Beiträge von rekmi

    Hallo Marion,


    entschuldige ich ging von mir aus und den Kollegen, die ich kenne. Und ich schreibe von Imkern und nicht Hähnchenumdeklarierern.
    Mal aus meiner Perspektive:


    Mit ein paar Völkern im Nebenerwerb kann man seinen Idealismus noch seiner überschaubaren Kundenzahl selbst vermitteln und sich die Zertifizierung sparen. Ein Großteil der bio-zertifizierten Imker sind trotzdem Hobby-Imker, die es aus purer Überzeugung und wohl einer Art Stolz tun. Denen kannst Du schlecht unterstellen, auf einer Welle zu reiten. Die zahlen, wie die meisten Hobbyisten drauf.
    Bei größeren Völkerzahlen wird es schon schwierig mit der Kunde-Imker-Kommunikation. Du kannst nicht mehr jedem an der Haustür die Hand schütteln. Durch das Label haben die dann einen gemeinsamen Nenner. Etwas möglichst Verlässliches.


    Ich bitte um Verständnis, dass ich die Unterstellungen sehr unangemessen finde. Hier wird oft darauf bestanden, für seinen guten Honig einen angemessenen Preis zu verlangen. Wer es tut, ist stolz darauf. Den Bio-Imkern dagegen unterstellt man Profitgier, obwohl sich deren Preise doch kaum von denen vernünftiger unzertifizierter Imker unterscheiden. Und das bei gewaltigen Mehrkosten für Bio-Zucker und Kontrollgebühren.


    Und auch der Verbraucher ist nicht durchweg naiv, wie Ihr es hier darstellt. Natürlich beschäftigt er sich nicht mit jedem einzelnen Gegenstand und Nahrungsmittel näher, das ihn täglich umgibt. Aber er ist nach meiner Erfahrung trotzdem interessiert und fragt durchaus nach. Auf Märkten, per E-Mail und sogar Briefen, am Telefon und persönlich machen sich viele die Mühe nachzufragen, was den nun so eine ökologische Imkerei ist. Und sie sind auch kritisch.

    Genau deshalb macht er die Zeichenfolge drauf!


    Er könnte sie weglassen und trotzdem zertifizierter BIO-Imker sein. Er ist nicht verpflichtet, ein Zeichen zu benutzen, von dem er weiß, daß es durch die falschen Vorstellungen, die es weckt oder nicht ausräumt, seinen Umsatz steigern und seinen Preis rechtfertigen wird. Da liegt der Schmuh und der passiert nicht und wird hingenommen. Es wird bewußt und ganz absichtlich daraufhingearbeitet.


    Henry ich finde Deine Unterstellungen, dass sich ein Imker einer Biozertifizierung unterzieht und das seinen Kunden als gemeinsamen Nenner auch in Form eines Erkennungsmerkmales, das beide kennen, mitteilt, um damit mehr zu verdienen, unverschämt. Es entspricht nicht den Tatsachen und ist so unzutreffend, wie Dir in anderen Themen unterstellt wird, eine Belegstelle aus Profitgier zu betreiben.

    Immerhin gibts hier unterschiedliche Auffassungen darüber ob ein BIOLAND-Imker diese Völker aus Sizilien jetzt kaufen und zur Produktion von BIOLAND-Honig einsetzen kann oder nicht.


    Ich finde das ist durch das Einstellen der Richtlinien durch Bioland-Imker doch geklärt worden. Er darf es nicht.


    als Verbraucher erwarte ich von Bio-Honig,
    das der von Blüten stammt, die ohne Kunstdünger oder chemischen Behandlungen gewachsen sind.


    Das kann dem Verbraucher aber in Deutschland kaum jemand 100%-ig realisieren. Und nicht weil "der" Bioimker das nicht will, sondern weil es kaum in seiner Hand liegt. Aber er versucht es nach Kräften und fühlt sich sicher ungerecht behandelt, wenn man ihm das in Abrede stellt.


    Mal ein Beispiel aus meiner Imkerei: Da transportiere ich ein Drittel meiner Völker 90 km weit, um sie in einer Gegend fliegen zu lassen die aus tausenden Hektar eines Biobetriebes und Wald besteht. Mit Durchsichten, Wanderung und Ernte kommen da sicher 1800km zusammen. Macht in meinem Fall zwar nur 0,05l Diesel pro kg Honig, aber stellt sich das der Verbraucher so vor? Bio-Honig?

    Ich habe mich sehr gefreut, dass der Thread vor allem durch Clas Lehmann, Jan, Bernhard und andere so unideologisch und differenziert weitergeht.




