wo sind die wahren Imker geblieben?

  • :o Hallo, aus der Krankheiten-Abteilung des Forums hierhin kopiert zur Weiterführung des Themas (der Anfang ist bewußt etwas dramatisiert):


    Wir halten Bienen aus einem fremden Klima, in Behausungen, die ihnen nicht gerecht sind, reißen die Ordnung der Waben fast wöchentlich auseinander, lassen den Bienen keinen Tropfen Honig mehr, anstattdessen füttern wir gentechnisch veränderten Zucker, lassen die Bienen gentechnisch veränderte Trachten anfliegen (Raps...) und quetschen jedes Jahr die Königin ab. Zudem haben wir die Bienen ihre Wehrhaftigkeit geraubt - also ich finde, die Bienen stehen schon ganz schön unter Streß. Von den Chemieschauern mal abgesehen. Manche finden es ja sogar ne dolle Idee, die Dauerbehandlung einzuführen.


    Unter diesem Streß sind die Bienen ein leichtes Opfer für Parasiten. In meinem Garten lasse ich beispielsweise alte Pflanzen stehen und rupfe sie am Ende des Jahres nicht raus. Obwohl die Parasiten die Möglichkeit hätten, auf die Jungpflanzen zu gehen, bleiben sie bei den alten Pflanzen.


    Vielleicht verhält es sich ähnlich bei den Bienen: kaum ein Volk (sprich die Königin) hat die Chance zu altern. Die alten Völker würden aber die Parasiten ablenken von den jüngeren Völkern. Schließlich wollen die Parasiten auch leben. Und würden Milben Honig geben, wären wir die ersten, die Ihnen Bienen verfüttern würden.


    Also die totale Löschung der Milben kann man getrost vergessen. Auch die chemische Antwort auf alle Fragen ist nun wirklich was für die Mottenkiste [sprich: total veraltet]


    Es bleibt nur der natürliche Weg, die Bienen zu erhalten. Nichts anderes würde helfen, denn nichts ist stärker als der Lauf der Dinge da draußen.


    Der "natürliche Weg" kann nur von der Biene gefunden werden. Wir können zwar manipulieren, aber dann SPIELEN WIR GOTT. Und das, lieber Bernie, wollen wir doch nicht


    Also ich würde keinen einen IMKER schimpfen, der Tonnen Honig ernten kann. Aber den, der es schaffen würde, wilde Bienen (keine Solitärbienen, sondern Bienenvölker) wieder anzusiedeln. Bienen in unserer "Unkulturlandschaft" wieder heimisch werden zu lassen. Denn derjenige hätte die Bienen verstanden.


    Ich höre es schon - "Das geht nicht!". Natürlich geht das, wir wissen nur nicht wie.


    Also, jemand eine Idee zur Realisierung? Oder wollen wir erstmal überhaupt die Ausgangssituation begutachten?


    ######################################################################


    2005: die agrar-verwüstete, mitteleuropäische Landschaft Deutschlands.:


    # Viele nichtheimische Bienenarten (eine Biene ist dann für mich heimisch, wenn sie a. ihren Ursprung hier hat, oder b. von alleine hier überleben könnte),


    # viele Parasiten.


    # Das Trachtangebot ist gering (Massentrachten ja, aber keine Vielfalt der Blütenpflanzen - sprich Heil- und Wirkstoffe sind einseitig)


    # die Bienen sind nicht mehr wehrhaft


    # Bienen haben immer Kontakt zu benachbarten Bienenständen


    # Chemische Keulen in der Landwirtschaft, Industrie, private Haushalte und Gärten (vor allem hier: der Verbrauch ist höher als in der Landwirtschaft ::evil: )


    # es gibt keine Behausungen mehr für wilde Bienen


    -- bitte Liste fortführen --

  • Lieber Bernhard,
    die Situation der Umwelt hast du treffend umschrieben. Nur ist der Wunsch nach Veränderung, etwa so schnell wie deine Zeilen geschrieben sind, pure Illusion. Wir Imker sollten nicht mit wehenden Fahnen untergehen. Vielleicht gilt eine alte, aber handlungsleitende Perspektive: das Junktim zwischen Forschen und Handeln. Kleinschrittig, überprüfbar und realisierbar. Illusionen sind schön, aber helfen den Bienen nicht.
    Gruß
    Simon

  • Bumblebee schrieb:

    Wir Imker sollten nicht mit wehenden Fahnen untergehen.


    Was tun wir denn gerade?! Wir gehen mit wehenden Fahnen unter! Oder würdest Du behaupten, daß die Imkerei eine große Zukunft hat? So wie jetzt bestimmt nicht.


    Ich glaube im Gegensatz zu Dir NICHT, Simon, daß Koexistenz von Mensch zu Tier/Pflanze eine Illusion ist. Oftmals ergeben sich Möglichkeiten, wenn man sie nur sucht. Kleine Schritte nutzen nichts, wenn die lange SIcht vernachlässigt wird. Irgendwann ist der Zug abgefahren. Wenn eine Firma mit deiner Maxime handeln würde, wäre sie schnell weg vom Fenster.


    Ich möchte ja nicht, daß wir alle in Aktionismus verfallen (so wie die Maßnahmen zur Verhinderung der Vogelgrippe in Deutschland PURER Aktionismus sind....), aber ich möchte, daß wir endlich anfangen selber zu handeln - und nicht alles nachbeten, was da aus Instituten oder anderen Vereinen kommt.


    Sind wir nicht Imker genug, um die Probleme selber zu erkennen und anzugehen?


    Fragt,


    Bernhard


    PS an Simon: ich habe einige "alternative" Beuten gebaut. Ein paar TBHs aus verschiedenen Materialien: Holz, Stroh und Miskantus. Ich habe sie nicht besiedelt, da mir schon nach dem Bau dieser Behausungen klar wurde, daß das immer noch nicht das Ideale ist. Ich habe schon eine Vorstellung, wie ich zu bienengerechten Behausungen komme: die Materialien sind organisiert und während der langen Winterabende wird gebastelt. Ich bleibe also am Ball. So nebenbei erwähnt.

  • Hallo Bernhard, zunächst mal ein Bitte an Dich (und alle anderen): keine Verallgemeinerungen! Woher willst Du z.B wissen, wie ich oder "xyz" imkere?
    Grundsätzlich hast Du meiner Meinung nach mit der Darstellung der diversen Mißstände recht. Es hilft aber nicht weiter, wenn man die Welt so sieht, wie sie sein sollte. Wenn man sie aber so sieht, wie sie wirklich ist, (und das tust Du ja!), muss man sich so einrichten/arrangieren, dass man aus der Situation das Optimalste/Beste herausholt.

  • Peter Groth schrieb:

    aus der Situation das Optimalste/Beste herausholt.


    Rausholen oder Reinstecken - das ist hier die Frage!


    Zunehmend Rausholen hat uns in nun gut 200 Jahren dahin gebracht, wo wir heute sind - das ist die Situation!
    Wo soll sie hinführen?
    Wo wollen wir sie haben?
    Wie wollen wir sie haben?
    Was erwarten wir?
    Was wollen wir tun?


    Das frage ich Euch hier!


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21


  • Hallo zusammen,


    ehe die Diskussion zu sehr ins philosophische entschwindet, kommen wir doch um ein paar Fakten nicht herum.


    Fakt 1: Alle Bienenvölker sind jedes Jahr aufs Neue durch die (nicht heimische) Varroa-Milbe in ihrer Existenz bedroht.


    Fakt 2: Die Bestäubung aller Pflanzen ist wegen dem Rückgang der nicht mehr flächendeckenden Bienenvölkerpopulationen mittelfristig gefährdet.


