Erfahrung Bienengiftallergie

  • Hi,


    So, das Abenteuer mit der Allergie haben wir jetzt selber erlebt. Ich will einfach mal schildern, was da so abgeht. Mein Sohn Sebastian bekam bei seinem achten Stich einen langen roten Streifen am Arm, ähnliche einer Blutvergiftung, der später als Lymphangitis diagnostiziert wurde (siehe auch anderen thread). Bei seinem neunten Stich, wir waren am Weiselzellenbrechen, reagierte er mit einem pustelartigen roten Ausschlag am gesamten Körper und roten geschwollenen Augen. Jetzt hatte er die Allergie. Charakteristisch für eine Allergie ist eine sog. systemische Reaktion, dh. eine Reaktion des gesamten Körpers und nicht einzelner Bereiche!!


    Ich fuhr mit ihm ins Krankenhaus. Dort bekam er verschiedene Infusionen. Nach einiger Zeit machte sein Kreislauf schlapp – ihm wurde schwindlig. Dann gings mit dem Krankenwagen ins nächste Krankenhaus. Der Kreislauf war dort wieder relativ stabil und er war eigentlich wieder gut dabei. Die Nacht über wurde er dort beobachtet und gegen Mittag mit verschiedenen Hinweisen und einem Rezept für ein Notfallset entlassen.


    Bei dieser ganzen Geschichte stellte sich nachträglich heraus, dass die allgemeinen Ärzte in den Krankenhäusern maximal ein Halbwissen bzgl. Bienengiftallergie besitzen. Es werden in drastischer Weise falsche Ratschläge gegeben und Fakten durcheinandergeworfen. Z.B. wurde uns beigebracht, dass eine Desensibilisierung nur im Winter erfolgen kann, da dann keine Bienen fliegen. Bis dahin müsse Sebastian ständig sein Notfallset bei sich führen. Dieses Notfallset hat den Umfang von etwa zwei Zigarettenschachteln und besteht u.a. aus einer Glasflasche und einer Flasche die ständig wieder in den Kühlschrank gestellt werden muß. Die Zusammenstellung erscheint in Ordnung zu sein: Infectokrupp Inhal, Celestamine, Fenistil. Allerdings erscheint es vollkommen unrealistisch, einen 9 jährigen Jungen, der mit Tatendrang in der Natur rumtollt, über ein halbes Jahr mit dieser Ausstattung rumrennen zu lassen. Zumindest die Glasflasche dürfte nach kurzer Zeit hin sein und das Zeug ist recht teuer (Gesamt 62,00 €). Auch ist die Handhabung im Notfall, insbesondere für einen Jungen in diesem Alter, echt zu kompliziert. Notfall bedeutet: anaphylaktischer Schock und der kann nach kurzer Zeit massiv lebensbedrohlich sein. Schnell handhabbare Fertigspritzen, die man nach kurzer Entsicherung sich einfach durch die Hose ins Bein stechen kann, wurden im Krankenhaus als vom Markt genommen, erklärt (Anapen, Fastjekt, Epipen). So im Nachhinein überlege ich, ob es nicht sinnvoll ist, als Imker so´ne Fertigspritze zumindest zu den Außenständen mitzunehmen. Keiner von uns weiß, ob nicht der nächste Stich bei ihm selbst eine allergische Reaktion auslöst. Auch deshalb macht Schutzkleidung Sinn. Dies wurde an anderen Stellen im Forum bereits erörtert.


    Wir kontakteten am nächsten Tag unsere Kinderärztin und die ist recht fit. Sie riet uns zu einer großen Kinderklinik in Stuttgart in der ein sehr qualifizierter Allergologe arbeitet. Wir riefen dort an und bekamen einen Termin bei den nächsten „Insektentagen“. Ne Bienenstichallergie ist dort Alltagsgeschäft und man merkt sofort, das dort die Ärzte richtig Ahnung haben. Wir selber hofften eigentlich auf eine Weiselfuttersaft-Allergie. Diese kannte man dort, sie kommt aber wohl ausgesprochen selten vor. Basti wurde auf Bienengiftallergie getestet und das Ergebnis konnte nicht deutlicher sein. Es wurde dort übrigens nebenbei vom Imkerhusten erzählt. Eine harmlosere Allergie auf die Ausdünstungen der Beute – dort insbesondere rumfliegende Bienenhaare. Hatte ich vorher nie was von gehört. Einen deutlichen Tip bekamen wir vom Arzt: Die Lymphangitis ist ein deutliches Zeichen einer eventuell bevorstehenden allergische Reaktion. Wir hätten schon zu diesem Zeitpunkt ein Notfallset zumindest beim Imkern bereit haben sollen. Gleich am nächsten Tag wurde Basti zu Desensibilisierung stätionär im Krankenhaus aufgenommen. Über drei Tage blieb er dort unter Beobachtung und bekam bis zu 7 Spritzen am Tag. Heute kam er raus und die Desensibilisierung hat sehr gut geklappt. Er wird jetzt noch einige Spritzen erst im wöchentlichen Abstand, dann in monatlichen Abständen bekommen. Dies kann der Kinderarzt vor Ort machen. Sein Leben lang sollte er 1 mal jährlich eine Spritze bekommen oder zumindest von einer Biene gestochen werden. Ab übernächster Woche darf er wieder imkern.


    Fazit: Selbst nach vielen Stichen kann plötzlich eine Allergie auftreten und die kann schnell lebensgefährlich sein. Hat man eine Allergie, so ist es wichtig an einen Profi zu kommen und die gibt es wenig. Eine Desensibilisierung ist in fachkundigen Händen in wenigen Tagen soweit abgeschlossen, dass man weiter imkern kann.


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    - Allergologie
    - Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie