Beiträge von Harald_Landtreff

    Ohne PSM (das Wort "Gift" mag ich nicht - aber sei's drum) und Kunstdünger wird es auch auf Dauer nicht gehen. Das wäre Bio. Mit Biomethoden wurden schon vor 100 Jahren die damals 65 Mio Deutschen nicht satt. Obwohl Deutschland um die Hälfte größer war. Und damals auch Schimmelbrot und "Separatorenfleisch" gegessen wurde. Zwar sind die Sorten heute auch im Bio-Landbau ertragreicher als vor 100 Jahren. Dafür brauchen sie heute aber auch mehr Dünger.
    Großflächiger Bio-Anbau würde mehr Lebensmittelimporte bedeuten. Also nur eine Verlagerung des Problems.


    Wenn Du gegen Kunstdünger bist: Iss mehr Fleisch (aus Deiner Region; also vom Metzger, nicht vom Discounter)!
    Ohne Dünger geht es nicht, und die Alternative zu "Kunst"dünger ist eben "natürlicher" Dünger, also Jauche, Gülle, Mist.
    Alternative wäre die Gründüngung, also das Unterpflügen von Pflanzen. Das bedeutet aber wieder weniger Ertrag, wenn alle paar Jahre auf eine Ernte verzichtet wird, damit die Folgefrucht genügend Dünger bekommt.
    Und ohne die künstliche Zuführung von Kalium und Phosphor geht es sowieso nicht. Die gehen mit dem Verkauf der Ernte aus dem Betrieb raus.


    Zu den PSM: Klar gibt es robustere Sorten, die mit weniger PSM geführt werden können. Das gilt in erster Linie bei Pilzkrankheiten im Getreide. Eine robuste Sorte "braucht" weniger Fungizide als eine Hochertragssorte. Das hat aber nicht nur Folgen für den Ertrag, sondern auch auf die Qualität. Deshalb benötigt der hochwertige Brotweizen in der Regel auch mehr Fungizide als der Futterweizen, der im Trog landet. Also wieder: Iss mehr Fleisch, damit die Nachfrage nach Futterweizen steigt!
    Und iss mehr Roggenbrot. Roggen ist robuster als Weizen, aber derzeit wirtschaftlich meist uninteressant.


    Gegen Insekten, die an der Pflanze fressen (und die treten blöderweise gerade im Raps auf), wird es komplizierter. Die fressen nur dann nicht, wenn in der Pflanze etwas drin ist, was ihnen nicht schmeckt. Oder wenn sie tot sind. Neue Stoffe lassen sich mit konventionellen Methoden aber kaum in Pflanzen reinzüchten. Gentechnik (BT oder Bitterstoffe "reinbasteln") willst Du vermutlich nicht?! Und Schadinsekten durch Fressfeinde zu dezimieren, ist auch nicht unproblematisch, wie z.B. der asiatische Marienkäfer zeigt.


    Alternativen zu Herbiziden gibt es natürlich auch. Die Bios machen das mechanisch z.B. mit Striegeln. Das Ergebnis schwankt allerdings extrem, ist z.B. sehr witterungsabhängig. Braucht z.B. auch wesentlich mehr Diesel. Und bei manchen Unkräutern/Ungräsern wie Distel und Quecke wird es auch bei den Bios sehr problematisch. Schon etliche Bios haben deswegen wieder auf konventionelle Bewirtschaftungsweise rückumgestellt.
    Ein sinnvoller Ansatz wäre hier ein Mittelweg zwischen Bio und konventionell, also nur dann spritzen, wenn mechanische Methoden nicht praktikabel sind. Aber unter heutigen Bedingungen ist sowas nicht rentabel.


    Natürlich gibt es noch andere Schrauben, an denen man drehen könnte, z.B. an der Fruchtfolge. Aber auch die haben alle irgendeinen Pferdefuß.



    Unterm Strich:
    Es gibt nicht DIE Alternative, mit der alles besser wird. Dafür ist das Thema zu komplex. Punktuell kann man sicher etwas verbessern. Dummerweise widerspricht das manchmal auch genau dem, was heutzutage "in" ist...

    Danke an Helmut, dass immerhin eine Antwort kam, die nicht gleich in die übliche Polemik abdriftet. Wenn Du Herrn Brandt schon als Freund bezeichnest, versuch ihm doch mal klar zu machen, dass er mit seiner Vorgehensweise dem Ansehen der Imker (wohl nicht nur bei Landwirten) ganz erheblichen Schaden zufügt.