    Fakt 3: Die Deutschen essen gern Honig, deshalb werden jährlich zu der Inlandserzeugung 80.000 t (!!!!) meist von Südamerika oder inzwischen wieder China importiert.


    Meine Meinung zu...


    Fakt 1: Die Bienen in eine „sich selbst überlassene“ Umwelt zu entlassen wird nicht mehr funktionieren. Ohne die unterstützenden Behandlungen der Imker wäre unser Biene längst eine bedrohte Art.
    Und bitte vergesst nicht: Die Biene ist eines der wenigen nicht domeszitierten Tiere in unserer Gesellschaft.
    Lösung: Je mehr junge Menschen sich mit der Imkerei beschäftigen umso größer ist die Chance das sich daraus immer öfter eine naturgemäße Bienenhaltung (z.B. ungeteilter Brutraum, Naturbau, keine Chemie, etc.) etabliert.
    Die „alten“ Ansichten zur Bienenhaltung wird mit denen aussterben die sie noch vertreten.


    Fakt 2: Zu der Natur gehört auch der Mensch. Er ist zunächst keinesfalls ein Eindringling oder als Zerstörer geboren. Wenn es mehr Menschen wieder bewusst wird das sie ohne die Natur nicht leben können, oder an ihrem Leben nichts mehr lebenswert wäre, dann würde sich noch mehr Menschen gegen den Gen-Dreck oder die Monokulturen der Landwirtschaft wehren. Dort wird einzig aus kommerziellen Gründen gehandelt und der Verbraucher zahlt die Zeche doppelt (zuletzt mit seiner Gesundheit). Aber er darf sich auch selbst an die Nase packen, wer Lebensmittel nur zu Billigstpreisen kaufen will, muß mit den langfristigen schlimmsten Folgen für sich und seine Umwelt rechnen.
    Lösung: Soviel als möglich die Menschen zur Bienenhaltung bewegen. (o.k. ist etwas zu idealistisch, aber...) Diese Menschen würden zu Multiplikatoren für die Biene und die Natur. Jedes Frühjahr mit dem Erwachen der Natur das Erstarken der Völker zu beobachten, das lässt keinen gleichgültig.


    Fakt 3: Wer sich etwas eingehender mit der heilenden Wirkung von Bienenprodukten beschäftig hat wir darin mehr sehen als nur ein Nahrungs- oder Genussmittel.
    Auch wenn es weiterhin von der lobbyistischen Gesetzgebung in unserem Land verboten ist Bienenprodukte mit gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung zu bringen, so ist an dessen Tatsache nichts zu verneinen. (Anm.: Wer in letzter Zeit Gelegenheit hatte zu diesem Thema dem Vortrag von Prof. Bengsch (Max-Planck-Institut, München) zu lauschen kann dies auch wissenschaftlich fundamentiert argumentieren.)
    Daher lasst uns Honig, Propolis, Pollen, Bienenbrot und Wachs ernten. Und wenn es sein sollte tonnenweise. Wer diese Produkte auch noch schonend behandelt, kann die Gesellschaft kaum mit etwas wertvollerem beschenken.
    Hier verzahnt es sich mit den oberen beiden Punkten, denn nur ein Mensch der einmal Honig direkt aus der Wabe oder beim Schleudern probiert hat, wird keine Ambitionen mehr haben industriell aufbereiteten ausländischen Honig für 1,29 €/ 500g zu kaufen.
    Denn Geschmack lässt sich (noch) nicht industriell kopieren.


    Gruß
    Matthias


  • Matthias Bauer schrieb:


    Fakt 1: Alle Bienenvölker sind jedes Jahr aufs Neue durch die (nicht heimische) Varroa-Milbe in ihrer Existenz bedroht.


    Meine Meinung zu...


    Fakt 1: Die Bienen in eine „sich selbst überlassene“ Umwelt zu entlassen wird nicht mehr funktionieren. Ohne die unterstützenden Behandlungen der Imker wäre unser Biene längst eine bedrohte Art.
    Und bitte vergesst nicht: Die Biene ist eines der wenigen nicht domeszitierten Tiere in unserer Gesellschaft.
    [


    Einspruch euer Ehren, aber Hallo! [zumindest zu 'Fakt 1']


    Die Biene ein nicht domestiziertes Tier? Da widersprichst Du dich selbst in einem Absatz:
    -- Ohne die unterstützenden Behandlungen der Imker...
    -- Die Biene ist eines der wenigen nicht domeszitierten Tiere...
    Die hier und heute lebenden Bienenarten (Carnica, Buckfast, Italiener etc) wären wohl ohne ihre Domestizierung kaum hier in Deutschland ansässig. Domestizieren = zum Haustier machen, züchten.


    Zu allen anderen Fakten kann ich nur zustimmen.


    Die Bienen SIND bereits eine bedrohte Art. Unsere künstlichen Lebenserhaltungsmaßnahmen sind unzureichend und führen geradewegs zum richtig "Großen Bienensterben".


    Vielleicht sollten die Bienen den Milben ausgesetzt werden. Nicht alle (!) Bienen würden sterben - nur viele.


    Vergleicht das doch mal aus der Sicht der Milben. Der Imker setzt NERVENGIFTE ein, oder Saugrüssel-ÄTZENDE Chemie. Das ist eine echte Bedrohung, eine Katastrophe für Milben. Man sollte denken, daß alle Milben sterben. ABER SIE TUN ES EBEN NICHT ALLE.


    Genauso gibt es bei Menschen die PEST, die POCKEN und POLIO IMMER NOCH! Es ist verdammt schwer, irgendwas auszurotten. Wir Menschen sind im Mittelalter auch stark dezimiert worden. Aber ein Parasit/Wirtverhältnis kann nicht vollständig fatal sein. Irgendwann gleicht sich das aus. Sonst würden die Parasiten sich ja selbst umbringen.


    Es gibt Schwankungen, mal gibt es mehr Wirte, mal mehr Parasiten. Wir Menschen doktern an den Schwankungen herum und wundern uns, daß der Gegenwind immer stärker wird. Wir sind keine Götter, wann sehen wir das mal endlich ein. Wir bestimmen nicht über Leben und Tod.


    Um von der allgemeinen Philosophie zurück zu den Bienen und der Praxis zu kommen. Den Aufruf zur Verbreitung der Imkerei kann ich nur unterstreichen.


    Ausserdem sind Wege unumgänglich den Bienen bessere (für Bienen bessere!) Lebensbedingungen zu schaffen. Da ist zunächst der Mobilbau in Frage zu stellen. Stichwort Nestduftwärme. Stichwort: präzise Anlage und Ausrichtung von Waben und tolpatschige Imker, die versuchen, eine "bessere" Ordnung herzustellen.


    Dann die Aufstellung der Beuten: Bienen nisten hoch über der Erde in hohlen Baumstämmen (meistens). Meistens sind nicht 10 Völker in einem Baum.


    Oft wird eine Königin auf natürlichem Wege sterben und nicht in den dicken Fingern des Imkers nach einem Jahr. Meistens wird sie dafür sorgen, daß die ART erhalten wird, indem die Völker sich teilen und neue Völker entstehen.


    Walter Wright schreibt doch (Hallo an Sabine ;o) ) , daß es zwei Modi gibt, in denen Bienen "handeln". Einmal zur Volkserhaltung und einmal zur ARTerhaltung. Durch das ständige Erneuern der Königin und unterbrechen des Lebenserhaltungsprozeßes der Art, verhindern wir doch die Erhaltung der Art durch die Bienen. Und schwupps sitzen ne Menge Imker da und rätseln, warum die Art den Bach runter geht. Komisch aber auch.....


    Schwärmen lassen, Leute!


