Rotation - wer kennt's?

  • Moin Imkers, es geht nicht um's Beutendrehen. :lol:


    Sondern um eine Betreibsweise mit etwa folgendem Ablauf:


    Die starken Völker werden ungeschröpft und ohne Entnahme in die Frütracht geführt. Sie werden wie üblich erweitert. Das erste schwarmtriebige Volk wird entweiselt Pflegevolk und sorgt für eine große Zahl Königinnen von Zuchtstoff, dieses Volk wird dann zur Begattung komplett aufgelöst.


    Bis zur frühen ersten Schleuderung, (bei uns also Ende Mai) werden die Völker durch Brechen und erweitern am Schwärmen gehindert. Mit der Schleuderung werden von den Kehrbienen jedes Volkes, durch hochtreiben durch's Gitter Kunstschwärme mit einer begatteten Königin gemacht. 1.25kg Bienen. Die Kunstschwärme werden gegen die Milbe behandelt. Ab jetzt wird in die Vollvölker nur noch zum Schleudern eingegriffen. Dabei werden die Bau-Rahmen geschnitten. Der Kunstschwarm wird auf MW eingeschlagen und bekommt eine Futterwabe oder Futterteig. Er wird sich selbst überlassen und entwickelt sich ohne fremde Hilfe bis zum Zwei-Zargen-Volk. Er hat dazu schließlich den ganzen Sommer Zeit. Kleine Futtergaben und schließlich das Einfüttern unterstützen ihn. Um den 22. September herum oder sogar noch später werden die Vollvölker in Kunstschwarmkisten gekehrt und vorher die Königin gekäfigt. Waben, die noch Brut enthalten werden Bienenfrei zu einem Volk zusammengewürfelt, das an Ort und Stelle verbleibt und weisellos erst später abgekehr wird. Alle anderen Waben werden geschleudert und die anschließend zu 50% und mehr eingeschmolzen. Die Kunstschwärme werden behandelt und nach drei Tagen den Kunstschwärmen des Frühjahres auf Zeitung aufgekippt. Die Königin verbleibt leider im Käfig und geht in die Jagdgründe. Das Aufkippen erfolgt sinnvollerweise mit dem Abnehmen der Futtereimer. (schade für die Zarger :cry: ) Es findet keine Winterbehandlung statt


    Sinn der Geschichte ist die stets brutfreie Behandlung von Schwärmen mit Perizin. Es gibt keine Wachsrückstände, weil das Perizin auf die Bienen gesprüht wird. So wurde das Verfahren jedenfalls entwickelt. Sicher kann man die Schwärme aber auch mit OS-behandeln.


    Ich finde dieses Verfahren zumindes mal sehr interessant, weil es mir die Möglichkeit gibt auch späte Trachten ohne Varroa-Sorge zu nutzen und es erinnert sehr an die bewährte Heideimkerei.


    Habt Ihr Meinungen dazu?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry
    Für mich heißt Rotationsbetriebsweise:
    Bis auf die Zuchtvölker gibt es nur Jungvölker im Frühjahr.
    Ich gehe mit optimal behandelten und gesunden, auf neuem Wabenbau sitzenden Jungvölkern in den Winter. Dann hab ich bei den Wirtschaftsvölkern im Folgejahr immer 1-jährige Königinnen. Aber was im Frühjahr nicht überzeugt, wird wieder "verwurstelt" zu neuen Ablegern.


    Die behandelten Kunstschwärme im Herbst sollten ja dafür gedacht sein, dass sie das Winterfutter noch eintragen und dann abgehen. Und mit Milchsäure hat man bei den Kunstschwärmen doch den gleichen Erfolg, also keine Chemie.
    Nachzulesen ist alles unter "Unser Imkern mit dem Magazin" von Karl Pfefferle

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Moin Guido,


    das, was ich da als Rotation beschieb, kommt gänzlich ohne jeden Ableger aus. Man nimmt bewußt die Vermilbung und anschließende Auflösung der Wirtschaftsvölker in Kauf, um diese sehr spät und bis auf's Letzte abernten zu können. Die Erhaltung der Wirtschaftsvölker steht ab der Kunstschwarmbildung im Frühjahr nicht mehr im Vordergrund. Die müssen auch nicht bauen, sondern bekommen zur Erweiterung die Waben der Wirschaftsvölker des Jahres davor. Es gibt auch keine Königinnen, die länger leben, sondern jedes Jahr müssen planmäßig die Königinnen der Wirtschaftsvölker dran glauben.


    Über die Verteilung der abgekehrten Völker im Herbst erfolgt ein Ausgleich der Bienenmenge. Ein Eingriff in dieser Hinsicht im Frühjahr unterbleibt also auch.