    Zitat

    Mit unserem Wissen und Demos geht es ganz allein gegen die Hersteller dieser Pestizide.


    Mag sein, dass Du das so siehst. Ich sehe den pauschalen "Kampf gegen Pestizide" allerdings auch als einen Angriff gegen meine Tätigkeit.
    Ich mache mir auch Gedanken darüber, auf welches PSM ich verzichten kann. Selbst diejenigen, die den Landwirten vorwerfen, die Umwelt wäre ihnen egal und sie denken nur ans Geldverdienen, sollten sich mal fragen: Warum sollte ich sinnlos Geld ausgeben für ein teures Mittel, das nicht notwendig ist?
    Ich muss von meiner Arbeit leben. Heute, morgen und auch in Zukunft. Also spielt sowohl der Nachhaltigkeitsgedanke als auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Und nein, so blöd sind die Landwirte nicht, dass sie irgendwelchen Firmenvertretern alles glauben, was die ihnen erzählen.


    Um beim Beispiel Landor CT zu bleiben:
    Vor der Entwicklung von Getreidebeizen war beispielsweise der Steinbrand eine gefürchtete Krankheit im Weizen. Frag mal alte ehemalige Landwirte, wie das war, wenn sich ein ganzes Feld schwarz verfärbte. Zum Teil mit 100% Ertragsausfall. Und noch schlimmer, trotzdem musste der Dreck irgendwie vom Acker. Sowas möchte ich nicht erleben.
    Schlimmerweise ist gerade der Steinbrand, der eigentlich mit den heutigen Beizen besiegt war, wieder auf dem Vormarsch. Dank Bio. Weil dort eben Beizen nicht zulässig sind. Hier ein interessanter Link dazu.
    Solche banalen Zusammenhänge brauchen natürlich diejenigen nicht zu interessieren, dessen Brot ohne jegliche Umwelteinflüsse im Landeregal wächst...


    Zu den Neonics (was auch immer das mit der eigentlichen Thematik dieses Threads zu tun hat):
    Ich werde auch im kommenden Jahr wieder Raps aussäen. Natürlich ohne Neonic-Beize.
    Dafür werde ich beim Auftreten von Schädlingen (die zu erwarten sind), entsprechende zugelassene Insektizide ausbringen. Bei Bedarf auch mehrmals. Ob das für die Bienen besser ist, weiss ich nicht.
    Wenn trotzdem keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben ist, werde ich den Raps in der Fruchtfolge durch Mais ersetzen.
    Ich vermute, dass das totale Neonic-Verbot zu einem Pyrrhussieg für die Imker wird.



    Damit auch die andern Antworter zu ihrem Recht kommen, begebe ich mich eben auch noch auf dieses Niveau.
    Um Missverständnissen vorzubeugen: Achtung: Ironie!

    • Klar. Ganz Deutschland liegt voller weggeworfener leerer Saatgutsäcke. [Ob auch die Abfälle wie Flaschen, Verpackungen etc., die ich auf meinen Feldern zur genüge finde, von Landwirten dort entsorgt worden sind?]
    • Klar. Auf jedem Feld steigt eine Rauchwolke zum Himmel, weil alle Bauern die leeren Saatgutsäcke verbrennen. [Hab ich noch nie erlebt, und mir wäre die Zeit dafür zu schade. Papiersäcke verbrennen übrigens nicht wirklich gut (so meine Erfahrungswerte aus der Verwendung von leeren Papier-Futtermittelsäcken als Anzündmaterial von Reisighaufen).]
    • Klar. Beim Befüllen der Drillmaschine mit gebeiztem Saatgut ist die Sichtweite üblicherweise geringer als in Peking bei Inversionswetterlage. [Ich habe dabei bisher noch nie eine sichtbare Staubentwicklung beobachten können, auch nicht bei Rapssaatgut. Es würde mich erstaunen, wenn dies bei anderen Landwirten der Fall wäre. Ungereinigtes, ungebeiztes Saatgut kann allerdings in der tat erheblich stauben.]
    • Klar. Alle Behörden sind im Dauerschlaf oder von den Konzernen geschmiert. [Hallo, Monsanto, für diesen Beitrag habe ich doch auch eine Prämie verdient?!]
    • Klar. Schon Geringstmengen von offenliegendem Saatgut haben katastrophale Folgen für die Umwelt. [Wer sich über solche punktuellen Vorfälle ereifert, soll es einfach mal besser machen. Oder sich das Essen abgewöhnen.]


