Schwarmvorwegnahme/-verhinderung nach Imkermeister Deichmann

  • Hallo liebe Imkerinnen und Imker,


    hat jemand das Verfahren nach IM Deichmann (s. bei Böttcher) schon einmal angewendet und Erfahrungen damit gemacht? Zweizargigen Völkern wird dabei ein Absperrgitter zwischen die Bruträume gelegt, nach 9 Tagen wird die Zarge mit Königin verstellt. Am alten Platz bleibt die andere Zarge (Zuchtstoff wird gegeben) mit den Honigräumen zurück. Das ganze passiert etwa Mitte der Rapstracht.

  • Moin Matthias,


    ja klar, nur daß das Verfahren nach dem IM (inoffizellen Mitarbeiter) Deichmann (Schuhladen) benannt wurde, war mir nicht bekannt. Aber so ist das in Spionagekreisen. Die sagen ja auch immer "Parole!" statt "Hallo"
    Wahrscheinlich heißt der Kerl in echt Günter Schuhknecht oder Werner Schuster, da kommt IM Deichmann natürlich besser. Nur wer ist "s. bei Böttcher"? Ist "s. bei" so 'ne Art Dienstrang? Na egal.


    Erfunden hat der Günter Schuster das Verfahren jedenfalls nicht, auch wenn der "s. bei" Böttcher das denkt. Das gibt es schon seit 1890 mindestens.


    Sinnvoller als die wahlose Absperrung der Königin auf der Hälfte der Waben ist allerdings die Absperrung auf Leerwaben und die Wegnahme der Königin mit nur diesen inzwischen bestifteten Leerwaben oder die Entnahme der bestifteten Waben und die Wegnahme der Königin. Auf diese Weise bleibt das ganze Volk sammt aller Brut beisammen.


    Ansonsten und gerade mitten im Raps könnte man auf das große Heer der Flugbienen im Pflegevolk gut und gerne und ganz sicher teilweise verzichten. Für die Brutpflege sind die Flugbienen nicht sehr wichtig. Aber das was die reinschleppen, führt zum Verbauen der Zellen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo zusammen, Hallo Henry,
    hattest ´mal wieder einen echt spaßigen Moment, oder (gell)?
    Das erwähnte Verfahren nach Deichmann hat mit Zucht doch gar nichts zu tun.
    Wenn man Deinen Kommentar dazu liest, hört das sich an nach misslungener Zuchtserie.
    Vereinfacht gesagt ist das Verfahren nach Deichmann die Wegnahme der Königin zur Schwarmverhinderung.
    Statt Heraussuchen derselben vereinfacht er das mit Teilen des Brutnestes mittels Absperrgitter.
    Nach neun Tagen ist der Teil mit Eiern und jungen Larven der mit Königin.
    Dieser kommt an einen anderen Ort und der Rest wird am alten Standort
    erweitert. Aus vorhandenen Wz kommt dieser , durch Entzug von Brut, Königin und Bienen geschwächte Teil dann wieder zu einer Königin.
    (wenn dadurch dann der Schwarmdusel beseitigt sein sollte :wink: )
    Dadurch mag im Moment die Schwarmgefahr j beseitigt sein.
    Aber, dies ist nur eine Betriebsweise.
    Betriebsweisen sind der Feind der Zucht.
    Genauer: Wo findet hier eine Auswahl nach Schwarmträgheit statt?
    Warum die Altköniginnen aufbewahren?
    Die Völker zeigen doch durch ihre Schwarmstimmung, das sie eine neue Königin haben wollen.
    Für mich ist das herumdoktern an Symtomen, keine Bekämpfung der Ursachen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    ein Punkt den du da ansprichst gefällt mir, man braucht doppelt so viele Böden und Deckel wie Völker.
    Der IM hat nicht geschrieben wie und was für ein Zuchtstoff er gibt, das wird doch sicherlich auch umständlich sein, wenn man davon ausgeht, dass Zuchtstoff von eiem Volk stammt, das nachzuchtwürdig ist. Hängt man dann ganze Waben rein, ist so ein Zuchtvolk auch schnell alle :wink: !
    Also wenn man sich das vornimmt, dann kann man doch gleich ein Volk als Pflegevolk opfern und dort Zellen ziehen lassen. Dann nach dem Verfahren nur die kleinen Stöpsel in die Völker hängen, sollte ja gut klappen, wenn kein offene Brut mehr da ist.
    Dann hat man zwar doppelt so viele Völker aber der IM hat ja noch nicht geschrieben, wie im Sommer oder Herbst mit den Völkern ungeht.


    Könnte man dann ja in die Heide fahren und das Häufchen Bienen was dann zurückkommt mit den neuen Völkern vereinigen.


    Grüsse
     8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Ach, noch einen Nachtrag, wie ist das mit Varroa ? Zwei Völker = doppelte Anzahl Varroen ?
    Wann und wie lebte dieser IM ? Henry schrieb was von 1890, ich glaub da hatten wir hier noch keine Varroa, jedenfalls nicht amtlich festgestellt! 8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Hallo Berni911,

    Berni911 schrieb:

    Wann und wie lebte dieser IM


    Walter Deichmann ist leider schon gestorben. Er war ein sehr kenntnisreicher und fähiger Berufsimker aus der Kasseler Gegend. Er gehörte zu der guten Handvoll engagierter Praktiker, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Imker in Deutschland von der Führung vollstarker Völkern überzeugten - oft gegen den erbitterten Widerstand der Prediger der alten Schule.
    Seine Art zu imkern stellte er in vielen Vorträgen auf Großveranstaltungen wie z.B. in Soltau vor. Er war sich aber auch nicht zu schade, dasselbe in sehr überschaubaren Versammlungen von kleinen Vereinen zu tun. Für mich war es immer ein Erlebnis, ihn sprechen und diskutieren zu hören.
    Es gibt auch einige Veröffentlichungen in der Imkerpresse aus seiner Feder. Ein Buch hat er leider nicht geschrieben.
    Seine Berufskollegen würdigten seine Person und sein Engagement, indem sie ihn über lange Jahre zum dritten Bundesleiter des Berufs- und Erwerbsimkerbundes wählten.


    Bemerkenswert: Im Gegensatz zum grössten Teil der Berufsimker in Deutschland bevorzugte er eine eher intensive Völkerführung und es gelang ihm, mit relativ wenigen Völkern eine dauerhaft ertragreiche Imkerei zu führen.


    Das Kernstück seiner Betriebsweise - die Brutling-Flugling-Trennung zum Beginn der Rapstracht - entstand in den siebziger Jahren. Zu der Zeit musste man aus dem Hessischen noch bis nach Fehmarn wandern, wenn man Rapshonig ernten wollte.
    Walter Deichmann gelang es mit seiner Technik, absolut schwarmfrei zu imkern und eine mehrtägige Kontrollfahrt von 1000 km zu sparen.
    Gleichzeitig - sein Brutling/Flugling darf nicht als Schröpfung zur Schwarmverhinderung missverstanden werden - verdoppelte er beinahe die Zahl seiner Wirtschaftsvölker und er hatte in der heimischen Sommertracht eine Garnitur 'frischer' Völker (die Brutlinge), die ihrem Leistungshoch erneut entgegenstrebten.
    Die in der Rapstracht abgeschafften Fluglinge hatten junge Königinnen und wurden bei Bedarf noch in einer späten Tracht eingesetzt, z.B. im Schwarzwald, erneut auf dem Weg zu einem Leistungshoch.


    Auch die Zucht (besser: Auslese) kam nicht zu kurz: Für Brutling/Flugling kamen nur Völker in Frage, die nicht in Schwarmtrieb waren. Vor der Wanderung wurden voreilige Völker aussortiert und damit auch von der Vermehrung ausgeschlossen.
    Und am Ende eines jeden Jahres wurden nur soviele Völker eingewintert, wie für den Start im Folgejahr gebraucht wurden - da wird er bestimmt nicht die schlechtesten Königinnen gewählt haben. :-)


    Wer das mal ausprobieren will, sollte allerdings Folgendes bedenken: Walter Deichmann führte seine Wintervölker in zweiräumigen Magazinen - auf der Gerstung Breitwabe! (Dem wäre etwa das Führen von zweiräumigen Dadant-Völkern vergleichbar.)
    Diese Völker wurden durch eine Wanderung in die Süßkirsche im Kasseler Raum auf die Rapswanderung vorbereitet, da gab es also wirklich was zum Teilen!


    Ich habe seinerzeit versucht, mit 4-räumig geführten Zander-Flachzargen und Standimkerei Deichmanns Brutling/Flugling nachzubauen. Ich hatte nicht den erhofften Erfolg.
    Das ist aber auch gar nicht so wichtig.
    Viel wichtiger ist es, die guten Gedanken eines erfolgreichen Kollegen zu verstehen und auf die eigenen Bedingungen 'umzudenken'.


    Walter Deichmann gehörte nicht zu den Lauten im Lande. Er war immer sachlich und freundlich, schien in sich selbst zu ruhen. Was den Erfolg seiner Imkerei vielleicht am deutlichsten unterstreicht: Er wirkte nie in Eile oder gar gehetzt, schien immer Zeit zu haben - auch im Mai!


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    Wer ernsthaft an einer Beschreibung der Methode interessiert ist, der möge mir seine Mail-Adresse per PM mitteilen.
    Ich werde dann eine kurze Beschreibung des Brutling/Flugling nach Deichmann erstellen und zusenden.
     
    Viele Grüße,
    Rudi