Arbeitssparender Ablauf von der Schleuder bis ins Glas

  • Hallo Kollegen,



    bin mit meinem derzeitigen Arbeitsablauf zwischen Schleudern und Abfüllen noch nicht zufrieden. Da ich jetzt größere Mengen Honig zu bewältigen habe (ab 2 to aufwärts), suche ich noch nach einer arbeitssparenden Methode für den Ablauf Klären-Sieben-Erwärmen, Abfüllen.


    Bis jetzt habe ich den honig direkt nach dem Schleudern FEINST-gesiebt und in 12,5 kg Eimer abgefüllt. Großer Vorteil war, dass dann im weiteren Verlauf das Abfüllen je nach Bedarf völlig unkompliziert möglich war. Einfach den Eimer für 2 Std. im Einwecktopf bei 40 Grad angetaut, einmal durchgerührt und gleich abgefüllt. das ergebnis war ein optimal cremiger Honig ohne viel Arbeitsaufwand.


    Problem ist nur, dass sich das Feinst-Sieben zum absoluten Engpass beim Schleudern entwickelt, da der Honig viel zu langsam durch die Siebe läuft.


    - Auf das Feinst-Sieben wollte ich bisher nicht verzichten, da meiner Erfahrung nach nur Abschäumen immer ein paar wachsteilchen im Honig zurücklässt, die unschön aussehen.
    - Melitherm habe ich ausprobiert und war absolut nicht begeistert (viel zu langsameS Tauen)


    - Ich möchte derzeit möglichst keine großartigen Investitionen tätigen


    Über Nachrichten, wie ihr wachsteilchenfreien Honig sauber und schnell ins Glas bekommt, würde ich mich sehr freuen!


    Grüße, Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.


  • Hallo Reinhard,


    kenne einen Imker der läßt direkt nach dem Schleudern den Honig durch den Melitherm laufen und kann ihn damit fein sieben.
    Hab ich auch mal probiert, funktioniert einwandfrei.


    Gruß
    Matthias



  • Servus!


    Wieviele Zentner kann man denn mit dem Melitherm an einem Schleudertag bewältigen?


    Grüße, Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Hallo Reinhard, hallo Matthias,
    wir benutzen auch die Melitherm. Dieses Jahr hatten wir mit neuen Seitüchern erstmals Probleme. Ich vermute, dass es auf die Maschenweite der Seitücher ankommt, wie schnell der Honig durchläuft. Klingt doch logisch oder?


    Gruß Andreas

  • Sevus
    Das Sieben stellt mich vor ähnliche Probleme. Für heuer hab es es so gelöst dass ich den Frühtrachthonig nach dem Grobsieben im Nylon bzw Edelstahlspitzsieb auch durch das Melitherm gelassen habe. Die Siebgeschwindigkeit war für mich OK.
    Für die Zukunft überlege ich mir einen Sumpf anzuschaffen da gibt es welche bei Warnholz aus Kunststoff ---Klärmeister 150€---
    Also nicht aus der Welt-- wenns funktioniert. Leider kenn ich niemand der dás Gerät nutzt.Außerdem haben die Profisümpfe meist eine Heizung-- frisch aus der Schleuder konnte der billig Sumpf trotzdem fungieren


    Das ist überhaupt ein Thema für unsere Profis, bin gespannt


    Max

    Ich mag keine Signaturen mit ach so Schlauen Sprüchen.

  • ja hier ist eine Antwort von einem Profi.


    Bei mir hab ich zu nächst folgendens gemacht! Meine Schleuder (54 Waben von Thomas) hat einen Kegelartigen Boden, an dessen Außenseite hab ich etwa 15 cm breit von unten ein Dachrinnenheizkabel mit Silikon mit etwa 1 cm Abstand ans Blech geklebt und dann mit Montageschaum Isoliert. Ein passender Thermostat ist auch eingebaut worden.


    Von der Schleuder weg fließt der Honig in einen Doppelwandigen und über ÖL-Bad elektrisch beheizten Sumpf (auch von Thomas) auch dieser hat einen Thermostat! Dieser Sumpf ist bei mir im Boden eingelassen, damit die Schleuder so niedrig wie möglich ist, was das be- und entladen wesentlich erleichtert. Der Sumpf hat am gegenüberliegenden Ende ein Schwimmer, der dafür sorgt, daß immer genug Honig drin ist, und durch die drei Kammern welche mittel kurze und lange Schiede getrennt werden (die langen Schiede gehen nicht bis ganz runter auf den Boden ca 1,5 cm Abstand) wird der Honig so gut vorgeklärt, daß es ohne Geschmacksprobleme gepumt werden kann! Durch die große Fläche wird der Honig auch recht schnell gut erwärmt, so daß er auch prima durch einen Feinfilter ähnlich dem Lunzer Honig-Sieb nur drei mal so groß in der Kapazität (300Kg) fleist! Der Sieb ist in drei Stufen, innen grob und nach außen fein. Die Siebe sind senkrecht und stehen quasi im Honig! Vergleichbar mit einem Kraftstofffilter. Das feinste Sieb hat die Maschenweite von dem des Melitherm! Auch dieser Sieb ist mit einem AMI API beheizt, bzw der Honig wird dort nur auf Temperatur gehalten!


    Dann kommt der Honig in einen schmalen und sehr hohen großen Tank (2to Kapazität) damit der sich klärt und gut abgeschäumt werden kann! auch dieser Tank kann beheizt werden, muß es aber nicht! In diesem Tank bleibt der Honig ein zwei Tage drinn und wird dann in kleiner Behälter abgelassen!


    mit dieser Anlage kann ich ohne Probleme etwa 1,5 to Honig am Tag schleudern!


    Ich habe so schon 8 to Honig geschleudert ohne den Sieb zu reinigen und ohne daß es verstopfte! ich muß aber auch dazu sagen, daß ich nicht maschinell entdeckle, sondern nur mit dem Messer arbeite, es also schon von vorne rein weniger verschmutzter Honig von der Schleuder kommt!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo!


    Vielen Dank für die Antworten ersma!!


    Hatte heute noch einen Restposten Blütenhonig zu schleudern (120 kg) und hab natürlich gleich mal den Tipp mit dem Melitherm ausprobiert.


    Der frisch geschleuderte Honig läuft wirklich gut durchs Melitherm (ganz im Gegensatz zum Auftauen von kandiertem Honig). Kapazität sind ca. 30 kg Durchlauf pro Std. Damit werde ich jetzt erstmal weiterarbeiten. Die Profi-Version von Toyotafan hört sich ausgesprochen gut an, aber mit ziemlichen Investitionen verbunden.


    Also Dank nochmal für die Tipps, haben mir viel Arbeit und Zeit gespart!!


    Grüße Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Moin Imkers,


    ich darf, wie Ihr wißt, bei einem Berufsimker schleudern. (zwei Radschleudern á 12 Waben über Grobsieb in Sumpft mit Z-Überlauf zur Pumpe durch Siebstrümpfe in Feinsieb in 2t Rührwerk, alles unbeheizt. Gearbeitet wird bei 36°C Raumtemperatur.)


    toyotafan schrieb:

    ... ich muß aber auch dazu sagen, daß ich nicht maschinell entdeckle, sondern nur mit dem Messer arbeite, es also schon von vorne rein weniger verschmutzter Honig von der Schleuder kommt!


    Das ist ein ganz wesentliches und nicht zu unterschätzendes Problem. Ich habe dort in der Imkeri als einziger eine vorhandene Entdeckelungsmaschine benutzt, die mit Schlagplättchen die Wabenseiten plan hobelt bzw. rattert oder schlägt. Nicht nur daß Unmengen von Tropfhonig und Entdeckelungswachs in Form einer homogenen kaum wieder trennbaren Pampe entstehen, die Waben selbst werden auch sehr stark erschüttert, was bei ungewelltem Draht zu Bruch oder sehr langen Schleuderzeiten führt. Viel von dem Entdeckelungswachs gelangt in die Schleuder und in die Siebe. Da es feiner als die üblichen Wachsteile bei Handentdeckelung ist, verstopfen die Grobsiebe nicht, sondern erst alle folgenden feineren. Nach gut 6t Rapshonig handentdeckelt mit der Gabel gibt es ein Fleischerbecken voll Entedeckelungswachs und vielleicht 10 kg Tropfhonig vom unbeheizten Entdeckelungswachs und in den Sumpfsieben bleiben nochmal etwa 4-5 Kaffeetöpfchen Wachsdeckel zurück. Das meiste in den Grobsieben.


