Und wieder ein Evergreen: Schleuder

  • Liebe Imkerexperten,
    ich strecke so langsam die Fühler Richtung einer Schleuder aus. Nun habe ich selber noch nie geschleudert (nur eben ein paar mal zugesehen) und frage mich, wie schweißtreibend das Ganze ist.


    Nicht aufgrund der mir angeborenen Faulheit, sondern eher weil ich mich frage, ob eine handgetriebene 6er Tangentialschleuder (wie sie mir jetzt angeboten wurde) überhaupt noch Sinn macht (so für 3 bis 5 Völker) oder ob man da nicht schon eher auf die motorisierte Variante oder eben auf eine kleinere 4er setzen sollte.


    Wie lange schleudert man denn so (also klassisch-gemixte Sommer- und Frühjahrstrachten) ?


    Und wie liegen denn so die Gebrauchtmarktpreise für Edelstahlschleudern - jemand eine Idee?


    Zum Glück hat das ja alles noch kräftig Zeit aber ich informiere mich gerne schon vorab....um dann eben im rechten Moment zugreifen zu können (in den Bienenzeitungen bin ich immer zu spät...die sind schon weg kaum daß ich die Zeitung in den Händen halte...)


    Es dankt und grüßt
    die
    Melanie

  • Uups, da wollte ich nur mal eben das Forum überfliegen und bin auf Deiner homepage ´ne lange Zeit hängen geblieben. Wirklich interessant und sehr vielseitig. Hab ich gleich zu meinen bookmarks gepackt.


    Betreffs der Schleuder: Da scheiden sich die Geister und die Geldbeutel. Wir haben als Anfänger mit unseren zwei Völkern dieses Jahr zum ersten Mal geschleudert. - 19 kg; das zweite Volk will erst nächstes Jahr - Um zu sehen wie das alles funktioniert, hatte ich letztes Jahr ´ne top erhaltene Blechschleuder ohne jeglichen Innenrost für 30 € bei ebay ersteigert. Hab lange gesucht und dann Glück gehabt. Normalerweise sind auch bei ebay Schleudern in dem Zustand deutlich teurer. Aber mit Geduld kann´s klappen. Im Honig keinerlei schwarze Schlieren oder andere Verunreinigungen. Super lecker der Honig. Und das Schleudern mit Hand bei den geringen Mengen ist ja wohl noch ein riesiger Spaß. Aber das Thema Blechschleudern ist hier im Forum ein sensibeles - ähnlich Atomkraft. Klar, wenn es dann in den semiprofessionellen Bereich geht, dann nur Edelstahl. Aber für den Anfang sind wir mit unserer Schleuder echt super bedient.

  • ...und die Infos.
    Ich habe hier inzwischen wohl auch *jeden* Thread zu dem Thema gelesen...leider stand da aber zwar viel zu prinzipiellen Grundsatzfragen (also Radial, Tangential, usw.) nur eben wenig zu dem Thema Praxis: Wie schwer ist das eben, eine vollbeladene Schleuder zu bewegen und wie lange braucht es dafür? Habe manchmal was von 20 Minuten gelesen und da kräuseln sich mir die Nackenhaare...20 Minuten in dem warmen Raum kurbeln?
    Aber vielleicht ist das eben auch vollkommen überzogen. Leider fehlt mir schlichtweg die Infrastruktur (also befreundeter Imker in der Nähe zwecks Schleudergemeinschaft) um das selber ausprobieren.


    Aber ich halte weiter die Augen offen; momentan sind ja massig Schleudern auf dem Markt...


    Melanie

  • Hallo Melanie,


    sicher ist es langfristig erstebenswert eine eigene Schleuder zu haben!


    machen wir mal eine Milch-Mädchenrechnung, deine 3-5 Völker werden wohl so um die 10-20 Waben Honig pro Volk bei einer sehr guten Ernte auch etwas mehr! Das macht dann pro Saison bei max. 5 Völkern so etwa 100 Waben die es zu schleudern gilt!


    eine 4 Waben Tangentialschleuder braucht pro Zyklus denke ich mal so um die 20 Minuten. Hier hab ich leider keine Erfahrungswerte! also meine lieben Mitleser, korregiert mich, wenn ich arg daneben liege!


    Die Ganze Schleuderei braucht dann wenn ich richtig liege so um die 8,5 Stunden! also einen ganzen Arbeitstag!


    Würde der Schleuder-Zyuklus 30 Minuten dauern, dann sind es zwar 12,5 Stunden, also einen halben Tag mehr!


    wohl gemerkt ist das eine Milch-Mädchenrechnung welche so nicht eins zu eins in der Praxis zu trift!


