• Hallöle!


    Ich überlege mir, nächstes Jahr mal in die Kirschblüte zu wandern. Meine Absicht wäre es, den Bienen vor dem Löwenzahn (Blühbeginn ca. 1. Mai) eine zusätzliche Tracht zu bieten.
    Wann setzt denn die Kirschblüte ein, und wie lange dauert sie?
    Hat jemand Erfahrung damit, ob aus dieser Tracht Erträge zu erwarten sind oder ist sie eine reine Entwicklungstracht??


    Grüße, Reinhard.

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Hallo Reinhardt,


    Erfahrungsgemäß lohnt es nicht die Obstblüte anzuwandern. Die Bienen sind zu diesem zeitpunkt noch nicht so weit, eher wird es etwas mit der Apfelblüte, aber die Erträe sind eher mau, wenn solltest du dir ein Rapsfeld suchen, damit sich der Aufwandt auch lohnt.
    Die Blühte begint regional unterschiedlich, du mußt auch zwischen Süß- und Sauerkirsche unterscheiden, Birnen bringen glaube ich garnix, die Pflaumen sind hingegen recht ergiebig aber früh.


    Grüße 8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Hallo Reinhardt,


    in der Ortenau beginnt die Kirschblüte so um die erste Aprilwoche!


    Ich selbst bin Jahrelang dort aufgewandert!


    Hat in der Regel so um die 10 kg bei guten Völkern gebracht! ist aber auch eine reine Wettersache! wenn es während der Hauptblüte schön warm ist dann kommt auch mal mehr zusammen!


    Seit 4 Jahren geh ich nicht mehr in die Kirsche, weil die Völker nach der Kirsche immer mehr Probleme machten! Sie blieben hinter den anderen zurück!


    Es wird dort immer mehr gespritzt! vorallem in die offene Blüte! und da es sehr klein strukturiete Flächen sind, ist es sehr schwer da irgend einen der vielen Landwirte Verantwortlich zu machen!


    Also bin ich nicht mehr hin!


    Ich gehe seither viel lieber in den Bärlauch! der bringt zwar nicht ganz die Honigmengen aber dannach kommt oft auch noch der Bergahorn und das Wiesenschaumkraut und da honigts in der Regel auch sehr gut!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Servus!


    Danke für die Antworten. Wo liegt denn bitte die Ortenau?


    Gruß, Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Hallo Reinhard,


    die Kreisstadt der Ortenau ist Offenburg!


    Sehr große Kirschenbestände gibts zwischen Oberkirch, Renchen und Achern!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Moin Jungs,


    ich muß zu den Kirschen nicht wandern, bei meinem Heimatstande stehen etwa 80 fast 100jährige Süß- und Vogelkirschen auf einem Streuobstberg in 100m Luftlinie. Dieser Berg blüht wegen der unterschiedlichen Sorten recht lange, es sei denn es gibt starken Frost. Dahinein spritzt auch niemand. Dennoch ist es kaum möglich Obst- bzw. sogar Kirschhonig zu ernten. Der Raps und die Schlechtwettertage sind so dicht ran, daß man den Honig nicht rauben kann und er wird auch in die Futterwaben eingetragen, die ich zu dieser Zeit jedenfalls noch nicht komplett entfernen mag.


    Obstwanderungen führe ich nicht mehr durch und auch einige Bekannte fahren nicht mehr ins Obstland Dürweitschen und zu andern Obstbauern hier in Westsachsen und Sachsen-Anhalt. Das hat tatsächlich einen Gewerkschaftlichen Grund. Früher, zu DDR-Zeiten, war es aus Sicht der Obstbauern sehr sinnvoll, früh halb drei oder abends um elf zu spritzen. Das gab Nachtzuschlag und den steuerfrei. Damals wurde also vorrangig die Blütenspritzung nachts durchgeführt. Manchmal wurden die Imker zusätzlich noch gebeten die Kisten bis zum Mittag zu verschließen oder jemand von den Bauern hat das in Absprache gemacht, ging ja leicht mit der Hochklapperei und wenn man ordentlich Prämie zahlt, dann wird man die Bienen nicht noch vergiften.


    Inzwischen spritzen die Bauern ab morgens früh um 6. Und das heißt, daß die um 6 anfangen und dann drei, vier Stunden über die Kirschen und Äpfel fahren. Wenn die um zehn da abhauen, dann fliegen unsere Bienen gerade los und hohlen "Morgentau". Grund ist das Arbeitsverbot vor 6:00 Uhr, weil die Obstgesellschaft sonst Zuschläge zahlen müßte. Die Bauern sind Angestellte der Obstland Dürrweitschen GmbH. Und wenn die die Kirschen und Äpfel nicht so billig produzieren kann wie die Spanier, dann kriegen die die nicht los. Würden die aber die Bauer eher auf's Feld drängen, dann gilt der Tarifvertrag und es kostet automatisch Nachtgeld.


    Das Ergebnis der Spritzungen ist ein rapider Volksabbau nach dem Abwandern. Die Völker wandern noch in normaler Stärke ab (man hat also nichts wirkliches in der hand), verlieren dann aber ganz massiv Bienen. Von Aufbautracht kan man also im komerziellen Obstbau nicht sprechen, eher von Abbautracht. Am Ende ist nüschd in den Kisten, weder Bienen noch Honig und mit Glück bringen die Völker dann im Sommer und zur Linde wieder was. Der Raps fällt in aller Regel aus. Man muß ihn aber doch schleudern, weil einem sonst in der Linde die Waben zerbrechen oder die Siebe verkleistern. Die Bestäubungsprämie deckt nicht annähernd den möglichen entgangenen Gewinn, wenn man sich das Obst spart und statt dessen erst spät vom Winterplatz direkt zum Raps fährt. Dann brummt es in den Kisten. Sinn macht es tatsächlich bloß, wenn man eine oder zwei Wagen ohnehin abräumen will oder muß, weil der im Winter arg gelitten hat. Dann kann man die Völker so verheizen. Doch wäre da nicht das unaufgefütterte Auflösen im Herbst sinnvoller?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    bei uns ist das aber mit dem Raps auch so ähnlich wie du es von der Kirsche beschreibst. Frühr hatten wir nach dem Raps schöne starke Völker und die waren gut für den Wald und sammelten grad weiter!


    Heute brauchen die Völker nach dem Raps über 4-5 Wochen bis sie sich wieder erholen, und annähernd die gleiche Stärke haben wie am Ende der Rapsblüte!


    ich wandere beides nicht mehr an! und seither klappt meine Königinnenzucht wieder prima und auch die Vermehrung!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • hallo zusammen,


    da ich berater im obstbau bin berichte ich nicht von mir sondern von nem kumpel - dieser wandert seit 2004 zu mir in die kirschen mit ca. 60 völkern und ist sehr zufrieden.


    er nutzt diese als aufbautracht für den raps, in den er danach wandert und an diesen stellen später blüht.


    gespritzt wird in der blütezeit immer nachts und zwar wegen:


    1. bienen


    2. wind


    kein ärger mit nachtstunden - schon immer üblich so !

    >> Jungimker, Tor zum Thür. Wald, etwas Raps, sonst alles mögliche, Belegstelle Gehlberg, Carnica, Zander modifiziert, Brutraum ZaDant, Magazin kompatibel, Selbstbau, Futterzargen, AS-Liebigdispenser und Nassenheider, Oxalsäure und Milchsäure, keine DIB-Gläser <<


    "ex oriente lux"

  • Hallo Björn,


    das wäre dann wirklich optimal wenn´s denn so gemacht wird!


    Aber dort in der Ortenau wird das in der Regel nicht so gemacht!


    zum einen sind das meist recht kleine Parzellen in der Hand von vielen Nebenerwerbs-Landwirten, welche meist Schichtarbeiter in der großen Papierfabrik dort sind! Die spritzen zu allen möglichen Zeiten, auch am sonnigsten Tag zur Mittagszeit und mitten in die voll Blüte!


    Alles selbst erlebt!


    wenn du dann mit diesen Leuten redest, dann erklären sie dir, daß das alles Bienenungefährlich ist, und so auf der Packung auch drauf steht!


    das haste dann auch keine Argumente mehr dagegen!


    wenn dann noch Tankmischungen gemacht werden, also zwei oder mehrere verschiedene Sachen gemixt, dann denk ich ist es eh rum mit Bienenungefährlich!


    und weils eben so ist!


    mach ich einen riesen Bogen um diese Gegend mit meinen Bienen!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Leute,
    irgendwo alles schon mal selbst erlebt und durchexerziert, was ihr da so schildert.
    Seit 5 Jahren mache ich um jedes Rapsfeld einen großen Bogen, und ich glaube, meinen Bienen tut es gut.
    Was mich allerdings stutzig macht, ist, dass die Obstbauern nicht schon längst zetern und schreien, so von wegen ihre Erträge seien schlechter. :oops: 
    Das können Bauern doch sonst so gut!
    Aber: Nix
    Oder habt ihr schon mal was gehört.
    Unsere paar Völker haben den sicher keine riesigen Ertragszuwächse gebracht, aber wenn Deutschland weit kaum noch jemand die Obstbauern bedient ?
    Okay, Kirsche als potentieller Windbestäuber ist sowieso nicht auf uns angewiesen, aber das Kernobst und der Raps schon.
    In manchen Gegenden wird wohl noch eine gewisse Betäubungsprämie bezahlt werden, das lockt den einen oder anderen Imker, aber sonst?

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    leider wandern immer noch sehr viele Imker in die Ortenau zur Kirsche!


    das Problem ist, oft gehts gut und manchmal halt nicht! und wenn du nur einen Bienenstand in der Kirsche hast, dann hast du in der Regel ja nicht den Vergleich, so wie bei mir, wo ich zu den besten Zeiten 10-12 Stände in der Kirsche hatte! und im Raps das gleiche!


    Die meisten Imker merken das doch nicht wenn ihre Völker nacher schlapp machen, nehmen sie das hin, weil vielleicht schlechtes Wetter usw!


    woher solln se den wissen daß es mit dem PSM was zu tun hat?


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Jungs (und Mädels)


    leider spricht aus dir die reine Wahrheit.
    Schade eigentlich.
    Ich wurde und werde von meinen Imkerkollegen immer noch belächelt, weil ich den industrialisierten Landbau meide.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Michael schrieb:

    Hallo Jungs (und Mädels)
    leider spricht aus dir die reine Wahrheit.
    Schade eigentlich.
    Ich wurde und werde von meinen Imkerkollegen immer noch belächelt, weil ich den industrialisierten Landbau meide.


    Meiner Meinung nach gibt es den idealen Bienenstandort, der frei von wie verrückt unkrautspritzenden Obstbauern oder Landwirten ist, siehe zum Beispiel in der Nähe meiner Bienenvölker diese Landschaft www.honigmayerhofer.de/Arbeitsplatz.htm


    Hier hat mein Nachbar unmittelbar seine Bienen im Wald stehen und das seit 40 Jahren, bisher ohne größere Verluste.


    Im Maisanbau wird eigentlich nur der Mais, der auf eine Grünflache kommt, mit bienenschädlichen Beizmitteln gebeizt.