    Meine Vorstellung von der Imkerei der Zukunft: Imker betreuen 50 und mehr Völker. Diese Völker leben in Klotzbeuten der folgenden Bauart:



    Zur Erläuterung: das soll eine modifizierte Klotzbeute aus einem Stück Baumstamm 50 Durchmesser und ca 120cm Länge darstellen. Der obere Teil ist abnehmbar und soll als Honigraum dienen. Die Bienen bauen dort wild hinein: Naturbau. Eine Seite ist geöffnet und mit einer Plexiglasscheibe abgedeckt, so daß der Imker die Reife des Honigs überprüfen kann, ohne das die Wärme verloren geht und die Bienen abfliegen können.


    Um den oberen Teil abnehmen zu können, muß der unten ansitzende Wabenbau getrennt werden, das kann mittels eines Drahtes geschehen, der zwischen den beiden Stammstücken gezogen wird. Um die von Henry beschriehene Bienenmatscherei zu umgehen, wird zwischen den beiden Stammstücken eine Bienenflucht gesetzt. Der obere Teil ist dann später bienenfrei und kann abgenommen werden, die Waben ausgeschnitten.


    Der untere Teil der Beute ist ein Stück hohler Baumstamm. Die Tür ist optional und dient dem neugierigen Imker als Sichtkontrolle über den Zustand des Volkes. Auch hier kann eine Plexiglasscheibe dem Wärmeverlust und die Störung der Bienen verringern.


    Achso, die Lattenroste dienen wie bei der Warre- oder Christbeute dazu, den Bienen eine "Decke" zu bieten, so daß der obere Teil der Beute abgenommen werden kann, ohne den unteren Teil zu zerstören. Die Lattenroste haben Bienenabstand.


    Die Völker werden einzeln aufgestellt oder aufgehangen. Ich kann mir ähnlich wie bei Hochsitzen der jagenden Mitmenschen drei Standbeine und überkreuzte Streben aus Fichtenstangen vorstellen. Hauptsache weg von der Erde. Hängen wäre auch ne Alternative (?), wenn das Schaukeln nicht wäre?


    Die Bienen sollten durch die Landschaft verteilt werden. Wenn sie so hoch hängen, können sie ruhig wehrhafter sein, dort oben stören sie niemanden. Die Bienenrasse sollte wieder ein Hünglertyp sein, da diese Sorte Biene von sich aus hier in unseren Breiten vorkommen würde. Nicht ohne Grund, wie ich annehme.


    Da die Baumaterialien billig sind (Baumstämme gibt es bei Stadtbetrieben, die Reste von Holzabfuhren [Förster fragen, manche Holzhändler lassen minderwertigere Reststücke zurück], private Gartenbesitzer, Parkanlagenbereinigungen, Sturmschäden) - ok da die Materialien so günstig zu beschaffen sind, lassen sich auch entsprechend mehr Beuten selber produzieren. Diese können auch leer aufgestellt werden, vielleicht mit Wachs als Köder, um Bienenschwärme in Ihnen anzusiedeln. So muß der Imker nicht hinter den Schwärmen herrennen. Die Bienen schwärmen zwar aus, landen aber wahrscheinlich in einem unserer leeren Beuten. Das Verhältnis zwischen vollen und leeren Beuten wird sich so ohne Zutun des Imkers regulieren. Er bietet einfach nur Grundlagen an. Möglichkeiten. Die Bienen werden diese in unserer kargen Landschaft nutzen. An jedem Waldrand ein paar Beuten.


    Die einfachen Beuten ermöglichen es jedem ohne große Investitionen mit der Imkerei anzufangen. Immer noch DER Grund, warum viele von der Imkerei abschrecken.


    Dadurch, daß die Bienen schwärmen dürfen, können diese auch "notschwärmen", falls der Druck der Parasiten zu groß wird. Das häufige Schwärmen verhindert bekanntermaßen ein Überhandnehmen der Krankheiten und Parasiten.