    Nun meine Empfehlung: Versuche doch bei Vereinskollegen(in) für die nächste Zeit, eine Schleuder auszuleihen! Das ist rein von der Rentabilität her das effektivste. Dabei lernst du die Vorzüge der einen oder anderen Schleuder kennen und kannst dir selbst ein Bild machen was zu dier passt!


    Grüßel

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Ups da haben sich unsere Beiträge wohl etwas überschnitten,


    also noch mal meine Empfehlung wenn du es wirklich bequem haben willst, such dir eine 4 Waben Schleuder mit oder ohne Motor!


    Wenn du eine ohne Motor auftreiben kannst, dann rüste sie mit einem Oberantrieb, welchen es im Fachhandel gibt, nach!


    Dann bekommst du auf jedenfall nicht so schnell Popei-Oberärme! :wink:


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • ...das gibt mir zumindest mal ein paar Daumenwerte. Herrjeh, klingt ja nach Arbeit...und essen muss ich den ganzen Honig dann ja auch noch :D


    Gibt es denn grundsätzlich Qualitätsunterschiede zwischen Ober- und Unterantrieb? Habe Elektroschleudern gesehen, die man wahlweise oben kurbeln oder unten über den Motor betreiben konnte und fand das ganz pfiffig (also nur für den Fall, daß der Motor mal ausfällt).


    Leider kosten diese Motorteile natürlich ganz schön...da aber auch schon ein einzelner Motor fast soviel wie eine 2. motorlose Schleuder kostet, ist ein Nachrüsten dann ganz schön happig.


    Na mal sehen, was der Gebrauchtarkt bietet...


    Melanie

  • Hallo Melanie,


    vielleicht mal kurz meine bisherigen Erfahrungen mit Schleudern. Angefangen mit 2-Waben-Handkurbel für 8 Völker. Da war das Schleudern immer ein ganzer Tag schweisstreibende Arbeit. Dann habe ich mir eine motorische 4-Waben-Selbstwendeschleuder (für nun 16 Völker) geleistet. War ein Fortschritt, aber zufrieden war ich damit nicht, weil der Schleudervorgang recht lang dauerte, eben ca. 15min. Da war ich mit der Handkurbel genauso schnell. Jetzt habe ich eine 15-Waben-Radialschleuder (Fritz AF15) für >30 Völker. Ich bin begeistert. 15 Waben sind in drei Minuten leer! Kein Wabenbruch auch bei unbebrüteten Waben (war bei Tang. schon Vorsicht geboten).

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Moin Melanie,


    zum Schleuderthema muß ich auch was beischleudern:


    Kauf' um himmelswillen keine 3-Waben-Schleuder, egal ob elektrisch oder wie auch immer. Die Dinger sind immer zu klein und laufen immer unrund. Außerdem stimmen die Abstände innerhalb der Körbe nicht und der Abstand zur Achse ist ungünstig.


    Kauf keine Universalschleuder bzw. Schleuder mit Universalkorb. Entscheide Dich für ein Rähmchenmaß und kauf dazu die passende Schleuder bzw. den passenden Korb. Die Schleuder steht schließlich fast das ganze Jahr über rum und je größer die dann sinnloserweise ist, desto mehr Platz nimmt sie weg. Außerdem liegen im gleichen Kessel kleinere Waben weiter außen, es sei denn sie liegen in einem viel zu großen Universalkorb.


    Kauf keine Sternschleuder, bei der der Abstand der tatsächlich eingesetzten Rähmchen zur Drehachse nicht mindestens 30cm beträgt, es sein denn, Du kannst zähen oder teilkristallisierten Honig ausschließen.


    Ich empfehle Dir eine Radschleuder. Die hat eine kurze liegende Achse und nimmt sehr wenig Grundfläche weg. Dennoch passen 12 Waben rein. Also genau eine Zarge Honigraum Waben und ein Baurahmen. Mit Motor betrieben kann diese Schleuder sehr lange und sehr langsam laufen. In der Zwischenzeit entdeckelt man den nächsten Schwung und saniert die letzten ausgeschleuderten. Der Wabenwechsel erfolgt dann in Tischhöhe sehr schnell. Reingreifen kann in das Ding auch niemand, weil er dazu den Deckel hochklappen müste und das schafft kein Kind. Auch gibt es keine Lager im Honig und schon die runde Form des Kessels läßt wirklich allen Honig abfließen. Ich liebe diese Schleudern. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,
    äh, jetzt bin ich überfordert...Radschleuder...ist das sowas hier?

    Also Kurzform von Radialschleuder?
    Ist das nicht auch eine Sternschleuder? Werde mich mal durch die Threads wühlen; da finde ich betsimmt Klarheit zu dem Thema.


