Fragen zu Varroa destructor

  • Hallo,
    vielleicht kann mir jemand weiterhelfen, ob wohl die Fragen sehr speziell sind:


    Gibt es Erkenntnisse darüber, wann die Varroa als Parasit bei der Gattung Apis entstanden ist und ob dieses vor der Abspaltung A. mellifera von A. cerana der Fall war?
    Was sind die nächsten Verwandten der Varroa-Milbe?
    Gibt es nahe verwandte Arten der Varroa auf anderen Bienenarten?


    Hoffentlich weis jemand was.


    Gruß
    Andreas Albig

  • Andreas A. schrieb:

    ... wann die Varroa als Parasit bei der Gattung Apis entstanden ist und ob dieses vor der Abspaltung A. mellifera von A. cerana der Fall war?


    Hallo Andreas,


    vor etwa 1 Million Jahre erfolgte die Aufspaltung in die beiden Schwesterarten Mellifera und Cerana aus einer (ca. 5 Millionen Jahre alten) ebenfalls höhlenbrütenden Stammart.


    Da parasitische Milben erdgeschichtlich schon lange vor den Bienen (und ihrer ganzen Hautflügler-Verwandtschaft) auf unserem blauen Planeten lebten, war wohl schon diese Stammart (und ihre Vorgänger) von Milben befallen, ohne dass sie daran zu Grunde gingen.
    Von dieser Stammart haben die beiden heutigen Arten die Varroamilbe zusammen mit den Erbanlagen zur Varroatoleranz bzw. -resistenz "geerbt".


    Wann, wie und warum die Mellifera die Varroa los geworden ist, darüber kann nur spekuliert werden (umgekehrt hatte die Cerana weder Tracheenmilbe noch Faulbrut, beide sicher auch "alte" Parasiten).
    Jedenfalls hat die Mellifera (noch bevor sie von Imkern "züchterisch bearbeitet" wurde) einen Teil ihrer Resistenz- bzw. Toleranz-Erbanlagen verloren, als sie nicht mehr gebraucht wurden;
    denn sonst wäre die Varroa (vorausgesetzt sie hat sich im vergangenen Jahr-Million bei der Cerana nicht allzu stark verändert) für uns heute kein Problem.


    Varroatolerante Mellifera-Populationen zeigen, dass diese Erbanlagen nicht ganz verloren gegangen sind, vielleicht sind sie nur "abgeschaltet" worden.
    Durch Selektion versucht man, sie wieder zu aktivieren (s. dazu zB. Abschnitt 8.2 - 8.6 im aktuellen Tätigkeitsbericht für 2004 des LIB Hohen Neudorf).

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo Frieder,
    vielen Dank für Deine Antwort. In der Deutlichkeit habe ich bisher noch nicht gelesen, dass die Vorfahren unserer A. mellifera mit der Varroa (bzw. deren Vorfahren) Kontakt hatten. Auch die Tatsache, dass das Verbreitungsbiete von A. mellifera und A. cerana nur etwa 600 km von einander getrennt sind, macht es meiner Meinung nach wahrscheinlich, dass A. mellifera in ihrer Stammesgeschichtlichen Entwicklung Kontakt zur Varroa gehabt hat.
    Wird das gemeinsame Erbe der Varroatoleranz bzw. -resistenz bei Mellifera und Cerana in dem Tätigkeitsbericht erwähnt oder gibt es andere Quellen dazu?
    Leider scheint der erwähnte Tätigkeitsbericht von 2004 noch nicht im Internet veröffentlicht worden zu sein. Zumindest habe ich nur die Tätigkeitsberichte bis 2003 gefunden.


    Gruß Andreas

  • Andreas A. schrieb:

    Wird das gemeinsame Erbe der Varroatoleranz bzw. -resistenz bei Mellifera und Cerana in dem Tätigkeitsbericht erwähnt oder gibt es andere Quellen dazu?


    Hallo Andreas,


    das "gemeinsame Erbe" schließt man aus der gemeinsamen Abstammung der beiden Arten und der Existenz von mehr oder weniger varroatoleranten Populationen bei Mellifera.
    Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das vor Jahren gelesen habe.
    Vor über 2 Jahren habe ich mich hier in zwei Threads schon mal dazu geäußert:
    http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=3342#3342
    http://imkerforum.de/viewtopic.php?p=7615#7615


    Meine Erwähnung des Tätigkeitsberichtes bezieht sich nur auf das Bemühen, varroatolerante bzw. -resistente Bienen zu selektieren.
    Der Bericht steht im aktuellen Juli-Heft des Deutschen Bienen-Journals und wird sicher auch bald im Internet stehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


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