Beiträge von Baudus

    Beides möglich.


    Ich hab' auf meinen Ständen ziemlich viele stille Umweisler. Es gibt davon eine Handvoll, die 5 oder 6 Jahre nicht geschwärmt haben, und bei denen ich über die Jahre eine Königin nie oder höchstens mal zufällig gesehen habe. Das sind die aus der ziemlich seltenen Sparte "Königinnen kommen und gehen unbemerkt, Volk bleibt." Solche sind mir aber lieb und teuer.


    Cheers

    Baudus

    Drohnenbrütige Völker fege ich immer ab, weil Sanierung meist nicht glückt und sowieso zuviel Arbeit macht. Königinnen suche ich sowieso nicht.


    Nun aber:


    Vor ungefähr drei Wochen bei einem noch mittelstarken Altvolk auf vier Waben Buckelbrut vorhanden, in allen Stadien und mit relativ geschlossenem Brutbild, typisch für abgewirtschaftete Altköniginnen. Als ich grade abfegen wollte, brachten mir zwei charmante junge Damen Kaffee und Kuchen auf den Stand. Klar, dass das Abfegen verschoben wurde.


    Zehn Tage später wollte ich dann abfegen und stelle fest: Bienen haben alle Drohnenbrut entfernt, alle ausgezogenen Brutzellen (auf vier Waben !) wieder "normalisiert". Keine Stifte oder offene Brut zu sehen. Laß' sie mal machen, dachte ich.


    Vor einigen Tagen: Volk jetzt ziemlich schwach, aber auf drei vorher drohnenbebrütet gewesenen Waben normale offene Brut mit schönem Brutbild.


    So haben die beiden Damen mich nicht nur mit Kaffee, Kuchen und Charme beglückt, sondern auch noch ein Volk gerettet, bzw. ihm die Chance zur Selbsthilfe gegeben. Imkern macht glücklich.


    Cheers

    Baudus

    Sogar mit dazugehörigem Lehrbuch:


    Und Du hast diese Rarität?

    Gruß Eisvogel

    Ich hab' eine, Ausgabe von 1894. Auf mich gekommen über meine Großmutter Rosa (1871 - 1956), Bäurin, Winzerin, Imkerin, Vorsitzende des Markgräfler Landfrauenverbandes (bis 1918) und als solche von der Großherzogin Hilda von Baden im Karlsruher Schloss während des 1. Weltkriegs empfangen.


    Das Vorwort des Verfassers enthüllt eine andere Zeit:


    ... Seither mußten die hiesigen Kursisten untertags Notizen über das Gehörte und Gesehene machen und diese dann am Abend ausarbeiten. Bei der grossen Menge und Mannigfaltigkeit des in kurzer Zeit zu bewältigenden Stoffes war dies eine sehr anstrengende Arbeit .... Schon die Anleitung hierzu nahm den Kursen viel Zeit weg, noch mehr aber die stets notwendigen Vergleichungen und Korrekturen ...


    Soviel Mühe gaben sie sich mit den "Kursisten." Sehr schön auch der vorletzte Abschnitt des Vorworts:


    ... Hervorragende Imker, die sich der Mühe des Durchlesens dieser Schrift unterziehen, bitte ich dringend, mich auf die Mängel derselben aufmerksam machen zu wollen. Für Belehrungen jederzeit dankbar ...


    Cheers

    Baudus

    Ich stelle bei meinen Kursen fest, dass es zum einen oft die kleinen praktischen Kniffe sind, bei denen einem alle Theorie nicht hilft. Wer denkt daran, zu erklären, wie man den Besen einsetzt, bis man einen Anfänger sieht, der vorgeht, als würde er die Stube kehren?

    Zum anderen ist die Zusammenschau des theoretischen Wissens nötig, weil die Bienen nicht nach der Systematik des Lehrbuchs erkranken, weisellos werden usf. Etwas zu wissen und es praktisch anzuwenden, ist zweierlei. Man muss viele Bienenvölker gesehen haben, bis man ein Verhalten als normal oder auffällig einstufen kann, zumal es so viele Faktoren gibt, wie Wetter, Tracht, Jahreszeit usf.

    Theoretisches Wissen heißt alles Mögliche zu wissen. Praxiswissen heißt, zu wissen worauf es in einer bestimmten Situation ankommt.


    Wolfgang

    WFLP  :daumen:


    Eine kleine Geschichte dazu von heute morgen:

    Schwarmkontrolle auf einem meiner Stände. Dabei: 3 ImkerInnen, einer mit 3, eine mit 2, und einer mit 1 Jahr(en) Erfahrung mit Bienen. Auf dem Stand: 11 Zandervölker mit 2 BR, 6 Dadantvölker. Alle haben einen oder zwei Honigräume drauf.

    Die drei Protagonisten wollen ausgiebig über Betriebsweisen diskutieren: Zander versus Dadant, zwei BR versus einen, und dergleichen mehr. Nachdem ich ein bisschen über die Fluglöcher geguckt habe sage ich: von den 17 Völkern gefällt mir eins nicht, das müssen wir mal aufmachen und nachgucken. Sagt mir mal im vornherein welches, und warum.

    Langes Gucken, viel Grübeln. Sie entscheiden sich für zwei Kandidaten, nämlich für die beiden, die ein bisschen weniger stark fliegen als alle andern.

    Ich deute auf ein anderes und sage: nein, ich meine dieses. Seht Ihr warum ? Sie sehen's nicht, sie sehen's nicht.

    Bei den 16 "guten" Völkern sieht man kaum eine Biene länger am Flugloch rumkrabbeln, alle sind "rein-raus" beschäftigt. Bei diesem, obwohl es gut fliegt, krabbeln oder sitzen 10 bis 20 Bienen am Flugloch rum und sehen "deprimiert" aus. Zudem: Hier trägt nur etwa jede zwanzigste Biene Pollen ein, bei den meisten andern etwa jede fünfte. Seht Ihr's jetzt ? Ja.

    Aufgemacht: Wir sehen: viele Bienen; einen recht gefüllten (Zander)-Honigraum; einen oberen Brutraum mit auf 7 Brutwaben ausschließlich im obersten Teil auslaufende geschlossene Brutkränze. Sonst leere Zellen, keine Brut, keine Weiselzellen, etc. Das Volk ist weisellos, und der am Flugloch gewonnene Verdacht war zutreffend. Wir hingen dann eine Brutwabe mit Stiften und jungen Maden vom Nachbarvolk rein.


    Fazit: "Bienenversteher" lernt man nicht in Kursen (obwohl Kurse nützlich und vielleicht notwendig sind). Man muss einfach "sehen" (lernen). Ausführliches Betriebsweisen diskutieren (A vs B vs C vs D) ist letzterem aber abträglich. Ich habe dann meinen FreundInnen gesagt, dass ich mit ihnen erst dann Betriebsweisen diskutieren werde, wenn sie Problemvölker am Flugloch erkennen können.


    Cheers

    Baudus

    Ganz nahe zu einem meiner Stände gibt es eine lange Straße, die heißt Kastanienallee mit weit mehr als 100 Bäumen. Ziemlich reinen, aber nicht ganz reinen (Roß-) Kastanienhonig gabs 2015, pro Volk vielleicht einen halben Dadant-Honigraum voll, eingetragen während einer guten Woche. Kein Raps als Konkurrenz. Der Versuch, den halbwegs rein zu gewinnen, ist doch ziemlich aufwendig. Vorteil: man kann prima sehen, wenn's mit der Kastanie anfängt und wenn's aufhört, einfach am Puder. Der Honig ist in der Wabe auch schnell zu identifizieren, weil dunkelbraun; im Eimer sieht er schwärzlich aus.
    Dieser Honig findet viele Liebhaber. Mir selber ist er zu "streng". Andere wiederum sagen: er stinkt. In 2016 und 2017 gab's nur Spuren davon.


    Cheers

    Baudus

    Ja, das sind auch meine Erfahrungen und die Argumente für einen Brutraum. Ich möchte aber verstehen, was die Flachzargen als BR attraktiv macht.

