Wabentausch im November?

  • Hallo allerseits,
    ich möchte hier mal kurz etwas zum besten geben, was mir am Montag passiert ist.
    Eines vorweg: Franz Xaver , falls Du gerade stehst, setzt Du Dich besser hin und hälst Dich an der Tischkante fest. Sonst haut es Dich um.
    ( Nach deinen Anmerkungen auf die Frage bezüglich Behandlung der Varroa in der letzten Woche, wissen ja alle wie empfindlich Du auf die Störung der Völker in der jetzigen Jahreszeit reagierst.)


    Das Wetter hier :Temperatur Montag 20 Grad. Bis auf wenige Tage den ganzen Monat Oktober reger Bienenflug mit viel Pollen aus dem Senf und auch noch vom Springkraut.


    Sehe ich am Montag meinen Imker Nachbarn in seinem Bienenhaus,
    ( 9 Völker, Hinterbehandlungsbeuten, alle Völker im Brutraum auf 11 bis 13 Waben DN) wie er die Völker bearbeitet. Natürlich hin und schauen.


    Zur Begrüßung sofort große Aufregung: Ein Imkerfreund ( schätze 15 Völker, Königinnenzüchter, Magazine, DN, alle Völker zum Überwintern auf eine Zarge eingeengt) hat ihn angerufen : "Du mußt sofort an die Völker und denen eine leere, bebrütete Wabe, mit etwas Wasser besprüht, mittenrein !!! hängen. Durch die Tracht haben die Völker alles voll getragen. Die Völker brauchen jedoch eine leere Wabe um darauf zu überwintern. Dafür eine volle Futterwabe entnehmen."
    Ich habe mir dann einige seiner Völker mit angesehen. Diese hatten auf etwa 2-3 Waben Handteller große Flächen Brut, eigentlich alles verdeckelt, nur ein Volk hatte noch Stifte. Ansonsten alle Zellen mit Winterfutter, Pollen und Nektar belegt. Freie Zellen waren fast nicht zu finden.


    Auf meinen Einwand hin, das es doch etwas radikal sei, jetzt noch eine leere Wabe mitten in den Brutraum zwischen die Brut zu hängen, insbesondere da für den Rest der Woche eine deutliche Wetter Verschlechterung angesagt ist, wurde die Wabe dann neben das Brutnest gehängt.
    Aber das fand ich auch nicht so toll. Ich stelle mir vor, das so eine leere Wabe doch wie eine Wand wirken kann, die verhindert, das die Wintertraube dem Futter folgt.
    Darauf wurde die Leerwabe auch mal an die Seite gehangen. Dann wurde noch entschieden, nur die ganz starken Völker zu bearbeiten. (kann man/frau ja bei den Hinterbehandlungsbeuten durch die Glasschscheibe ja schön sehen.)
    Bei den Völkern sind also alle Varianten durchgespielt und, da der Kolllege sehr gewissenhaft ist, auch dokumentiert.( Hoffentlich verabschieden sich jetzt bis zum Frühjahr nicht gerade die Völker, zu denen ich meinen Senf dazugegeben habe.)
    Auf sein Drängen, auch bei meinen Völkern (14) tätig zu werden, habe ich darauf hin gewiesen, das diese alle auf zwei Segeberger Zargen DN sitzen und eigentlich genug Platz für alle Eventualitäten haben müßten.
    Im übrigen habe ich eh keine einzige Wabe auf Lager.
    Meine Völker habe ich auch seit August nicht mehr durchgesehen. Alle Völker fliegen gut, und tragen reichlich Pollen ein.( Wobei das Pollenangebot an einem Stand bis vor 3 Wochen nicht gerade berauschend war.) Anfang Oktober habe ich die Gewichte der Beuten kontrolliert.
    Sie sind mit AS behandelt, die Varroa Situation wird regelmäßig kontrolliert und scheint O.K. zu sein. Eine Winterbehandlung ist fest eingeplant. Eigentlich habe ich ein ruhiges Gewissen.
    Oder liege ich da falsch?


    Was mich jetzt eigentlich auch interessiert:


    1. War die Handlungsweise bei Überwinterung auf einem Brutraum DN richtig oder hätten die Kollegen besser nichts gemacht ?


    2. Ist das nicht ein Beleg dafür, die Völker auf DN, wenn es eben geht, mit zwei Zargen einzuwintern?
    Bei uns wird von den Landwirten viel Senf angebaut, von daher ist immer damit zu rechnen, das es da noch was zu holen gibt.



    Viele Grüße Hubert

  • Hallo, Hubert,


    ich würde auch JETZT unter gar keinen Umständen mehr aufmachen und drinrumpfuschen.


    Ich kann nur von mir reden, logischerweise, und ich überwintere grundsätzlich auf 2 Zargen, richtig fette Völker dieses Jahr auch auf 3.
    Der Grund liegt darin, daß bei der letzten Durchsicht Anfang September die unterste Zarge bei denen randvoll mit Pollen war, die oberste voll Futter und die Bienen samt Brutnest dazwischen, mit wenig Pollen dort.
    Bin ich Biene, daß ich weiß, was wann wo gebraucht wird?
    Wenn ich da jetzt angefangen hätte, umzuhängen, um mit 2 Zargen auszukommen, wie sollte ich da vorgehen?
    Lieber hole ich Überschüsse im Frühjahr raus, als eventuell jetzt einen Mangel zu provozieren, der sich bei Brutbeginn fatal auswirkt.


    Mit unseren "modernen" Bienen auf einer Zarge zu überwintern, halte ich gelinde gesagt, für Schwachsinn. Die Völker sind stärker als vor 30 oder 40 Jahren, und was hab ich davon, mir und den Bienen diesen extremen Streß anzutun?
    Futter sparen? Lächerlich.
    Wenn sie wirklich stark sind, reicht das Futter in 1 Zarge eh nur auf Haaresbreite, und andererseits haben sie dann im Vorfrühling verdammt zuwenig Platz zum Brüten.


    Dann lieber auf zwei Zargen, vernünftig und reichlich einfüttern, und im Frühjahr untere Zarge weg und frische MW/Waben drauf.
    Die Bienen arrangieren sich ihren Wintersitz schon selbst, wie sie das brauchen und wollen, da muß ich nicht rumfummeln.


    Wenn ich anständig gefüttert und meine Anti-Varroa-Maßnahmen getroffen hab, die Pollenversorgung gesichert und Mäusegitter drin hab, kann ich eh nix mehr machen.


    Zu 1: nein, egal, was passiert, wenn es nicht grad Zementhonig ist: JETZT wird nicht mehr in den Kisten gefummelt.


    Zu 2: siehe oben. Ich hab auch an drei Standorten noch einen Rieseneintrag von Phaceliapollen, Nektar womöglich auch, aber ich werd den Teufel tun und reingucken.
    Außer Varroa-Behandlung beschränkt sich mein imkerliches Handeln jetzt auf "von außen gucken". Und das bis März. *hugh*


    Du kannst ein völlig ruhiges Gewissen haben, laß dir da von den Kollegen nix einreden!
    Deine Bedenken bezüglich der Leerwabe waren komplett richtig.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hubert schrieb:


    Eines vorweg: Franz Xaver , falls Du gerade stehst, setzt Du Dich besser hin und hälst Dich an der Tischkante fest. Sonst haut es Dich um.
    ( Nach deinen Anmerkungen auf die Frage bezüglich Behandlung der Varroa in der letzten Woche, wissen ja alle wie empfindlich Du auf die Störung der Völker in der jetzigen Jahreszeit reagierst.)


    Hallo Hubert,
    es haut mich nicht um, denn in der letzten Woche bis zum Freitag war das Wetter auch bei uns so schön.
     
    Meine letzte Durchsicht bei Völkern, die nicht umgeweiselt wurden, war vor Beginn des Aufsetzens der Apiinferteimer und das war A - M. August.
    Völker, die ich im September umgeweiselt habe, mussten sich leider noch eine Durchsicht zum Herausholen der alten Königin gefallen lassen. Die Kontrolle auf Annahme der neuen Weisel erfolgte ca. 14 Tage später und das auch nur bis zur ersten bestifteten Wabe.
     
    Sabine hat eigentlich schon alles gesagt, aber noch ein paar Bemerkungen:
     
    Warum soll ich den Bienen jedesmal, die für sie, während der Winterzeit sehr wichtigen Wachsbrücken bzw. ihre "Durchbeißlöcher" am Wabenunteren zerstören bzw. verschieben?
     
    Warum sollen die Winterbienen jetzt den oftmaligen Stress des Auseinanderreißens der Beute ausgesetzt werden? Die sollen doch mindestens bis zur "Durchlenzung im März/ April" gesund sein.
     
    Gefällt es den Bienen jetzt, den von ihnen angeordneten Wintersitz umgeordnet zu bekommen (Waben verdreht einzuhängen oder sogar an einem anderen Platz?
     
    Warum zerstöre ich jedesmal die Überbrückung des lebenswichtigen Beespaces für den Winter von Raum 1 zu 2 oder zu 3 ?
     
    Warum sollte ich einen Königinnenverlust beim Ziehen, der ja immer wieder mal passiert, riskieren. Das wäre eine meiner größten Sorgen.
     
    Warum soll ich die von den Bienen mit Kittharz ausgefüllten Waben - oder Beutenteile oder sogar eine undichte Stelle zwischen den Zargen immer wieder aufs neue zerstören.
     
    Jede Winterbiene ist wichtig. Ist es gut für das Volk, wenn ich jedesmal min. eine Handvoll Bienen beim Einschieben der Waben (man kennt ja das, wenn ausgerechnet eine dicke Wabe vollbesetzt mit Bienen gezogen wird oder diese beim Aufsetzen der 2. Zarge zerquetsche.?
     
    Warum, um wegen welcher Vorteile soll (muss) ich so späte Volksdurchsichten in Kauf nehmen?
     
    Ein Volk wird nur durchgesehen, um deren Lebensgrundlage nachhaltig zu verbessern (kann man Schleudern auch dazuzählen). Muß aber auch eingestehen, dass ich als "Neuimker" dieses auch anders gehändelt habe und mir die Informationen, die ich jetzt von oben, von hinten oder am Flugloch erkennen kann, auch beim "durchwühlen" erhielt. Diese "Vor dem Winter Guck" Manie hatte ich aber noch nie!
     
    Aber so wie jeder seine Frau, seine Kinder oder seine Haustiere anders behandelt, wird es auch bei der Bienenhaltung sein. Nur, dass sich eine Ehefrau bei schlechter Behandlung eben scheiden lassen kann und die Bienen eben dann ungewollt von dannen scheiden können!
     
    Falls mir jemand Vorteile, die meine genannten Nachteile aufwiegen können, nennen kann, bin ich gerne für ein Umdenken bereit.

  • Moin Franz-Xaver,


    das ewige Duchkucken auch noch spät im Jahr hat schon Vorteile. Zumindest für mich. Ich verkaufe dann im Frühjahr neue Völker. :cry:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Moin Franz-Xaver,


    das ewige Durchkucken auch noch spät im Jahr hat schon Vorteile. Zumindest für mich. Ich verkaufe dann im Frühjahr neue Völker. :cry:



    Genau, so gesehen schon ein gutes Argument!


    Ich kann mich noch gut an unseren Vereinsvorsitzenden erinnern, der zu mir als Anfänger sagte , dass ich viel zu wenige Völker habe. Es dauerte einige Jahre bis ich durch "Selbsterfahrung" merkte, was er damit meinte.


    Verbessert mich, wenn ich was falsch sage, aber ich meine gelesen zu haben, dass der Honigeintrag an einem Tag nach einer Durchsicht nur die Hälfte beträgt und im Jahr 100 % Ertragsunterschied sein kann, bei Völkern die nur bei Bedarf gegnüber "Vielgeschauten" Völkern sind.

  • Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass bearbeitet Völker weniger Flugbetrieb haben. Da reicht schon einen Schwarmkontrolle, die Völker reagieren darauf. Nur ist die Frage, wie lange die Beeinträchtigung anhält. Wie verhält es sich mit massiven Eingriffen wie dem Brutraumtausch, vielleicht gibt es dazu Infos von Franz Xaver?
    Gruß
    Simon

  • Walt sagt, Zargentausch bremst die Entwicklung zwei Wochen lang.
    Vier Jahre lang in der Schwarmsaison ausgetestet.
    Der Grund ist, daß dann der Pollen oben ist und nur sehr schlecht woanders hin transportiert werden kann, aber da auch nix zu suchen hat, aus Bienensicht.
    Es ist schon ein sehr massiver Eingriff, eher was für Notfälle, denn als Routine, denk ich.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,
    man braucht den Wintersitz nicht durch leere Waben zu koriegieren.
    1. die Bienen machen von sich aus den nötigen Leerraum.
    Das können sie besser als wir.
    2. Die Bienen ziehen sich noch enger zusammen,
    so das im Moment noch besetzte Zellen mit Futter wieder frei werden.
    3. sollten wir "Winterruhe" ernst nehmen; und wirklich nur noch eine
    evtl. Winterbehandlung vornehmen.


    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Lothar,


    wär ja nur schön, wenn es wirklich schon Winterruhe wäre.....
    Bloß sind meine nach dem Kondenswasser wieder voll in Brut gegangen.
    Die zwei Nächte mit Temperaturen um 0°C haben nicht gereicht, durch die warmen Tage ist wieder Hochbetrieb.
    Wo Phacelia und Senf stehen, kommt Pollen rein wie im Mai... :roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,
    hast recht, dieser "Herbst" ist hoffentlich ein Ausnahmejahr.
    Könnte aber mit der Klimaerwärmung noch öfter vorkommen.
    Aber ich bin vom Regelfall ausgegangen.
    Und wenn wir erst einmal die ersten Fröste haben, läuft alles wieder danach.
    Spätestens drei Wochen nach dem ersten Frost ist die Brut raus und Platz
    (leere Zellen) für den Wintersitz da.
    Läuft dieses Jahr halt alles später ab.
    Aber, wenn ich mich in der Natur umgucke, deutet einiges auf einen
    langen Winter. Da kommen die späten Winterbienen, die noch dazu wenig verbraucht sind, gerade recht.
    Diese werden den Anschluss an den späten Frühling schaffen.
    Wenn ich mit meiner Prognose danebenliegen sollte. wird es bestimmt ein
    gutes Schwarmjahr werden.
    Aber, ich lehne mich zuweit aus dem Fenster...


    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.