    Die Arbeit des Imkers beschränkt sich auf das Ernten. Geerntet wird das Wachs und der Honig des oberen Raumes. Der ist derart bemessen, daß noch genug Honig für die Bienen bleibt und ein Auffüttern sich erübrigt. Was gesünderes als Honig gibt es eben für Bienen nicht. Und zwei bis fünf Kilo Honigernte reichen pro Volk! Wer mehr will, soll sich mehr Völker halten. Das ist bei der extensiven Arbeitsweise bei billigen Baumaterialien ja auch sehr gut möglich.


    Wachs ist ein weiteres Erntegut: siehe auch das Deutsche Bienenjournal in der aktuellen Ausgabe: Bedarf in der Kosmetikbranche, der Pharmazie, der Kerzenindustrie. Das Wachs macht einen Teil des verlorenen Honigs wieder wett.


    Die Minderernte rechnet sich wirtschaftlich gesehen, da der Aufwand für Beuten, Sprit, Medikamente und Fütterung wegfällt. Der ganze Ärger mit dem Drahten von Rähmchen und reinigen derselben, das Rumpopeln in den Völkern zur Schwarmzeit - fällt alles weg. Der Einsatz von Rauch kann mit Bienenflucht und Plexiglasscheibe auch wegfallen.


    Die vielen Völker wären weiter verteilt in der Landschaft, was der Landschaft zu Gute kommt. Und der Verbreitung der Bienen. Würden diese wieder entdomestiziert, so bestünde die Chance, wieder wilde Bienen in Europa zu haben.


    Ja Ok, wieder mal viel geschrieben. Ich habe derartige Phantastereien schon bei Pflanzen umsetzen können in meinem Garten. Machen kommt von tun. Daher genug geredet.


    Ich werde in den nächsten Tagen nicht antworten können, da ich unterwegs bin. :o


    Gute Nacht,


    Bernhard

  • Von den Ideen her gibt es hier doch einige Anstöße zu einer Veränderung der Imkerei. Ich denke mal, dass die Grundvoraussetzungen aber schon seit über 50 Jahren für einen Industriestaat und nicht für einen dezentralisierten Bauernstaat gelegt worden sind. Natürlich kann die oben skizierte Bienenhaltung funkionieren. Sie funktioniert auch jetzt schon wirtschaflich. Wo? In großen Teilen Südamerikas. Dort sind auch nicht die pseudo-wesensgemäßen Beutenkonzepte notwendig. Alles sehr einfach und zweckdienlich gehalten. Und wesensgemäß ist diese Bienenhaltung allemal, denn die Bienen kommen immer wieder von alleine in die Bienenbehausungen. Die Vorstellung über Wesensgemäßheit ist eng an die menschliche Vorstellungskraft gebunden. Bei keiner Aussage über Bienen wird so viel vermenschlicht, wie bei der Definition wesensgemäß. Vielleicht müsste man das Wesensgemäße, das oft sehr orthodox verstanden wird, auf die Projektion menschlicher Ängste und Wünsche hin untersuchen? Vielleicht ist die "Frage" der Imkerei eher philosophisch aufzulösen? Pragmatisch, utilitaristische Bienenhaltung gewürzt mit dem notwendigen Nihilismus? Oder doch eher die abgehobene Nummer: Imkerei gezimmert aus Hilfskonstruktionen und Projektionen der Subjektperspektive des Imkers?
    Gruß
    Simon,
    der mal die Bienen nach der Meinung fragt.


  • Hallo Bernhard,

    BernhardHeuvel schrieb:


    Die hier und heute lebenden Bienenarten (Carnica, Buckfast, Italiener etc) wären wohl ohne ihre Domestizierung kaum hier in Deutschland ansässig. Domestizieren = zum Haustier machen, züchten.



    will hier keine Haare spalten, aber domestizierte Tiere sind für ein Leben in freier Wildbahn (nach meiner Definition) nicht mehr selbstständig fähig (z.B. Hausschwein).
    Die Bienen sind es trotz der Haltung durch den Mensch doch geblieben.


    Thema natürliche Auslese. Deine Theorien sind zwar im Grundgedanken richtig, sie können aber auch zur totalen Ausrottung einer Art führen. Dafür gibt es genug Beispiel wie z.B. mit den ersten Schiffen auf bestimmte Inseln Ratten eingeschleppt wurden und diese sämtliche Bodenbrüter ausgerottet haben.
    Die asiatischen Bienenrassen haben sich in Tausenden von Jahren mit dem Parasit arrangiert, das wird unseren heimischen Rassen nicht in wenigen Jahren gelingen.
    Dazu noch den Aspekt züchterischer Arbeit im Gegensatz zur Selbstüberlassung.
    Ich denke wir sind inzwischen zu verwöhnt von sanftmütigen, brutstarken und damit auch ertragsstarken Völkern. Die Bearbeitung der Völker sah noch vor wenigen Jahrzehnten ganz, ganz (!) anders aus. Dick vermummt und mit Mega-Rauch-Einsatz konnte da nur an den Völkern gearbeitet werden.
    Eine solche Rückentwicklung würde bei den meisten Imkeraspiranten zu einer Abschreckung
    führen. Damit wäre nichts gewonnen.


    Thema Klotzbeute der Zukunft. Grundsätzlich auch nicht schlecht. Doch an den Details kann man noch arbeiten. Soll der Boden geschlossen sein (Nachteile !!) ? Kann der Honigraum brutfrei (Absperrgitter) gehalten werden ? Was ist mit der Bauerneuerung ? Wird hier noch behandelt, wenn ja wie ? Wie natürlich ist Plexiglas in der Beute ? Wie soll eine großflächige Aufstellung funktionieren wenn schon jetzt manche Schwierigkeiten haben überhaupt Standplätze zu finden ?

    Bumblebee schrieb:

    ...Pragmatisch, utilitaristische Bienenhaltung gewürzt mit dem notwendigen Nihilismus? Oder doch eher die abgehobene Nummer: Imkerei gezimmert aus Hilfskonstruktionen und Projektionen der Subjektperspektive des Imkers?...



    Bumblebee : Puh, nach philosophischer Betrachtung hier nun noch die Vergeistigung der Beiträge. Gibt’s ein Duden-Abo für alle Forenmitglieder ?  


    Gruß
    Matthias

  • Hallo Matthias,
    bevor dein Smilie noch Probleme mit den Hämorhoiden bekommt, empfehle ich nicht den Duden sondern Wikipedia; das reicht auch schon zum Verstehen.
    Aber muss man alles Verstehen, wenn die "Diskussion" eh schon so abgehoben, virtuell und realitätsfern ist?
    Gruß
    Simon

  • Hallo!


    Nun ja, das mit ausgehölten Bäumen und Klotzbeuten hatten wir - Verzeihung, unsere Ahnen - schon mal. Nicht ohne Grund hatten sie wohl die Betriebsweise gewechselt. Ich möchte hier jetzt aber nicht auf die Gründe eingehen, warum und wieso und was denn jetzt besser sei.


    Man könnte hier vielleicht noch die feine Unterscheidung zw. "natürlicher" und "naturnaher Imkerei" einführen. Wer es sich leisten kann mit der oben beschriebenen Art und Klotzbeuten zu imkern, soll es tun - und "natürlich" imkern (Aber ist das, streng genommen, nicht auch schon "unnatürlich"? Müssten wir nicht stattdessen wildlebende Bienen in Bäumen suchen?)
    Jeder vernünftige Imker wird, welche Betriebsweise er auch immer wählt, so "naturnah" wie nur möglich imkern. Alles andere wäre Raubbau und wird, stelle ich einmal in den Raum, ohnehin von den Bienen und der Natur früher oder später bestraft. Ob unsere derzeit gängige Weise Bienen zu halten naturnah genug ist, wird wohl erst die Geschichte zeigen.


    lg, Stefan