F. Gerstung; Der Bien und seine Zucht

  • F. Gerstung; Der Bien und seine Zucht


    Mir wurde ein Exemplar aus der 7. Auflage des Buchs, der letzten aus seinem Todesjahr, ausgeliehen. Es wäre sicher lohnenswert, wenn dieses Buch vollständig im Internet veröffentlicht werden könnte. Dieses Fehlen bedauernd schreibe ich diesen kurzen Abriss:


    Gerstung stellt umfassend das imkerliche Wissen seiner Zeit dar, im Streit mit den Anhängern Dzierzons, die die Hinterbehandlungsbeuten durchsetzten und die dazu gehörenden Betriebsweisen.
    Amüsant zu lesen die Ausführungen zu den sozialen Vorteilen der Imkerei:
     Wie mancher junger Mann ist schon durch die Bienenzucht abgehalten worden, seine Zeit im Wirtshaus bei Trunk, Kartenspiel und Schlimmerem totzuschlagen ...
    Im dritten Kapitel kommt er zu seinem eigentlichen Anliegen:
    Der Bien, die organische Auffassung des Biens.
    Der Bien ist ein Organismus, welcher besteht durch das harmonisch-zweckmäßige Zusammenwirken aller seiner Teile oder Glieder, und bei welchem jeder Teil das Ganze als Ursprung und Träger seiner Existenz voraussetzt.
    Die Königin stellt den Eierstock und die Drohnen die Hoden des Organismus dar. Die Arbeiterinnen sind in ihren Altersklassen unterschiedliche Organe. Bei seinen Beobachtungen stellt er fest, dass der Futtersaft im Bien eine besondere, steuernde Rolle spielt. Er erkennt z. B. die enge Beziehung zwischen dem Futtersaft für die Königin und dem Blut der Bienen.
    Seine Untersuchungen am Brutnest, dem Bienkind, bringen ihn in Konflikt mit den Schülern Dzierzons. Diese zerreißen das Brutnest durch Umhängen von Waben in den Honigraum oder durch Mittelwände geben mitten ins Brutnest. Gerstung sieht, dass die Königin das Brutnest konzentrisch anlegt, über die einzelnen Waben hinweg. Er dokumentiert seine Erkenntnis mit vielen Fotografien. Aus der Legeleistung der Königin (2000 Eier täglich) berechnet er die optimale Größe der Bienenwohnung. Weil über dem kugelförmigen Brutnest der Wintervorrat an Honig gelagert werden soll, entwickelte er die Thüringer-Ständerbeute mit 12 Hochwaben, 40 cm x 25 cm Wabenfläche, die von oben bearbeitet wurde. Der Honigraum nahm nur den tatsächlichen Honigüberschuss auf, weil G. die Winterfütterung mit Zucker ablehnte.
    Nach dem Tod von G. machte nicht die Thüringerbeute sondern die Hinterbehandler das Rennen bei den Imkern, weil mit ihr der Ernte höher war und die Winterfütterung mit Zucker sich durchsetzte.


    Es folgt noch eine Darstellung aus der Sicht des Imkers mit den Lagerbeuten.
    Freundlich grüßend
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Moin Peter,


    das Buch ist das allerallerbeste je von mit gelesene Bienenbuch. Ich habe es reparieren lassen und lese sehr häufig darinnen. Man kann es aufschlagen und irgendwo einfach anfangen und in jedem kapitel gibt es mindestens eine Stelle die einen wegen ihrer sprachlichen Qualität zum Nochmallesen veranlaßt. Das Kapitel "Honigernte" ist da besonders schön, auch weil es den vornehmen Charakter der Honigernte in der Familie und die nötige Sauberkeit wunderschön beschreibt.


    Ein Buch für jeden Imker und sicher die recht hohen Preise der 7. Auflage wert.


    PS: Den Verlag oder den Nachfolger habe ich lange gesucht aber nie gefunden. :cry:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    ich bin vom Gerstung auch ganz begeistert! Ich konnte die 3. Auflage von 1905 mal erstehen. Daraufhin habe ich über Gerstung und Dzierzon mal je ein kleines Essay erstellt. Ich werde den Link mal posten.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Schönen guten Tag,
    auf den Link freue ich mich.
    Darf ich auf meine neue Seite hinweisen?
    Ich habe Gerstungs Rechnungen zur Beutenfrage mal nach vollzogen:
    http://www.imker-euskirchen.de/wohnung.htm


    Viele Grüße Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Hallo Peter,


    schöner Link und tolle Rechnung, aber ich hatte sogar schon eine Carnica Königinn die 11 Dadantwaben vollständig bebrütet hatte (ohne irgend eine Zelle die nicht bebrütet war) - da sag mal das in einer 12er Dadant Kiste genügend- oder zuviel Platz ist... - also irgendwie zweifle ich diese Messerei oder Rechnerei an :wink:



    Gruß
    Franz

  • Guten Abend Franz,
    eine Rechnung ist richtig oder falsch, aber zweifelhaft? wie geht das?
    Messwerte können unglaubwürdig sein (oder erfunden).
    Gerstungs Angaben sind bis heute öfters überprüft worden.
    Deine Angaben habe ich auch mal zum Rechnen genommen:
    Deine Königin hat danach ca 42 Liter bebrütet, das sind 95000 Brutzellen. Das kann sie schaffen, wenn sie pro Tag etwas mehr als 4500 Eier legt.
    Das ist ihr dreifaches Gewicht! Dann kann sie sich für ein Ei 20 Sekunden Zeit nehmen!
    Glückwunsch zu dieser Queen!
    Mein Vorschlag: Wechsele zum Zander-Magazin mit 2 Zargen Brutraum.
    Schönen Feierabend
    wünscht
    Peter


    PS Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Ich halte deine Angaben für durchaus realistisch und nicht für erfunden!

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Peter56 schrieb:

    Deine Königin hat danach ca 42 Liter bebrütet, das sind 95000 Brutzellen. Das kann sie schaffen, wenn sie pro Tag etwas mehr als 4500 Eier legt.
    Das ist ihr dreifaches Gewicht! Dann kann sie sich für ein Ei 20 Sekunden Zeit nehmen!


    Mann, was habt ihr für Bienen? 40000 Brutzellen ist m.E. das Maximum eines Volkes.


    Viel mir gerade noch ein! Liebig ist doch als Zählmeister bekannt, der hat auch nicht bessere Königinnen als ich. Ein Volk ist m. E. nicht in der Lage mehr als dieses Maximum zu pflegen:


    http://www.immelieb.de/pages/ind2.htm

  • Xare, sorry, aber ich kann Franz nur rechtgeben.
    Er sagt ja nicht, daß sie diese Leistung dauernd erbracht hat, aber wenn das Schwärmen für jene Saison abgesagt war, kann es sehr wohl so fette Völker geben.
    Ich hatte letztes Jahr selber welche in den "Wolkenkratzern", die allein aufgrund der Bienenmasse deutlich über den 2000/Tag gelegen haben müssen.
    Außerdem gibt es auch noch statistische Ausreißer, und für Durchschnittswerte werden obere und untere Spitzen gekappt.
    Außerdem arbeitet Liebig nicht mit Buckis.... :lol:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    Xare, sorry, aber ich kann Franz nur rechtgeben.
    Ich hatte letztes Jahr selber welche in den "Wolkenkratzern", die allein aufgrund der Bienenmasse deutlich über den 2000/Tag gelegen haben müssen.
    Außerdem gibt es auch noch statistische Ausreißer, und für Durchschnittswerte werden obere und untere Spitzen gekappt.
    Außerdem arbeitet Liebig nicht mit Buckis.... :lol:


    OK, dann lass mich mal überschlagen - 95000 Brutzellen sind ungefähr 30 Waben DNM voll Brut, denn ca. 3000 Zellen sind der normale Wert einer Brutwabe DNM, wenn man den Honigkranz, den Pollenkranz und die Ecken berücksichtigt. 30 Waben Brut ergeben 90 Waben vollbestzter Bienen, das sind über 8 Zargen DNM vollbesetzt mit Bienen.
    Ja ich finde eine gute Königin, kann ich da auch eine bestellen? :lol::lol::lol:

  • :D Denk dran, meine Brutzellen sind nur 4,9mm. Und 12W/Zargen.
    Und nein, so voll war es nicht bei allen, und nicht die ganze Saison.
    Aber meinst du nicht, daß die Bienen von heute kaum noch mit denen zu Armbrusters Zeiten zu vergleichen sind? leistungstechnisch?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,
    die Innenfläche von DN sind 730 cm². Auf einen Quadratcentimeter passen 4 Zellen. Also auf eine Wabenseite 3000 Zellen.
    Weil eine Wabe aber 2 Seiten hat, passen auf die DN-Wabe 6000 Brutzellen.
    Die 95000 Zellen bei Franzs Königin benötigen also 16 DN-Waben, also 2-zargiger Brutraum.
    Es ist schon beeindruckend:
    das kleine Tierchen legt täglich ihr 3-faches körpergewicht an Eier und das in 3 Wochen rund um die Uhr im 20 Sekundentakt!


    Viele Grüße
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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  • Sabine, Peter,
    95000 Brutzellen, THEORIE nichts als THEORIE - Zum einem 16 Waben Brut vollgestopft von einem Rähmcheneck zum anderen, soetwas gibt es nícht! Diese Brutmengen habe ich nicht mal in Dadant auf 2 Königinnenbetriebsweise geschafft! Dann die Leistung solche Brutmengen zu pflegen kann kein einzelnes Volk erbringen! Eine Dadantwabe würde theoretisch 8000 Brutzellen aufnehmen können, das wären 12 volle Dadantwaben. leider konnte ich meinen Buckis weder den Pollen - noch den Honigkranz, denn sie auf vielen Brutwaben belassen wegzüchten, aber ich bin dran! :lol::lol:


    Wenn ich nicht schon seit über 40 Jahren mit Bienen zu zun hätte, sondern erst seit 40 Tagen, dann könntet ihr mir das erzählen oder ich habe eine leistungsschwache Biene. :lol::lol:


    Bitte schickt mir ein Foto von solchen Völkern!

  • Grüß Gott,


    offensichtlich ist Sabine die einzige die meinen Einwand nachvollziehen kann bzw. ähnliche Beobachtungen gemacht hat.


    Holen wir etwas weiter aus, als ich vor 30 Jahren mit meinem Vater geimkert habe, hatten wir Kuntsch (quer) Trogbeuten die 14 Rähmchen fassen konnten. Damals genügten bei den meisten Völker im Sommer 9-10 Brutwaben, starke Völker hatten meist nicht mehr als 12. Für einzelne Ausreisser haben wir auch ab und zu die ganzen 14 Rähmchen gebraucht - dann haben sie oft so geschwärmt das das Volk den Winter kaum noch überlebt hat.


    Ich arbeite jetzt seit ein paar Jahren mit Dadant da ich gemerkt habe, das die Bienen von heute, nicht mehr zu meinen Beuten von damals gepasst haben. Daher bin ich sicher das Gerstung vollkommen richtig gemessen hat. Er hat evtl. aus seinen Messungen Durchschnittsangaben für seine Berichte rausgerechnet (das macht jeder Wissenschaftler so - mehr oder weniger). Ich habe von Spitzen gesprochen. Das heißt weder das die Töchte noch die Schwestern diese besagten Königin das gleiche geschafft haben, noch bedeutet es das diese Spitzenleistung die ganze Saison über so war.


    Ein anderes Beispiel: Ich habe von 11 Dadantwaben gesprochen, Peter hat daraus 95000 Zellen errechnet - Xare hat die 95000 Zellen genommen und daraus errechnet das dies 12 Datantwaben sind :wink: . Natürlich hat jeder "richtig" gerechnet... 8)


    Meine Frage geht eher in die Richtung: Soll man eine Beute bemessen, für die Durchschnittsbiene, einer durchscnittlichen Saison für den Mittel des Platzbedarfes des ganzen Jahres - oder soll man nicht eher für die "Spitzen" bemessen und ggf. den Platz einschränken?




    Gruß
    Franz

  • Hallo Franz,

    Zitat

    Meine Frage geht eher in die Richtung: ...

    dacor!
    Das Mittel für die Normalen ist sicher seit Gerstng nach oben gewandert!
    Soll man also seine Beuten für die "Besten" Köinginnen ausrichten oder für die "Meisten"?
    Gruß
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
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