• In den einschlägigen Bienenzeitungen wurde über die derzeitigen mit öffentlichen Fördergeldern gesponserten Toleranzzuchtversuchen berichtet:


    Sicherlicherlich begrüßenswert ist der Versuch der Toleranzzucht,
    welches mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. In den Artikeln erfuhr man
    jedoch nichts über die dabei verwendeten Bienenrassen.
    Sollte bei dieser Versuch nur mit Carnicarassen gestartet worden sein,
    halte ich ihn für ideologisch sehr eingeengt. Es sollten zumindestens
    Völker der Buckfast- und der einheimischen Dunklen Biene in gleichem
    Maße beteiligt werden. Gerade die Dunkle Biene ist es, die über
    Jahrtausende sich der einheimischen Flora und dem Klima am besten
    angepasst hat. Imker haben sie durch Verdrängungszucht bis an den Rand
    der Ausrottung gebracht. Ein Zuchterfolg in dieser Hinsicht würde dem
    Natur- und Artenschutz einen großen Dienst erweisen.

  • Hallo,


    es sollen schon auch andere Zuchtrichtungen integriert werden. Voraussetzung ist jedoch eine Mitgliedschaft im DIB und daran scheiterts. Der Zuchtobmann des DIB ist überzeugter Carnicamann. Für andere Zuchtrichtungen ist kein Obmann benannt. Deshalb und aus anderen Gründen werden sich wohl nur wenige Züchter anderer Linien daran beteiligen. Gerade bei renommierten Buckfastzüchtern herrscht gegenüber dem DIB wegen seiner Haltung in der Vergangenheit immer noch eine reservierte Haltung vor.

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  • Die beteiligten Bieneninstitute müßten doch schon auf Grund des eigenen unabhängigen wissenschaftlichen Anspruches selber für Völker aus diesen Ökotypen sorgen....
    Bei der Buckfastbiene liegt der wirtschaftliche Nutzen bei der Dunklen Biene der eventuelle ökologische Vorteil als möglicher Grund, der zu berücksichtigen wäre, auf der Hand.
    Es wäre doch an den Instituten eventuelle Züchter mit z.B. Buckfastbienen anzu sprechen. Oder sind die Institutsmitglieder gleichzeitig mit dem Zuchtobmann des DIB verbandelt?
    Gruß
    Hans-Joachim :(

  • Hallo Hans-Joachim,


    sicher erfüllt hat auch die Buckfastbiene eine ökologischen Nutzen. Auf der Züchtertagung der Buckfastimker 2005 war auch Frau Garrido aus Kirchhain anwesend, die das Projekt sehr anschaulich darstellte und wohl auch sehr engagiert ist. Dennoch gibt es eben den Knackpunkt der Satzung der AG Toleranzzucht. Dort heisst es in §3:


    "Für in Deutschland ansässige Personen wird eine gleichzeitige Mitgliedschaft in einem Imker-/Landesverband des Deutschen Imkerbundes e.V. vorausgesetzt."


    Deshalb wird die AGT ein Carnicazuchtverband bleiben. Das sperrt z.B. auch Tausende Imker in Bayern aus, die in Landesverbänden ausserhalb des DIB organisiert sind. Für ein öffentlich gefördertes Projekt finde ich das nicht in Ordnung.

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  • Hallo Jungs,


    ich mache persönlich da nicht mit, aber ich weiß, dass es einige (leider wenige) Mitglieder gibt, die andere als Carnicabienen halten.
    An der "AG Toleranzzucht" liegt es sicherlich nicht, die Jungs und vor allen Dingen Frau Garrido sind da völlig ideologiefrei, aber es hängt leider mal wieder dran, daß derjenige, der die Kohle organisiert, auch die Spielregeln vorgibt.
    Und -unter uns gesagt-
    daß es überhaupt Bestrebungen im Sinne einer Varroatoleranzzucht gibt, ist ja der richtige Schritt, so daß mir das wer zweitrangig erscheint.
    Oder nicht?
    Die Ergebnisse, und das ist das Entscheidende, werden jedem Imker zugute komen.
    Es handelt sich ja nicht um einen geschlossenen Alchimistenverein, sondern da herrscht weitgehend Transparenz, alle Veranstaltungen sind öffentlich, und je mehr mitmachen, desto besser für uns alle.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    ich mache in diesem Toleranzzuchtprogramm auch nicht mit. Frau Garrido ist hier sicher nicht die Schuldige. Wie du sagst liegt es am "Produzenten". Und der hat den falschen Zuchtobmann. Die Auswüchse davon konnte ich in den letzten Jahren mitverfolgen.


    Zum Beispiel auch solches. In einer Leistungsprüfung waren auch Buckfastbienen eines Freundes dabei. Ganz liebe Bienen, ohne Rauch zu bearbeiten. Weiter beteiligt auch Institutsbienen. Diese wurden als signifikant sanftmütiger bezeichnet, obwohl sie definitiv nur mit Rauch zu öffnen waren. Die Wertung fiel entsprechend positiv für die C aus.


    Oder solches. Buckfastler sollten C-Bienen auf ihren Ständen mitprüfen. Carnicaleute aber keine Buckfast, weil man ihnen das nicht zumuten kann.


    Und so weiter... DESHALB haben viele Buckfastler keine Lust mitzumachen, weil vermutet wird, dass die Ergebnisse ähnlich ausfallen werden. Obwohl wir überzeugt sind, kein schlechteres Material in Sachen Varroatoleranz zu haben. Im Gegenteil.


    Übrigens habe ich Frau Garrido sogar angeboten unsere Belegstelle für einen Toleranzdurchgang mit Völkern nach Wahl der AGT zu bestücken. Ich mache nicht mit, weil es mir einfach zu viel werden würde. Ich bin im DIB, aber ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, auch wenns dort noch so schön wäre ...

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  • Hallo Reiner,


    du schreibst:

    Zitat

    Ich mache nicht mit, weil es mir einfach zu viel werden würde. Ich bin im DIB, aber ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, auch wenns dort noch so schön wäre ...


    Genau das ist auch mein Problem.
    Wenn schon, dann richtig und mit allen Konsequenzen Toleranzzuchtarbeit, und das kann ich als Freizeitimker der "nebenher" noch sein Geld verdienen muß, nicht leisten.
    Zum Thema "Zuchtobmann" muß ich mich mit Gewalt zurückhalten, spätestens seit diesem Sommer liege ich mit dem heftig im Clinch.
    Nur soviel gesagt, er bringt mich noch dahin, dass ich meine Königinnen nächstens nach Baltrum bringe, oder die künstliche Besamung ausweite ...
    Dies ist aber noch ein schwebendes Verfahren, und darum sage ich öffentlich lieber nichts darüber.
    Vielleicht sehen wir uns irgendwo ja mal bei einem Bier ...

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Freunde der Toleranzzucht,


    im letzten Jahr bekam auch Hohenneuendorf einen Riesenbatzen Geld für Toleranzzucht. Grundlage soll das Sichtbarmachen des Genprofils mit Hilfe eines so genannten Genchips sein. So will man dort die natürlichen "Widerstandsgene" gegen die Milbe identifizieren.
    Dieses Projekt sollte auf zwei Jahre angelegt sein, wenn ich nicht irre.
    Weiß jemand von Euch etwas über den Stand der Dinge?


    Gruß!


    Manne

  • Manne schrieb:

    Hallo Freunde der Toleranzzucht,


    im letzten Jahr bekam auch Hohenneuendorf einen Riesenbatzen Geld für Toleranzzucht. Grundlage soll das Sichtbarmachen des Genprofils mit Hilfe eines so genannten Genchips sein. So will man dort die natürlichen "Widerstandsgene" gegen die Milbe identifizieren.


    Dies scheint mir doch ein sehr technokratisches Verständnis von Toleranzzucht zu sein. .....
    Und dafür gibt es öffentliche Gelder???
    Ich fasse es nicht!
    Gruß
    Hans-Joachim :o

  • Zitat

    Dies scheint mir doch ein sehr technokratisches Verständnis von Toleranzzucht zu sein. .....
    Und dafür gibt es öffentliche Gelder???



    ...... es ist ein gangbarer Weg. Die Voraussetzung ist allerdings, dass es Gene in der Biene gibt, deren Produkte eine Toleranz bezüglich Varroa hervorrufen. Ich halte das Suchen dieser Gene für eine sehr lohnenswerte und auch löbliche Sache! Ob es allerdings ein Diagnose-Chip sein muß oder aber eine "normale PCR-Methode" ausreichend ist, wäre zu prüfen ,wenn denn die Gene gefunden sind.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Vorredner,


    das sehe ich schlichterdings aber ganz genau so.
    Wir sollten um jeden Ansatz dankbar sein!
    Die Praktiker beschweren sich seit ewigen Zeiten lautstark über mangelnde Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, und jetzt, wo es ein konkretes Projekt gibt, wird auch wieder gejohlt.
    Laßt die Jungs doch mal machen!

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Fragen, die u.a. zu klären wären: Gibt es ein solches Gen. Dann müßte man auch die asiatischen Bienenrassen, die mit der Varroa klarkommen in die Untersuchung mit einbeziehen. Ferner wäre zu klären, ob es bei jeder Rasse vorhanden ist oder nur bei einer oder ob es eventuell auch ein erlerntes Putzverhalten der Bienen gibt.....
    Gruß
    Hans-Joachim