Neueinstieg mit Schwarm oder Ableger?

  • Hallo!


    Ich beginne dieses Jahr mit der Imkerei und bin mir aber nicht sicher, wie ich anfangen soll.


    In der Imkerschule wurde uns geraten, mit mindestens drei Völkern in Form von Schwärmen zu beginnen, da wir damit keine Krankheiten (ausser der Varroa) und keine mit möglichen Rückständen belasteten Waben bekämen.


    Mein Imkerfachgeschäft riet mir, erst einmal mit einem einzelnen Volk in Form eines Ablegers zum "üben" zu beginnen, da damit dieses Jahr schon eine (hoffentlich) gute Honigernte zu erwarten sei und die Völker ja generell mit Gesundheitszeugnis verkauft würden.


    Nun bin ich unschlüssig, was ich tun sollte.


    Ich freue mich sehr auf Eure Tips ! :P


    Viele Grüsse aus der schönen Steiermark


    Steirerbiene

  • Moin Biene,


    das mit den drei Völkern ist schon nicht falsch! Das macht Sinn!


    Ein Volk brauchst Du zu totgucken, sprich für die Neugierde.
    Eines brauchst Du zum Vergleich und zum Honigernten und
    eines zum In-Ruhe-lassen und eventuell Deine andern Völker zu retten.


    Es macht Sinn, bei Ablegern wegen des Vergleiches, mehr als einen zu haben. Dazu ein Schwarm - das ist das Optimum!


    Schwärme, besonders natürliche, bauen schnell und schön (wenige Drohnenzellen) Aus Ablegern kannst Du vielleicht Honig ernten, wenn Du die Bienen rechtzeitig bekommst. Dann darfst Du die aber nicht mit Sirup füttern, was Du aber eigentlich mußt um erstmal jede Menge Waben zu kriegen.


    Der richtige Anfang mit den Bienen ist ohnehin erst das zweite Jahr. Da hat der Wabenmangel langsam ein Ende und Du bekommst den Aufschwung im Frühjahr mit. Dann bist Du auch das erste Mal einen Winter lang so gespannt, genervt, erwartungsfroh, aufgeregt und dem Wetter hilflos ausgeliefert wie wir alle hier. Dann fieberst Du mit und kämpfst gegen Dich selbst und ringst Dir jeden einzelnen Tag ab, denn Du nicht viel zu früh in Deine Bienen kuckst. Dann versuchst Du Dir einzureden, daß auch dieses Frühjahr wieder wie das letzte wird und alles auch ohne Dich seinen Lauf nimmt, doch auch Du wirst Dir dann nicht recht glauben. Du wirst die Bienenstöcke belauschen im Januar und im Februar auf einen ganz frühen Reinigungsflug hoffen. Bei jedem Sonnentag wirst Du Dich ägern, wenn Du nicht nachschaun kannst, ob und welche Deiner Bienen fliegen und sei es auch nur für 20 Minuten. Und Du wirst Dich freuen, wenn Deine Bienen die Umgebung vollsch... während die Nachbarn, ob Deiner Freude nur den Kopf schütteln und Du wirst Deiner Familie gegen Winterende aus Bienenbüchern vorlesen und leere Rähmchen mehrfach in leeren Beuten umsortieren und dabei mehrfach die Sortierung ändern und dann alles nochmal anders zusammenstellen. Du wirst im Januar aufsetzfertige Honigräume vorbereiten und Ablegerkisten und stundenlang überlegen, was Du denn jetzt noch so tun könntest, Hauptsache es hat was mit den Bienen zu tun. Deine Bienebücher wirst Du da schon mehrfach gelesen haben. Dann wirst Du einzelne Bienen im Schnee einsammeln und in der Hand auftauen und hoffen, daß die doch irgendwie in einen Stock zurückfinden. Oder Du wirst das halbtote Bienchen als Alibi nutzen vielleicht doch den Deckel einer Kiste zu lupfen, nur um das Bienchen dort unterzubringen. Kurz danach wird Dir das dann leid tun, weil Du genau weißt, daß die zum Sterben abgeflogen war. Aber Du hast auch Bißchen Hoffnung.


    Erst dann bist Du zum Imker geworden. Und erst dann leidest auch Du winters wie ein Stoiber und das Tag für Tag. :cry:


    Willst Du das wirklich anfangen? :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Henry,


    das war wieder mal Spitze!!!!


    Ein vortrefflicher Bericht über die winterlichen Entzugserscheinungen der Imker. Ich dachte immer diese *Bienen-Sucht* gibt´s nur bei uns Anfängern, aber wie`s aussieht gibt´s keine Heilung.... :wink:


    VG
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • helianthus schrieb:

    Ich dachte immer diese *Bienen-Sucht* gibt´s nur bei uns Anfängern, aber wie`s aussieht gibt´s keine Heilung.... :wink: 
    Regina


    Ist chronisch :wink: ! Gott sei dank : UNHEILBAR :wink:8)


    Ein " Leidensgenosse"

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Danke für die netten Antworten! :D


    Na dann werde ich mit drei Völkern in guter Mischung (wahrscheinlich 2 Ableger und 1 Schwarm) beginnen und hoffentlich nicht zuviel Schaden anrichten. :lol:


    Der Imkervirus hat mich vor gut 2 Jahren gepackt. Da wir jedoch schon den Umzug in die Steiermark geplant hatten, hab ich an meinem vorigen Wohnort (ich habe in der Nähe von München gewohnt) nur noch ein bisschen bei einem Imker "reingeschnuppert", jedoch leider nicht aktiv anfangen können.


    Ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis ich meine eigenen Völker bei mir stehen habe.


    Auf alle Fälle halte ich Euch über meine Erfolge (und auch die Misserfolge) auf dem laufenden.


    Viele Grüsse aus der schönen Steiermark


    Steirerbiene