große Unruhe nach dem Einfüttern

  • Als Anfänger habe ich Besorgnis, weil meine zwei Völker fünf Minuten nach dem Einfüttern sehr große Unruhe auf dem Flugbrett ausstrahlten und dachte schon an Räuberei o.ä. Nach einer halben Stunde begann es sich aber wieder langsam zu beruhigen. Außerdem war es schon ziemlich kalt (7 Grad).
    Kann man eigentlich auch noch zu vorgerückter Stunde z.B. um 22:00 Uhr oder noch später füttern oder gibt es da zeitliche Beschränkungen? Darf man bei Kälte überhaupt noch füttern oder mag dies vielleicht sogar der Grund für diese Unruhe zu sein?


    Mit freundlichen Grüßen
    Arndt Ackermann

  • Moin Arndt,


    die Bienen werden immer aufgeregt, wenn's plötzlich was zu fressen gibt. Das ist normal und wurde hier auch schon mal diskutiert. Da muß man keine Sorge haben. Man füttert aber genau deshalb spät, damit nicht zuviel orientierungslose Bienen draußen nach Futter suchen, sondern halt drinne. Ob Du nun abends oder nachts fütterst ist wurschd. Die Aufregung des neuen Futters sollte sich nur schon gelegt haben, ehe wieder Flugbetrieb einsetzt. Wenn das Futter da noch nicht alle ist ist das aber nicht schlimm. Es wäre aber unsinnig früh um 9 zu füttern, wenn die Sonne lacht, weil das dann sicher gesuche gibt. Früh um 9 eine noch halbvolle Futterzarge aber aufzufüllen ist kein Problem. Nur neues Futter macht die uschig.


    Nun zur Kälte. War ja schon echt krass letzte Nacht. +2 bei meinen Bienen und ich hab' bei knapp über 15° im Gartenhaus übernachtet und erst gegen 11 war es über 10 Grad. Also Arschkalt. An solchen Tagen sollte man den Bienen kein kaltes Futter geben. Gib's ihnen halt angewärmt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,
    ich danke erstmal für die superschnelle Antwort! Kann ich also beruhigt sein.
    Noch zwei Fragen hätte ich: Ist Räuberei eigentlich auch sofort abends/nachts nach dem Einfüttern möglich oder erst ab dem nächsten Morgen beim Flug (z.B. bei verschüttetem Futter usw.)?
    Auf wieviel Quadratzentimeter sollte man eigentlich das Flugloch verkleinern während der Wochen der Reiz- und Wintereinfütterung?


    Mit freundlichen Grüßen
    Arndt Ackermann

  • Moin Arndt,


    Arndt Ackermann schrieb:

    Noch zwei Fragen hätte ich: Ist Räuberei eigentlich auch sofort abends/nachts nach dem Einfüttern möglich

    Nun wenn Du Bienen mit Suchscheinwerfern hast oder welche die sich per Echolot orientieren. Oder wenn Du Deine Gegend Großflächig ausleuchtest. :lol: Zum Räubern müssen die fliegen oder wenigsten aus der Beute raus über's Flugbrett in die Nachbarbeute rein laufen. Gehen Deine Bienen nachts wandern und fliegen?

    Zitat

    Räuberei am nächsten Morgen beim Flug (z.B. bei verschüttetem Futter usw.)?

    Das ist sehr häufig, gerade wenn spät abends bei schlechtem Licht eingefüttert wird und etwas Streß entsteht, weil wieder irgendwas nicht klappt. Zum Glücke regnets dann aber nachts auch oft und die Süße Versuchung wird weggeschwemmt oder bis zur Unkenntlichkeit verdünnt. Ganz fatal ist außen an der Beute ablaufendes Futter, das sich in den Zargenübergängen breit zieht. Sowas ist ein 100%iger Räubereiauslöser. Regenwetter nach dem Füttern ist also garnicht schlecht. Erstens könnten die Bienen dann sowieso nicht fliegen und anderen Nektar eintragen, zweitens bleiben die alle zu Hause und halten das Futter warm und nehmen es auch schnell ab und drittens gibts ohne Bienenflug keine Räuberei.

    Zitat

    Auf wieviel Quadratzentimeter sollte man eigentlich das Flugloch verkleinern während der Wochen der Reiz- und Wintereinfütterung?

    Ich enge die Fluglöcher nicht ein, wenn es keinen zwingenden Grund dazu gibt. Aufkommende Räubereineigung oder Wespenplage kann so ein Grund sein. Dann enge ich sehr drastisch ein, also auf das berühmte Ein-Bienen-Loch. (Ich hab' großflächige offene Böden, ich will die Völker nicht ersticken) Am nächsten oder übernächsten Tag haben die beraubten die Situation in aller Regel wieder unter Kontrolle und ich erweitere das Flugloch auf Dauemendicke. So bleibt es dann einige Tage bis ich's wieder auf Daumenbreite erweitere. Dann ist ohnehin oft schon die Einfütterei beendet und wenn die Mäusegitter rein und die Kletterzargen drunter kommen bleiben die Fluglöcher ganz auf. Prophylaktisch enge ich die Fluglöcher nicht ein. Die Einengerei direkt vor dem Füttern bringt mehr Räubereigefahr bzw. senkt die nicht so wie oft gelesen, weil:
    Ein über 40cm breites Flugloch nie von allen Bienen nur an einer Seite oder der Mitte angeflogen wird. Die, die nach dem Einengen auf einen Schaumstoffstreifen treffen oder einen andern Fluglochverschluß bilden erst mal eine Bienenwolke und diese Bienenwolke zieht suchende Bienen geradezu magisch an. (Minenversuch)
    Hinter einem Breiten Flugloch ohne Anflugbrett befindet sich die Wachbienenreihe weiter im Innern der Beute manchmal auf der Beutenwand oder der Bausperre. (kann man durchs Flugloch gut beobachten) Diesen Wächtern wird nun das Leben schwer gemacht, weil deren Programm lautet, festhalten, notfalls gemeinsam und dann ab und zum Flugloch und raus mit dem Störer. Jetzt stoßen die von innen ans zue Flugloch und da verläßt die der Mut.


    Wenn jemand also die Fluglöcher enger machen will, und bei Ablegern und abgeernteten Vollvölkern am selben Stand kann das bei den Ablegern schon sinnvoll sein, dann bitte nicht einfach unten zustopfen und oben gleich reinschütten, sondern erst unten zustopfen und den Bienen Zeit geben mit dem neuen Anflugweg und dem engen Flugloch klar zu kommen und dann füttern.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder