Bioimkerei in der Stadt

  • Hallo Kollegen,



    soweit ich weiss, darf laut Bioverordnung der Standort der Bienen nicht größeren Verschmutzungsquellen ausgesetzt sein.


    Ich habe einen Binenstand im Stadtgebiet Münchens, direkt an einem ökologisch bewirtschafteten Acker. Wie wird das nun gehandhabt - wäre das Betreiben dieses Standes in einer Bioimkerei möglich? Dürfte dieser Honig als Bio-Honig vermarktet werden? Beim Acker scheint es ja in Ordnung zu gehen, dass er im Stadtgebiet liegt.


    Wer hat dazu Erfahrungen??


    Grüße Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.


  • Und nochmal Hallo,


    für welchen Bio-Verband willst Du Dich überhaupt entscheiden ?
    Wieso bist Du auf Bio gekommen ?


    Wegen dem Acker:
    Ein biologisch bewirtschaftetes Grundstück macht den Kohl nicht fett. Es gilt der Flugkreis von ca. 3 km.
    Im Zweifelsfall bei dem ausgewählten Bioverband nachfragen.


    Gruß
    Matthias



  • Guten Tag,


    es ist durchaus möglich auch als anerkannter "Bio - Imkers" in Ballungsgebieten zu imkern. Entscheidend ist das was DU mit den Tieren machst. Auf die äußeren Einflüsse kannst Du nicht einwirken.
    "Käseglocke". Nur einen Bio-Acker am Stand zu haben reicht nicht aus,
    bedenke den Flugradius der Tiere. Schau dir mal die Seiten von Bioland an oder einfach nur die Seiten für die EU Bioverordnung. Hier gibt es deutliche Hinweise, wie da vorgegangen werden muss. Bedenke das nicht
    ganz unerhebliche Kosten entstehen.
    Ich selbe befinde mich in meinem Umstellungsjahr ( Bioland ) und befinde mich auch in einem Ballungsgebiet.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Servus!


    Klaro fliegen auch meine Bienen weiter als nur bis zum nächsten Acker vorm Flugloch. A bissl arbeiten tun sie schon noch.
    Dass meine Bienen in der Stadt an einem Öko-Acker stehen habe ich nur erwähnt, um zu zeigen, dass die Stadtumgebung offensichtlich der Bewirtschaftung des Ackers als Öko-Acker nicht im Wege stand. Die von der Stadt ausgehenden Immissionen sind doch für den Acker wie auch für meine Bienen dieselben, denk ich mir.


    In der Bioverordnung steht zum Standort der Bienen unter 4.2. c):


    "Der Bienenstock muss sich in ausreichender Entfernung von jedweden möglichen nicht landwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen, wie z.B. städtische Gebieten, Autobahnen, Industriegebieten, Abfalldeponien, Abfallverbrennungsanlagen usw. befinden."


    Jetzt wollte ich halt mal wissen, wie das nun in der Praxis gehandhabt wird.


    Grüße aus der Stadt, Reinhard

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Hallo Dr. Harper,


    Sie dürfen also Ihren in der Stadt gesammelten und geernteten Honig als Bioland-Honig vermarkten? Oder ist das noch fraglich? Müssen sie Ihren Honig auf Verunreinigungen durch städtische Immissionen untersuchen lassen?


    Grüße, der stoaderer (Städter)

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.


  • Hallo Reinhard,


    wenn bei einer Ernte übermäßige Beeinträchtigungen durch ungünstige Umwelteinflüsse zu erwarten sind, kann der Honig untersucht werden (Extrakosten).
    Wäre es nicht besser umgekehrt ??
    Kannst Du Deine Standplätze nicht regelkonform wählen ??


    Wieso willst Du als "Städter" Bio-Honig produzieren ??


    Gruß
    Matthias


  • Werte Kollegen,
    Hier jetzt erst mal der komplette Text zur Standortfrage:


    4. Standort der Bienenstöcke
    4.1. Die Mitgliedstaaten können Regionen oder Gebiete ausweisen, in denen eine dieser Verordnung entsprechende Bienenhaltung nicht praktikabel ist. Der Kontrollbehörde oder Kontrollstelle ist vom Bienenhalter eine Karte in einem geeigneten Maßstab vorzulegen, auf der der Standort der Bienenstöcke gemäß Anhang III Teil A Abschnitt 2 Nummer 1 erster Gedankenstrich verzeichnet ist. Lassen sich solche Gebiete nicht bestimmen, so muß der Bienenhalter der Kontrollbehörde oder Kontrollstelle geeignete Unterlagen und Nachweise, gegebenenfalls mit geeigneten Analysen, vorlegen, aus denen hervorgeht, daß die seinen Bienenvölkern zugänglichen Gebiete die Bedingungen dieser Verordnung erfüllen.
    4.2. Für den Standort der Bienenstöcke gilt folgendes:
    a) Er muß genug natürliche Quellen an Nektar, Honigtau und Pollen für die Bienen und Zugang zu Wasser bieten.
    b) In einem Umkreis von 3 km um den Bienenstock muß die Bienenweide im wesentlichen aus Pflanzen des ökologischen Landbaus und/oder Wildpflanzen gemäß Artikel 6 und Anhang I sowie aus Kulturpflanzen
    bestehen, die den Vorschriften dieser Verordnung zwar nicht entsprechen, deren landwirtschaftliche Pflege mit Methoden, die z. B. in den Programmen gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 2078/92 (*****) beschrieben sind, jedoch nur eine geringe Umweltbelastung mit sich bringt, die die ökologische Qualität der Imkereierzeugnisse nicht nennenswert beeinträchtigt.
    c) Der Bienenstock muß sich in ausreichender Entfernung von jedweden möglichen nichtlandwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen, wie z. B. städtischen Gebieten, Autobahnen, Industriegebieten, Abfalldeponien, bfallverbrennungsanlagen usw., befinden. Die Kontrollbehörde oder Kontrollstelle legt Maßnahmen fest, die die Einhaltung dieser Anforderung gewährleisten.
    Die Bestimmungen dieser Nummer gelten nicht für Gebiete, in denen keine Pflanzenblüte stattfindet; sie gelten auch nicht während der Ruhezeit der Bienenstöcke.


    Zuerst einmal ist ja festzustellen, daß in Deutschland keine Gebiete ausgewiesen wurden, in denen "... eine dieser Verordnung entsprechende Bienenhaltung nicht praktikabel ist."


    Das gilt übrigens meines Wissens nach auch für alle anderen Mitgliedsstaaten - man will sich ja auch nicht gerade selber ein Armutszeugnis ausstellen.


    Die Aussage unter b)
    "... jedoch nur eine geringe Umweltbelastung mit sich bringt, die die ökologische Qualität der Imkereierzeugnisse nicht nennenswert beeinträchtigt."


    läßt sich sinngemäß auch auf c) anwenden und da ist ja hinlänglich bekannt und oft untersucht, daß Honige eben meist keine nennenswerten Beeinträchtigungen durch den Standort aufweisen.


    Falls nun allerdings der Verdacht besteht, es könnte so sein, sollten die Bienenprodukte untersucht und bei positivem Befund der Standort aufgegeben werden.


    Die andere Vorgehensweise gibt dem Imker mehr Verantwortung - wenn ich mir nicht sicher bin, gebe ich den Standort gleich auf.


    Soweit sind auch damals die verschiedenen Kommentare zur Richtlinie verfertigt worden.



    Gute und saubere Honigernten wünscht


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21