Beiträge von Baudus

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    War in Brokdorf (100.000 Demonstranten; das war fast Krieg!!!)


    War in München / Wackersdorf (100.000 Demonstranten; das war ebenfalls fasrt Krieg)!


    Was hat's gebracht`? Nichts, aber auch rein gar nichts!


    War in Wyhl (Besetzer, 1975). Was hat's gebracht ? Das:


    1983 erklärte Ministerpräsident Lothar Späth überraschend, das Kernkraftwerk Wyhl sei vor 1993 nicht nötig. 1987 bekräftigte er den Verzicht bis zum Jahr 2000. Seit 1995 ist der Bauplatz als Naturschutzgebiet ausgewiesen. So !


    Und das waren die Pläne (aus Wiki, Stichwort Filbinger):


    Eine neue soziale Bewegung ... entstand Mitte der siebziger Jahre. Sie hatte ihren Ursprung im Widerstand gegen die Industrialisierungspläne der Regierung Filbingers, zu den bestehenden noch weitere 13 Kernkraftwerke zu bauen, davon fünf im Rheintal zwischen Mannheim und Basel. Frankreich wollte auf der linken Seite des Oberrheins weitere sechs Kernkraftwerke bauen. Diese Kraftwerke sollten die Vorstufe sein für eine Industrieachse Karlsruhe-Basel. Der Staatsanzeiger von Baden-Württemberg veröffentlichte die Vision von Sachverständigen:


    „[das Rheintal] soll für die gewerbliche und industrielle Nutzung freigegeben werden, während die Funktionen „Wohnen“, „Erholung“ usw. in der „Vorbergzone“ und in den Seitentälern des Rheins angesiedelt werden sollten …"


    Von wegen "Funktionen"; alles in allem waren wir ganz schön gut. Man kann aber nicht immer gewinnen ...


    Baudus

    Für Berliner und Berliner Umländler mit Zeit:


    Honigbienen im Stress: Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Volker Grimm an der Universität Potsdam

    Zum Thema „Wie viel Stress kann die Natur aushalten, zum Beispiel Honigbienen? Ökologische Modelle können helfen, eine Antwort zu finden“ hält Prof. Dr. Volker Grimm, Professor für Theoretische Ökologie, am 11. Dezember 2013 seine Antrittsvorlesung an der Universität Potsdam. Zeit: 11.12.2013, 17:30 Uhr; Universität Potsdam, Campus Golm, Karl-Liebknecht-Straße 24-25, Haus 25, Raum F.1.01

    In seiner Antrittsvorlesung beschäftigt sich Volker Grimm mit der Frage, wie sich Stressoren einzeln und im Zusammenspiel auf ökologische Systeme auswirken. Stressoren können „synergistisch“ wirken, das heißt, im Zusammenspiel belasten sie das System mehr als die Summe der Einzelbelastungen. Dies kann zum Zusammenbruch der Systeme führen. Die Ursache könnte das Zusammenwirken mehrerer Stressoren sein, wie Milbenbefall, Krankheiten, veränderte Landschaftsstruktur und Landwirtschaft sowie Pestizide. Der Wissenschaftler stellt in seiner Vorlesung ein Modell vor, das diese Stressoren und das Verhalten der Bienen im Stock und bei der Nahrungssuche beschreibt.


    Dazu gibt es einen Reviewartikel (open access, frei zugänglich) von Becker, Osborne, Thorbeck, Kennedy und Grimm (2013): "Towards a system approach for understanding honeybee decline: a stocktaking and synthesis of existing models" - Journal of Applied Ecology, 50, 868-800.


    http://onlinelibrary.wiley.com…/1365-2664.12112/abstract


    Baudus

    Bei einer Übersicht von 150 Jahren Bienenliteratur in Form von Büchern - ich habe 4 Meter davon - muss man feststellen, dass sich der Inhalt dieser Werke immer mehr von den Grundlagen (was ist der Bien, wie funktioniert er) zugunsten der Betriebsweisen verschoben hat. Machmal sind moderne Bücher bloss noch Betriebsanleitungen, wenn auch (in selteneren Fällen) ganz exzellente. Dem Anfänger, der ja was über Bienen lernen möchte (und sollte) bleibt der Sinn dieser Anleitungen uneinsichtig oder gar verborgen. Er/Sie kämpft sich (mehr oder weniger theoretisch) durch den Betriebsweisendschungel. In diesem Forum kann man die Spuren dieser Kämpfe zuhauf bewundern. Das ist schade, und müsste eigentlich nicht sein. Ich denke, dass dieser Trend so Mitte der 1960er, Anfang der 1970er Jahre eingesetzt hat.


    Ich habe (zu Beginn der 1970er) am meisten aus Grout & Ruttner's "Beute und Biene" gelernt - ein amerikanisches Multitautorenbuch, von Ruttner übersetzt. Das Beste darin ist ein längeres Kapitel (mit wunderbaren Zeichnungen) über die Anatomie der Honigbiene. Ich würde das Werk auch heute noch empfehlen, weil die beschriebene(n) Betriebsweise(n) ganz organisch aus den Grundlagen entwickelt werden. Gibt's noch antiquarisch (ca. 80 €, dafür mit Leineneinband).


    Noch eine abgefahrene Empfehlung für Sinnsucher aller Art:
    Mark Margill: "Meditation and the Art of Beekeeping." Hier gehts nicht um Grundlagen oder Betriebsweisen, sondern um Einstellung. Vergnüglich !


    Baudus

    Bei mir: Immer ohne Schleier, ohne Handschuhe. Dafür mit einem voluminösen weissen Imkeranzug aus gutem Baumwollköper mit hohem Kragen, den ich seit 1978 (!) habe, inzwischen mit partieller Propolisauflage, und der immer im Auto liegt. Einer meiner Stände liegt 150 m von meinem Büro. Wenn notwendig (z.B. Schwarmalarm, kommt vor): Jackett aus, Schlips ab, Bügelfaltenhose auf den Bügel, Imkeranzug an, Ergreifung geeigneter Maßnahmen, Anzug aus, Hände waschen, Propolis abpuhlen, Hose an, Schlips an, Jackett an, auf zur nächsten Besprechung, gelegentlich mit dicker Unterlippe oder geschwollenem Auge. Gibt immer Anlass zur Erheiterung.


    Baudus

    Danke fürs Einstellen ! PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States) ist eine erstklassige Zeitschrift. Es ist äusserst schwierig, dort überhaupt ein Paper publiziert zu bekommen. Hab's selber noch nie geschafft. Es wurde vielfach vor Druck kritisch geprüft und kommentiert. Eine feine Arbeit. Man darf die italienische Arbeitsgruppe mit Fug und Recht beglückwünschen.


    Baudus

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    im gleichen Konzentrationsbereich (einige ppm)


    Sorry, es waren natürlich pbb's gemeint. Unverzeihlich! Bei Geochemikern (bin einer davon) geht's bei Grössenordnungen manchmal schief, dafür stimmt die Stelle hinter dem Komma immer.
    Danke für's Zurechtrücken. Noch grösserer Dank für die Honiganalyse. Erschreckend.


    Baudus

    Herzlichen Dank fürs Einstellen.


    Das Paper ist vor allem deswegen gut, weil die Gruppe Zuckerwasser und Pollen mit Imidachloprid im gleichen Konzentrationsbereich (einige ppm) verfüttert hat, wie er auch im eingetragenen Nektar bzw. Pollen gefunden wird. Deshalb direkt übertragbar.


    Aus den Acknowledgements: "This work was supported by a joint project from the EU and the Greek Ministry of Agricultural Development and Food (2008–2010) and by a Greek-French bilateral collaboration project, PLATON 09 FR75." - Offenbar sind die Griechen gut und erfolgreich im EU-Anträge schreiben ....


    Baudus

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    wenn es sich so ergibt und das Volk stark ist überwintere ich einzelne Völker auf 3 Zargen.


    Dito. Gelegentlich ist die 3. Zarge auch ein spät aufgesetzter Ableger. Die unterste Zarge wird im zeitigen Frühjahr entnommen. Es gibt (bei mir) soweit keine Unterschiede im Überwintern zwischen zwei und dreizargigen.


    mfG
    Baudus

    Auf einem meiner Stände (12 Völker) waren in den letzten Wochen bis zu acht Hornissen gleichzeitig aktiv. Faszinierend zu sehen, wie sie vor den Fluglöchern kreisen, die anfliegenden Bienen von oben greifen und mit den lebenden Bienen gar nicht schwerfällig abdüsen. Die Bienen bilden vor den Fluglöchern Pulks von 30 bis 40 Individuen; die Abwehrtrupps arbeiten erfolgreich, Eindringen findet nicht (mehr) statt. Man hat den Eindruck eines kontrollierten Kriegs - die Hornissen wissen oder haben gelernt, dass nur Angriffe auf anfliegende Einzelbienen erfolgreich sind.


    Bei jenem Maximalaufkommen habe ich eine Stunde lang beobachtet und gezählt (geschätzt). Dabei sind insgesamt etwa 50 Bienen abtransportiert worden, wobei gleichmässig vor allen Kästen geerntet wurde. Macht bei hochgerechnet 8 Stunden 400 Bienen täglich, in 3 Wochen 8000 Bienen, pro Volk mehr als 500. Tatsächlich waren an manchen Tagen weniger Hornissen präsent. Die Schätzung mag um einen Faktor 2 zu hoch sein, aber nicht um mehr.


    Fettlebe für Hornissen ! Die Völker können das leicht verkraften.


    Baudus

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    Inwieweit spielt die relative Luftfeuchtigkeit eine Rolle?


    Welche, die von draussen oder drinnen? Wahrscheinlich irrelevant. Relative Luftfeuchtigkeit definiert den Wassergehalt in der Luft relativ zur Wasserdampfsättigung, und die ist wieder sehr stark abhängig von der Temperatur. Nehmen wir mal an, die Kiste sei ein geschlossenes System (ist sie nicht!) bei überall gleicher Temperatur (auch nicht). Dann würde sich bei grosser Verdunstungsoberfläche die Luft im Kasten mit einem A-Säure-Wasserdampfgemisch sättigen, wobei der Dampf A-Säure-reicher ist als die Flüssigkeit (wegen anderem Dampfdruck, s.o.). Die Sättigungskonzentration für Wasser im Dampf ist dabei wesentlich kleiner als die für reines Wasser, weil die Komponente A-Säure das Wasser im Dampf verdrängt. Das lässt sich alles leicht ausrechnen.


    Schwieriger wird's, wenn man die Temperaturgradienten berücksichtigen wollte. Wie oben am Beispiel der Kondensation gezeigt, kann die Sättigung (für ein A-Säure-Wasserdampfgemisch) wegen geringerer Temperatur überschritten werden. Dann kondensiert Dampf im wesentlichen als Wasser. Den Temperaturverlauf kennen wir aber nicht, ausser dass wir wissen, dass im Brutnest 35°C eingestellt werden.


    Das Ganze ist müssig, weil die Bienen sowieso den Ventilator anstellen. Dann wird's richtig kompliziert. Parameter wären: Temperatur aussen, relative Luftfeuchtigkeit aussen, draussen nur Wasser im Dampf; Temperatur innen (ist nicht überall gleich), Zusammensetzung des A-Säure-Wasserdampf-Gemischs (wahrscheinlich gesättigt oder nahezu gesättigt, kommt darauf an, wo im Stock), aber wegen der starken Temperaturabhängkeit sehr variabel. Jetzt haben wir ein relativ fixes Randsystem (draussen), ein variables (drinnen), und dann schalten die Bienen den Ventilator an. Da könnte man sich überlegen, wie der funktioniert: Stellen sie den Knopf auf hoch, mittel oder klein, => Austauschvermögen, Stellung der Waben, Fluglochgrösse, Brutumfang - der die warme Zone definiert -, Verdampfungsrate, Kondensationsrate - wenn überhaupt -. Kurzum: Es entwickelt sich ein ganz dynamisches System. Kommt noch hinzu, dass in einem Tagesverlauf => morgens kühl, mittags heiss, abends warm mit Gewittern selbst die Randbedingungen aussen sehr stark ändern können.


    Kurzum: ein Thema für mindestens 3 Doktorarbeiten. Zwei könnten experimentell Daten aufnehmen, ein dritter numerisch modellieren. Da sollen die Institute mal Anträge schreiben ....


    Cheers,


    Baudus

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    dass bei den Bieneninstituten Untersuchungen durchgeführt wurden, wie die stündliche Verdunstungsrate in Abhängigkeit zur Temperatur verläuft


    Ist mir nicht bekannt, und wahrscheinlich auch nicht von grosser Relevanz. Die Dampfdrücke für die reinen Phasen (grob gerundet, in hPa oder mbar) sind (Temperatur °C, Wasser, A-säure): 10°, 12, 26; 15°, 16, 33; 20°, 23, 42; 30°, 42, 72. Das bedeutet, dass A-Säure bei allen Temperaturen einen etwa doppelt so hohen Dampfdruck hat als Wasser.


    Man kann eine thermodynamische Datenbasis nehmen, um die Dampfdrücke der beiden Komponenten im binären System auszurechnen. Dabei kommt z.B. (Pi mal Daumen) raus, dass bei 20°C, 85%ige-Asäure (+ 15% Wasser) noch einen Dampfdruck von 29 mbar für die Komponente Ameisensäure entwickelt. Dass dieser im Vergleich zu der reinen Phase so stark runtergeht, liegt daran, dass molar viel mehr Wasser dazukommt als man in Gew% ausrechnet.


    Das Entscheidende dabei ist, dass aufgrund des zweifach höheren Dampfdrucks immer viel mehr A-Säure als Wasser verdampft. Deswegen haben die tropfenden Verfahren Vorteile, weil aus dem konstant zusammengesetzten Reservoir immerzu gleiches nachtropft. Beim Schwammtuch steht das gesamte Reservoir gleich zur Verfügung, deswegen ist dort der Dampf für einen längeren Anfangszeitrau sehr A-Säure reich. Ist beim Schwammtuch der allergrösste Teil verdampft, kann man den Rest auslutschen, weil fast nur noch aus Wasser bestehend. Ausprobieren! Dasselbe passiert umgekehrt bei der Kondensation, bei der in kälteren Teilen des Raumes (Folie oder Boden der umgedrehten Futterzarge) Dampfphase wieder kondensiert, weil (für die niedrigere Temperatur dort) die Dampfsättigung überschritten wird. Es kondensiert im wesentlichen Wasser (niedrigerer Dampfdruck). Zungenprobe dieser Tropfen => fast nicht sauer. Das System ist so (in Grenzen) gepuffert.


    Fraktionierung von Komponenten zwischen Flüssigkeitsgemischen und Gasphasen ist ein universeller Prozess und bestens verstanden. Am schönsten hat's Lord Rayleigh 1896 beschrieben und berechnet, nämlich am Beispiel des Wasser-Alkohol-Gemisches. Nur weil Ethanol einen höheren Dampfdruck hat als Wasser können wir (hier bei ein bisschen höheren Temperaturen) überhaupt Schnaps destillieren. Warum das Ganze in besetzten Bienenbeuten nicht viel Sinn macht (berechnen meine ich), liegt daran, dass wir das Temperaturfeld und die T-gradienten in der Beute nicht kennen, weil sie durch Aussentemperatur und Volksaktivität ständig variieren. Wie oben gezeigt, ist aber die Temperatur der Hauptparameter, der das System kontrolliert. So arbeiten wir eben weiter empirisch, via trial and error, und es funktioniert ja auch. Menschen haben schon lang erfolgreich Schnaps gebrannt, lang bevor Lord Rayleigh die Grundlagen dafür dargelegt hat


    Cheers,
    Baudus