    Maxikaner: Du solltest das nicht so schwarz/weiß betrachten. Es ist nicht immer möglich das Optimale zu tun. Aber jedem steht es frei, es zu versuchen.
    Ein Verbraucher von Honig aus ökologischer Imkerei erwartet oft auch, dass die Bienen auf Honig überwintern und ihnen nicht Zucker als Ersatz gefüttert wird. Diese in Italien überwinterten Bienen tun das. Auch irgendwie Bio oder?
    Es ist lange her aber aus meinem ersten Studium (Umweltschutz) weiß ich noch wie enttäuscht ich war, dass Ökobilanzen oft nicht so ausfallen, wie wir das gefühlsmäßig immer glauben. Von der Wiege bis zur Bare ist es ein langer Weg mit vielen Faktoren. Leider ist es gut möglich, dass diese Italien-Überwinterungsmethode eine bessere Ökobilanz aufweist als sie hier mit Zuckerfütterung zu überwintern. Vielleicht ja dadurch auch wesengemäßer? Transport kontra "Zuckerüberwinterung".

    Hallo Henry,


    Du hast Recht. Die EU-Öko-Verordnung lässt Zukauf von 10% zu. Das wußte ich nicht. Danke für den Hinweis.


    Wie Du schreibst, muß Herr Binder sich an die EU-Öko-Verordnung halten und an die Bioland-Vorschriften, die in diesem Fall darüber hinausgehen. Ihm also konventionellen Kunstschwarmzukauf verbieten. (www.bioland.de/bioland/richtlinien.html‎ / 4.10.2.9. Zukauf).


    Die Auslandsüberwinterung ist nur mit Ausnahmegenehmigung von Bioland zulässig und soll bis 2015 in den Richtlinien ausgeschlossen werden.


    Es ist in der ÖKO-Richtlinie nichts zu Bienentransporten geregelt. Tiertransporte regelt die Bioland-Richtline insgesamt wie folgt: "Die Transportzeit darf max. 4 Stunden und die Transportentfernung max. 200 km betragen. Eine Transportdauer von über 4 Stunden ist nur in Ausnahmefällen nach vorhergehender Genehmigung durch BIOLAND zulässig," Daß das auch für Bienen gelte, regelt die Bioland-Richtlinie mit: "... BIOLAND-Richtlinien sind auch für die Bienenhaltung verbindlich, sofern im Folgenden keine Ausnahmen getroffen werden." Unter Imkerei gibt es dann keinerlei Ausnahme Transporte betreffend.


    Folglich wird der Bioland-BIO-Kunstschwarmimport mit 30 Stunden Fahrzeit sicher von Bioland genehmigt sein. Oder cleverer, die Bienen kommen noch un-Bio und werden erst bei Anlieferung auf der Bioland-Imkerei zu den 10% Zukauf. Dann gilt natürlich zulieferseits garnichts. In 4 Stunden allerdings BIO-Bienen an jeden Ort der Republik zu bringen, geht problemlos mit einem Kleinflugzeug oder einem Helikopter oder Zustimmung von Bioland.


    Hallo Henry,


    auch ich halte diesen Bienenhandel für falsch und wie man sieht, schadet er dem Ruf aller Bioland-Imker, weil er von einem solchen betrieben wird.
    Trotzdem möchte ich Deine Argumentation gerne etwas korrigieren. Bioland unterscheidet sich deutlich von anderen, da es nur in Deutschland (und Tirol) seinen Wirkungsbereich hat. Das heißt im Ausland geernteter Honig kann nicht Bioland-Honig sein. Und auch aus diesem Grund könnte Herr Binder nie italienische Bioland-Kunstschwärme anbieten und auch nicht dafür zertifiziert sein.
    Außerdem gilt für einen Bioland-Imker gleichwohl auch einen EU-Bioimker keine 10% Zukaufsregelung für konventionelle Kunstschwärme/Völker. Ein Zukauf konventioneller Völker/Kunstschwärme ist nicht zulässig. Du verwechselst das mit der Regelung, 10% Naturschwärme einfangen zu dürfen. In diesem Fall ist es wohl auch eher als Handel denn als Zukauf zu betrachten.


    Zum anderen wollte ich Maxikaner darauf hinweisen, daß man weniger von "Biohonig" als von "Honig aus ökologischer Imkerei" sprechen sollte. Diese kann sich durchaus stark von einer konventionellen unterscheiden, indem sie keine konventionellen Intensivkulturen anwandert wie Raps oder Obst. Aber auch durch das Beachten tierethische Aspekte (die durchaus intensiv diskutiert werden) und durch die Fütterung von heimischen Bio-Rübenzucker auch mit für bessere Bedingungen für die Bienen hier sorgt. Mit diesem Detail der Fütterung hattest Du einen nicht geringes Unterscheidungsmerkmal vergessen. Das wurde hier alles schon sehr ausführlich und meist nicht abschliessend und sachlich diskutiert. Deshalb ist es wohl besser sich auf den Aspekt der Einführung von Kunstschwärmen aus Italien zu konzentrieren und nicht Bioimkerei als solche in den Fokus zu nehmen.


    Ich vermute, dass die meisten Imker hier solche Einfuhren aus tierethischer, seuchentechnischer aber auch der möglichen Einfuhr von Fremdgenen wegen für problematisch halten. Da dieses Angebot aber schon seit einigen Jahren besteht, scheint es eine nicht geringe Nachfrage danach zu geben.