undichte Zargen

  • Hallo,
    und gleichmal wieder ne Frage: wir überwintern unsere Völker zweizargig und haben damit im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht, und auch dieses Jahr sieht es bislang gut aus (keine Verluste). Allerdings gibt es ein Problem :roll: : mit der Zeit, oder bei bestimmten Temperaturen, verziehen sich die Zargen so, dass zwischen oberer und unterer ein Schlitz entsteht. Das war schon letztes Jahr so, und heute ist es mir wieder aufgefallen. Seltsamerweise kommt das sowohl bei recht alten Kästen vor, die wir gebraucht gekauft haben, als auch bei unseren neu gebauten. Teilweise kann man wirklich von einer Seite zur anderen durchschauen. Kennt ihr sowas? Ist das normal? Letztes Jahr haben wir die Zargen dann mit Klebeband umwickelt - sah nicht besonders schick aus und war ein rechtes gezutzel, bis das Zeug wieder ab war. Gibt es da bessere Ideen oder Möglichkeiten? Ich hatte auch versucht, Wachs in die Schlitze zu stopfen, aber das war bei der Kälte sehr hart, und somit war das auch nicht so der Hit...
    Also mal wieder die Frage: was tun???
    Grüßle
    Soni

  • Moin Soni,


    der schlimmste Feind ist Zugluft. Daher war Dein Abkleben sicher eine sehr sinnvolle Notmaßnahme und Du hättest es vielleicht diesen Herbst auch gleich machen sollen. Aber die Zarge, die sich derartig verziehen sind auch eine Notdurft. Selbst wenn Du die jetzt oder im Frühjahr, wenn sie also noch verquollen sind, bei einem Tischler (der noch keine Angst vor Propolissauerei hat) über die Abrichte ziehen darfst, die werden sich wahrscheinlich wieder biegen.


    Unsere Altforderen bestanden bei Bienenbeuten auf senkrechtem Faserverlauf im Leimholz und auf Stäbe, die immer gegeneinander gedreht waren, von der Maserung her. Dann werden die Beuten zwar auch gleichmäßig größer, aber eben nicht höher. Heute sind billige Zargen oft aus liegendem Holz und unverleimt aus einfachen breiten Brettern zusammengeschraubt. Sowas sieht nur im Prospekt noch schön aus. Zwei Jahre später sind das Gurken. Holz arbeitet eben.


    Deine Zargen wirklich zu retten kann ich mir nur schwer vorstellen.


    Deine Bienen werden wohl überlebt haben, weil sie in die dichte obere Zarge geflohen sind während unter ihnen der Winter durchpfiff und dann ist es wie einzargige Überwinterung über einem Wabenbock.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Soni,


    wie Henry schon schreibt, sind deine Zargen "billig" gebaut worden.
    Eine Möglichkeit bestünde, indem Du um deine Zargen unten umlaufend eine Leiste nageln würdest.
    Und zwar so, daß die Leiste beim Aufeinandersetzen dann die darunter stehende Zarge mit überdeckt.
    Dann hast Du sowas wie eine umglaufende Griffleiste, nur halt unten. :wink:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Henry,

    Henry schrieb:

    Unsere Altforderen bestanden bei Bienenbeuten auf senkrechtem Faserverlauf im Leimholz und auf Stäbe, die immer gegeneinander gedreht waren, von der Maserung her. Dann werden die Beuten zwar auch gleichmäßig größer, aber eben nicht höher. Heute sind billige Zargen oft aus liegendem Holz und unverleimt aus einfachen breiten Brettern zusammengeschraubt. Sowas sieht nur im Prospekt noch schön aus. Zwei Jahre später sind das Gurken. Holz arbeitet eben.


    Wo gibt es solche Beuten?
    Hinsichtlich der Holzkonstruktion ist das ganz richtig. Doch kenne ich noch keinen Hersteller, der mit stehendem Holz arbeitet. Da kenne ich wohl nur die billigen.
    Henry - wer baut so wie oben genannt?


    Grüße, Thomas


    P.S.: Meine "Billigbeuten" von Seber&Lang und IMO, alles liegendes Holz, haben Spalten zwischen den Zargen von maximal einem Millimeter, und das nach nun sechs Jahren.

  • Tut mir leid, Thomas,


    ich kann Dir da nicht helfen, denn ich kenne keine anderen Beutenhersteller mehr seit der Wende. Ich bin damals sehr schnell auf Holtermanns Segeberger Kunststoffbeuten umgestiegen und ich glaube nicht, daß es Firmen wie die "Bienenzuchtzentrale Osmannstädt" von Gerstung noch gibt. Aber auch die DDR-Beuten waren aus stehendem Leimholz aufgebaut.


    Befreundete Imker haben in Gera Zargen und ganze Beuten erworben und die waren auch aus liegendem Holz. Stehendes Holz erfordert eben auch andere Eckverbindungen, weil die Zargen sonst neben den Schrauben einfach senkrecht brechen. Das macht es dann eben auch wieder teuer. Und wenn schon teuer, dann solls auch leicht und lange haltbar sein und dann nimmt man gleich die leichte extrateure Edelkiefer. Und schon isses wieder teurer.


    Ich weiß schon warum ich bei den Kunststoffdingern bleibe, obwohl ich den Nachhaltigkeitsgedanken immer in meinem schlechten Gewissen habe.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Kollegen,


    auch "liegendes Holz", richtig verarbeitet, verzieht sich nicht.
    Es muss halt ordentlich handwerklich verarbeitet sein.
    Ich kenne Beuten, die stehen seit 10 Jahren ungeschützt im Freien und sind immer noch absolut plan.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    die Eigenschaften eines Brettes hängen sehr stark vom Einschnitt ab (Tangential- oder Radialschnitt). Mir ist noch gut in Erinnerung, wie ich meine Zargen zusammenklebte: in den ersten Tagen waren die Bretter noch gerade, dann wurden es "Bananen". Aber Du hast recht - gute Bretter verziehen sich kaum. Dann bilden sich auch kaum Spalten zwischen den Zargen.
    Wesentlicher ist m.E. das Schwinden und Quellen des Holzes. Nach http://www.holzwurm-page.de/ können das bis 15% sein. Selbst die realen wenigen Prozent können den Bienenabstand zunichte machen.
    Die Quellung quer zur Faser beträgt etwa das zehnfache der längs zur Faser. Damit ist stehendes Holz für die Maßhaltigkeit der Höhe der Zarge die bessere Alternative. Jedoch sind mir mit liegendem Holz bei Flachzargen keine Probleme bekannt, bei hohen Zargen kann das schon wieder anders aussehen.


    Grüße, Thomas

  • Habe meine Zargen aus 19 mm Nut- und Federbrettern verleimt und an den Vorder- und Rückseiten oben und unten mit gehobelten Dachlatten stabilisiert, die zwischen die Längsseiten geschraubt werden und an denen anschließend die Vorderseite und Rückseite von innen verschraubt werden
    Keine Probleme mit der Dichtheit.

  • Hallo alle


    Also ich kenne das Schwinden des Holzes im Zusammenhang mit meinen Beuten nur zu gut. Das Problem besteht darin, dass das Holz heutzutage nie abgelagert ist, bevor es in den Handel kommt. Dann schwindet es eben entsprechend. Bei mir waren es max. 2-3%. Zum Glück hatte ich da noch nicht soviele Zargen gebaut. Das einzige, was hilft, ist das Holz nochmal min. 1 Jahr einlagern. Nach meiner Erfahrung quillt einmal trockenes Holz auch bei hoher Feuchtigkeit nie wieder auf die ursprüngliche Breite an.
    Henry : Also Holzmagazine mit senkrechter Faserrichtung habe ich noch nie gesehen. Da wäre denn auch der Vorteil der preiswerten Herstellung futsch.
    thomas : Auf den Einschnitt ins Holz nimmt in den Sägemühlen wohl auch keiner mehr Rücksicht. Die Stämme werden durchs Gatter gejagt wie sie kommen. Will man möglichst viele Bretter mit radialem Einschnitt (Verstehe ich dich richtig, d.h. wenn viele Jahresringe angeschnitten sind) haben, muß man sich eben mehr Arbeit machen und hat auch mehr Abfall. Aber zum Glück gibt es eine einfache Regel, in welche Richtung sich potentielle Bananen biegen: Die Jahresringe wollen immer gerade werden. Bringt man die Bretter so an, dass sie sich mit Buckel nach außen wölben, kann man ganz gut damit leben.


    lg
    Stefan

  • Henry schrieb:

    Moin Soni,


    der schlimmste Feind ist Zugluft. .


    Hallo Henry


    Bei mir waren die Beuten auch verzogen. Wenn das im Sommer passiert richten sich die Bienen danach ein und das schadet ihnen nicht.
    In der Natur lebten die Völker ja in hohlen Bäumen wo es zugige Astlöcher gab.


    Gruß
    Arno

  • Hallo an Alle!
    Ich habe meine Zargen (Dadant) aus gut abgelagerter Weymouthskiefer gebaut. Aus ganzen Brettern, 29,4 cm hoch! da hat sich bisher nichts verzogen. Um trockenes Holz kommt man wohl nicht herum. Und Weymouthskiefer ist für Holzmagazine absolut erste Wahl, weil es sich viel weniger verzieht. Ich hatte allerdings glück, meine Bretter waren schon 6 Jahre im Trockenen.
    Grüße! Nikk

  • StefanK schrieb:

    Das Problem besteht darin, dass das Holz heutzutage nie abgelagert ist, bevor es in den Handel kommt. Dann schwindet es eben entsprechend. .... Das einzige, was hilft, ist das Holz nochmal min. 1 Jahr einlagern. Nach meiner Erfahrung quillt einmal trockenes Holz auch bei hoher Feuchtigkeit nie wieder auf die ursprüngliche Breite an.


    Noch besser ist, das Holz sich "abarbeiten" lassen, häufiges Qellen und Schwinden, etwa entsprechend den zukünftigen Bedingungen, läßt das Holz später weniger heftig reagieren.

    StefanK schrieb:

    Henry : Also Holzmagazine mit senkrechter Faserrichtung habe ich noch nie gesehen. Da wäre denn auch der Vorteil der preiswerten Herstellung futsch.


    Doch, die von Henry genannten "Osmannstädter" waren so gebaut. Ich hatte sogar eine bei mir.

    StefanK schrieb:


    thomas : Auf den Einschnitt ins Holz nimmt in den Sägemühlen wohl auch keiner mehr Rücksicht. Die Stämme werden durchs Gatter gejagt wie sie kommen. Will man möglichst viele Bretter mit radialem Einschnitt (Verstehe ich dich richtig, d.h. wenn viele Jahresringe angeschnitten sind) haben, muß man sich eben mehr Arbeit machen und hat auch mehr Abfall.


    Ja, beim "durchs Sägegatter jagen" (paralle Sägeblätter) enstehen zwei Bretter mit Radialschnitt, der Rest ist mehr oder weniger Tangentialschnitt.


    Grüße, Thomas