    Hi beemax,


    hilfreich für das Verständnis zur Attraktivität von Flachzargen sind die Bücher von Josef Bretschko; insbesondere das Buch "Der Magazinimker" erschienen im Leopold Stocker Verlag, die erste Auflage 1973; ich habe die vierte überarbeitete von 1978.

    Bretschko war ein Doktorand Karl von Frischs und seiner Zeit weit voraus. Kapitel wie "Wechselbeziehungen und Steuerungsmechanismen im Bienenvolk" oder "Verschiedene Entwicklungstypen als Folge unterschiedlicher Brutrythmen" waren seinerzeit für mich ein Augenöffner. Auch heute noch unbedingt lesenswert. Heutige Bücher (und viele Forenbeiträge) sind sehr auf Betriebsweisen fokussiert, sind daher eher "Betriebsanleitungen". Betreibsanleitungen ohne tiefes Verständnis darüber, wie so ein Bien funktioniert, also über "Wechselbeziehungen und Steuerungsmechanismen" können zu allerlei Murks führen und tun es auch.


    Zur eigentlichen Frage (sorry wg Schwafeln): Bretschko war ein Protagonist des Zargentausches. Er überwinterte seine Völker auf drei Flachzargen, und führte bei der ersten Frühjahrsrevison einen Zargentausch durch, bei der zweiten, etwa 3 Wochen später, dann noch einmal. Wie er das machte, also welche Zarge von 1-2-3 nach wohin kam, hing von der Volksstärke, des Brutumfangs, und vor allen Dingen von dem Sitz des Brutnests ab. Möglich waren nach dem 1. Zargenwechsel nun 2-1-3, oder 3-2-1, oder 2-3-1. Am häufigsten machte er von 1-2-3 auf 3-2-1, nämlich dann, wenn die Hauptmenge an Brut sich nach der Auswinterung in der obersten Zarge befand. Die Zarge mit der meisten Brut wird ganz nach unten gesetzt, die (meist) brutfreie unterste Zarge kommt ganz obendrauf. Sitzt das Hauptbrutnest bei 1-2-3 nicht oben (auf 3) sondern in der Mitte (auf 2), wird 2-1-3 oder 2-3-1 gemacht, je nach Lage. Immer: Hauptbrutnest nach unten, Brutnest (sofern auf 2 Zargen verteilt) bleibt natürlich immer zusammen. Es gibt schöne Grafiken dazu.


    Ähnliche Überlegungen kommen 3 Wochen später zum 2. Zargenwechsel zur Anwendung. Zitat ...Das Brutnest ist als Ganzes zu betrachten und die Königin richtet sich bei der Ausdehnung des Brutnestes in die obere Einheit nach dem Brutumfang der mittleren Flachzarge. ... Das Prinzip ist im Grunde genommen ganz einfach: das Bienenvolk bekommt bis zum Trachtbeginn laufend eine Aufwärtsentwicklung des Brutnestes vorgetäuscht (Armbruster). Was einmal ausserhalb des zentralen Brutnestbereiches kommt, ist für die angestrebte Maximalausdehnung des Brutnestes für das Bienenvolk praktisch nicht existent.


    Bretschko führte auch für seine Völker auf Zander mit 2 Bruträumen regelmäßig Zargenwechsel durch, mit ähnlichen Argumenten. Ich selber machte das mit meinen 2-BR Zandervölkern früher auch, jetzt aber nicht mehr. Die Zanders haben aber bei mir immer noch 2 BR :saint: (siehe parallele Fäden) die Dadants ein Schied (dieses Jahr sehr spät gesetzt).


    Cheers,

    Baudus

    Hier ein Beispiel aus "alter" Zeit, vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere:

    In den 50er und 60er Jahren konnten Imker steuerbefreiten Zucker als Winterfutter erwerben. (Ich weiß noch, daß mein Vater immer einen Antrag über die Zuckerzuteilung je nach Völkerzahl im Imkerverein stellen musste) Danach gab es dann die Zuteilung. Damit kein Schindluder getrieben wurde, wurde dem subventionierten Zucker von Staats wegen irgend ein Stoff beigemischt, der ihn rot färbte !

