Ausräumen von Drohnenbrut bei AS-Behandlung

  • Lieber Bienenfachleute,
    hatte Euch ja schon von meinem Volk berichtet, daß sich nun offenbar mittels stiller Umweiselung eine neue Königin ziehen will. Nach einigem Überlegen habe ich sie jetzt einfach mal gewähren lassen - das Biologen-Gen in mir setzte sich gegen das Honigertragsoptimierungs-Gen durch und beschloß, es einfach mal darauf ankommen zu lassen.



    Bisher ein unverändertes Bild - eine alte Königin, Stifte und ein bunter Brutmix aus verdeckelter Arbeiterinnen- und Drohnenbrut sowie große Flächen an Buckelbrut.


    Jetzt habe ich - 4 Wochen nach der ersten - die 2. AS-Behandlung gestartet. Mit dem Apidea-Schwammtuchverdunster ganz nach Anweisung. Ein Vorquellen o.ä. gab es nicht; ich habe die Anwendung abends gestartet.


    Überrascht war ich, als ich am nächsten Tag erhebliche Mengen an Drohnen vor dem Flugloch fand. Und bis heute geht das weiter - munteres Rauswerfen von Drohnen und jetzt sogar schon von Puppen...eindeutig noch nicht schlupfreif aber fast durchweg Drohnen.
    Mögliche Erklärungen die mir bisher einfielen:


    - da ich die Flüssigfütterung weisungsgemäß zuvor eingestellt habe, wäre sowas wie ein Trachtenmangel eingetreten der sie nun unruhig werden läßt und den Drohnenabtrieb verursachen. Allerdings habe ich seit dem 15.7. rund 15 kg Zucker verfüttert und es sind reichlich Vorräte im Volk.


    - durch die AS sollen ja vor allem Jungbienen leiden. Da nun erhebliche Mengen an Drohnenbrut im Volk ist, könnten diese jungen Drohnen nun die Leidtragenden sein. Allerdings: Warum dann Puppenrauswurf? Die sollten doch eigentlich die AS überstehen und erst beim Schlupf damit ev. Probleme bekommen, oder ?


    - womöglich ist eine Thronfolgerin erfolgreich vom Hochzeitsflug zurückgekehrt und die Drohnen werden damit überflüssig. Die erste Weiselzellen entdeckte ich bei der Durchsicht am 2.8. und da sie noch offen waren, können sie maximal 8 Tage alt gewesen sein. Dann käme es grad so auf knirsch hin daß die neue Königin zum Begattungsflug gestartet ist (weitere 8 Tage Puppendauer und eine Woche Ruhe vor der Begattung). Nur: ist das normal, daß dann auch Drohnenbrut entfernt wird oder warten die Bienen den Schlupf der Drohnen ab um sie dann zu entfernen?


    Ich werde nächsten Freitag nach Ende der AS-Behandlung durchschauen ob da eine neue Königin unterwegs ist und die Weiselzellen entfernt wurden - das wäre dann ja eine eindeutige Antwort. Aber vielleicht habt Ihr bis dahin auch noch ein paar Ideen dazu...


    Grüße
    Melanie

  • Moin Melanie,


    manchmal muß man staunen. Es gibt Völker die haben im Frühjahr keine Biene Totenfall. Ein Boden so sauber wie neu. Es wäre grundfalsch davon auszugehen, daß es sich um Superlanglebensbienen handelt, die einfach winters nicht sterben. :lol:


    Genauso ist das manchmal mit den toten Drohen. Die sind einfach viel schwerer als die Bienen und deshalb zerren die Putzbienen die bloß bis vors Flugloch während sie die toten Bienen weiter weg fallen lassen. Das gilt natürlich auch für Puppen und Maden. Und wenn sich dann noch durch Buckelbrut das gesamte Volksbild in Richtung Drohnen und Notdrohnen verschiebt, dann wird man natürlich auch viele Drohnen vorm Flugloche entdecken. Außerdem verhungert Drohnenbrut auch manchmal, weil die Buckelbrut einfach zu wenig Futter bekommt, und dann sterben die Notdrohnenpuppen und Maden an Hunger, während die Arbeiterinnen knapp durchkommen.


