der Unterschied bez. des Juvenilhormonspiegels zwischen Arbeiterinnen- und Drohnenlarven deutlich geringer, so dass entsprechend geringere Differenzen in der Juvenilhormonkonzentration eine Lenkung der Milben vorwiegend in die Drohnenbrut eher weniger ist. Siehe hierzu die Dissertation von Prof. Dr. H.Hähnel am Bieneninstitut Oberursel aus den '70ern.


    Man mache sich die Arbeit und öffne verdeckelte Arbeiterinnen- und Drohnenbrut und zähle den sichtbaren Milbenbefall in praxi.