Beiträge von Baudus

    Ich mache unter anderem gerne "klassische" Brutableger im Standmaß, allerdings nie über Nachschaffungszellen (das ist nicht klassisch ! sondern Murks), aber welche mit belarvten Näpfchen und in den Honigräumen weiselrichtiger Völker gepflegten Zellen, die vor Schlupf aufgeteilt werden. Und nie später als Mitte Mai (umgelarvt). Die Bilanz der letzten Jahre (meistens welche für mich, gelegentlich auch für Anfänger, denen ich zeigte, wie's geht):


    2015: 19 erstellt, 17 in Brut und gut überwintert

    2016: 23 erstellt, 18 in Brut und gut überwintert

    2017: 18 erstellt, 18 in Brut und gut überwintert (unglaublich, aber wahr)

    2018: 14 erstellt, 13 in Brut und ?


    Im Schnitt (n = 74) geht das also bei mir (uns) zu 89 % gut und 11 % schief. Ich schneide keine Drohnenbrut.


    Cheers

    Baudus

    Beides möglich.


    Ich hab' auf meinen Ständen ziemlich viele stille Umweisler. Es gibt davon eine Handvoll, die 5 oder 6 Jahre nicht geschwärmt haben, und bei denen ich über die Jahre eine Königin nie oder höchstens mal zufällig gesehen habe. Das sind die aus der ziemlich seltenen Sparte "Königinnen kommen und gehen unbemerkt, Volk bleibt." Solche sind mir aber lieb und teuer.


    Cheers

    Baudus

    Drohnenbrütige Völker fege ich immer ab, weil Sanierung meist nicht glückt und sowieso zuviel Arbeit macht. Königinnen suche ich sowieso nicht.


    Nun aber:


    Vor ungefähr drei Wochen bei einem noch mittelstarken Altvolk auf vier Waben Buckelbrut vorhanden, in allen Stadien und mit relativ geschlossenem Brutbild, typisch für abgewirtschaftete Altköniginnen. Als ich grade abfegen wollte, brachten mir zwei charmante junge Damen Kaffee und Kuchen auf den Stand. Klar, dass das Abfegen verschoben wurde.


    Zehn Tage später wollte ich dann abfegen und stelle fest: Bienen haben alle Drohnenbrut entfernt, alle ausgezogenen Brutzellen (auf vier Waben !) wieder "normalisiert". Keine Stifte oder offene Brut zu sehen. Laß' sie mal machen, dachte ich.


    Vor einigen Tagen: Volk jetzt ziemlich schwach, aber auf drei vorher drohnenbebrütet gewesenen Waben normale offene Brut mit schönem Brutbild.


    So haben die beiden Damen mich nicht nur mit Kaffee, Kuchen und Charme beglückt, sondern auch noch ein Volk gerettet, bzw. ihm die Chance zur Selbsthilfe gegeben. Imkern macht glücklich.


    Cheers

    Baudus

    Sogar mit dazugehörigem Lehrbuch:


    Und Du hast diese Rarität?

    Gruß Eisvogel

    Ich hab' eine, Ausgabe von 1894. Auf mich gekommen über meine Großmutter Rosa (1871 - 1956), Bäurin, Winzerin, Imkerin, Vorsitzende des Markgräfler Landfrauenverbandes (bis 1918) und als solche von der Großherzogin Hilda von Baden im Karlsruher Schloss während des 1. Weltkriegs empfangen.


    Das Vorwort des Verfassers enthüllt eine andere Zeit:


    ... Seither mußten die hiesigen Kursisten untertags Notizen über das Gehörte und Gesehene machen und diese dann am Abend ausarbeiten. Bei der grossen Menge und Mannigfaltigkeit des in kurzer Zeit zu bewältigenden Stoffes war dies eine sehr anstrengende Arbeit .... Schon die Anleitung hierzu nahm den Kursen viel Zeit weg, noch mehr aber die stets notwendigen Vergleichungen und Korrekturen ...


    Soviel Mühe gaben sie sich mit den "Kursisten." Sehr schön auch der vorletzte Abschnitt des Vorworts:


    ... Hervorragende Imker, die sich der Mühe des Durchlesens dieser Schrift unterziehen, bitte ich dringend, mich auf die Mängel derselben aufmerksam machen zu wollen. Für Belehrungen jederzeit dankbar ...


    Cheers

    Baudus

    Ich stelle bei meinen Kursen fest, dass es zum einen oft die kleinen praktischen Kniffe sind, bei denen einem alle Theorie nicht hilft. Wer denkt daran, zu erklären, wie man den Besen einsetzt, bis man einen Anfänger sieht, der vorgeht, als würde er die Stube kehren?

    Zum anderen ist die Zusammenschau des theoretischen Wissens nötig, weil die Bienen nicht nach der Systematik des Lehrbuchs erkranken, weisellos werden usf. Etwas zu wissen und es praktisch anzuwenden, ist zweierlei. Man muss viele Bienenvölker gesehen haben, bis man ein Verhalten als normal oder auffällig einstufen kann, zumal es so viele Faktoren gibt, wie Wetter, Tracht, Jahreszeit usf.

    Theoretisches Wissen heißt alles Mögliche zu wissen. Praxiswissen heißt, zu wissen worauf es in einer bestimmten Situation ankommt.


    Wolfgang

    WFLP  :daumen:


    Eine kleine Geschichte dazu von heute morgen:

    Schwarmkontrolle auf einem meiner Stände. Dabei: 3 ImkerInnen, einer mit 3, eine mit 2, und einer mit 1 Jahr(en) Erfahrung mit Bienen. Auf dem Stand: 11 Zandervölker mit 2 BR, 6 Dadantvölker. Alle haben einen oder zwei Honigräume drauf.

    Die drei Protagonisten wollen ausgiebig über Betriebsweisen diskutieren: Zander versus Dadant, zwei BR versus einen, und dergleichen mehr. Nachdem ich ein bisschen über die Fluglöcher geguckt habe sage ich: von den 17 Völkern gefällt mir eins nicht, das müssen wir mal aufmachen und nachgucken. Sagt mir mal im vornherein welches, und warum.

    Langes Gucken, viel Grübeln. Sie entscheiden sich für zwei Kandidaten, nämlich für die beiden, die ein bisschen weniger stark fliegen als alle andern.

    Ich deute auf ein anderes und sage: nein, ich meine dieses. Seht Ihr warum ? Sie sehen's nicht, sie sehen's nicht.

    Bei den 16 "guten" Völkern sieht man kaum eine Biene länger am Flugloch rumkrabbeln, alle sind "rein-raus" beschäftigt. Bei diesem, obwohl es gut fliegt, krabbeln oder sitzen 10 bis 20 Bienen am Flugloch rum und sehen "deprimiert" aus. Zudem: Hier trägt nur etwa jede zwanzigste Biene Pollen ein, bei den meisten andern etwa jede fünfte. Seht Ihr's jetzt ? Ja.

    Aufgemacht: Wir sehen: viele Bienen; einen recht gefüllten (Zander)-Honigraum; einen oberen Brutraum mit auf 7 Brutwaben ausschließlich im obersten Teil auslaufende geschlossene Brutkränze. Sonst leere Zellen, keine Brut, keine Weiselzellen, etc. Das Volk ist weisellos, und der am Flugloch gewonnene Verdacht war zutreffend. Wir hingen dann eine Brutwabe mit Stiften und jungen Maden vom Nachbarvolk rein.


    Fazit: "Bienenversteher" lernt man nicht in Kursen (obwohl Kurse nützlich und vielleicht notwendig sind). Man muss einfach "sehen" (lernen). Ausführliches Betriebsweisen diskutieren (A vs B vs C vs D) ist letzterem aber abträglich. Ich habe dann meinen FreundInnen gesagt, dass ich mit ihnen erst dann Betriebsweisen diskutieren werde, wenn sie Problemvölker am Flugloch erkennen können.


    Cheers

    Baudus

    Ganz nahe zu einem meiner Stände gibt es eine lange Straße, die heißt Kastanienallee mit weit mehr als 100 Bäumen. Ziemlich reinen, aber nicht ganz reinen (Roß-) Kastanienhonig gabs 2015, pro Volk vielleicht einen halben Dadant-Honigraum voll, eingetragen während einer guten Woche. Kein Raps als Konkurrenz. Der Versuch, den halbwegs rein zu gewinnen, ist doch ziemlich aufwendig. Vorteil: man kann prima sehen, wenn's mit der Kastanie anfängt und wenn's aufhört, einfach am Puder. Der Honig ist in der Wabe auch schnell zu identifizieren, weil dunkelbraun; im Eimer sieht er schwärzlich aus.
    Dieser Honig findet viele Liebhaber. Mir selber ist er zu "streng". Andere wiederum sagen: er stinkt. In 2016 und 2017 gab's nur Spuren davon.


    Cheers

    Baudus