    Also eine 3er kommt mir nicht ins Haus - Dachte an eine 4er oder 6er so in der Form:


    Danke für die ausführlichen Tipps. Platz für einen 60er Durchmesser ist da; größer wird es aber schwierig. Daher wird es mit einer geeigneten Radialschleuder wohl schwierig; wie ich gelesen habe, brauchen die ja einen möglichst großen Durchmesser...


    Melanie

  • Nee Malanie, sowas iss das nich. :o
    Gib mal bitte "Radschleuder" in die Suchfunktion, da kommt nicht sehr viel, aber alles was Du wissen must. Es ist ein spezielles Thema auch mit viel Theorie aber sehr nützlich um Wabenbruch und Effektivität einer Schleuder zu verstehen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ...hier das aktuelle Bild einer Radschleuder für alle, die das auch nicht kennen und die bei dem anderen Thread auch kein Bild angezeigt bekommen:


    Finde ich ja ganz witzig, die Idee. Aber platzmäßig klappt das wohl nicht und da ich schlichtweg auf den Gebrauchtmarkt angwiesen bin (kann mir eine neue echt nicht leisten und es gibt ja immer wieder was bei Ebay und Co.), wird es wohl etwas konventionelleres werden. Außerdem, so rein neugierig: Ist das Öffnen nicht eine Riesenschweinerei? Da muß doch alles kräftig tropfen und kleben wenn man die nach dem Schleudern aufmacht, oder?


    Grüße
    Melanie

  • Hallo Melani,


    diese Art Schleuder nutzt die Erdanziehungskraft, und es fleigt praktisch so gut wie kein Honig nach oben, und es tropft auch nicht wenn du den Deckel öffnest. Diese Schleuderbauart ist zu dem sehr schonend zu den Waben! und auch mit Handbetrieb sehr effizent!


    Es gibt auf verschiedenen Kirmessen so ein Karusell, das sich wärend es sich drecht langsam aufstellt wie ein Riesenrad. Wenn du mal mit so was gefahren bist, dann weißt du wie es dem Honig in den Waben ergeht! Du hast den Eindruck als ob das Karusell langsamer wird wenns nach oben geht, und dann fast stehen bleibt, aber recht gut beschleunigt wenns dann nach untengeht! obwohl das Ding konstante Drehzahl hat!


    Du hast aber schon recht, diese Schleudern sind nicht ganz billig und gebraucht auch sehr schwer zu bekommen! In der ehemaligen DDR gabs die zwar recht oft, aber gebraucht ist mir noch keine in die Finger gekommen!


    Daher nochmal mein Rat such dir ne 4 Waben am Besten mit zusätzlichem Oberantrieb! wenn dann der Motor mal kaputt geht oder der Strom ausfällt oder sonst was schlimmes...
    dann kannste dir den Handantrieb wieder dran basteln und schon läuft die Sache wieder, und dein Honig wird nicht fest in den Waben!


    Die Schleuder muß ja nicht gleich aus INOX sein, wenn du so ne gut gepflegte Weißblech bekommen kannst, dann nimm sie!


    Achte dann jedoch darauf, daß sie gleich nach dem Waschen gut ein gefettet wird, damit sie keinen Rost ansetzen kann. Dazu eignet sich Melkfett am besten! Ist Lebensmittelecht und wird nicht ranzig!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Moin Melanie,


    die Radschleudern waren wegen Platzmangel Standard auf den DDR-Bienenwanderwagen. Sie nehmen wesentlich weniger Platz weg, als gleichgroße mit senkrechter Achse. Es tropft auch nicht am Deckel rum und die Schleuder kann mit Boden und Wand verschraubt werden. Kullert also auch bei härtester Wanderung nicht umher. Bienensturm hat die Dinger zu DDR-Zeiten entwickelt und hält das Patent. Er repariert auch die älteren mit leichtem geklebten Alu-Kessel. Für die alten gibt es inzwischen auch Wechselkörbe für fast alle Maße und auch in Edelstahl oder Alu. Noch immer paßt alles an alles und die sind ein echter Handwerksbetrieb. Die können so eine Schleuder also auch mit einem Hahn oder Flansch in jede gewünschte Richtung bauen oder mit dem Motor hinten, oben oder daneben usw. Auch Modelle mit mehr als 12 Waben gibt es. Da es recht viele dieser Wanderwagen gab und die inzwischen fast alle vergammelt und zerfallen sind, stehen die Chancen auf so eine Schleuder nicht schlecht. Und weil die aus Alu sind gammelt an den Schleuderkesseln schon aus Prinzip nichts.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder