Wanderung erlauben !

  • Guten Tag,


    meine Bienen stehen in einem Wald bei einem Bauernhof.
    In etwa 600 mtr. entfernt ist ein 4 ha gr. Rapsfeld angelegt worden sowie ein 6 ha großes Feld in über 2000 mtr.
    Ein mir bisher unbekannter Imkerkollege hat angerfragt ob er mit 5 Völkern direkt in das über 2000 mtr. von meinem Stand entfernte Rapsfeld anwandern kann.


    Ich habe nichts dagegen, denn meine 10 Völker werden wohl nur das weniger entfernte Feld anfliegen. Zumal nach meinen Informationen 4 Völker für einen Morgen die optimale Bienenmasse sein soll.
    Gesundheitzeugnis ist selbstverständlich.


    Wie würdet Ihr die Anfrage abwickeln ?


    Vielen Dank für die Anworten im Voraus.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Dr Harper,


    ich würde dem Kollegen das Anwandern erlauben.
    Denn:
    1. Die Rapsfelder geben, wenn sie denn blühen, Honig für alle.
    2. Der Imkerkollege hat sich absolut nett und korrekt verhalten!
    (Ich erlebe jedes Jahr in der Akazie, daß Völker "über Nacht"
    einfach angekarrt werden und teilweise direkt in der Flugbahn
    anderer Völker abgeladen werden.)
    3. Man kann sich gegenseitig behilflich sein, wenn mal was wäre.
    4. Man hat immer ein nettes Gespräch, wenn man sich am
    Wanderstand zufällig trifft. :wink: 
    5. Man kann vielleicht noch was lernen voneinander. ("Diebstahl
    mit den Augen ist erlaubt", sagte mein Vater immer :wink: )


    Der Wanderkollege soll sich sein Gesundheitszeugnis besorgen, sich vor der Wanderung beim Wanderwart des Gastvereins anmelden, evtl. dem Veterinär seinen Schein faxen, und dann soll er kommen.
    Wenn er dann noch eine Kopie vom Gesundheitszeugnis und sein Adressschild an die Beuten hängt, kann es los gehen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • *unterschreib*


    Und insgesamt 15 Völker auf 10 Hektar ist ja nun wirklich keine Überfüllung.... :wink: 
    Da würden auch 40-60 satt werden, die Regel lautet 4-6 pro ha.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Gesundheitsnachweis, keine Frage, aber selbst als "Nichtwanderer" frage ich mich, wer hat da wem was zu gehmigen, außer der Grundstückseigentümer dem "Wanderer" die Aufstellung seiner Völker?
    Oder ist das falsch?


    Gruß!


    Manne

  • Hallo Manne!
    Niemand!
    Und daher finde ich es umso besser, wenn sich jener Herr mit unserem Imkerfreund im Vorfeld kurz schließt.
    Oder nicht?
    Und dem ortsansässigen Imkerverein sollte er Bescheid geben, damit die wissen, was in ihren Gefilden so vor sich geht.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,


    in Württemberg (und auch Baden (Schwarzwald)) gibt es Wanderwarte und eine Wanderordnung des Landesverbandes.
    Wandert man, so ist dies, entsprechend der Wanderordnung des Landesverbandes, bei zuständigen Wanderwart zu melden.
    http://www.imker-ulm.de/Sachverst%E4ndige.htm


    gruß
    imkersamson

    41 Jahre alt, 1/1 Langstroth kompatibel mit offenem Gitterboden,Oxal- und Ameisensäurebehandlung

  • Moin Manne,


    Manne schrieb:


    ist eine Wanderordnung ein Gesetz?


    Einfache Antwort: Nein


    Und ganz ehrlich, in Städten mit hunderten Imkern, DIB, Ortsverein und Anwanderer, sind den Veterinären die Gesundheitszeugnisse und Meldungen nur lästig. Zur Linde nach Leipzig kommen zig Imker, auch wenn man deren Wagen, die wegen Vandalismusgefahr gut getarnt sind, nicht sieht. Die Wanderwarte hier machen sich furchtbar wichtig und viel Mühe und Papierkrieg, doch es bleibt eine Wanderordnung des DIB und auch ein DIB Imker muß diese nichtmal in Ansatz einhalten. Im Zweifel schmeißt ihn der DIB vielleicht raus? :roll:


    Wenn der Grundeigentümer oder Pächter die Bienenaufstellung erlaubt oder nur stillschweigend duldet hat niemand anders was zu meckern. Nachbarschaftsstreit, Belästigung usw. bleiben ein Zivilrisiko des Imkers. Auch die Übertragung von Krankheiten. Lediglich die Faulbrut-Sperrgebiete sind tatsächlich amtlich geregelt.


    Das Gesundheitsthema ist sogar widersinnig, weil die Gesundheitszeugnisse ja nur dem Anschein nach ausgestellt werden. Ein Bienenstand mit Gesundheitszeugnis ist nicht nur kein garantiert gesunder Bienenstand, er muß im konkreten Verdachtsfalle dennoch untersucht werden. Der Imker mit Gesundheitszeugnis arbeitet jedoch wegen der Bescheinigung so, als wären seine Bienen nun steril und unanfällig. Und ein Anfänger, der mal eben 4 Völker auf den Anhänger laden und zur Oma in den Apfelgarten stellen will, wird sinnlos behindert, weil er kein Gesundheitszeugnis, das den Namen verdient, ausgestellt bekommt.


    Das gilt auch für die Zucht. Das Gesundheitszeugnis bei einer Bienenkönigin nebst Begleitbienen ist tatsächlich nur ein teures Stück Papier. Daß gerade diese Königin nosema- und tracheenmilbenfrei ist, ist nämlich nur an der toten Königin nachzuweisen. Und es hilft mir als Erwerber herzlich wenig. Den Amtsveterinär übrigens interessiert es überhaupt nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry


    ´finde ich wirklich interessant, was du da schreibst. Aber sag bitte nochmal ganz deutlich: Wenn ich mit Bienen wandere oder überhaupt irgendwo imkere, ohne dem Veterinäramt was zu pfeifen: Mach ich mich strafbar oder nicht ? (Auch abgesehen davon, dass die Veterinäre von sich aus schon gerne lässig damit umgehen.) Soweit ich weiß, gibt es eine Meldepflicht. Und woher sollten denn die Veterinäre auch wissen, wo die zu untersuchenden Bienenstände sind, falls ein Faulbrutsperrbezirk ausgerufen werden muss ?


    gruß
    Stefan

  • Hallo,


    es gibt einen Unterschied zwischen einem Gesundheitszeugnis und einer Bescheinigung der Seuchenfreiheit.


    Das Gesundheitszeugnis ist meist durchaus teuer und bescheinigt dem Imker, dass seine Bienenvölker frei von jeglichen Krankheiten sind. Es ist für Bienenwanderungen nicht vorgeschrieben!


    Vorgeschrieben bei Wanderungen ist eine Bescheinigung der Seuchenfreiheit. Hierbei geht es vor allem um Amerikanische Faulbrut. Die Seuchenfreiheitsbescheinigung kostet in der Regel deutlich weniger und ist meist 9 Monate gültig. Ob der einzelne Amtstierarzt für die Ausstellung der Seuchenfreiheitsbescheinigung die Völker bei einem Ortstermin in Augenschein nimmt oder nicht, Futterkranzproben zieht oder nicht etc., ist unterschiedlich und bleibt im selber überlassen. Nach Aufstellung der Bienenvölker in einem anderen Landkreis als bisher, faxt man das Seuchenfreiheitszeugnis an den zuständigen Veterinär. Es ist natürlich sinnvoll, durch ein Telefonat im Vorfeld zu klären, ob in dem Kreis in den man einwandern möchte, z.B. ein Faulbrutsperrbezirk existiert.


    Grüße aus Berlin

  • Moin Botanikus,


    Botanikus schrieb:

    Vorgeschrieben bei Wanderungen ist eine Bescheinigung der Seuchenfreiheit.


    Wer schreibt da was vor? Und was wäre die Sanktion für's nicht Einhalten?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    unter dem Link http://www.mlur.brandenburg.de…ail.php/5lbm1.c.169923.de habe ich das Merkblatt zur Wanderung mit Bienenvölkern im Land Brandenburg verlinkt.


    Der Passus, dass über Kreisgrenzen wandernde Bienenvölker eine Seuchenfreiheitsbescheinigung brauchen, steht auch in der Bienenseuchen-Verordnung (Link: http://www.bayerische-imker.de…enenseuchenverordnung.htm), die wohl bundesweit gilt.


    Wenn die Bienenseuchen-Verordnung bei der Wanderung mißachtet wird, kann dies als Ordnungswidrigkeit geahndet werden!


    Grüße aus Berlin

  • Guten Tag,


    vielen Dank für die verschiedensten Ausführungen. Natürlich werde ich dem Kollegen die Anwanderung nicht verwehren, auch wenn ich eigentlich nichts zu genehmigen habe. Aber sein Verhalten ist doch tadellos.


    Ich möchte das Thema mit folgender Frage noch erweitern.


    Was passiert eigentlich wenn man in das Gebiet eine Landbelegstelle wandert. Gibt es dort gesetzliche Regelungen ?


    Nochmals vielen Dank für die Antworten.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Hallo Botanikus,
    Irrtum!
    Die genannten Gesetze oder Verordnungen sind von den Ländern erlassen und gelten nur dort.
    Henry hat schon recht.
    Unabhängige Imker brauchen sich um die Vereinssatzungen der
    Landesverbände oder des DIB nicht zu kümmern.
    Aber Regeln des Anstandes, so wie von Dr. Harper beschrieben, sollte man doch einhalten.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.