Selektion bei Schwarmvermehrung?

  • Dies ist eigentlich eine Folgefrage auf ein älteres Thema: "Schwarmverhinderung in der Demeter-Imkerei" http://imkerforum.de/viewtopic.php?t=2726 
    Aber ich dachte, ich eröffne lieber ein neues, um vielfältigere Antworten zu bekommen.
    Dsehalb:


    Lieber Michael Weiler,


    Liebe Forumsimker/innen,


    wie verfährt man bei einer Schwarmbetriebsweise mit der Selektion der Bienen?
    In der aktuellen Ausgabe des Bienen-Journals, ist ein interessanter Artikel von Dr. G. Liebig: "Zuchtprogramm für Jedermann". Haben sie den zufällig gelesen? Ich finde ihn sehr bemerkenswert, da er dem "einfachen" Imker ein brauchbares Werkzeug zur Zuchtauslese an die Hand zu geben scheint.
    Ich habe aber das Problem, das ich gerne über Schwarmzellen und eventuell über Schwarmvorwegnahme vermehren möchte. Ich fürchte mich dabei aber vor einem Ausufern des Schwarmtriebes, wenn ich von Schwarmfreudigen Völkern vermehre.
    In den Aufbaujahren meiner, noch kleinen, Imkerei, ist das vielleicht gar nicht so verkehrt, aber wenn ich eine gewisse Volksstärke erreicht habe, brauche ich nur noch die Erhaltung des Bestandes. Außerdem arbeite ich in der Landwirtschaft und kann keinen Schwärmen nachlaufen, oder jedenfalls nur manchmal. Und ich möchte viel Honig ernten. Eine Schwarmträge Biene scheint mir deshalb trotz allem erstrebenswert. Kann man das mit einer Schwarmvermehrung erreichen?
    Eine andere Möglichkeit wäre eine Variante, die ich kürzlich von einem Finnischen Imker erfuhr. Der sperrt die schwarmfreudige Königin in der Brutzarge ein und schafft ein neues Flugloch überm Absperrgitter. Klingt nicht sehr Artgerecht, aber verlockend, vor allem für Wandervölker, die fern der Heimat stehen. Man könnte sich dort die neuntägige Schwarmkontrolle sparen. Mit einer Vermehrung über den Schwarmtrieb bei den Standvölkern, wäre das vielleicht ein gangbarer Kompromiss?
    Im Moment bin ich nur am Theoretisieren, aber ich weiß aus meinen Erfahrungen, bei einem Berufsimkerkollegen, das die Schwarmkontrollen auf den Wanderständen, einen Löwenanteil der Sommerarbeit ausmachen und wie aufreibend solche Tage sind.
    Wie ihr vielleicht merkt, habe ich einige konventionelle Erfahrung, aber kaum welche mit Schwarmimkerei.
    Also, noch mal zurück zum Anfang. Selektion bei Schwarmimkerei, oder Schwarmvorwegnahme. Geht auch nur Schröpfen von Waben mit Schwarmzellen, bei gleichzeitiger -verhinderung?
    Die Auslese nach dem Ausschlussprinzip, nach Liebig(s.o.) müsste ja trotzdem anzuwenden sein!?
    Michael hat mir ja auch schon zwei umfangreiche Antworten geschrieben, vielen Dank dafür noch mal! Aber ich bin sehr neugierig und wälze schon seit ich mich mit Bienen beschäftige solche fragen, da mich die konventionelle Betriebsweise, auch in Bio-Imkereien nicht so recht befriedigt.
    Vor allem da mir einleuchtet, wie wenig artgerecht die Bienen heute gehalten werden und das mit der Nutzung des Schwarmtriebes und der Königinnenvermehrung über Schwarmzellen, die Vitalität der Völker wieder enorm gesteigert werden könnte. Aber ich möchte eigentlich auch die Imkerei, auf die Dauer, zu meinem Beruf machen und davon leben. Irgendwie scheint das nicht so recht zusammenpassen zu wollen.
    Jedenfalls würde ich mich freuen, eine Antwort von dir zu bekommen und vielleicht noch die eine oder andere dazu, deshalb diesmal übers Forum!
    Liebe Grüße! Nikolaus

  • Lieber Nikolaus,


    ich bin im Moment derart in Druck, daß ich keine detaillierte Antwort geben kann.


    Eines nur kurz - die Angst, wenn man mittels Schwärmen vermehrt nur noch Schwarmteufel zu bekommen, ist unserer Erfahrung (Demeter-Imkerei) nach unberechtigt und ein wohl tradiertes Gerücht.
    Der Naturwabenbau mindestens im Brutraum scheint uns dabei aber auch eine Rolle zu spielen.


    Vorausgesetzt allerdings ist wirklich eine Selektion.
    Denn von welchen Völkern ich vermehre, ist meine Sache.


    Ich empfehle dazu die Schriften von Wolfgang Golz, der ja vielleicht nicht so weit von Euch weg ist (Hambergen).


    Soweit erstmal


    Viele Grüße


    Michael

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo Zusamme,
    wie soll man denn bei Vewenden von Schwarmzellen für neue Völker
    heutzutagenoch zu Schwarmteufeln kommen?
    Ist doch unmöglich, da hierzulande seit Jahrzehnten nur noch schwarmträge Bienenstämme gehalten und Schwarmträgheit ein wichtiges Zuchtziel ist.
    Woher soll denn diese kommen? Heterosiseffekt?
    Die angebliche Schwarmfreudigkeit bei Verwendung ist eine Erfindung der Rein- und Vermehrungszüchter, die vielleicht vor Jahrzehnten noch stimmte.
    Mittlerweile dient dies nur noch als Verkaufsargument, um Königinnen zu verkaufen, die angeblich besser sind als nur standbegattete.
    Und das in einer Umgebung, in der die eingeführte Biene in ihren Aussenmerkmalen "reiner" ist als im Ursprungsgebiet.
    Also, wie soll das Merkmal "Schwarmträgheit" bei eigenständiger Weiterzucht ins Gegenteil umschlagen?
    1. wenn im Umfeld andere Bienen gehalten werden, die schwarmfreudig sind , was aber nicht derFall ist.
    2. wenn die gezüchteten Bienen gar nicht so schwarmträge sind, wie immer behauptet wird.
    Natürlich gibt es Situationen, bei denen auch die schwarmträgsten Völker in Schwarmstimmung kommen, etwa Läppertracht, Unterbrechung der Tracht durch Schlechtwetter.
    Warum denn nicht seine guten Völker , wenn sie Schwarmzellen haben,
    in Begattungsableger aufteilen?
    Was macht denn der Reinzüchter, wenn seine Spitzenvölker mal in Schwarmstimmung kommen?
    OK, er wird aus anderen Völkern Begattungsableger machen oder
    vorhandene BA damit versehen.
    Aber sowas hat ein Anfänger nicht.
    Was schrieben unsere "Altmeister" dazu?
    Storch empfahl oben genannte Methode.
    Sklenar sprach über Schwarmzellen der Spitzenvölker als vom "Gold" des Bienenzüchters.
    Ruhig so mit dem Aufbau der Imkerei beginnen.
    Ein Ziel der Zucht verfolgt man damit ja schon: Vermehrung der Besten.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Danke Michael Weiler!
    würde mich trotzdem freuen wenn du zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas genauer erklärst! Von Golz hab ich schon ein Heft und auch schon ein paar Anregungen. Vielleicht hast du einen Tip welche besonders interessant sind?!


    Danke auch Lothar!
    Etwas anderes wird mir wohl sowieso kaum übrig bleiben. Ich habe allerdings auch schon mit sehr schwarmlustigen Bienen gearbeitet, was mich in der Richtung etwas verschreckt hat. Und dann hab ich auch das Problem, das ich noch nicht weiß, welche Völker die Besten sind. Ich werde wohl einfach draulos arbeiten und dann gut beobachten müssen.


    Liebe Grüße an Alle! Nikolaus

  • Hallo Lothar


    Manchmal weiß ich bei dir einfach nicht, ob du etwas ernst oder ironisch meinst. Um es vorwegzunehmen: Ich glaube auch, dass man schwarmträge Bienen mittels Schwarmweiselzucht selektieren kann. Man muß eben nur die richtigen nehmen. Nur dass es heutzutage dank intensiver Zucht überall nur noch schwarmträge Bienen gibt, stimmt wirklich nicht. Wir haben im Reiche der Hinterbehandler (Erzgebirge) sogar ausgesprochen schwarmfreudige Bienen. Die schwärmen nämlich nicht bei Trachtlosigkeit (wäre ja auch Blödsinn) sondern bei Volltracht. Bei Trachtlosigkeit machen sie Weiselzellen, die schon gepflegt werden, auch wieder weg und beenden vorest das Schwarmabenteuer. Also das glatte Gegenteil von dem, was immer in den Büchern steht, aber ökologisch sinnvoll. Ich wundere mich immer über meine älteren Kollegen aus der Gegend, die nicht müde werden, von der schwarmträgen Carnica zu predigen und gleich danach erzählen, dass der eingefangene Vorschwarm nach paar Wochen schon wieder fort ist. :roll: Letztes Jahr habe ich aber nicht eher Ruhe gegeben als bis ich in jedem Volk eine Königin aus der Nachzucht eines wirklich sehr guten Volkes in Jena drin hatte. Dort stelle ich seit Jahren eine ständige Verbesserung in jeder Hinsicht fest. Auch verfärben sich meine Bienen langsam...


    lg Stefan

  • Hallo Stefan,
    Hallo Zusammen,
    natürlich war dabei auch viel Ironie im Beitrag.
    Das fordert doch direkt heraus, ironisch zu sein.
    Seit Jahrzehnten wird erzählt, die "neue" Biene,
    die man mit so viel Mühe einheimisch gemacht hat,
    ist ja so schwamträge.
    Und wie sieht es wirklich aus?
    Wir reden und schreiben uns die Köpfe heiß, welches denn nun die beste und sicherste Schwarmvorbeuge und -verhinderung ist.
    Jedes Jahr auf neueste müssen wir Schwärme fangen.
    Normalerweise dürfte das kein Thema mehr sein.
    Von umweltbedingten Ausnahmen mal abgesehen.
    Aber wir wollen den "Glaubenskrieg" nicht wieder auslösen.
    Viele Grüße
    Lothar

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