Beiträge von Formica

    Viel und genau kann ich es natürlich auch nicht sagen, aber vielleicht hilft es, ein wenig die Landschaft in Mitteleuropa um das Jahr 1500 darzustellen.
    Um 1500 hatte das heutige Deutschland bereits einen ausgesprochenen Kulturlandschaft-Charakter. Urwälder gab es kaum mehr, die meisten Flächen waren landwirtschaftlich genutzt, jedoch mit deutlichen Unterschieden zu heute. Zum einen gab es keine Flurbereinigung. Die einzelnen Felder waren durch dichte Hecken getrennt, wenig fruchtbare Böden lagen brach, Düngung war im Vergleich zu heute marginal und es wurde vorwiegend nach der Dreifelderwirtschaft gearbeitet. Der Ertrag pro Fläche war deutlich geringer, es gab kein gereinigtes Saatgut und es wurde neben Obst und Gemüse vor allem Getreide angebaut. Raps als sehr alte Kulturpflanze gab es glaube schon. Die Linde war sicher deutlich seltener, auch heute findet man sie ja vorwiegend als Allee-, Park- und Stadtbaum. Und das auch nur die einheimischen Arten.
    Weiterhin gab es natürlich auch noch keine Pflanzen aus Asien, Afrika oder Amerika, die heute rein Artenzahlmäßig einen großen Teil der Arten bei uns ausmachen.
    Die Äpfel und Kirschen waren als Frucht zwar kleiner, jedoch hatte die einzelne Blüte nicht weniger Nektar, weshalb man vom Ernteertrag sicher nicht auf die Nektarmenge schließen kann.
    Blühende Wiesen waren sicher sehr viel häufiger, wenn nicht sogar im Gesamtbild dominierend.
    In den deutlich kleineren Feldern fanden sich sowohl auf den brach liegenden als auch auf den bewirtschafteten Kornblume und Kornrade und viele andere Blühpflanzen.
    Durch die bereits seit 100 Jahren wütende Pest lagen viele Felder bereits seit Jahren oder Jahrzehnten nrach, die Sukzession hatte eingesetzt, Sträucher und noch kleine Bäume dominierten hier und boten noch vielen Arten Platz.
    Insgesamt denke ich daher folgendes.
    Massentrachten waren deutlich seltener. Wahrscheinlich nur Obstblüte und manchmal der Wald. Der Wald war jedoch noch deutlich mehr Laubwald, der insgesamt wohl weniger honigt als Fichte und Tanne. Jedoch fanden die Bienen wohl außerhalb dieser Massentrachten ein vielfältiges Angebot an Blühpflanzen. Ich denke, Hungern musten sie seltener, die Ernährung war vielfältiger, der Ertrag war wohl geringer. Dies lag aber auch an anderen Gründen. Zum einen wurde auf Honig überwintert und zum anderen waren die Völker viel kleiner. Mit "unseren" Völkern und raffiniertem Zucker hätte man je nach Standort ähnliche Erträge wie heute erzielen können?
    Kurzum, Obstblüte, Wald, Kornblume, Brom- und Himbeere sowie zahllose Sträucher und blühende Wisen mit Flockenblumen, Witwenblumen uva stellen die wesentliche Tracht dar. Denke ich.
    Obs stimmt, weiß ich nicht :-D

    Hallo liebe Imker,
    Ich hatte ja wie beschrieben, recht hohe natürlichen Milbenfall und hatte die letzten Beiträge hier mit Interesse gelesen. Nachdem ich heute eins meiner Wirtschaftsvölker genauer angeschaut habe (das mit dem stärksten Fall, 60 Varroen/72h) komme ich zu dem Schluss, morgen eine TBE zu machen, sonst müsste ich alle aus der "Produktion" nehmen und behandeln.
    Zur Untersuchung des Volkes habe ich mir den (mehrfach bebrüteten) Drohnenrahmen vorgenommen und begonnen, Zellen zu öffnen um eine Vorstellung über den Befallsgrad zu bekommen. PZ wäre wohl genauer gewesen, aber ich habe keinen hier und die Läden haben zu und ich war neugierig.
    An den Puppen die ich herauszog, fand ich, wie zu erwarten immer wieder mal eine Muttermilbe (etwa bei jeder 5. Drohne) und Gelegentlich auch 2-3 Muttermilben, die bei jungen Puppen wohl eine Mehrfachparasitierung aufzeigen und bei älteren Puppen möglicherweise auch die bereits adulten Töchter.