    Nicht immer ist das, was wir sehen, auch das was ist, auch wenn wir sehen, daß was ist. :wink:


    Warum schaltest Du Dein Biologen- und Beobachter-Gen nicht einfach wieder ab und das Imker-Gen und das Bienen-Versteher- und das Bienenstreichler- und das Bienretter-Gen ein und spendierst dem Volk jetzt eine legende Königin im einem Ableger, der auch schon paar Bienen mitbringt? Aus Imkersicht ist das nicht schön anzusehen, wie das Volk um's Überleben kämpft und seine Chancen von Tag zu Tag schlechter werden, da sich ja die Bienen in sinnloser Notdrohnenpflege verbrauchen und das Völkchen dann im Winter stark schrumpft und vielleicht eingeht. Laß' sie nicht sterben bloß weil Du mal sehn willst, ob sie irgendwie doch durchkommen. Sei Bienenmutter und greife helfend ein!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,
    naja, das sieht wohl jeder Imker anders...hatte mich mit Benedikt unterhalten (Imker an der FU und Gesundheitsobmann hier in Berlin) und er riet mir zum Abwarten und beobachten. Einfach weil er wohl sehr gute Erfahrungen mit dem stillen Umweiseln gemacht hat und letztlich sage ich mir auch - wie hätten es die Tierchen bis in unsere heutige Zeit geschafft wenn sie dieses triviale Problem nicht gelöst hätten...und zwar ohne Imker ?
    Bis Ende des Monats will ich ihnen geben und wenn dann da keine munter legende Königin zu finden ist, kriegen sie eben noch eine. Ich bin vom Typ her eben mehr der Vertrauenstyp mit der festen Überzeugung, daß die Bienen es erst mal besser wissen als jeder Imker...was natürlich nicht heisst, sie verwahrlosen oder sie in der Faulbrut rumsumpfen zu lassen.
    Aber vermutlich kriege ich jetzt reichlich böse Antworten (uiuiui) und da werde ich mich gleich mal unterm Tisch verkriechen... :D


    Melanie

  • Moin ägän,


    Hymenoptera schrieb:

    Bis Ende des Monats will ich ihnen geben und wenn dann da keine munter legende Königin zu finden ist, kriegen sie eben noch eine.

    Das wird nötig sein, weil ab Mitte August die Bedröhnung :wink: ganz erheblich nachläßt. Die späten Königinnen geben dann manchmal schon im Winter wieder auf oder starten im Frühjahr schon wieder mit Buckelbrut oder kaum liegen die Eier der neuen Notkönigin da, will das Volk schon wieder umweiseln und das hält dann kein Volk aus. Eine stille Umweiselung ist ja gerade was Stilles. Die Brut geht manchaml zurück oder wird Bißchen lückig und dann plötzlich ist alles wieder in Ordnung, auch die Königin hat wieder einen ganzen Flügel nur das Opalithplätchen fehlt.


    Aber anscheißen, so daß Du unter den Tisch mußt, wird man Dich hier nicht. Erstens hast Du Frauenbonus und zweitens hast Du ja deutlich gemacht, daß das Beobachter-Gen die andern nicht völlig ausgeschaltet hat. Ich hab' halt nur schon zu viele solche Probleme gesehen und würde daher deutlich früher, nämlich mit dem Einfüttern eingreifen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Klasse...zusammen mit dem "Imkereinsteigerbonus" und dem "Ahnungslos-Dreingucken-Bonus" müßte ich bald genug Punkte für das Edelstahl-Topfset mit Glasdeckeln zusammenhaben :wink::wink:


    Es ist schon irgendwie witzig; ich habe ja alles mögliche gelesen aber wenn ich dann rätselnd durch die Waben schau und mich frage, warum denn die Weiselzellen nicht le(e/h)rbuchgerecht nach xy Tagen verdeckelt sind, dann merkt man/frau eben wieder den starken Unterschied zwischen Theorie und Praxis.


    Ich werde dann mal posten wie das hier ausgegangen ist.


    Es grüßt und dankt
    Melanie

  • Hymenoptera schrieb:

    Klasse...zusammen mit dem "Imkereinsteigerbonus" und dem "Ahnungslos-Dreingucken-Bonus" müßte ich bald genug Punkte für das Edelstahl-Topfset mit Glasdeckeln zusammenhaben :wink::wink:


    So kommste bei den Jungs hier weiter :)
    Das klappt :)


    Das Bonusmodell nutz ich auch gerade noch :)

    Grüße Tanja


    Leben ist das was uns zustößt,
    wenn wir uns etwas anderes vorgenommen haben.