    Sicher ist das beim Pfefferle mit seinen Ruck-Zuck-Kästchen ganz ähnlich, aber längst nicht so konsequent. Bei der hier beschriebenn Rotation bestimmt der Imker nur den Zeitpunkt für die Ernte und damit die Kunstschwarmbildung, der Rest ist Abkehren bis zur Wiegemarke und kann von Hilfskräften erledigt werden. Auch die Bildung von Kunstschwärmen mit unbegattete gerade geschlüpften Königinnen wäre denkbar, nur müßte man dann die Zucht terminlich darauf ausrichten.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry
    Man kann so manches umschreiben ;-)
    Kunstschwärme mit einer 0-jährigen sind doch ab der Eilage auch "Jungvölker" fürs nächste Jahr, egal wie gebildet.
    Wenn ich jetzt aus der Weißtanne komme, haben die Völker vorraussichtlich nur 3 Waben Brut im Schnitt. Also alle Völker so weit es geht vereinigen, behandeln und einwintern, um im Frühjahr damit zu verstärken. Ob es so funktioniert, weiß ich nicht. Aber sonst hab ich keine Idee, was ich mit meinen späten anfangen kann. :-?

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo,


    So in groben Zügen ist das die Celler Rotation, entwickelt vom Bieneninstitut Celle.
    Für Spättrachtimkerei wie z. B. bei Heide mag das ja alles sehr sinnvoll sein, weil die Völker sonst schlechter gegen Varroa behandelt werden könnten und man außerdem mit schwachen Völkern in den Winter gehen müßte.
    Aber jedes Jahr die Königinnen abmurksen im großen Stil...? Und die ganzen neuen Königinnen ziehen....?
    Mitte Juli ist hier der letzte Honig raus und wir können ganz entspannt schon mal mit Ameisensäure beigehen, und im Raps können wir den Ablegern gut schlupfreife Weiselzellen geben um eine Königin reizukriegen.


    Ich denke mal, daß man unter bieneninstitut.de die Betriebsweise genau nachlesen kann.


    Viele Grüße
    wunderbiene

  • Moin Wunderbiene,


    ja ich glaube das es die Celler Rotation. Und da hab' ich die Idee auch her. Ich finde es halt faszinierend, weil diese Betriebsweise so vielen alten Grundsätzen genügt, wie achte auf den Bautrieb bei Jungvölkern und gib Altvölkern lieber Waben zum volltragen.


    Außerdem habe ich ja immerwieder Berufsimkerkontakt und da bekomme ich mit, daß die den großen Ertragsunterschied zu den Imkern, die lieber ihre Völker gesund durch den Winter bringen, dadurch machen, daß die die Völker wirklich bis weit in den September ungefüttert eintragen lassen und erst am 22. September abernten und unter Behandlung auf einen Schlag einfüttern. Das führt zwangsläufig zu schwächeren Völkern im Frühjahr und zu Winterverlusten. Aber eben auch zu weniger Schwarmtrieb im nächsten Frühjahr und zu deutlich mehr und interessanterem Spättrachthonig. Die Celler-Rotation bringt nun beides. Gesunde Völker und späten Honig. Das finde ich reizvoll.


    Ganz nebenbei ist es mir immer wieder schade, um den Honig, der jetzt erst eingetragen wird. Ich habe bis auf 7 Völker alle abgeschleudert, den Wintersitz gerichtet und behandelt. Und jetzt sehe ich die in den Wald fliegen. Die Goldrute blüht, die Kletten und die Diesteln, das Springkraut und die Brombeeren zum zweiten Mal. Und mein Honig von Linde bis jetzt ist dunkel und hat sogar einen grünlichen Tach. Davon hätte ich gern mehr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Das ist genau der Punkt: Wir sind hier Frühtrachtimker, sind also auf möglichst starke Völker möglichst früh im Frühjahr angewiesen.Der Raps blüht jedes Jahr früher. Und schon der Sommerhonig ist doch im Vergleich dazu schon recht spärlich.
    Waldhonig - vergiß es.
    Aber was ich sehr interessant finde ist u.A.die gute Wabenhygiene.
    Kurz und knapp: Ich denke. es lohnt sich auf alle Fälle, sich mit der Celler Betriebsweise auseinanderzusetzen und das ein oder andere zu übernehmen. Das Bieneninstitut Celle verbindet Wissenschaft meiner Ansicht nach sehr gut mit der Praxis.


    Viele Grüße
    Wunderbiene

  • Moin Wunderbiene,


    ich werd's wenigstens mal mit so 10 Völkern im nächsten Jahr ausprobieren. Kunstschwarmkisten hab' ich schon erworben. Bei einem Konkursie gab es große eckige Gitterkübel für Wasserpflanzen und ich sage Euch, die sehen sowas von nach Schwarmkiste aus, daß ich inzwischen ganz sicher bin, daß die käuflichen Schwarmkisten auch nüschd anderes sind. Ich werde über den Winter also einen Trichter dafür bauen und Deckel mit Futterloch und Weiselkäfig. Und dann probier ich das aus. Übrigens hab' ich für 18 solcher Kübel gerade 20 Euronen gezahlt. Die Baumarktaufkleber von 5,95 Euro waren noch drauf. :wink: Und super wegzuräumen sind die Dinger auch, weil ineinander stapelbar.


    Ich werd' berichten. ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    ich möchte auch ein paar Anmerkungen machen.


    -Das ausbrechen der Zellen scheint eine ganz schöner Arbeitsaufwand zu sein.


    -Den Zeitpunkt für eine optimale Zucht, würde ich lieber selbst bestimmen und nicht warten, bis das erste Volk in Schwarmstimmung ist.


    - Die Frage der Reinvasion wurde überhauptnicht erörtert(da muß man Alt und Jung getrennt halten ?), gleiches gilt für das überlassen der FJ-Kunstschwärmen sich selbst, dafür bedarf es Ständen mit eine guten Trachtlage.


    -Die gegen Varroa behandelte Jungvolkbildung ist doch eigendlich schon lang bekannt, bei euch wird nur extrem viel Wabenbau erneuert. Wenn ich am Anfang der Rapstracht Ableger mit Brutwaben mache, dann kann ich die mit unbegatten Q bestückt, auch behandeln, nehmlich dann, wenn die Königin in Eilage ist und ihre Brut noch nicht verdeckelt! So kann ich dann auch alle Völker gleich bearbeiten und brauch nicht durch individuelle Behandlung der Völker verschiedene Arbeitsschritte wiederholen.


    - Wieviele Q gehen den so im Schnitt kaputt, bei dem Zusammenschmeißen im Herbst, wird die alte Q deshalb gekäfigt ?(Auch hier geh ich davon aus, dass Jung und Alt getrennt standen!)


    - Wenn ich es mir recht durchrechne, hat man dann im laufe des Jahres das doppelte an Völkern, man brauch zumindestens das Doppelte an Böden und Deckeln.


    - Für die Heidetracht wird diese Methode mit mehreren Völkern ja sowieso empfohlen, da schmeißt man ja auch noch die Altvölker vor der Tracht zusammen und die paar Bienen die zurückkommen, die kann man wirklich getrost auf ein paar Ableger verteilen.


    -An WB , die Rapstracht beginnt nicht immer früher, man kann davon ausgehen, dass man hier bei uns den Raps am 24. April anwandern kann, das war bisher immer so und die alten Rapssorten wirste ja nicht mehr erlebt haben ! :lol:


    Eine abgewandelte artverwandte Methode hat bei mir bisher zu keinen Verlusten durch die Varroa geführt.



    Grüsse 8)

    Bis die Tage, ich komm wieder, keine Frage !

  • Moin Wunderbiene,


    ich werd's wenigstens mal mit so 10 Völkern im nächsten Jahr ausprobieren.


    Hallo Henry !
    Das letzte Jahr ist schon ein wenig vorbei, hast Du es mal ausprobiert, das Celler Rotationsprinzip ?
    Wenn ja, wie war die Schwarmstimmung in den verstärkten Völkern (Kunstschwarm + Altvolk) und der Rapsertag dieses Jahr?
    Wie war der Honigertrag der Wirtschaftsvölker nach dem Bilden der Kunstschwärme im letzten Jahr ?


    Hat sonst wer Erfahrungen mit dem Celler Rotationsverfahren ?
    Hatte ein paar Lehrgänge in Celle und dabei wurde bei mir das Interesse an dieser Betriebsweise geweckt.
    In Celle scheinen sie damit sehr erfolgreich zu sein und wie ich finde, ist es eine sehr elegante Methode seine Völker zu führen.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo Christian,
    in Celle werden die Jungvölker nicht mehr mit den Altvölkern zurückvereinig.
    So habe ich das vor zwei Jahren dort herausgehört.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Christian,
    in Celle werden die Jungvölker nicht mehr mit den Altvölkern zurückvereinig.
    So habe ich das vor zwei Jahren dort herausgehört.
    Viele Grüße
    Lothar


    Doch, werden sie. Sie sind sich aber nicht sicher, wie sich das zurückvereinigen auf die Varroasituation im dann "neuen" Volk auswirkt, also ob es poistive oder negative Einflüsse hat.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo Christian,
    genau diesen Punkt habe ich an besagter Betriebsweise nie richtig verstanden.
    Sicherlich, weil ich meine, erst varroaarme Jungvölker aufzubauen und diese dann den varroareichen Altvölkern zurückzugeben, sich irgendwie widerspricht; und ich es für richtiger halte, diese dann getrennt zu halten.
    Ähnlich wie PFEFFERLE, nur das ich (und Celle) keine Bienen verschleißende Waldtracht habe.
    Deshalb war ich angenehm überrascht, als ich vor zwei Jahren von Herrn Eich genau diese Veränderung vernahm.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.