    Nun, das war vielleicht interessant, aber richtig anfangen konnte ich damit auch nicht viel. Also wählte ich einen Bereich von 7 verdeckelten Zellen aus und zog die Puppen um die bei Licht und Vergrößerung genauer zu untersuchen.
    Die Zelldeckel zeigten repräsentativ zum Teil Unregelmäßigkeiten, die ja mit einer Varroaparasitierung in Zusammenhang gebracht werden.



    Beim Herausziehen konnte ich nur bei einer Puppe adulte Milben finden. Bei oberflächlicher Betrachtung, wie ich das bisher meist gemacht habe, hätte ich also gesagt, eine von 7 ist parasitiert. Das hätte ich nicht als wirklich bedrohlich empfunden.
    Ein etwas genaueres Hinschauen zeigte jedoch bei zwei weiteren Puppen aufsitzende Deutonymphen, die durch ihre Helligkeit leicht übersehen werden.






    Also sind mindestens 3 der 7 parasitiert. Schon etwas beunruhigender.
    Also begann ich die vier Verbleibenden noch genauer zu untersuchen. Flecken auf der ventralen Seite des Hinterleibs machten mich auch dort stutzig und so betrachtete ich sie mir mit Vergrößerung.
    Was soll ich sagen, so konnte ich sehen, dass auch die verbleibenden 4 Puppen parasitiert sind! Larven und Protonymphen sind eigentlich nur mit Vergrößerung erkennbar. Aber sie tummelten sich rege auf meinen Puppen.






    Schlimm, wenn man die Verletzungen und Stichstellen auf den Drohnenpuppen betrachtet.


    Warum ich beim Herausziehen die Muttermilbe nicht gefunden habe, war mir dann beim ganz genauen Blick in die leeren Zellen auch klar. Sie hockten unbeweglich unten am Rand und waren, da die Waben bereits bebrütet waren, gut getarnt.
    Somit scheinen nahezu alle Zellen parasitiert zu sein.


    Dieses Volk behandle ich grade mit AS und nehme es aus der Honigproduktion.
    Ich möchte sehen, was fällt. Beim Rest mache ich diese Woche eine Brutentnahme. Habe ich noch nie gemacht und ich muss mich jetzt erstmal genau kundig machen, wie das gemacht wird. Ob nur verdeckelte oder gesamte Brut.


    Ich bin jedenfalls einigermaßen entsetzt über den offensichtlich starken Befall um diese Jahreszeit. Das habe ich bei mir noch nicht gesehen. Die Völker wurden letztes Jahr "ordnungsgemäß" mit AS behandelt und Anfang Dezember mit OS. Nach der OS Behandlung (Träufelmethode) fielen 20-100 Milben. Also nicht viel. Ich dachte, sie seien damit so gut wie Milbenfrei, zumal 2 Stichproben Brutfreiheit attestierten.
    Würdet ihr mir auch zur TBE raten?
    Oder reagiere ich über?
    Grüße,
    Jogi

    Hallo Zusammen,
    Ich habe gestern morgen mal die Windeln bei 10 Völkern eingeschoben und eben angeschaut.
    Der natürliche Milbenfall liegt bei doch sehr beachtlichen 10-20 pro Tag und Volk.
    Seit gestern wird ganz gut Linde (vermutlich) eingetragen. So wie es aussieht muss ich wohl direkt nach der Linde behandeln, oder? Eine eventuelle folgende Tautracht geht mir dann aber durch die Lappen und kann sie zusätzlich nicht als Futter hernehmen. Aber Ende Juli wird zu spät sein für die AS Behandlung bei dem Befallsgrad, oder wie ist eure Einschätzung?
    Leicht besorgte Grüße,
    Jogi

    Ich habe neulich bei einem Vortrag genau diese Frage etwas provokativ Herrn Dr. Liebig gestelt, weil er den Raps so sehr als Wohltat für Mensch und Tier propagiert hat. Er hat geantwortet, dass er umfangreiche Versuche zur Überwinterung auf Raps angestellt hat und zum Ergebnis kam, dass er sich sehr gut als Überwinterungsfutter eignet. Mich hat es sehr überrascht, aber wenn diese Untersuchungen wissenschaftlich einwandfrei durchgeführt wurden, kann ich da erstmal nix gegen sagen.
    Grüße,
    Jogi

    Boah! Das ist ja heftig! Abgesehen, davon, dass ich mir schon Gedanken machen würde, wenn ein kleines Kind mehrere solche gebeizten Maiskörner lutscht, schließlich ist ja die potente Giftwirkung auf Wirbeltiere (Vögel, Reptilien, Amphibien) ja bekannt, sind solche Erlebnisse sicher ein guter Aufhänger um mehr zu erreichen, als mit Berichten über die Bienenschädigende Wirkung. Die geht den Meisten doch am A.... vorbei. Wenns aber bedrohlich für den Menschen oder im Besonderen Kinder wird, dann horchen die Meisten doch viel eher hin. Wie extrem vergiftet unsere Umwelt durch die Agrarindustrie ist, wird doch immernoch kaum wahrgenommen, auch wenn ichs kaum glauben kann.
    Dieser Bericht mit den Bildern und einem Verweis der Giftwirkung an die Zeitung schicken wirkt wahrscheinlich mehr als 1000 Appelle.

    Wenns mir sehr wichtig ist, käfige ich mehrere Zellen auf den Waben und schaue täglich nach. Die zuletzt Geschlüpfte behalte ich. Ob das gut ist, weiß ich nicht. In Wahrheit habe ich sogar die letzten drei Geschlüpften genommen und den 3 Wabenableger in 3 Einwabenableger aufgeteilt, da es sich um ein Volk mit besonders guten Eigenschaften handelte.
    Grüße,
    Jogi

    Wer von der unberührten Natur träumt, weil er glaubt das sei dann ein Blütenmeer für die Bienen, der sollte sich einmal mit Pflanzengeschichte in unserer Region beschäftigen.
    Die Römer schrieben vor 2000 Jahren vom finsteren Germanien.
    Damals war alles von Buchen Wäldern bedeckt, am Boden war es finster.
    Da gab es keine Blühflächen.
    Fast alles was wir uns als Blühflächen zurück wünschen, ist durch Menschenhand entstanden.
    Schönes Beispiel sind die Naturschutzflächen, die durch Beweidung konserviert werden müssen.


    Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Mitteleuropa früher fast ausschließlich von dichtem Buchenwald bedeckt war. Irgendwann wurde dieses Halbwissen unter die Menschen gebracht. Ich denke, es war von Beginn an ein Scheinargument um die intensive Flächennutzung zu rechtfertigen. Das Argument entspringt der Tatsache, dass an den meisten Standorten Deutschlands (Laub-) Wald die Endstufe der natürlichen Sukzession darstellt. Nadelwald übrigens nur sehr sehr selten. Selbst die Mittelgebirge sind, von den Gipfelregionen der höchsten Mittelgebirge abgesehen, eigentlich mit Laubwald bedeckt. Lediglich an sehr sandigen oder andere speziellen Standorten konnte sich die Kiefer zum Teil behaupten.
    Was bei dem Scheinargument der dichten Bewaldung nicht bedacht wurde ist die Tatsache, dass die Natur eben nicht störungsfrei und statisch ist. Panta rhei eben.
    Bis ein Gebiet dichter Wald ist vergehen fast 100 Jahre. Brechen in diesem Waldgebiet Feuer aus, so gibt es niemanden, der löscht, es gibt große zusammenhängende Waldgebiete, so dass die Flammen sich immer weiter ausbreiten können. Gigantische Freiflächen entstehen auf diese Weise. Blühareale krautiger Pflanzen für Jahrzehnte! Während dieser Zeit brechen woanders Feuer aus und schaffen ähnliche Gebiete. Heftige Stürme die ja nur alle paar Jahrzehnte auftreten müssen verrichten ähnliches.
    Zudem hatten die mitteleuropäischen Urwälder nur sehr wenig mit den heutigen künstlich dicht Gepflanzten gemeinsam. Sie waren bei weitem nicht so dicht. In den 'heiligen Hallen' kann man das heute noch sehr schön sehen. Buchen sterben nach ca 250 Jahren. Sie fallen um, brechen ab. Sie hinterlassen eine riesige Schneise und im ehemaligen Wurzelbereich oft einen Tümpel. Jahrelang kann sich hier eine neue artenreiche Flora und Fauna etablieren, die Sukzession startet hier neu. Bald fällt in der Nähe der nächste Baum.
    Weiterhin gab es zu Zeiten unbegradigter Flüsse riesige Auwälder und Überschwemmungsregionen. Regelrechte Sümpfe die eine dichte Bewaldung unmöglich machten.
    Hinzu kamen auch damals schon Krankheiten und Parasiten, Massenvermehrungen von Fressfeinden, die ganze Areale kahlfressen konnten.
    Und zu guter Letzt wurde lange Zeit das Werk der großen Pflanzenfresser unterschätzt! Riesige Herden von Wiesenten und anderen großen Säugern zogen durch die Länder und verhinderten, dass Wälder entstehen konnten.
    Erst der Mensch reduzierte ihre Zahl bis zur Ausrottung mit fataler Wirkung.
    Im Übrigen war auch weniger die Buche, als vielmehr die Eiche der eigentliche Waldbaum. Auch hier war es bereits der Steinzeitmensch, der die Buche aus ihrem Schattendasein führte. Da die Menschen früher eher Nomaden waren, rodeten sie, wohnten und zogen weiter. Rodungsstellen werden schnell von Buchen erobert. Die Eiche braucht hunderte von Jahren, um diese Regionen zurück zu erobern. Diese Zeit hatte sie schon bald nicht mehr. Eichenwälder sind jedoch noch wesentlich lichter als Buchenwälder und ermöglichen daher noch mehr Blütenpflanzen die Existenz.
    Zahlreiche waldfreie Extremstandorte kommen noch hinzu.
    Die Geschichte von einer dichten, dunklen Bewaldung ganz Germaniens ist eine Mähr! Viel haben die Römer eh nicht davon gesehen, und für den Teutoburger Wald mag das damals zugetroffen haben. Übrigens regnet es in Rom mehr als in jeder deutschen Stadt. Wer hätte das gedacht?
    Die ursprüngliche, postglaziale Landschaft in Mitteleuropa war mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit deutlich Bienen- und allgemein Insektenfreundlicher als heute.
    Und in jedem Fall Pestizidfreier :-)
    Grüße,
    Jogi

    Hallo Waldschrat,


    Von der Aussage kann ich mich da Marion und Josef nur anschließen. In Deutschland blüht recht sicher noch nirgends die Linde. Auch nicht in den bevorzugten Regionen, auch wenn dieses Jahr alles früher dran ist als im Durchschnitt.
    An sehr warmen innerstädtischen Standorten konnte ich jedoch bereits recht fortgeschrittene Blütenknospen an der Sommerlinde entdecken. Die nächsten 10 Tage wird es deutschlandweit sehr kühl sein, da passiert noch nichts.
    Ich rechne daher frühestens in 15-20 Tagen lokal mit den ersten Blüten. In Bayreuth bei mir sicher nicht vor Der zweiten Junidekade. Mit der Edelkastanie habe ich leider keine Erfahrung, da hier weit und breit nur 2 Bäumchen in meinem Garten stehen, die noch ein paar Jährchen brauchen bis zur Blüte.
    Viele Grüße,
    Jogi

    Hallo Niklas,
    Ein kleines Erbebnis aus meiner Wohngegend könnte vielleicht auch dir helfen. Ich habe auf meinem 900qm Grundstück 10 Beuten stehen. Ringsrum hohe Hecke, damit die Bienen gleich aufsteigen müssen. Gegenüber wohnen Nachbarn, denen Natur fast schon Grundsätzlich zuwider ist. Am liebsten hätten sie auch ihren ganzen Garten aus Plastik. Die Buchskugeln sind es schon...
    Nun, als sie einmal einen Schwarm in ihrer Zierkonifere hatten, begannen sie bei den Nachbarn mobil gegen mich zu machen. Sie suchten zu zweit wie die Zeugen Jehowas die Nachbarn auf und fragten "Haben sie schon mal darüber nachgedacht, was man gegen die Bienen des Nachbarn unternehmen kann?"
    Schnell wurde klar, dass die Nachbarn sich in zwei Gruppen teilen. Die, die die Bienen weg haben wollen und die, die die Bienen haben wollen. Einige Nachbarn haben sich hier klar vor mich gestellt und damit für Ruhe gesorgt weil sichs niemand mit mehreren verderben wollte. Daher würde ich bei deinen Nachbarn die suchen, die deine Imkerei unterstützen! Die gibt es bestimmt. Die komischen Nachbarn wollen sich wahrscheinlich nicht mit mehreren anlegen und denken vermutlich, dass niemand außer dir für die Bienen ist.

    Ach so. Ich vermutete immer eher das hektische Gedränge und die Raufereien dahinter. An das Reinigen habe ich nicht gedacht.