    Ihr glaubt gar nicht, wie viel rosafarbener Frühtrachthonig damals geschleudert wurde. :evil:

    Den Zucker gab's in 25 kg, wenn ich mich recht erinnere auch in 40 kg Säcken. "Irgendein Stoff" war simples, mikrokristallines, unlösliches, völlig ungefährliches Eisenoxid Fe2O3, von dem Spuren genügten, eine rote Brühe zu machen. An rosafarbenen Frühtrachthonig kann ich mich nicht erinnern, vielleicht auch deswegen, weil's damals im Hochschwarzwald überhaupt keine Frühracht gab (Schnee bis in den April) und der erste grössere Eintrag im Jahr aus der Himbeere kam.


    Der rote Zucker war steuerfrei. Früher gab's nämlich auch in Deutschland eine Zuckersteuer auf Rübenzucker, die 1993 (wie auch die Salzsteuer) abgeschafft wurde. Das Thema nimmt neuerdings wieder Fahrt auf wegen (aus Wiki): Mit Aussagen wie „Zucker macht krank“ und „es gibt keinen Bedarf, Zucker ... als Lebensmittel aufzunehmen“ werben Krankenkassen-Fachleute und die Nicht-Regierungs-Organisation Foodwatch für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitgliedern des Bundestags-Gesundheitsausschusses unterstützt."


    Es könnte daher schon sein, daß eine Zuckersteuer wieder kommt, vielleicht auch nur auf "elaborierte" Produkte wie Softdrinks, womöglich aber auch ganz vorne, bei der Zuckerproduktion. Passiert letzteres, werden wir womöglich auf steuerfreien roten Sirup zurückgreifen können 8). Dann könnte die Frage, ob denn Winterfutter in den Frühtrachthonig gelangt, auf einer breiten empirischen Basis beantwortet werden ;).


    Cheers,

    Baudus

    Baudus : und, wie ist die Blütezeit deiner beiden Ahornarten im Vergleich zu den nächsten Rapsfeldern?

    Dazu habe ich zum ersten Mal in 2017 Erfahrung machen müssen. Vorher habe ich in dieser Umgebung 10 Jahre lang rapsfrei geimkert. Zwei meiner 4 Stände waren in diesem Jahr von Raps "betroffen". Beim ersten waren's vielleicht 50-60 ha in 2,8 km Entfernung (Wald dazwischen), beim andern 2,5 km. Frühtracht war daher von diesen beiden Ständen ein Raps-Bergahorn-Gemisch. Blöd, weil Bergahornhonig, wenn ziemlich sortenrein, bis ins nächste Frühjahr flüssig bleibt und daher wenig Arbeit macht, ausserdem viel besser schmeckt. Sieht dieses Jahr wieder besser aus, weil dort Getreide ausgesät. Bin kein Rapsfan ...


    Danke fürs Interesse

    Baudus

    Bei mir gibt's im Umkreis aller Stände ausgedehnte Laubmischwälder mit grösseren Beständen sowohl von Spitz- wie auch von Bergahorn. Spitzahorn blüht früher und ergibt keine gute Tracht, spendiert aber prima Pollen. Bergahorn blüht später und honigt hervorragend. Daher ist das mein Frühjahrshonig, von Kunden sehr geliebt. Wenn diese Blüte langsam zu Ende geht, sind die hängenden Blütenträubchen -und nur die- häufig sehr belaust, was wahrscheinlich noch einen zusätzlichen Kick gibt. Grade zu diesem Zeitpunkt geht auch die Robinie auf. Meine Bienen gucken aber die Robinienblüten nicht an, solange der Bergahorn noch was hergibt. Deswegen gibt's meist mehr Ahornhonig als Robinie, auch in guten Robinienjahren.


    30 Bäume würde ich nicht anwandern, Spitzahorn überhaupt nicht.


    Cheers

    Baudus