    Und Henry : Nein, ich glaube nicht, dass Du Praktiker im landwirtschaftlichen Sinne bist. Schon gar nicht, wenn es um den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln geht.

    Hallo. Nachdem die Reaktion im Landreff hier bei vielen auf Unverständnis gestoßen ist (daran sind sicher auch meine Kommentare nicht ganz unschuldig), möchte ich hier mal Stellung beziehen:


    Zum Thema selbst:


    Das Liegenlassen eines Haufens gebeizten Saatguts in der Größenordnung, wie es die Bildern des Threaderstellers vermitteln, ist sicherlich keine gute fachliche Praxis. Dies ist eigentlich für jeden Landwirt klar, und wird in den LT-Kommentaren auch nirgends in Abrede gestellt.
    Ich würde, wie wohl die überwältigende Mehrheit der Landwirt, nicht auf die Idee kommen, einen geschätzten halben Zentner gebeiztes Saatgut liegen zu lassen. Schwarze Schafe gibt es aber leider in jeder Branche.


    Ideal wäre natürlich, wenn der Threadersteller den Dialog mit dem Landwirt suchen würde. Man muss ja nicht immer gleich das große Fass aufmachen. Selbsverständlich gibt es auch, insbesondere wenn ein solcher Dialog nicht fruchten sollte, die schon beschriebenen Wege über öffentliche Institutionen.


    Zu den Bildern von the czar:


    Solchen Kleinmengen wie auf seinen Bildern zu sehen, sind sicherlich nicht schön anzusehen. Aber es gibt nun mal einen Unterschied zwischen "guter fachlicher Theorie" und "guter fachlicher Praxis". Offenliegendes Saatgut lässt sich eben nicht zu 100,00% vermeiden.
    Ein derartiger Vorfall ist mir heuer selbst passiert: Saatgutsack umgefallen - rund ein Kilogramm ausgeschüttet - das Saatgut wieder aufgelesen - Ergebnis sah dann ungefähr wie auf diesem Bild von the czar aus. Die Pinzette hatte ich nämlich nicht dabei, um auch die letzten Körnchen zwischen den Grashalmen herauszupulen. Nicht schön, aber leider unvermeidbar, wenn man bemüht ist, innerhalb weniger Tage mehrere Tonnen Saatgut in die Erde zu bringen.
    Und insbesondere wenn the czar im LT auch noch nachbearbeitete Bilder wie dieses einstellt, hat das etwas Oberlehrerhaftes, worauf sicherlich nicht nur ich allergisch reagiere.


    Zum LT-Thread:


    Der Initiator des LT-Threads, Herr Brandt, ist im LT kein unbeschriebenes Blatt. Wer in einem landwirtschaftlichen Forum die Theorie vertritt, dass alle chemischen Pflanzenschutzmittel zu verbieten sind, hat dort schonmal einen schweren Stand. Wenn er dazu noch unhaltbare Theorien als Alterntive vertritt (insbesondere die, dass in allen Belangen mit Löschkalk eine vergleichbare Wirkung zu erzielen sei), aber sich auf keine ernsthafte Diskussion darüber einlässt, wird er eben irgendwann nicht mehr ernst genommen und seine Beiträge werden schnell ins Lächerliche gezogen.
    Im übrigen scheint Herr Brandt ja auch im Imkerforum durchaus umstritten zu sein und wurde hier offensichtlich schon 2005 verbannt. Warum eigentlich?


    Gerade dieses "Aushängeschild der Imkerzunft" wird vorgeschickt. Und stellt dann zwei Bilder ein, die viel Interpretationsspielraum zulassen, ohne jegliche Hintergründe zu schildern. Aber gepaart mit dem Halbsatz "Ich würde auf mit Landor CT gebeizte Triticale tippen,". Eine solche Aussage würde sich kein Fachmann zutrauen, selbst wenn er das Saatgut in die Hand nähme. Und dann kommt gleich hinterher ein Auszug aus dem Sicherheitsdatenblatt. Da haben wir wieder das Oberlehrerhafte.
    Ich denke, dass auch ein Nichtlandwirt erkennen kann, dass dies von vielen Landwirten als Provokation aufgefasst wird.


    Wenn ein normaler Imker angefragt, die Situation geschildert, und eine normale Frage der Form "was haltet ihr Landwirte davon" gestellt hätte, dann hätte er sicherlich auch eine normale Antwort bekommen.



    Ich hoffe, diese Sicht der Dinge ist für den einen oder anderen nachvollziehbar und hilft, einige Wogen zu glätten. Für alle anderen: Feuer Frei! :wink: