Eingeschneit

  • Hallo,


    in den nächsten Tagen soll es viel schneien.
    Meine Frage nun: wie lange können die Magazine eingeschneit
    bleiben ohne dass die Bienen an Luftmangel leiden?
    Die Gitterböden sind jetzt offen.


    Gruß


    Jens

  • Moin Jens,


    mach Dir keine Sorgen. Das von mir praktizierte Freikehren der Beuten, dient nicht der Belüftung, sondern läßt sterbenden oder durchfälligen Bienen einen Weg zum Abfliegen. Bei offenen Böden und ruhigen Bienen bleibt denen aber auch durch dicken Schnee genug Luft. Selbst lange Zeit und meterdick eingeschneite Beuten sind kein Problem.


    Man kann durch Schnee recht gut atmen. Als Mensch zumindest einatmen. Beim Ausatmen schmilzt der Schnee (um ein Lawinenopfer) allerdings und wird zu Eis, was dann natürlich das Einatmen (final) behindert. Unsere Bienen atmen aber nicht warm aus und wenn die fest und ruhig in der Traube sitzen schon gleich garnicht.


    Früher bei geschlossenen Boden und (noch dazu engem) vereistem Flugloch kam es schonmal zu Ersticken. Die Bienen fallen dann allmählich in CO2-Narkose und man findet im Frühjahr eine völlig trockene unverschimmelte Beute mit toten trockenen Bienen, die noch in der Traube sitzen vor. Die Bienen sind dann nicht in Zellen gekrochen und der Futterzustand ist gut. Sowas habe ich seit auch im Winter immer breiten Fluglöchern und offenen Böden nicht mehr gesehen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Die Bienen fallen dann allmählich in CO2-Narkose und man findet im Frühjahr eine völlig trockene unverschimmelte Beute mit toten trockenen Bienen, die noch in der Traube sitzen vor. Die Bienen sind dann nicht in Zellen gekrochen ...


    Hallo Henry,


    daß die narkotisierten Bienen nicht in den Zellen stecken, verwundert mich etwas. Meines Wissens überwintern Bienen vorzugsweise in den leeren Zellen und in den Gassen unter dem Futter. Krabbeln die halbnarkotisierten raus?


    Grüße, Thomas

  • Moin Thomas,


    bei den verhungerten Völkern sterben die Bienen als letztes, die gerade vom Zellengrund noch etwas Futter kriegen oder dort Eier auffressen. Die in den Wabengassen suchen solange sie das können nach Futter und kriechen in weiter entfernte Zellen oder fallen auf dem Weg dorthin in den Beutenboden. Wenn man die Waben zieht, sind die Gassen oft völlig leer, die Zellen aber dicht an dicht bebient.


    Bei den narkotisierten Bienen durch Luftmangel sitzen die oft auf Futter, können also nicht in die Zellen kriechen. In Zellen mit offenem Futter krichen die Bienen nicht soweit rein, daß sie drin stecken bleiben. Auch hat die Bienentraube keinen Grund auseinander zu laufen. Die Wabengassen bleiben bienenbesetzt. Die Brut ist vorhanden und wurde (nicht gefressen, sondern) bis zu letzt gepflegt und gewärmt. Sicher werden wohl auch paar Bienen in leere Zellen im Innern kriechen und dort sterben, aber das ist nicht typisch für dieses glücklicherweise seltene Phänomen. In Zellen mit Eiern halten sich die Bienen ohnehin nicht auf.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Vielleicht hilft der Aspekt weiter:
    Auch wenn die Biene kopfüber in der Zelle steckt, sie atmet sie nicht durch den Kopf die verbrauchte Luft aus und wieder ein. Nicht zu vergleichen mit einem etwas dickleibigeren Menschen, der in einer Regentonne feststeckt. Die Tracheen sitzen am Hinterleib und diese haben immer etwas Kontakt zur Luft in der Wabengasse.
    Gruß
    Simon