Obstbaumrekultivierung mit Zeit aber ohne Geld

  • Moin Imkers,


    ich hab' hier eine große Streuobstwiese mit einigen wenigen noch lebenden Kirschbäumen gepachtet. Da es Pacht ist, will ich nicht Geld ohne Ende reinstecken und da ringsum ohnehin hunderte Kirschbäume stehen wäre kurzfristige Trachtverbesserung auch kein Grund.


    Ich will also, Stück für Stück, Baum für Baum, Kirschhochstämme selbst erziehen und dann mit alten Sorten der umliegenden Wiesen veredeln. Vogelkirschunterlagen, Sämlinge, gibt es einige und zum Teil auch noch unverbissen. Die kann ich ausgraben und bereits an Ort-und-Stelle setzen. Zum Hochstamm erzogen könnte ich dann Edelreiser aufpfropfen, selbt wenn ich das bis dato noch nie gemacht hab. Dazu müssen die Vogelkirschen aber erst mal da stehen wo sie hin sollen.


    Das selbe gilt für Apfel, Birnen, Mispel und auch Pflaumen. Allerdings werd' ich da wohl mangels Unterlagen doch Bäume kaufen müssen.


    Nun Meine Fragen:
    Gibt es einen andern, vielleicht besseren Weg Kirschunterlagen zu beschaffen?
    Gibt es eine Möglichkeit Apfelsämlinge zu ziehen und worauf kommt's da an?
    Kann man auch moderne Apfelsorten (Bräuhahn) die gewöhnlich nur als Niederstämme angeboten werden, auf Hochstämme in der Streuobstwiese
    zu veredeln oder gleich so zu ziehen und wie?
    Vielleicht kann ich auch noch eine Preisinformation für Hochstammobstbäume aus Euch rauslocken. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Huhu, Henry,


    guck mal da z.B.:
    http://www.pflanzenboerse-online.de/index.htm
    Preise stehen da auch....


    Zitat

    Gibt es eine Möglichkeit Apfelsämlinge zu ziehen und worauf kommt''s
    da an?
    Kann man auch moderne Apfelsorten (Bräuhahn) die gewöhnlich nur als
    Niederstämme angeboten werden, auf Hochstämme in der Streuobstwiese
    zu veredeln oder gleich so zu ziehen und wie?


    Apfelsämlinge: wenn du genau die Vatersorte feststellen kannst..... :roll: 
    Ist doch dasselbe Problem wie bei den Bienis: ein Apfel der Sorte XX trägt nicht unbedingt, da womöglich mit YY befruchtet, die ganzen Gene der XX Sorte rein mit sich.
    Eben deswegen macht man das ganze Gedöns mit dem Veredeln doch, eindeutige Sortenauswahl (nix anderes als Klonen :lol: )


    Ob aus einem Baum ein Nieder- oder Hochstamm wird, entscheidet die Unterlage, auf die veredelt wird.
    Also hast du schlechte Karten, wenn eine neumoderne Sorte nur als Niederstamm angeboten wird.
    Da bleibt dann nur einen kaufen, und damit dann Edelreiser auf Hochstamm-Unterlagen okulieren.


    Es wird fast keine Obstsorte "einfach so", sprich ohne Veredeln gezogen.
    Also nix mit Säen und dann durchwachsen lassen, da kommt nix Vernünftiges bei rum.


    Veredelt wird übrigens sehr früh, nicht erst, wenn die Unterlage schon groß ist!


    Für viele Sorten wird auch gern Quitte als Unterlage genommen, die verträgt sich wohl mit etlichen Obstsorten.


    Hat eure VHS da keine Kurse? Hier "auffem Land" gibts das volle Programm :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Henry schrieb:


    Nun Meine Fragen:
    Gibt es einen andern, vielleicht besseren Weg Kirschunterlagen zu beschaffen?
     


    Hallo Henry,
    ich nehme immer die Wildkirschen, die man massenweise am Waldrand findet!


    Auch größere (armdicke) Äste lassen sich veredeln! kannst an jeden Ast eine andere Sorte veredeln :D 
    Idealerweise sollte man es schon bei jungen Unterlagen machen.


    Die Höhe des Baumes richtet sich nach der verwendeten Unterlage, nicht nach dem Reiser!


    Unterlagen gibt es kostengünstig bei den Baumschulen!


    Quitte als Unterlage eignet sich eigentlich nur für kleine Birnbäume.

  • Moin Sabi(e)ne, maoin Franz-Xaver (Bißchen hatte ich ja auf Deine Antwort gehoft, das geb' ich zu. :wink:)


    Quitten hab' ich mehr als genug, aber Birnen auf Quittenunterlage ist nicht so mein Gedanke. Dazu ist der Standort zu schlecht. Und Birne auf Quitte auf Weißdorn ist wohl eher was für Veredler, also nicht für Leute die einfach eine Streuobstwiese ohne genug Bäume haben. :lol:


    Für die Kirschen nehme ich also die Bäumchen vom Waldrand. Das krieg' ich hin, da gibts genug. Bleibt noch das Apfel- bzw. Birnenthema. (und daß Du mir mal erklären mußt, wie man armstarke Äster aufpfropft. Bitte.)


    Ich kann hier alte Apfelsorten Hochstamm um die 18 Euro von einer Baumschule kaufen. Verlohnt sich da überhaupt das Selberziehen? Ist das ein guter Preis oder muß ich da aufpassen. Ich hab' noch nie Hochstämme gekauft. Zwar oft gepflegt, wennse schon alt waren. Aber eben nicht neu gesetzt. Deshalb hätt' ich da gern Tipps ohne Ende.


    Sagt mir alles!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry,
    du hast nicht in den Link gekuckt!*schimpf*
    Sonst wüßtest du, daß bundesweit der Standardpreis für Hochstämme, egal ob aus dem Gartencenter oder Baumarkt oder Gartenversand immer so bei 25-30€ liegt.
    18 ist also schon ein echtes Schnäppchen, vorausgesetzt, der Baum ist genauso alt wie die anderen.....


    Den Rest wegen Schnitt etc. liest du dir ja schon an, da bin ich selbst noch Anfängerin:wink: 
    Allerdings will ich keine Hochstämme wg. nicht schwindelfrei :lol:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Doch Sabi(e)nchen, ich habe in den Link gekuckt


    und gesehen, daß die Baumschulen, die sich's Indernedd leisten, 30 und mehr Glocken für die Hochstämme nehmen müssen. Die Baumschule mit dem genannten Preis ist bei mir hier um die Ecke und die machen die Bäume selber. Verkaufen also nicht Ware, die sie vorher irgendwo eingekauft haben.


    Du hälz das also für günstig. Na dann machich das auch. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Ich kann hier alte Apfelsorten Hochstamm um die 18 Euro von einer Baumschule kaufen. Verlohnt sich da überhaupt das Selberziehen? Ist das ein guter Preis oder muß ich da aufpassen. Ich hab' noch nie Hochstämme gekauft. Zwar oft gepflegt, wennse schon alt waren. Aber eben nicht neu gesetzt. Deshalb hätt' ich da gern Tipps ohne Ende.


    Sagt mir alles!


    Hallo Henry,
    frag mal hier nach: http://www.baumgartner-baumschulen.de/ hier beziehe ich meine Stammbildner.


    Beim Veredeln dickerer Äste, dass eigentlich ein "Notfall" oder eine Spielerei bleiben sollte, wird natürlich ein anderer Schnitt als beim Veredeln von dünnen Ästen verlangt. Hier werden dickere, fast fingerdicke Äste verwendet und mit einem dreieckigen Kerbenschnitt passgenau in den Stamm eingesetzt.


    Dünne Äste veredele ich am liebsten mit einem schrägen Schnitt beim Reiser und ebenso beim Stammbildner. Hierbei müssen beide Zweige annähernd gleich dick sein. Die beiden vorteilhaft, größeren Schnittflächen werden aufeinander gelegt, mit Baumwachs verschlossen und zur Befestigung mit einem speziellen Plastikstreifen umwickelt.


    Aber es ist wie mit der Imkerei, hier spielt auch der richtige Zeitpunkt, gemäß der bestehenden und der kommenden Witterung eine übergeordnete Rolle.

  • Moin , Moin aus Hamburg :wink: Henry :wink:


    Gugst Du hier : www.boomgarden.de


    Der Boomgarden - Verein kümmert sich um die Erhaltung der genetischen Schätze unserer Region. Hier solltest du eigentlich Top Informationen aus erster Hand bekommen.


    Viele Grüße aus dem dunklen Norden


    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Lothar schrieb:


    mal nebenbei gefragt,
    findet Deine Frau Hochstämme nicht erschreckend?
    Lothar


    Hallo Miteinander,
    früher war ich ein Hochstammfanatiker. Mit meinem zunehmenden Alter und einigen Kursen in der niederbay. Gartenlehrbauanstalt fing ein Umdenken bei mir statt. Jetzt habe ich einen gemischten Garten mit sehr hohen, z. Teil über 100 jährigen Apfelbäumen die mir die Äpfel für meine Saftproduktion liefern. Andererseits habe ich eine ca. 25 m lange Obsthecke, wo jeden 1,5 m ein Baum auf Unterlage M 9 steht, der höchsten 2,5 m hoch wird.
    Das hat natürlich große Vorteile, denn hier habe ich ca. 15 Sorten, Äpfel, Birnen, Pflaumen auf einen kleinen Raum. Von so einem Bäumchen kann man nach ca. 5 Jahren eine Höchsternte von ca. 20 kg pro Sorte erreichen und das auf ca 20 - 30 Jahre. Ein Hochstamm braucht manchmal schon 10 - 15 Jahre bis die Ersternte einsetzt. Wer kann aber dann zig Zentner von Äpfel pro Baum verwerten, wer steigt in die hohen Bäume.
    Eine gesunde Mischung lässt hier eine umfangreiche Nutzung auf die eine oder andere Art zu, aber je älter ich werde desto mehr tendiere ich auf Buschbäumchen.

  • Hallo Henry,


    ich habe so um die 100 stück Obstbäume.
    Die Hälfte selbst gepflanzt, jetzt so um die 15 Jahre alt.
    Der Rest ist veredelt; leider ist der Veredler vor einem halben Jahr verstorben, ohne seine Kunst an seinen Sohn weiter zu geben.
    aber nun zum Thema:
    Ich habe keinen meiner Bäume voll bezahlt.
    Bei uns laufen ständig solche Aktionen wie "Rettet die Streuobstwiesen" oder so ähnlich.
    Entweder der Kreis, manchmal die Stadt, aber auch der NABU bezuschussen Dir die Bäume.
    Es gibt doch sicher auch bei euch so etwas ähnliches, da bin ich mir sicher.
    Man muss sich nur mal schlau machen.
    Teilweise habe ich die Bäume für lau bekommen, mußte dann aber die Sorten nehmen, die gerade im Angebot waren, meist habe ich so um die 10 Euro (umgerechnet) pro Baum bezahlt, mit Pfahl und Zäunchen!

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Lothar,


    die neuen Hochstämme stehen (sollen jedenfalls) vor unserem Grundstück und da stehen schon welche. Es geht sozusagen um großzügige Lücken. Meine Holde kennt's nicht anders. Auch bei uns auf dem Grund stehen nur Hochstämme und alle noch ohne eine brutale (Kleingarten-) Verjüngung. Die Bäume bilden ein schönes Dach und unter unserem großen Terassenbaum haben dieses Jahr sogar alle Mitglieder des Imkervereins Platz gefunden und blieben bei Niesel trocken. Solche großen ausladenden Bäume finden wir gut.


    Mein Vater ist Buschobstfanatiker, der auch schon mal von heute auf morgen, wie im Fieber 5 Äpfelbäume (bei sich) rausreißt und neue wieder einpflanzt. Äpfel haben wir trotzdem und sowieso immer zu viel. Seine Bäume bringen zwar insgesamt weniger Früchte, aber die sind deutlich größer und weil er mindestens einmal spritzt und auch ordentlich düngt oft wie aus'm Bilderbuch.


    Mir geht es aber mehr um den Landschafts-, Naturschutz- und Trachtverbesserungsgedanken. (obwohl ich das nicht nötig hab') Ich will, daß die Streuobstwiese nicht weiter verfällt. Derzeit ist das Verhältnis zwischen stehendem Totholz, leeren Plätzen, senilen Bäumen und tragenden ungefähr 1:2:1:1. Ich denke, wenn ich jetzt nichts unternehme, wird weiterer Windbruch weiteren Schaden anrichten. Auf der Ostseite des Berges stehen nur noch zwei lebende Kirschbäume und vielleicht 8 tote. Ansonsten steht da nichts mehr. Dort ist viel Platz.


    Bei uns hier läuft das mit der Förderung der Steuobstwiesen und wohl auch aller anderen geförderten Naturmaßnahmen grundlegend falsch. Es läuft nicht so, daß eine Initiative mit Förderung belohnt wird, sondern es läuft so, daß eine Initiative nur zu Stande kommt, wenn Fördergeld bewilligt wird. Man macht was, um das Geld dafür zu kriegen und kümmert sich in der Zeit, die aus dem ersten Fördergeldschwung bezahlt wurde, um die neue und nächste Förderung. Eigentlich wird das Schreiben von Förderanträgen so gefördert und nicht die eigentlichen Förderzwecke. Das ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Chef's von Ökoverbänden auf Staatskosten. Ich will das alles also möglichst hinkriegen, ohne Euer Steuergeld in den sächsischen Sand zu setzen, bzw. auf dem Berg zu vergraben. Mag sein, daß das andere als naiv ansehen. Ich hab' halt keine Mitnehmerqualitäten. Lieber pflanze ich Stück für Stück Vogelkirschen auf den Berg und veredele die mit Reisern der umstehenden Bäume. Damit tue ich mehr für den Sortenerhalt, als man mit Sortenbestimmung für einen Haufen Geld tun kann. Denn stammen die Reiser von den Bäumen, die ohnehin auf dem Berg stehen, dann muß ich die Sorten nicht mal bestimmen und werde sie doch erhalten.


    Das mit den Apfelbäumen ist eher ein Splien von mir, weil ich Apfelblüten so schön finde. Und weil ich denke, daß ein paar (20 vielleicht) Apfelbäume und auch die eine oder andere Mispel oder auch vielleicht ein Euodia und ein Pfaffenhütchen dem Berg als Ganzes nicht schaden werden. Ganz sicher ist ein Baum, besser als kein Baum auch wenn er vielleicht kein Kirschbaum ist.


    Seht Ihr das anders?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin, Henry,


    Zitat

    Ganz sicher ist ein Baum, besser als kein Baum auch wenn er vielleicht kein Kirschbaum ist.


    Naja, solange es keine gefüllte japanische Zierkirsche oder was ähnlich bienen-unnützes ist :wink:


    Nein, ganz im Ernst: ich denke, solange es einheimische Blütenpflanzen sind: je mehr, desto besser.


    Ich komme ja aus dem Sauerland, mit endlosen Fichten-Monokulturen, wo jede Biene verhungern würde, und ich freue mich hier über die Laub/Mischwälder, wo auch noch schöne Unterschichten sind.
    Fruchttragende Heckenpflanzen hab ich wegen Geldmangel immer noch nicht gepflanzt, dafür laß ich hier jetzt alles wuchern. Ich hätte jede Menge Traubenkirschen abzugeben, da stehen hier an einer Ecke so 80 Stück auf 100 qm, alle 2-3 Jahre alt. Weiden hab ich auch, in mehreren Sorten, da überlege ich, ob ich die schneiden muß, damit es Bäume werden oder sie als Strauch stehenlasse. Die sind auch alle noch recht jung, aber ein paar müssen weg, weil wir einen neuen Stellplatz für die Bienen bauen wollen, so richtig mit *planier* und *Schotterweg-bau*.
    Wann kann man die umpflanzen, weiß das wer?
    Weil, einfach plattmachen widerstrebt mir zutiefst....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    Zitat

    Die sind auch alle noch recht jung, aber ein paar müssen weg, weil wir einen neuen Stellplatz für die Bienen bauen wollen, so richtig mit *planier* und *Schotterweg-bau*.
    Wann kann man die umpflanzen, weiß das wer?


    Immer dann, wenn man auch Bäume und Sträucher pflanzt, also außerhalb der Vegetationszeit.
    Will sagen: ab jetzt, bis so Februar/März.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-