Zwei Schwärme im August!

  • Hallo Zusammen,


    wir haben doch neulich tatsächlich noch zwei Schwärme gefangen! Als wir kurz bei unseren Bienen vorbeigeschaut haben, ist uns an unserem "Schwarmbaum" ein dunkler Fleck aufgefallen - bei näherem Hinsehen 2 Schwärme, ca. 1 m übereinander. Die scheinen bei uns Asyl zu wollen, bei unseren Völkern fehlen nämlich keine Bienen...


    Könnt Ihr Euch vorstellen, was die Viecherl jetzt noch zum Schwärmen veranlaßt? Wir hatten hier im Juli nicht das beste Wetter, insofern könnte es ein verspäteter Julischwarm sein... aber ob das noch was wird? Schwer genug waren die beiden Schwärme jedenfalls, einmal 2 kg und einmal 2,2 kg.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo Effendi,
    solche späten Schwärme können bei stiller Umweiselung vorkommen,
    wenn die Schwarmstimmung noch nicht richtig abgeklungen ist.
    Eine andere Ursache kann eine "verschleppte Schwarmstimmung" sein.
    (gibt´s das als Begriff der Imkersprache? Wenn nicht, vielleicht setzt er sich ja durch.)
    Diese sind Folgen nicht richtig durchgeführter Schwarmverhinderungsmaßnahmen wie Schröpfen, Sauglinge oder
    Zwischenableger.
    Dann ist die Schwarmstimmung nicht beseitigt, sondern verschleppt.
    Auch Schlechtwetterperioden können die Schwarmstimmung nach hinten
    verschleppen, das vermutest Du ja auch als Ursache.
    Wegen des Gewichts der Schwärme, die Du beschrieben hast, schließe ich
    Hungerschwärme einmal als Ursache aus.
    Fütter die eingeschlagenen Schwärme reichlich ein.
    Sie müssen ja noch Waben ausbauen u n d Wintervorrat einlagern.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,
    eigentlich ist es um dieser Zeit kaum anzunehmen das bei zurückgehende Phase noch Schwarmstimmung bei Völkern aufkommt.
    Meistens sind es um diese Zeit Reinigungsschwärme die wegen dem hohen Varroadruck oder andere störende Faktoren Abschwärmen. Man sollte dann etwas vorsicht walten lassen um nicht sich Krankheiten am Bienenstand einzuschleppen.
    gruss stugger

  • Hallo Stugger,
    leider kommt dies bei unserer Westlichen Honigbiene im Verhalten nicht vor, das sie bei zu groß werdenen Varroadruck einfach abschwärmen.
    Wäre eine echt gute Sache. Die Östliche Honigbiene macht es so.
    Sicherlich meinst Du Hungerschwärme.
    Oder spielst Du auf die nicht genau bekannte Ursache an, bei den Völkern, die man bienenleer, oder mit wenigen Bienen, vorfindet?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
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  • Hallo Lothar,
    ich habe es selber gesehen bei einem Schwarm im September den ich eingefangen habe. Nach genauer Erkundigungen wo der Schwarm wohl gekommen ist bin ich bei einem alten Imker gestoßen. Der ebend alt war und mit der Behandlung und sich selbst kümmern nicht zurecht gekommen ist. Es war 1990 nach der "Wende" die Imkervereine sind hier durch Austretungen fast zusammengebrochen und mußten sich neu Orientieren. Die Streifen oder Tabletten zur Varroabehandlung die sonst immer vom Verein gekommen sind blieben aus und der nette ältere Imker wußte nicht was er machen sollte also wurde nicht behandelt. Achja gefüttert hatte der gute Mann aber.
    Die stärkeren Völker sind ausgezogen der Rest war ein Trauerspiel. Es gab hier in Meck/Pomm noch richtig viel Völker und mit dem Honig wußte keiner mehr wohin. Dementsprechend und die Behandlungsmethoden zu folge war der Varroadruck hier immer sehr hoch. Die Imker mit größere Bienenzahl haben ihre Bienen vor Verzweiflung abgeschwefelt ,mag mich garnicht mehr drann erinnern.
    gruß stugger

  • Hallo Stugger,
    manchmal scheint es doch so, das sich die Bienen entgegen des bekannten Zitats von Dr. Liebig, die Bienen doch ihre Halter aussuchen.
    Oder besser verlassen.
    Aber warum habt Ihr in M-V Eure Völker nicht wie andere für
    15 Westmark verscherbelt?


    Viele Grüße
    Lothar

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  • Aber warum habt Ihr in M-V Eure Völker nicht wie andere für
    15 Westmark verscherbelt?


    Es war für uns eine sehr verwirrende Zeit, eine ganz andere Welt.
    Jeder hatte mit sich zu tuen und woher sollten die Imker wissen wohin mit ihren Bienen.
    Viele hatten so um die 50 und mehr Bienenvölker in Wanderwagen keiner wußte wohin mit dem Honig es war ganz einfach Panik.
    Jetzt sehe ich die sachen auch ganz anders als damals.
    gruss stugger

  • Moin Lothar,


    das war wirklich eine Scheißzeit aus Bienen- und Imkersicht. Die ganze Finanzierung brach binnen weniger Monate komplett zusammen. Niemand wollte Honig, aber die Wagen mußten ja reingeholt werden. Und wenn auch der Diesel billiger war als heute, die LPG-Trecker kosten plötzlich Westgeld und das auch für den Fahrer. Früher war das eine LPG-Aufgabe und für'n Rohr und paar Gläser Honig haben die Dich geschleppt wohin Du wolltest. Nach der Wende drehte sich da zumindest bei uns kein Rad mehr. Die Aufkauflogistik, die vorher sowohl für Wachs als auch für Honig, dank der Garantiepreise und der Luxuserklärung auf Bienenhonig immer reibungslos geklappt hat, fiel sofort aus. Jeder hatte Völker zuviel und keine Zeit mehr und Haftungsfragen waren plötzlich ein Thema und Zulassungen für die abenteuerlichen Gefährte usw. Von heute auf Morgen hatte man die Wagen regelrecht "am Arsch" auf die man vorher Jahre lang gewartet und andern in den ... gekrochen ist.


    Keiner wollte mehr Mitglied im Gängelverein VKSK sein und wo möglich noch politisch angepißt werden, weil er nur mit Empfehlung der Vorsitzenden und paar roten Sätzen ein Kontinggent für drei Beuten pro Jahr und 60 Rähmchen kriegte.


    Und dann ging auch noch die Joghurtfresserei los. Alles mußte in Wegschmeißverpackungen sein und es mußte groß Danone drauf stehen. Oder wenigsten mußte man den Namen des Obstes nicht aussprechen können oder nicht wissen, ob man den Kern mitißt oder was überhaupt der Kern ist. Die Honiggläser mit Schnappdeckel und Behelfsetikett wollte niemand mehr und die Imker wollten auch keine Westgläser kaufen und konnten das auch garnicht. Wo und wovon denn auch? Aber Langnese gabs da schon und Waldhonig im Osten. Und alle Sorten flüssig. "Selbstgemacht" war lange Zeit irgendwie aus der Not geboren und daher jetzt schon prinzipiell schlecht. Damit war das der "selbstgemachte" Honig natürlich auch erst mal. "Natürlich" kam erst später wieder.


    (Man was haben die damals die VA-Garten-Grills weggehauen, an die immer jemand irgendwie ran kam, und sich die bescheuerten Guß-Dinger für 19,90 gekauft und das Dünnblechzeuchs . Ich hab' nach dem Wegrosten der Beine inzwischen das Guß-Ding weggehauen und dabei den VA-Grill wiedergefunden. Das war schon um 1993. :lol: Und der VA-Trichter grillt natürlich noch heute. :wink:


    Zum Glück war nach den ersten Vitaminvergiftungen und Joghurtschlachten irgendwann das Geld alle und ganz langsam kam die Bodenständigkeit zurück und auch der Gedanke daran, wo's früher mal Honig gab. Aber das dauert eben seine Zeit bis sich alles wieder stabilisiert.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder