Beiträge von WFLP

    Vor allem, wenn man keinen Job mit bequemen automatischen Lohneerhöhungen oder Gewerkschaften hat, die einem jedes Jahr mehr Geld in den Hintern nachblasen, ohne dass man deswegen irgendwie mehr leisten müsste

    Ja, wirklich schlimm. Wie sollen da Unternehmer nur überleben?

    Freilich spricht die Einkommensstatistik eine eigene Sprache und den Lohnerhöhungen stehen Produktivitätssteigerungen und die Inflation gegenüber. Ich hätte nicht gedacht, dass man volkswirtschaftliche Phänomene immer noch auf einem solchen Niveau diskutieren kann.

    Nebenbei bemerkt sind wir Imker/innen davon abhängig, dass sich die Menschen (auch die abhängig Beschäftigten) unseren Honig auch künftig leisten können.

    Soweit ich es verstehe, wären der Verkauf von Honig und Bienenwachs sowie rohem Propolis erstmal vollkommen umsatzsteuerbefreit, wobei ich dennoch 10,5% Umsatzsteuer auf Rechnungen ausweisen dürfte,

    Umsatzsteuerbefreit nicht, aber pauschal besteuert. Der Steuersatz ist natürlich 10,7%


    Weiterhin darf ich in diesem Fall zusätzlich 33% des Umsatzes, maximal aber 4.000€ durch Handelsware erzielen ohne umsatzsteuerlich die Rolle des Urproduzenten zu verlieren.

    Ich weiß es nicht genau, aber nehme an, dass die Handelsware in diesem Fall wohl nur Produkte der ersten Verarbeitungsstufe umfasst, also fremden Honig, fremdes Wachs, fremdes Gelee und fremdes Propolis. Nicht aber zum Beispiel Met oder Kerzen.

    Nein, umsatzsteuerlich gibt es die 33-Prozent-Grenze nicht.

    Für die 4.000-Grenze gilt, dass es sich um Produkte oder Leistungen handeln muss, die "einen engen Bezug zur eigenen land- und forstwirtschaftlichen Erzeugertätigkeit des Unternehmers aufweisen" (UStAE Abschn. 24.6, Abs. 1).

    Muss in diesem Fall dennoch die Imkerei beim Finanzamt angezeigt werden und brav jedes Jahr eine Erklärung von 0,00 Euro abgegeben werden, die erst auf 1.000 ansteigt, sobald 30 Völker erreicht werden, oder kann ich da komplett drauf verzichten und segel einfach komplett unter dem Radar, weil eben Gewinn gleich Null?

    Solange, Du nicht wegen des Umsatzsteuerausweises auf Rechnungen eine Steuernummer brauchst, geht das so.


    Nun würde ich auch gerne eigene Propolistinktur und Kerzen erstellen und verkaufen, was würde sich in diesem Fall ändern?

    Gibt es jetzt andere Anmeldepflichten, beispielsweise in der IHK als Gewebe oder irgendeiner landwirtschaftlichen Kammer?

    Sobald das einen nennenswerten Umfang erreicht ja. Eine eigene Meldepflicht bei der IHK gibt es nicht, dass erledigt das Gewerbeamt. Bei der Landwirtschaftskammer ebenfalls nicht; das beträfe nur den Fall selbst bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen.

    Ändert sich die Gewinnermittlung in der Richtung, dass nun nicht mehr die Völkerzahl 30 / 70 relevant sind, oder hat das lediglich Einfluss darauf, dass ich dann nicht mehr 10,7% Umsatzsteuer ausweisen darf, sondern nur noch 7%?

    Nein. Das gilt erst bei Überschreitung der 4.000-Euro-Grenze und nur für die Produkte, die nicht unter die erste Verarbeitungsstufe fallen. Dafür gilt dann wieder die Kleinunternehmergrenze, aber nur wenn der Gesamtumsatz (mit den Urprodukten) nicht über 22.000 Euro steigt. Es sei den Du überschreitet hier die 600.000 Euro Umsatz.

    Ich vermute, dass es Zufall ist.

    Jedenfalls sind solche Statistiken ohne Wert, wenn sie die Datenbasis nicht offenlegen.

    Es gibt in Statistiklehrbüchern ein berühmtes Beispiel, wo die Zahl der Storchenpaare mit der Geburtenzahl korreliert wurde. Statistische Korrelation und Kausalität, so soll das zeigen, ist zweierlei.

    Selbst wenn es kein Zufall ist, wäre noch die Frage, ob es eine ein direkte Korrelation ist oder ob andere Gründe dazwischenstehen.

    Verlange ich zuviel, bleibe ich auf meinem Honig sitzen - verlange ich zuwenig, kann ich die Nachfrage nicht befriedigen (und gehe im Zweifelsfall pleite).

    Die Schwierigkeit bleibt freilich, diesen Preis zu finden. Ist der Honig erst mal weg, kann man ihn nicht mehr teurer verkaufen. Man muss also von oben an die Sache rangehen. Die Frage ist dann einzig, ob die Kunden, die man zunächst verschreckt hat, wiederkommen.

    Leider ändert sich die Menge, auf der man sitzen bleiben kann, auch noch jedes Jahr.

    mich stört, das man sich laut hornet auf Maximum fixieren soll, 'weil das alle anderen auch machen'

    Ich habe es immer nur als Problem gesehen, dass Imker ihren Honig zu billig anbieten. Das schadet allen. Wer zuviel verlangt, verkauft im Zweifel weniger und die Kunden gehen zu anderen Imkern. Das hilft allen. Der Kollege mit den (zu) hohen Preisen ist mir deswegen der liebere.

    Bedeutet das im Umkehrschluss, dass ich meine Ausgaben für die Imkerei mit in der Gewinn und Verlustabrechnung angeben kann?

    Jetzt kommt hier wieder Umsatzsteuer und Einkommensteuer durcheinander. Die einkommensteuerliche Pauschalierung (30-/70-Völkergrenze) schließt einen Verlustabzug (Verrechnung mit anderen Einkünften) aus.

    Wir reden hier von der Umsatzsteuer!

    Das heißt, man kann in seinem Gewerbe wegen den Umsätzen aus der Imkerei aus der Kleinunternehmerregelung raus fallen, die Umsätze der Imkerei können aber weiter der Durchschnittssatzbesteuerung unterliegen?

    Ganz richtig. Die Logik ist: Die Umsätze aus der Imkerei sind nicht steuerbefreit, sondern nur pauschal versteuert. Also werden sie mit eingerechnet, auch wenn keine Steuer abzuführen ist.

    Das bedeutet ich kann keine Regelung wie unter 30 Völker mit 0 € Gewinn angeben, sondern muss jedes Glas mit, z.B. 5 € zu meinem Umsatz hinzurechnen?

    Nein, es geht hier um die Umsatzsteuer. Hier gibt es keine 30-Völker-Grenze.

    Auch wenn Du andere steuerbare Umsätze hast, bleibt der Honigumsatz pauschal versteuert. Er wird aber auf die 22.000-Euro-Grenze angerechnet.

    Da scheint die Finanzverwaltung aber anderer Ansicht zu sein. Oder wie interpretierst Du das Folgende:

    (4) Hat ein Land- und Forstwirt eine Erklärung nach § 24 Abs. 4 Satz 1 UStG (i.e. der Verzicht auf die Durchschnittssatzbesteuerung) nicht abgegeben, führt er aber neben den in § 24 Abs. 1 UStG bezeichneten Umsätzen auch andere Umsätze aus, sind für die Anwendung des § 19 Abs. 1 UStG bei der Ermittlung des jeweils maßgeblichen Gesamtumsatzes die land- und forstwirtschaftlichen Umsätze und die anderen Umsätze zu berücksichtigen. Soweit der Unternehmer die im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb bewirkten Umsätze nicht aufgezeichnet hat (§ 67 UStDV), sind sie nach den Betriebsmerkmalen und unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse zu schätzen. Die Anwendung des § 19 Abs. 1 UStG beschränkt sich auf die Umsätze außerhalb der Durchschnittssatzbesteuerung des § 24 Abs. 1 bis 3 UStG. Für die Umsätze des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs verbleibt es bei der Durchschnittssatzbesteuerung.

    (Abschnitt 24.7, Abs. 4 Umsatzsteueranwendungserlass)

    Ich betreibe nebenberuflich ein Gewerbe mit Kleinunternehmerregelung in der Medienproduktion. Wenn ich damit beginne, Honig zu verkaufen, muss ich diese Umsätze zu denen des bestehenden Gewerbes hinzurechnen?

    Ja, umsatzsteuerlich gibt es ja nur ein Steuersubjekt. Eine Einzelunternehmerung kann man nicht auf mehrere Steuersubjekte aufspalten.