Wundermittel und ihre Wirkungen

  • Hallo Imkers :)


    mich würde die Wirkweisen von Perzizin, Ameisensäure, Oxalsäure und andere Varroamittel interessieren. Ich finde fast nur Anleitungen, wie man behandelt, aber nie, weswegen die Milbe umkippt. Die Firma Bayer verrät in ihrem Blatt nichts zur Wirkweise des Perizins.


    Also bei Oxalsäure habe ich munkeln hören, daß der Milbe der Rüssel wegätzt und sie dann verhungert.


    Fragend,


    Bernhard Heuvel

  • Moin Moin aus Hamburg ,
    Also :wink: 
    der Wirkstoff in Perizin ist Coumafos.
    Wie das wirkt , ist doch echt einfach :wink:


    Coumafos ist ein sowohl oral, als auch topisch einsetzbares Antiparasitikum aus der Gruppe der organischen Phosphorsäureester. Es wirkt als Kontakt- und Frassgift gegen ein begrenztes Spektrum von Nematoden, sowie gegen zahlreiche Ektoparasiten


    Wirkmechanismus
    Der Wirkmechanismus der Organophosphate beruht auf einer schwer reversiblen bzw. irreversiblen Hemmung der Acetylcholinesterasen. :wink: Die Acetylcholinesterasen sorgen durch die Zerstörung des Neurotransmitters Acetylcholin für die Regulierung der Neurotransmission an den Synapsen. :wink: Die organischen Phosphorsäureester ähneln strukturell dem Acetylcholin und binden an die Acetylcholinesterase. :wink: Durch diese Bindung kommt es zu einer Transphosphorylierung des Enzyms. Der daraus resultierende Anstieg von Acetylcholin führt in den neuromuskulären Synapsen der Parasiten zu einer depolarisierenden Muskelrelaxation, welche eine spastische Paralyse und letzlich den Tod zur Folge hat. :wink::wink: 
    Gegen Arthropoden wirken Organophosphate als Kontakt- und Frassgifte. Auch bei Arthropoden kommt es zu einer kaum reversiblen Hemmung der Cholinesterasen, welche durch Störung der neuromuskulären Übertragung im cholinergen Nervensystem zu einer Lähmung und zum Tod der Parasiten führt. :o


    So , ist doch alles ganz einfach :wink: 
    Alles klar? :o
    Ansonsten nimm mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle, dann weißt du wie es wirkt :wink:


    Mit den allerherzlichsten Grüßen eines nicht Perizinverwenders


    Daniel


    (Smilies und Anmerkungen des Verfassers sind ironisch zu interpretieren)

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Drohne Daniel schrieb:


    der Wirkstoff in Perizin ist Coumafos.
    Wie das wirkt , ist doch echt einfach :wink: 


    Da liegt aber auch das Problem in der einfachen Anwendung. Dieses Mittel sage ich jetzt einfach ketzerisch wird von den Imker, die dem Altersschnitt > 65 Jahre entsprechen, am meisten verwendet, von einigen Ausnahmen abgesehen.
    Deswegen bin ich aber auch zuversichtlich, das dieses Mittel auf dem Abwärtstrend ist.


    Mich regt nur die Behauptung einiger Leute auf, die immer behaupten, das bei ihnen Perizin nur zur Kontrolle eingesetzt wird.
    Hört sich doch gut an oder?

  • Ich bin begeistert!


    Endlich einmal fundierte Information!


    Ich habe es als Jungimkerin, wider besseren Wissen einmal benutzt und kann mich nur noch an den strengen Geruch errinnern.


    Die "Kontrollbehandlung" findet in unserem Verein auch, bei genau dem Klientel, wie unser Grantler beschreibt statt.
    Ischa man so einfach und geht schnell!
    Und besser als garnichts tun.


    Grüsse
    Margret

  • Hallo!


    Also für alle, die's jetzt immer noch nicht verstanden haben. Perizin ist ein Nervengift. Und sowas kippen manche Imker noch immer in ihre Völker.
    Ich muss gestehen, in meinem ersten Jahr tat ich's auch, :oops: weil ich es nicht besser wusste. Der Vorsitzende unseres Vereins drückte mir ein Fläschchen in die Hand und sagte: "Mit dem machst a Nachbehandlung im Winter, das wirkt immer noch am besten." Tja, einmal war leider einmal zu viel. Die dunkle Seite der Macht konnte mich letztendlich aber nicht für sich gewinnen. Das Fläschchen steht noch genauso im Schrank, wie ich es vor vier Jahren abgestellt habe - und dort wird es auch bleiben.


    lg, Stefan

  • Hallo Freunde,
    da setze ich dann als "alter" Perizin-Benutzer doch mal einen Kontrapunkt (bevor die Verteufelung weitergeht). Vorweg: "begeistert" bin ich von so einem Mittel auch nicht! Fest steht aber, dass in Deutschland die Imkerei wohl kaum überlebt hätte, denn anfangs gab es ja noch keine brauchbaren Alternativen. Perizin ist Chemie; unbestritten! Aber alles andere (Ameisensäure, Oxal usw.) ist eben auch Chemie! Der Unterschied: die eine Chemie ist organisch und die andere ist anorganisch. Wer z.B mit Ameisensäure behandelt, verdient deshalb noch keinen Heiligenschein. Manche gehen sogar soweit und sprechen bei dieser Methode von Tierquälerei. Ich denke, dass muss jeder mit sich selbst abmachen, wie er die Varroa bekämpft. Gegenseitige Vorwürfe bringen da gar nichts; allzumal keine Behandlungsmethode perfekt ist. Viel mehr Sorgen machen mir die vielen (meist nicht organisierten) Imker , die gar nichts tun!

  • Zitat

    Fest steht aber, dass in Deutschland die Imkerei wohl kaum überlebt hätte, denn anfangs gab es ja noch keine brauchbaren Alternativen.


    Nee, nichts & niemand bringt eine Population zu 100% um.
    Es bleiben IMMER welche übrig.
    Soch, und was wäre gewesen, wenn man nichts, gar nichts gemacht hätte?
    Dann hätten wir seit 20 Jahren natur-varroa-tolerante Bienen..... :roll: 
    Natürlich hätte das erst mal einen schweren Einbruch und wirtschaftlichen Schaden verursacht.
    Aber mal ganz ehrlich, der Schaden durch die immer wiederkehrenden Zusammenbrüche, egal wer wie wann wo behandelt hat, dürfte letzten Endes größer sein....
    Ein 100% Mittel gibt es immer noch nicht (kann es auch nie geben, siehe oben) und stattdessen haben wir jetzt stellenweise schon multi-resistente Milben.....


    Außerdem sind keinerlei Ansätze der Industrie zu sehen, mal wirklich zu forschen; es werden nur immer wieder altbekannte Mittel unter neuem Namen vertrieben.
    Aber Perizin muß es nun wirklich nicht sein.....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • [quote='sabi(e)


    Dann hätten wir seit 20 Jahren natur-varroa-tolerante Bienen..... :roll: 
    [/quote]


    Na alte Frau,


    dann tritt doch mal hier und jetzt den Beweis an, bei deinen Viechern hats ja wohl auch nicht geklappt!


    Schon ganz schön frech, sowas einfach in ein Imkerforum zu setzten, bist du Gott, dass du das weißt ?


    Grüsse 8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Drohne Daniel schrieb:


    So , ist doch alles ganz einfach :wink:


    Ansonsten nimm mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle, dann weißt du wie es wirkt :wink:


    Du hast anscheinend auch schon einen kräftigen Schluck genommen, woher sonst kommt das ständige Zwinkern :wink::D (nach 8 Stunden Rettungsdienstfortbildung heute war dein Text noch leichte Kost 8) )


    Moin,


    Ok, das war Perizin. Ich nehme an, das Ameisensäure ähnlich wie Oxalsäure wirkt, also ätzend auf den Rüssel (und wahrscheinlich die oberen Verdauungswege). Was für Mittel gibt es noch? Apistan oder diese neumodischen Schalen mit dem Gel drin: wer weiß mehr?


    Ich gebe Sabine recht: es überleben immer welche. So auch bei den Milben. Wie kann sonst erklärt werden, daß die Varroa in anderen europäischen Ländern gegen NERVENGIFT resistent wird. Dann sollte es die Biene auch schaffen, letztendlich. Allerdings ist meine Meinung, daß dann der Hochleistungsdruck unserer Betriebsweise runtergeschraubt werden sollte. Aber das wäre mal wieder ein Thema für das Betriebsweisenforum.


    In Punkto "alte" Imker und deren "gute imkerliche Praxis" habe ich die gleichen Erfahrungen. Was da betrieben wird...alte Stände von verstorbenen Imkern werden aufgelöst (nachdem sie ein oder zwei Jahre verwildert sind), die Rähmchen, Beuten und restlichen Bienen weiterverwendet. Natürlich ohne sie zu reinigen. Alle Bienen sind tot im Frühjahr (bekommt man eben Ableger vom Kollegen), man tauscht munter Wachs, Honig und Bienen. Füttert ungekochten Honig (und was ist mit der Faulbrut?), füttert Zucker draußen auf Futtertellern während der Trachtzeit, panscht jahrealten, fast schwarzen Honig unbekannter Herkunft mit neuem. Und behandelt mit Perizin, Apistan und was sonst noch verboten ist. Man hat ja Quellen ins Ausland oder zufällig eine Ladung Chemie in die Hände bekommen. Wenn überhaupt behandelt wird. Am Ende des Bienenjahres klopft man sich auf die Schulter, weil zig Tonnen Honig zum Abfüllen bereit stehen.


    Leute, Leute. Wenn ich sehe, was da abgeht, wundere ich mich überhaupt nicht, was Krankheiten und die Gesundheit der Bienen betrifft. Das mal so als kleiner Seitenhieb.


    Meint,


    Bernhard

  • Berni911 schrieb:


    Schon ganz schön frech, sowas einfach in ein Imkerforum zu setzten, bist du Gott, dass du das weißt ?


    Manchmal reicht es auch, wenn man seine grauen Zellen anstrengt, dann muß man nicht extra in sein Gottkostüm schlüpfen...oder ist jeder der denken kann für Dich Gott? :lol:


    Wir halten Bienen aus einem fremden Klima, in Behausungen, die ihnen nicht gerecht sind, reißen die Ordnung der Waben fast wöchentlich auseinander, lassen den Bienen keinen Tropfen Honig mehr, anstattdessen füttern wir gentechnisch veränderten Zucker, lassen die Bienen gentechnisch veränderte Trachten anfliegen (Raps...) und quetschen jedes Jahr die Königin ab. Zudem haben wir die Bienen ihre Wehrhaftigkeit geraubt - also ich finde, die Bienen stehen schon ganz schön unter Streß. Von den Chemieschauern mal abgesehen. Manche finden es ja sogar ne dolle Idee, die Dauerbehandlung einzuführen.


    Unter diesem Streß sind die Bienen ein leichtes Opfer für Parasiten. In meinem Garten lasse ich beispielsweise alte Pflanzen stehen und rupfe sie am Ende des Jahres nicht raus. Obwohl die Parasiten die Möglichkeit hätten, auf die Jungpflanzen zu gehen, bleiben sie bei den alten Pflanzen.


    Vielleicht verhält es sich ähnlich bei den Bienen: kaum ein Volk (sprich die Königin) hat die Chance zu altern. Die alten Völker würden aber die Parasiten ablenken von den jüngeren Völkern. Schließlich wollen die Parasiten auch leben. Und würden Milben Honig geben, wären wir die ersten, die Ihnen Bienen verfüttern würden.


    Also die totale Löschung der Milben kann man getrost vergessen. Auch die chemische Antwort auf alle Fragen ist nun wirklich was für die Mottenkiste [sprich: total veraltet]


    Es bleibt nur der natürliche Weg, die Bienen zu erhalten. Nichts anderes würde helfen, denn nichts ist stärker als der Lauf der Dinge da draußen.


    Der "natürliche Weg" kann nur von der Biene gefunden werden. Wir können zwar manipulieren, aber dann SPIELEN WIR GOTT. Und das, lieber Bernie, wollen wir doch nicht :wink:


    Also ich würde keinen einen IMKER schimpfen, der Tonnen Honig ernten kann. Aber den, der es schaffen würde, wilde Bienen (keine Solitärbienen, sondern Bienenvölker) wieder anzusiedeln. Bienen in unserer "Unkulturlandschaft" wieder heimisch werden zu lassen. Denn derjenige hätte die Bienen verstanden.


    Ich höre es schon - "Das geht nicht!". Natürlich geht das, wir wissen nur nicht wie.


    EINE BITTE: um das Thema nicht zu gefährden und dieses Forum strukturiert zu halten, bitte auf dieses Posting im Öko-Bereich antworten. Dorthin werde ich diesen Text kopieren, damit hoffentlich eine schöne Diskussion darüber entfacht!


    Hofft,


    Bernhard

  • Hallo, Bernhard,


    das Interessante ist ja, daß es niemand weiß.... :roll: 
    Über die Wirkungsweisen von AS, OS (egal in welcher Applikation), Milchsäure und Thymol weiß man nichts genaues.
    Man vermutet, man hat Hypothesen, aber wissen im Sinne von wissenschaftlich belegbar ist da immer noch nichts.


    In den USA ist außer ApiLifeVar auch letztes Jahr noch sucrocide, ein Zuckerester (octanoate?) zugelassen.Wirkungsweise:
    The product enters the mites’ breathing tubes and suffocates them and dissolves the waxy coating of their exoskeleton. Bees can be killed if Sucrocide™ is applied at greater than recommended concentrations.


    Daß es die Atemwege angreift und die Milben erstickt, ist ja nett, aber was soll die Auflösung der Wachsschicht des Exoskeletts bewirken?*kratz
    Außerdem wieder viel zu arbeitsaufwendig, jede Wabe muß gezogen und besprüht werden, und es wirkt wieder nur in der brutlosen Zeit optimal.


    Ohne tolerante Bienen wirds auch in 50 Jahren noch neue Mittelchen geben, und die Milben werden gegen immer mehr resistent sein...*seufz*

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen