Letzter Zeitpunkt für Ableger

  • Hallo Zusammen!


    Was haltet Ihr für den letztmöglichen Zeitpunkt, zu dem man noch Ableger machen kann? Werden Ableger, die man jetzt noch bildet vollwertige Völker? Drohnen gibt es ja noch genug bis weit in den August hinein, das sollte wohl kein Problem werden, oder? Bei den Ablegern hatte ich an Sammelableger mit 6-8 Brutwaben und 2-4 Futterwaben gedacht.


    Bei mir brüten die Völker übrigens noch außerordentlich stark - auch in der untersten Zarge, in der sonst zu dieser Zeit die Brut schon langsam ausläuft.



    Viele Grüße,


    Effendi

  • Moin effendi,


    fragst Du nach Ablegern oder fragst Du nach Königinnen?


    Ableger ausschließlich auf ausgebauten bebrüteten Waben kannst Du noch bis zum endgültigen Auffüttern machen. Wichtig ist, daß nochmal ein ordentliches Brutnest entsteht, wenn die mitgegebene Brut ausgelaufen ist. (Und natürlich ist es eine Frage, wo man diese Brut entnehmen will)


    Königinnen sind der Engpaß, wenn sie den Ableger nicht nur bis ins nächste Jahr also über den Winter begleiten sollen. Mitte August (je nach Wetter, Trachtlage und Drohnenabtrieb) nimmt die Chance auf ordentliche Begattung drastisch ab. Solche Königinnen gehen dann spät und nur teilbegattet in Eilage und werden (oder müssen) im nächsten Jahr umgeweiselt werden. Das gilt auch für die letzten Notköniginnen die in EWK's nachgeschafft werden. Die sind Notlösungen und kein guter Start. Das ist dann Losfahren auf Ersatzrad und auf Reserve. :wink:


    Oft bringt es mehr, die Chancen für die Überwinterungsmannschaft deutlich zu verbessern und ab Anfang August eher zusammenzulegen als noch zu teilen. Die Ableger kannste dann sinnvollerweise im nächsten Jahr aus vollen Völkern schröpfen und Du mußt nicht mit Ablegern über den Winter eiern. Behandelt wird dann auch weniger und eingefüttert sowieso. Rein rechnerisch ist die verschobene Ablegerbildung im Frühjahr sinnvoller als noch nach der letzten Schleuderung. Die neue Volkseinheit bringt ja dieses Jahr nur noch Sorgen und muß auch gleich gefüttert werden. Dicke Völker in der Frühtracht dagegen brächten eine sicherere Überwinterung und Ableger, die sich ab Mai selber helfen und die auch gleich bauen und bauen dann auch wieder geschleudert werden können.


    Wenn Du den Bestand bei Anfängern beobachtest, dann merkst Du ganz deutlich: Erst werden die Einheiten vervielfacht auf Teufel komm raus und kommen oft nicht aus dem Knick, sie werden ja immer wieder geteilt, wenn man denkt, das ginge gerade so. Im zweiten Jahr kommen diese Völker, so sie über den Winter kommen, recht lange schwarmfrei aus und explodieren in die Frühtracht und jetzt kriegt der Anfänger problemlos weitere Ableger aus den 5 oder 6 kleinen Völkern, die er aus dem ersten Vollvolk letztes Jahr noch rausgequetscht hat. Im Dritten Jahr wird es dann plötzlich richtig eng. Jetzt fliegen die Schwärme und alle Kisten sind besetzt. Spätestens jetzt erkennt er dann, daß die Kunst der Imkerei nicht im Schnellfahren sondern im Geradeausfahren besteht und daß man es mit einem wahnsinns Lenkungspiel zu tun hat. Und jetzt fängt er an Dicke einzuwintern und Kleine, die nicht verkauft wurden wieder zu vereinigen und nur noch konsequent soviele Völker in den Winter zu nehmen wie er Futtergeschirre und Standplätze hat. Und dann ist er kein Anfänger mehr, dann kriegt er die Imkerliche innere Ruhe. (Und fortan gehen im Winter auch keine Völker mehr ein. :wink: )

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Effendi,
    ich mache zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit keine Brutableger mehr, sondern Kunstschwärme, die ich mit den noch vorrätigen Jungköniginnen bestücke.
    Die Bienenmasse entnehme ich aus verschiedenen Wirtschaftsvölker, wenn ich den Honigraum abräume. Die Kunstschwärme werden an einen anderen Standort gestellt und nass gefüttert.


    Mit freundlichen Grüßen


    Martin

  • nitram schrieb:


    ich mache zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit keine Brutableger mehr, sondern Kunstschwärme, die ich mit den noch vorrätigen Jungköniginnen bestücke.
    Martin


    Genauso wie Martin mache ich es auch.
    Habe am Samstag abgeschleudert und heute die geputzten Honigräume abgenommen. Am Samstag nach der Abschleuderung habe ich bei einem starken Volk mehrere Brutwaben in den Honigraum umgehangen. Man muss diese aber zuvor abschütteln, damit die Königin nicht dabei ist. Heute beim Abnehmen der "geputzten" Honigräume, habe ich die dort vorhandenen Bienen von den verschiedensten Völkern für einen Kunstschwarm verwendet. Damit dieser auch das richtige "Bienengemisch" hat, war das Umhängen von Brutwaben in den Honigraum nötig. Dadurch habe ich einen großen Teil Jungbienen, die in den mit ca. 1,5 - 2 kg schweren KUNSTSCHWARM unerlässlich sind, denn nur Bienen, die sich in den Honigräumen aufhalten, ware nicht die richtige "Startmannschaft" für einen Kunstschwarm.
    Dieser wird sofort mit Bienenwohl Oxalsäurebehandelt. Eine Königin wird gekäfigt zugegeben und sofort mit der Flüssigfütterung begonnen. Die Kellerhaft kann bis zu 3 Tagen betragen, dann ist bei eingeengtem Flugloch das Aufstellen des Kunstschwarms am Bienenstand kein Problem.
    Ein stetiger Futterstrom sorgt bein Einschlagen des Kunstschwarms fast ausschließlich auf Mittelwände, für einen zügigen Ausbau.


    Habe ich etwas vergessen?

  • Hallo Zusammen,


    Kunstschwärme stehen natürlich auf dem Plan, dafür habe ich noch drei Königinnen, die jetzt schon legen dürften. Die drei Damen werde ich aber erst Anfang August versorgen, bis dahin habe ich noch Tracht - naja, hoffentlich... Letztes Jahr hatten wir sehr gute Erfahrungen mit Kunstschwärmen gemacht - und zwar mit den "alten Tanten" aus dem Honigraum. Fragt mich nicht wo - ich glaube auf einer Homepage eines Imkers am Irschenberg - aber ich hatte gelesen, daß man mit diesen Altbienen, die oft Räuberei auslösen, hervorragend Kunstschwärme machen und gleichzeitig Räuberei vermeiden kann. Wir haben es ausprobiert und waren vom Ergebnis sehr überzeugt, die Kunstschwärme sind dieses Jahr unsere stärksten Völker.


    Da unsere Bienen aber durch die Bank noch sehr stark brüten (ca. 12-15 Brutwaben) würde ich gerne Ableger bilden und diese dann einem Jungimker vermachen, damit er nächstes Jahr besser durchstarten kann. Wenn ich die Ableger nächstes Wochenende bilde, sollten die nachgeschafften Königinnen um den 8. August schlüpfen und Mitte August begattet werden. Die Frage ist nur, ob da noch genügend Drohnen unterwegs sind - Henry, da komme ich genau in die Zeit, die Du auch als kritisch ansiehst. Bei der Größe des Ablegers würde ich mit 7 Brutwaben (verdeckelt), 1 Brutwabe (jüngste Brut) und 2 Futterwaben keine Probleme erwarten.


    Sichere Prognose würde ich in dem Fall übrigens auch keine geben wollen - aber wie seht Ihr die Chancen auf Erfolg? Ich würde etwa 70:30 auf ein gesundes Volk nächstes Frühjahr tippen (es lebe die Statistik!).



    Viele Grüße,


    Effendi

  • Zitat

    Was haltet Ihr für den letztmöglichen Zeitpunkt, zu dem man noch Ableger machen kann? Werden Ableger, die man jetzt noch bildet vollwertige Völker?



    ..... nach der Sommersonnenwende sollte man keine Ableger mehr machen. Einmal, weil die Altvölker durch den Brutverlust zu sehr geschwächt werden und weil die Ableger sich nicht richtig entwickeln und nur schwach auswintern.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • effendi schrieb:

    hoffentlich... Letztes Jahr hatten wir sehr gute Erfahrungen mit Kunstschwärmen gemacht - und zwar mit den "alten Tanten" aus dem Honigraum. Wir haben es ausprobiert und waren vom Ergebnis sehr überzeugt, die Kunstschwärme sind dieses Jahr unsere stärksten Völker.
    Effendi


    Hallo Effendi,
    ich kann mir nicht vorstellen, dass nur mit alten Tanten die MW zügig ausgebaut, bzw. die Erzeugung der Winterbienen so problemlos zu bewerkstelligen ist!

  • Doch, das hat gut funktioniert! Wir haben praktisch nur den Honigraum abgefegt, bzw. die Randwaben ohne Brut. Nach den drei Tagen Kellerhaft wurde der Schwarm eingeschlagen und gefüttert. Die Mittelwände wurden alle schön ausgebaut, teilweise sogar noch etwas Wildbau angelegt.
    Es gibt auch eine schöne Graphik mit der Bienenanzahl von einem Kunstschwarm, der aus alten Sommerbienen besteht. Demnach nimmt der Kunstschwarm nach der Bildung erst 3 Wochen lang ab, nimmt dann zu und hat nach 6 Wochen eine Population von 40.000 Bienen erreicht. Ob es bei uns wirklich so viele Bienen waren, wage ich zu bezweifeln, aber funktioniert hat es hervorragend - und Räuberei hatten wir auch keine. Alleine deswegen werden wir die Aktion dieses Jahr wiederholen. Nur haben wir leider nur drei Königinnen, die werden wohl dieses Jahr recht große Schwärme bekommen...


    Viele Grüße,


    Effendi

  • effendi schrieb:

    ...Die Frage ist nur, ob da noch genügend Drohnen unterwegs sind
    Effendi


    Du mußt in die Kunstschwärme auch genügend Drohnen einfegen.
    Solange eine Volk keine eierlegende Königin hat, schmeißt es die Drohnen auch nicht raus.


    Gruß, Robert

  • Die Bienen im Honigraum sind nicht nur Altbienen, sondern auch sehr junge Stockbienen, die mit Honigaufarbeitung beschäftigt sind. Von daher funktieoniert das Verfahren.