Zuchini, Kürbis und Co.

  • Guten Tag,


    ich habe eine Anfrage eine Biolandgenossenschaft, ob ich meine Bienen
    nicht zur Blüte für Zuchini, Kürbis und Buschbohnen zur Verfügung stellen kann. Lohnt sich der Aufwand im Verhältnis zum zu erwarteten Ertrag ?
    Gehen die Bienen überhaupt auf dieses Gemüse ? Geben diese Nektar ?


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Moin, Moin aus Hamburg,
    bei einer Prämie von ca. 40 ,- € pro Volk , kann es Dir doch eigentlich egal sein , das du nicht grade Kürbisblüten- und Erbsenhonig
    ernten wirst. 8) 
    In welchem Umfang die Bienen die Blüten anfliegen , wirst Du dann schon sehen. Die Mädels stehen ja auf Massentrachten. Hier liegen einfach unterschiedliche Interessen vor. Wenn es den Bauern glücklich macht ,mußt Du ja noch lange Deinen Spaß haben. :roll: Honig kommt aber bestimmt auch durch die Begleitpflanzen bei einem Biolandbetrieb rein. Du wirst Deine Völker auch nicht durch Spritzmittel verlieren (wie bei der Obstblüte im alten Land). :evil: 
    Vielleicht kannst du ja auch einen interessanten Naturalrabatt aushandeln. Ist ja alles lecker Gemüse, welches ja auch nicht so ganz billig ist, wenn Du es kaufen mußt. :wink: 
    Ansonsten können solche Kontakte auch nie schaden. wer weiß, wofür es mal gut ist 8) . ich würde es machen ! Kannst ja mal erzählen wie es gelaufen ist.


    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Guten Morgen,


    hab gestern mit einen Landwirt, der im diesem Jahr 16 Hektar Ölkürbis angebaut hat, darüber gesprochen. Hat sonst noch wer Erfahrungen mit dieser Tracht gemacht. Anscheinend honigen die Blüten nur vormittags.


    Gruß Horst

  • So, jetzt hab ich meine ersten Erfahrungen mit den Ölkürbis gemacht:


    Tracht nur Vormittag - am frühen Nachmittag sind sie richtig beleidigt und ziehen große Suchkreise
    Wenn die Blüten offen sind, dann ist es sicherlich eine gefragte Massentracht. In der weiblichen Blüte sind teilweise 2 - 3 Bienen.
    Der Kürbis blüht anscheinend bis in den Herbst rein - wäre eigentlich eine Dauertracht und für die Entwicklung eines Ablegers nicht schlecht.:Biene:
    Hab jetzt den Maiableger eine Woche dort und der entwickelt sich sehr gut - so eine Tracht ist sicherlich besser als das dauernde Zuckerwasser.


    Ein Hauptvolk werde ich wahrscheinlich nicht hinstellen, denn ich möchte die Sonneblume demnächst austesten.


    Gruß Horst

  • Wie Daniel oben schon erwähnt, mit entsprechenden Bestäubungsprämien kannst Du den Trachtmangel am Nachmittag leicht kompensieren.


    Ich finde es gut das unser Landwirte mehr und mehr die Dienstleistung unserer kleinen Bienchen in Anspruch nehmen wollen.Da kann man Sie schlecht mit einen oder zwei Ablegern abspeisen. Schon gar nicht wenn es hier um 16 ha geht.


    Nützt diese Möglichkeit und argumentiert genau mit dem was Du hier schreibst: Nektar nur vormittags dadurch Ausfälle die mit Standprämien zu kompensieren sind.


    Wenn Euch ein Landwirt frägt dann rechnet er mit dem Einsatz von Bienen gleichzeitig mit den daraus resultierenden Mehreinnahmen der Ernte. In der Regel sind das zwischen 20 - 30 unter günstigen Umständen sogar bis 50 % je nach Frucht.


    Ob der Preis pro Volk mit 40 Eur angemessen ist kann ich nicht sagen, unter 25 Eur solltest Du aber nicht einsteigen.


    Servus Norbert

  • Hallo Norbert,


    ich kenne diesen Landwirt besser und wollte einen kleinen schnellen Versuch machen. Mir ging es gar nicht um die Prämie und verlange derzeit auch keine.


    Wir werden im Herbst die Ergebnisse sehen. Aber da gäbe es noch ganz andere Ideen - z.B könnte man Phaceliastreifen in das Kürbisfeld anbauen, dann wäre dies wirklich optimal für die Befruchtung des Kürbis und für die Bienentracht.



    Gruß Horst

  • Na klar, Erfahrungen sind wichtig, damit man weis über was man redet ;)


    In einigen Gurkenfelder bei uns in der Nähe ca. 35 Km bauen einige Landwirte auch gelben Senf an um Honigbienen, Wildbienen und Hummeln anzulocken.


    Sei so nett, wenn Du mehr Erfahrungen am ende dieser Tracht hast teile Sie uns hier mit. Mich interessiert das auf jeden Fall, da wie gesagt Gurken und Zucchini in der Nähe sind.



    Servus Norbert

  • Ihr habts gut. Bei uns wollen die alle noch Honig fürs hinstellen eines Volks. Von wegen Bestäubungsprämie.


    Wie in einem anderen Thread schon geschrieben hab ich hier auch ein mehrere Hektar grosses Zuccinifeld in der Nähe. Ein Bienenvolk (erstmal testen...) stehen seit einer Woche dort, bei dem derzeitigen Sauwetter wird aber sowieso nichts eingetragen und vorher war es viel zu windig. Wenn es was gibt, werde ich berichten. Ob und wie das mit eventuellem Pflanzenschutz läuft, ist auch noch zu klären. Zuccini sind oft mehltauanfällig.


    In Österreich gibts gelegentlich Honig, der von Ölkürbisnektar stammt. Hab ich noch nicht probiert, aber andere sagen er sei mild, ein bisschen blumig, kein sehr ausgeprägter Geschmack. Und man braucht wirklich riesige Flächen Kürbis pro Bienenvolk, bereits vormittags schliessen sich die Blüten wieder. So spät im Jahr wie sie blühen, könnte das auch in Konflikte mit der Varroabehandlung hineinlaufen. Die Felder bei uns, die im Frühling Folienschutz hatten, zeigen jetzt mässige Blüte, die ohne Schutz haben noch gar nicht mit der Blüte begommen.


    Update: Sie haben doch schon ein klein wenig eingetragen. Farblich hell wie Frühlingsblütenhonig, im Geschmack (noch?) ziemlich blass. Konnte ein paar Zellen mit Honig vom Baurahmen probieren. Der danebenliegende Rest Lindenhonig vom vorigen Standort unterscheidet sich krass davon.

  • Hallo Zusammen,
    Phacelia neben Gurken- und Zucchiniblüten?
    Das ist ja wie Torte neben Trockenbrot...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Guten Morgen,


    hab gestern wieder mal im Ölkürbisfeld nachgesehen:


    Der Maiableger hat sich wunderbar entwickelt und ich muß sogar noch eine zweite Zarge aufsetzen, da die Bienen in der einen Zarge keinen Platz mehr haben. Also es wird fleißig gebrütet und auch gebaut.
    Im Nektar- und Pollenbestimmungbuch steht Pollen mäßig und Nektar mäßig. Beim Nektar wird es stimmen aber beim Blütenpollen vom Kürbis sicher nicht.


    Das Hauptvolk brütet auch noch fleißig und verbrütet auch den Honig. Beim Honig wird man nicht viel Glück haben.


    Aber für die die Jungvölker kann ich es nur empfehlen. Das Jungvolk bekommt seit 4 Wochen auch kein Zuckerwasser mehr.
    Dieses Tempo haben meine Jungvölker am Hausstand nicht hingelegt, obwohl sie auch ab und zu Zuckerwasser bekommen.


    Gruß Horst

  • Beim Zuccinifeld wars ein Fehlschlag. Allerdings war das Wetter in den drei Wochen, in denen sie dort standen auch oft nicht besonders. Der Pollenfarbe und der Flugrichtung nach sind die meisten Bienen statt in die Zuccini vor dem Stand ins weiter entfernte Industriegebiet geflogen, um sich dort an Wegrändern und Brachflächen am Steinklee zu laben.


    Nektareintrag insgesamt sehr negativ, Bruttätigkeit auch nicht berauschend. 1km entfernt haben ich noch zwei Ableger stehen, die völliges Desinteresse an den Zuccini und anderen Kürbispflanzen zeigen.


    Später habe ich dann noch das hier gefunden: http://www.genres.de/CF/genres…nwis/anwis_498/498_11.pdf
    Offenbar sind Kürbisse bis auf eine Art nicht für europäische Bienen geeignet. In ihren Herkunftsgebieten gibts eigene Bienenarten, Kürbisbienen.

  • Hier hab ich noch ein paar Fotos. Also die Blüten sind schon heiß begehrt....


    Hier ein Gedränge an der weiblichen Blüte



    leckeres Frühstück - hab auch gekostet und schmeckt wirklich süß


    und hier die männliche Blüte




    Gruß Horst

  • Die Beobachtung von malerisch in den Blüten sitzenden Bienen und mit Pollen bestäubt wieder abfliegen täuschen. Gerade das ist laut dem verlinkten Dokument ein Problem. Ich zitiere mal ein paar Sätze:


    "Die Insekten landen im Unterschied zu den amerikanischen langrüsseligen Kürbisbienen (Peponapis spp. [1] und Xenoglossa spp.) meist nicht auf dem Synandrium bzw. auf der Narbe sondern auf den verwachsenen Kronblättern und kriechen dann auf der Suche nach Nektar an den Blütengrund, wo sie oft sehr lange ausharren. Bei männlichen Blüten kommen sie dabei dorsal mit dem Synandrium in Kontakt und sind alsbald völlig mit Pollen bedeckt, den sie aber nicht sammeln und daher auch nicht eintragen können. Mit Ausnahme der Fühler und der Flügel haften
    die Pollen überall am Körper der Insekten und können von den sich eifrig putzenden Bienen wegen des reichlich vorhandenen Kittharzes auch nicht einfach abgestreift werden. Besonders betroffen ist die Kopfregion mit den dicht behaarten Augen. In den Morgenstunden fehlt den Insekten schon nach dem ersten Besuch einer männlichen Blüte jede Möglichkeit der visuellen Orientierung. Sie fliegen nur kurz auf und lassen sich in die nächstbeste Blüte fallen. Treffen sie dabei auf eine weibliche Blüte, kann ein Teil der Pollenladung mehr oder weniger zufällig auf die Narbe gelangen. Der Rest verbleibt auf dem Körper des Insekts. Doch fällt das Tier zufällig auf die Kronenblattoberfläche, wird es auch an dieser Berührungsstelle teilweise von den lästigen Pollen befreit. Gelangen Hummeln oder Bienen in die sich bald etwas eindrehenden spitzen Kronzipfel, kann dieser Reinigungseffekt bei den restlichen im Pelz hängenden Pollenkörnern festgestellt werden."


    und:


    "Bei Honigbienenvölkern konnte nach längerem Aufenthalt in Kürbisfeldern ohne alternative Nahrungsquellen ein deutlicher Gewichtsverlust nachgewiesen werden. Wegen ihrer geringen Rüssellänge und wegen des Blütenbaus der Kürbisblüten ist der Nektar für sie außerordentlich schwer oder gar nicht zu erreichen. Doch die Blüten der Kürbisse sind weder echte Täuschblumen noch erfolgt ein illegaler Nektarraub. Daß sie die Besucher dennoch zu täuschen und zu fesseln imstande sind, fand bisher kaum Beachtung. Im Experiment konnte gezeigt werden, daß auch die Honigbiene in 1-2 Minuten den gesamten Nektar einer männlichen bzw. weiblichen Blüten aufnehmen kann und daß sie anschließend sogleich abfliegt, wenn der Zugang zum Nektar künstlich freigelegt wurde und dem Insekt nicht durch anhaftende Pollenkörner die Sicht genommen war."


    Genaueres, auch den Aufbau der Kürbisblüte unter dem Mikroskop bitte direkt im Dokument nachlesen, mehr als ein paar Sätze zu zitieren ist urheberrechtlich nicht erlaubt.