Wann beginnt das Bienensterben 2005?

  • Eine traurige Sache ist es, sterbende Bienenvölker zu sehen. So geschehen heute Nachmittag. Ein Imkerkollege rief an, da zwei seiner acht Völker leer seien. Vor kurzem waren noch beide Zargen voller Bienen. Behandelt und teilweise eingefüttert hat er schon. Er könne es sich gar nicht erklären, ich hatte aber so eine Ahnung. Also vor Ort und nachschauen. Zwei Altvölker komplett leer, ausgeräubert, verlassene Brut war auf drei Waben vorhanden, kaum Totenfall, ein paar Bienen mit deformierten Flügeln. In der Brut gab es auch Mehrfachparasitierung. Zwei weitere Altvölker droht wohl das gleiche Schicksal: Sie flogen kaum noch, an das Futter gingen sie schon nicht mehr und saßen aufgeregt und locker auf 6 Waben. Über den Betrieb am Flugloch beurteilt, geht es den vier Jungvölkern noch besser, sie hängen auch noch am restlichen Futter. Leider hat es der Kollege versäumt den Milbenfall im Blick zu halten: Die Schubladen waren nicht drinnen! Schade, den Milbenfall hätte ich gerne beurteilt.


    Mit dieser Situation hatte ich jetzt noch nicht gerechnet, ich dachte die Völker brechen etwas später zusammen.
    Was ist schiefgelaufen? Die erste AS Behandlung hatte nicht gewirkt, es war zu kalt. Durch einen kurzen Blick auf die Schublade hätte man das herausgefunden. Auch bei mir hatte die erste Behandlung kaum Wirkung. Durch das Verhältnis natürlicher Milbenfall zu Behandlungsergebnis kann der Wirkungsgrad abgeschätzt werden. Wer nach dem Behandlungsende nochmal den Befall abschätzt, wird nicht so schnell überrascht.


    Trotzdem gibt es viele Ungereimtheiten! Der uneinheitliche Befall verunsichert mich diese Jahr etwas. Ein Volk mit 10 000+ Milben steht direkt neben dem guten Durchschnitt. Unerklärlich für mich ist, dass ich keinen Zusammenhang zwischen der Behandlungsart (2XAS+OS oder 1XAS+OS oder nur 1XOS) des letzten Jahres und des diesjährigen Befallsgrades sehen kann. Mit OS nachbehandelte Völker haben bei mir nicht weniger Milben. Einige Jungvölker aus 04 hatte ich nicht behandelt und die haben auch nicht mehr Milben als behandelte Jungvölker. Mehrere komplexe Faktoren scheinen die Vermehrung der Milbe unvorhersehbar zu beeinflussen. Was also aus den überwinterten Milben geschieht, scheint mir recht spekulativ.
    Viel wichtiger finde ich momentan den Zustand der Winterbienen. Gibt es nicht genügend Gesunde davon, ist die Überwinterung gefährdet. Mal schauen ob ich gute Bedingungen dafür geschaffen habe.


    Gruß
    Simon

  • Hallo Bumblebee,


    was ist deinem Statement noch hinzu zu fügen?
    Eigentlich nichts mehr.
    Da sieht man wieder, wie wichtig eine kontinuierliche Bobachtung des Varroatotenfalls und des Zustandes seiner Völker allgemein ist.
    Wer sich damit zufrieden gibt: wenig Varroen nach Behandlung gefallen = wenig Varroen an Bord, erliegt einem gefährlichen Irrtum.
    Aber nur so lernt der Mensch.
    Tröste deinen Nachbarn, und nächstes Jahr sollte dieser Fehler nicht mehr passieren.
    Vor allem, erklär ihm, dass die Varroen aus den toten Völkern jetzt allesamt in den anderen, noch scheinbar gesunden Völkern zu finden sind.!

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Simon,


    ist eine traurige Sache, aber ich sage es wurde zu spät behandelt.
    Es war viel Zeit für eine ausreichende Behandlung, Mitte August und später ist eine Erstbehandlung einfach zu spät, die Schädigung der Bienen ist zu dieser Zeit sehr stark, bei einen hohen Befall, starke Völker die viel brüten haben auch einen hohen Befall, dann kommt noch eine Befallerhöhung wenn man keine Drohnenbrut ausschneidet, solche Völker brechen ganz schnell zusammen wenn nicht frühzeitig behandelt wird.


    Wie ich schon oft geschrieben habe, behandele ich sehr früh, die Tracht endet hier bei mir sehr früh, darauf hin ist auch keine frühe Behandlung möglich.
    Hier kann ich schon ab 25-28 Juli anfangen.
    Wenn man die Möglichkeit hat und auch die Vorrausetzung dann würde ich auch diese nutzen, je früher umso besser und umso größer der Erfolg.
    Ob wohl ich 7 Altvölker gut behandelt und früh damit begonnen habe, sind drei Völker etwas schwächer als die anderen, diese Völker weisen einen hohen Befall auf, der eine Schwächung auslöst.
    Man kann solche Völker mit Ablegern verstärken oder zusammen werfen, vorher sollte mit Milchsäure behandelt werden.
    Man sieht daran das eine frühe und ausreichende Behandlung sehr wichtig ist, einige Imker ist die Behandlung nicht wichtig genug, solche Leute habe ich leider auch im Verein, die erst ende August/ Anfang September behandeln.


    Lese mal den Beitrag gut durch.
    http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=28830

  • Zitat

    Trotzdem gibt es viele Ungereimtheiten! Der uneinheitliche Befall verunsichert mich diese Jahr etwas. Ein Volk mit 10 000+ Milben steht direkt neben dem guten Durchschnitt. Unerklärlich für mich ist, dass ich keinen Zusammenhang zwischen der Behandlungsart (2XAS+OS oder 1XAS+OS oder nur 1XOS) des letzten Jahres und des diesjährigen Befallsgrades sehen kann.


    richtig! ..es gibt keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Behandlung und Milbenfall im nächsten Jahr. Dazu spielen zu viele andere (auch unbekannte) Faktoren eine Rolle.


    Der uneinheitliche Milbenfall/Befallsgrad ist normal. Das kann man immer wieder beobachten.


    Was ich glaube, zu erkennen, ist die immer höhere "Aggressivität" der Milben. Vor 10 Jahren lagen manchmal 10 000 Milben auf der Windel nach Ameisensäure-Behandlung und das Volk hat trotzdem überlebt. Heute fallen viel weniger Milben und trotzdem brechen Völker zusammen bzw. sind massiv geschwächt.


    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen: es ist zu spät im August gegen Varroa behandeln zu wollen! Ich sprühe meine Völker (die Brutwaben nur!) schon im Mai/Juni mit Bienenwohl (Blockbehandlung) ein. Beanstandungen bei der Honigkontrolle gab es noch nie, d.h. die Oxalsäure kommt nicht in den Honig.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo zusammen


    auch bei mir sind die gleichen Phänomene zu beobachten! trotz früher Behandlung schon in der letzten Juliwoche immer noch Milben ohne Ende! und z.T. auch Völkerzusammenbrüche!



    wo führt das dann am Schluß hin?
    zu einer ganzjährigen Behandlung?



    was für Zeiten kommen da auf uns blos zu?


    mir graust es!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Inzwischen habe ich dem Kollegen etwas "nachgeholfen" und ihm MoT50 Verdunster in die Altvölker gesetzt. Bevor die Völker noch vollends zusammenbrechen, sollten sie wenigstens sich der Milben entledigen. Vielleicht klappt es noch die Altvölker zusammenzulegen. Dem Zusammenbruch werde ich nochmal nachgehen, es wäre schade, wenn es an einer falschen Behandlungstechnik lag.
    Am Behandlungszeitpunkt lag es jedenfalls nicht. Es lag an der kühlen feuchten Wetterlage. Wer Anfang-Mitte August behandelt, der liegt mit der ersten Behandlung richtig, dazu gibt es genügend Erkenntnisse (und Erfahrungen). Wichtig ist die Wirksamkeit der Behandlung VOR der Winterbienenerzeugung; die Milben dauerhaft mit ungeeigneten Methoden in schach zu halten ist für mich unwirtschaftlich.
    Mal schauen was aus den Völkern des Kollegen wird. Große Hoffnung habe ich ihm nicht gemacht.


    Wie schaut es im Rest der Republik aus?


    Gruß
    Simon

  • Hallo Toyota,
    ich glaube kaum, dass der Pollen etwas mit der Varroaempfindlichkeit zu tun hat. Wenn du morgens aufwachst und hast 4 faustgroße Zecken in deiner Leiste oder am Hals, dann bleibst du im Bett liegen, egal was es gutes zum Essen gibt. Wenn die Brut mehrfachparasitiert ist, dann kann auch unter vermeintlich besten Außenbedingungen keine gesunde Biene entstehen.
    Und von Milben ohne Ende berichtest du ja auch! Spannend sind die Zusammenbrüche mit wenig Milbenfall. Da würde ich dann eine kleine Brutprobe auswaschen und nach Bienen untersuchen. Wenn man sich die Mühe macht und das machen sich die Wenigsten, dann erlebt man da große Überraschungen.


    Gruß
    Simon

  • Hallo Simon,


    du hast auf der einen Seite schon recht, aber kann es nicht sein, daß z.B. die Brut bzw. das gesammte Brutgeschäft schon lange vor der jetztigen Situation gestört sein kann.


    ein Beispiel:


    Ein einziger Alkoholiger fällt in einem Betrieb mit zig 1000 Mitarbeiter zum ersten nicht besonders auf, und macht mitunter keinen großen Schaden.
    Aber werden daraus Tag für Tag mehr Alkis, dann wird das im Betriebsergebniss irgend wann zu spüren sein!


    und irgend wann wird dann im Bienenvolk die Bruttemperatur nicht mehr exakt gehalten und dann wird aus 21 Tagen 24 oder noch mehr und dann hast du Übernacht diese Massenvermehrung und auch diese Mehrfachparasitierung!


    schon mal in diese Richtung gedacht?


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyotafan,
    danke für das Beispiel, es gefällt mir. Ich glaube jeder Imker tut gut daran, Analogien zwischen Mensch und Tier zu suchen. Ich gebe dir vollkommen Recht! Spätestens seit dem Brutrückgang kommt auf jede Brutzelle ein steigender Varroadruck. Es bleibt die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Schadensschwelle erreicht ist? Diese Schadensschelle ist zwar bei jedem Volk individuell und auch stark abhängig von der Jahreszeit und dem Brutumfang.
    Ist ein Milbenfall von 20 Milben pro Tag Anfang August gefährlich für ein Bienenvolk? Momentan würde eine solche Belastung nicht spurlos am Volk vorbeigehen. Wie viele Varroen verträgt ein Bienenvolk? Sicher einige Tausend wenn es sich im Frühjahr und Sommer im brütenden Zustand befindet. Schadlos erträgt es sicher keine Tausend wenn es in der Wintertraube sitzt.
    Ich hoffe es fallen nicht viele Varroen aus der Wintertraube!


    Gruß
    Simon

  • Hallo Simon,


    ja und genau diese Schadschwellengeschichte ist das Problem!


    dabei habe ich den Eindruck, das diese immer weiter vor in den Sommer rückt bzw. daß diese immer weiter nach unten sinkt, wir also eines Tages mit nur ganz wenig Milben schon recht große Probleme bekommen werden, wenn diese Zenarien so weiter gehen!


    Daher bin ich eben auch davon überzeugt, daß es mit der Empfindlichkeit unserer Bienen nicht mehr so gut bestellt ist, wodurch auch immer, bzw. PSM ihren Teil mit dazu bei tragen!


    Man kann also damit auch sagen, daß im Laufe der letzten Jahre die Bienen eben zunehmend anfälliger geworden sind!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo !


    Ja mit der Varroa ist das so eine Sache. Meine Wirtschaftsvölker konnte ich bis heute noch nicht behandeln, sie sind gerade aus der Heidetracht zurück und nun fast aufgefüttert. Bei der Ernte des Heidehonigs habe ich nicht bei einem einzigen Volk eine verkrüppelte Biene gesehen. Sobald es nun das Wetter zuläßt werde ich zwei AS Behandlungen mit dem Schwammtuch durchführen, abschließend dann noch einmal im Dezember eine Bienenwohl Behandlung. Völkerverluste hatte ich trotz dieser wie man meinen möchte ungünstigen Behandlungspraxis für die Wirtschaftsvölker noch nicht erlebt. Sie kommen auf zwei Zargen aus der Heide, haben in der Regel reichlich Brut (aufgrund der guten Pollentracht) und werden dann zur Überwinterung auf eine Zarge zusammengedrückt, innerhalb weniger Tage aufgefüttert und dann so schnell als witterungsmöglich behandelt.


    Beste Grüße


    Frank


    www.bienenpower.de

  • Einen Gruß in den varroa-armen Norden!
    Berichte doch mal ein bischen mehr von den Heidehonig Völkern, hast du Windeln drinn? Wäre spannend zu wissen was da fällt.


    Bei manchen Altvölkern treten momentan die ersten sichtbaren Varroa-Schäden auf. Ein Volk werde ich am Wochenende abräumen. Wenn ich die "Varroa-Biographie" des Volkes anschaue, dann ist der Zusammenbruch auch keine Überraschung.
    Auch einige Ableger sind bei mir massiv befallen, mal schauen was die AS-Behandlung hervorbringt. Ich rechne dieses Jahr mit einigen Ausfällen.


    Gruß
    Simon

  • Hallo Imkerfreunde


    Ich kann nur eins feststellen daß ich in den letzten 10 Tagen 5 Völker verloren habe die noch vor 4 Wochen mittelstark waren.( 9 Normalmaßwaben besetzt) Die Völker wurden regelmäßig mit AS behandelt und es wurde ein normaler Milbenbefall während der Behandlungsphasen ermittelt.Ich mußte aber feststellen das bei niedrigen Außentemperaturen ein starker Wespenflug statt fand und die Bienen diesen garnicht mitbekamen!! Sie flogen ein und aus da ja keine Wächter vorhanden waren. Ich glaube daß hier eine schleichende Räuberei statt gefunden hat und sogar Krankheitserreger eingeschleppt wurden die noch garnicht erforscht sind!!! Zum Glück hab ich noch genug Ableger die hoffentlich den Winter überstehen! Ich würde gern mal wissen wer die selben Beobachtungen gemacht hat??


    Mit besten Grüßen aus Thüringen

  • Rüdiger schrieb:

    Hallo Imkerfreunde


    Die Völker wurden regelmäßig mit AS behandelt und es wurde ein normaler Milbenbefall während der Behandlungsphasen ermittelt.


    Das sagt gar nichts über einen Behandlungserfolg aus, aber auch rein gar nichts!


    Rüdiger schrieb:

    Ich mußte aber feststellen das bei niedrigen Außentemperaturen ein starker Wespenflug statt fand und die Bienen diesen garnicht mitbekamen!! Sie flogen ein und aus da ja keine Wächter vorhanden waren.


    Das konnte ich auch schon bei menen Völkern beobachten und auch aus Kollegenkreisen hören, dass dieses Phänomen "ungestörter Wespen Ein und Ausflug ein Indikator für dahinsichende Völker sind.


    Rüdiger schrieb:

    Ich glaube daß hier eine schleichende Räuberei statt gefunden hat und sogar Krankheitserreger eingeschleppt wurden die noch garnicht erforscht sind!!!


    Rüdiger, wie sah deine Winterbehandlung im Vorjahr aus.? Könnte es sein, dass hier doch heuer im Frühjahr gewisse Anfangsbestände von Milben waren und deine heurigen AS Behandlungen doch nicht so wirksam waren.


    Aus eigener Erfahrung musste ich bisher einmal schon diese Erkenntnis gewinnen!