    Bei meinen 250kg mit der Maschine entdeckelten Waben, liegt im Grobsieb etwas Wabenbruch aber kaum Wachs und in der Entdeckelungsmaschine steht 10cm hoch die Wachs-Honig-Pampe und wird dort zu Stein. Das Grobsieb hält die Wachsflocken im Honig fast nicht zurück, weil die durch die Maschine zu kleinen Teilchen zerdroschen wurden. Der Z-Überlauf bringt wenig, weil viel zu viele Wachsteilchen im Honig sind und sich nicht als feiner Film oben absetzen können. Auch sind die Teilchen für genügend Auftrieb zu klein. Dafür setzen sich die folgenden Siebe recht zügig zu. Der Siebsatz wurde für die 250kg 2 mal komplett gewechselt und besteht aus 2 senkrechten Sieben, grob und fein, im Siebkübel und zwei Spitzsieben ineinander. Auch ein grobes und ein feines.


    Die Wachsteilchen nach der maschinellen Entdecklung sind teilweise siebgängig, weil sie fein genug sind sich bei genug Honigdruck zu verformen und dann doch durch's Sieb zu wandern. So schön die abgehobelten Waben auch anzusehen sind, man muß die Entdeckelungsmaschine schon auf etwa 1-2mm tiefer als das Rächmchen einstellen, weil sonst auf fast jeder Wabe Nachentdeckeln angesagt ist. Bei einer überbauten fetten Honigwabe, einem richtigen Schinken :wink: oder auch einer Wabe vom Rand fliegt dann bestimmt 15% (geschätzt) als Wachspampe in die Maschine, wenn nicht sogar mehr. Und auch Waben, die eigentlich nur teilentdeckelt werden müsten, brauchen in der Maschine genau die selbe Zeit. Alle Waben haben hinterher ja die selbe Breite bzw. Dicke. Man kann sie dann natürlich sehr schön und ohne viel Reparaturaufwand für die Bienen im HR wieder einhängen. Ich fürchte allerdings, daß die jetzt, wo kein Bienchen mehr gerne baut, nicht wieder so weit ausgezogen werden und dann das maschinelle Entdeckeln wieder Probleme macht. Als Brutwaben wird von den Bienen ohnehin nach der Tiefe der Mittelwand ausgezogen und wenn dort die Zellen zu flach sind und auch kein Wachs mehr an der Wabe hängt, wie beim Gabelentdeckeln, dann bleiben zu flache Zellen einfach unbesiftet. :cry:


    Und nicht zu vergessen der enorme Aufwand die Entdeckelungsmaschine wieder sauber zu kriegen... :cry:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    wenn mit dem Messer entdeckelt wird gibt´s noch weniger Honigverschmutzung! bei 8 to Honig durchfluß hab ich in der gesammten Anlage vielleicht grad einen 10 Liter Eimer voll Wachsreste was ich aus den Sieben so raus hole!


    Betreffs reinigen: bei mir wird alles erst mal mit reichlich lauwarem Wasser aus dem Schlauch mal mit der Sprühvorichtung so richtig eingeweicht und nach einer Tasse Kaffee einfach weg gespült! (Bodenablauf) geht wunder bar. Die ganze Anlage ist in einem Vormittag sauber gemacht!


    Reinhard ,


    klar kostet so ne Anlage ne Menge Geld! Ich hab seiner Zeit, weil ich die Imkerei berufsmäßig betreibe, auch Fördermittel bekommen. Das hat sich schon irgend wie bis jetzt rentiert.


    Wenn ich nur dran denke, wie das frühr bei mir war, und vorallem wieviel Honig da bei mir als übergelaufen ist, nur weil die Siebe es nicht mehr packten! oder ich mal eben geschwind ans Telefon mußte usw!


    Allein desshalb wars die Investition wert!


    1995 war´s das letzte mal, daß bei mir was beim Schleudern übergelaufen ist! :wink:


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Moin toyotafan,
     

    toyotafan schrieb:

    Die ganze Anlage ist in einem Vormittag sauber gemacht!


    Für die sch... Endeckelungsmaschine brauch ich auch so lange.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    verkauf sie und kauf dir so ein Amerikanisches Entdecklungsmesser!


    ist auch viel schneller!


    vor allem dann wenn die Waben schön überbaut sind.


    Und das erreichste am besten, wenn du im Honigraum eine Wabe weniger rein tust und die andern entsprechend verteilst! :lol:

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Moin toyotafan,


    toyotafan schrieb:

    verkauf sie ...


    wie könnte ich das, wo doch in mir gerade die Erkenntnis reift, sie seie unbrauchbar.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Guten Abend,


    ich war vor ein paar Wochen in Münster bei der LWK und dem westfälischen Bieneninstitut.


    Ich muß zugeben, ich war enttäuscht......
    Deren Schleuderraum ist ca. 2 mal 3,50 m.
    Direkt links neben der Tür eine Entdeckelungsmaschine CFM, höllenlaut und es spritzt....
    Dann kam ein Stück Edelstahl-Arbeitsfläche, wo ein Entdeckelungsgeschirr und Ablage aufgebaut war.
    Und dann kam eine 18 Waben Radschleuder.
    Quer noch ein Arbeitsplatz zum Glasabfüllen.
    Von der anderen Wand hab ich vor lauter Leuten nichts gesehen ;-) aber ich meine, da wären nur 2 Schränke gewesen.


    Die Zargen mit den Honigwaben kommen auf Rollbrettern rein, und stehen quasi in der Tür.
    Dann werden sie eine nach der anderen durch die Entdeckelungsmaschine geschickt und Dellen von Hand nachentdeckelt und auf der Ablage abgestellt.
    Danach wird die Radschleuder befüllt und angestellt.
    Schleuderdauer ca. 20-25 Min bei ca. 70 Upm.
    Der Bruch sei immer ärgerlich, erklärte die nette Azubine.
    (Mir wurde jedesmal ganz anders, wenn ich sie mit einem Messer Wabenstücke aus dem Schleuderauslauf pulen sah, obwohl ich wußte, daß sie damit nicht wehtun kann....)
    Die Entdeckelungsmaschine produzierte auch jede Menge Wachs-Honig-Gemisch, natürlich das meiste bei den fett überbauten Waben.


    Jetzt frag ich mich natürlich, warum haben die da eine Entdeckelungsmaschine, wenn das Schleudern sooo lange dauert?
    Bzw. warum keine größere Schleuder?


    Ich meine, die können ja machen was sie wollen, aber in meinen Augen paßt das System nicht zusammen.
    Und ergonomisch ist da gar nichts....


    Ich bin enttäuscht, weil ich irgendwie einen "idealen" Schleuderraum erwartet hatte.
    Die Radschleuder in Aktion zu sehen, war interessant (*zwinker zu Henry), aber die macht viel Bruch, obwohl die Waben gut ausbalanciert schienen.
    Man konnte es gut hören...


    Die Entdeckelungsmaschine - naja.
    In meinen Augen zuviel Gefummel beim Rein-und Rausmachen, kein Fußschalter, und sehr viel Wachs-Honig-Gemisch. Und verdammt zu laut; ich wette, beim Messen wäre Tragen von Gehörschutz rausgekommen; reden ging jedenfalls nicht, wenn das Teil lief.


    Was gut war: Wasseranschlüsse alle in den Nebenräumen, weit weg vom hygroskopischen Honig (aber schlecht zum Reinigen; für jedes Händewaschen 15 Meter).


    Nicht gut: keine Belüftung außer der Tür. Ein Klumpen Bienen in einer Ecke unter der Decke, keine Möglichkeit für sie, jemals wieder rauszukommen.


    Insgesamt eher abschreckend als nachahmenswert, leider.


    Wie sieht es bei euch aus?
    Täte mich jetzt wirklich mal interessieren (die alten Beiträge dazu hab ich schon gelesen ;-) )

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen