Wasserhonig

  • Liebe Freunde,


    gestern hatte ich ja schon auf mein Schleudertrauma hingewiesen. Meine Ahnung hat sich bestätigt. 21% Wassergehalt. Das Volk stand ca. 4 Wochen im Raps. Auch der Honigraum war sehr gut mit Bienen gefüllt. Es honigte in Schüben, die Bienen hatten also immer wieder Zeit, den eingetragenen Honig zu verarbeiten. Die Waben waren zu 95% verdeckelt. Nach der Abwanderung aus dem Raps, habe ich den Völkern noch einmal 10 Tage gegeben, bevor ich die ersten Waben entnommen habe. Hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Honig kaum noch aus den Waben kommt. Der Honig hat übrigens eine leicht braun-grünliche Farbe, er ist nicht hellgelb, wie ich es zunächst erwartet hätte.


    Werde ihn in den nächsten Tagen wieder einfüttern.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Zitat

    Der Honig hat übrigens eine leicht braun-grünliche Farbe,


    ...das könnte/scheint Blatthonig zu sein.
    Das Rapsfeld neben einer meiner Stände hat diese Jahr auch wieder nicht gehonigt.


    ..ich würde ihn nicht wieder einfüttern. Würde ihn für den Eigenverbrauch nehmen und auch für Futterteigherstellung etc.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Moin Christoph,


    einfüttern würde ich den auch nicht, sondern mal das Refraktometer überprüfen. Gerade auf Temperaturkompensation. Ich halte die Aussage "Trotz 95% verdeckelt war der Honig nicht reif" nämlich für eine ganz typische Schutz-Behauptung, wenn in Wirklichkeit nur 5% verdeckelt war. Da ich Dir sowas aber garnicht unterstellen will, warum solltest Du's auch behaupten, gehe ich davon aus, daß es sich eher um einen Meßfehler handelt. Wenn man das Refraktometer nicht kompensieren kann, dann kann man es oft direkt vor der Messung mit der Kontrollflüssigkeit eichen. Dann vereicht man es zwar, aber für die anschließende Messung bei gleicher Temperatur stimmts ganz exakt. Honig und Refraktometer müssen auch immer die wirklich gleiche Temperatur haben. Warmer Honig auf kaltem Prisma wird genauso Mist wie Refraktometer in der Tasche oder Hand getragen und Honig aus dem Glas.


    Sollte Dein Honig aber wirklich deutlich über 20% Wasser haben, dann nimm ihn zum Eigenverbrauch oder als Futterbasis für Honiglösung zur Trachtlückenüberbrückung vor der Linde. So lange wird er sicher halten, wenn er nicht weggegessen wird.


    Für's nächste Mal weißt Du aber, daß Messen nach dem Schleudern nur ans Licht bringt was man hätte vorher messen und wissen sollen, obwohl ich ganz ehrlich auch nicht weiß was man sinnvollerweise tut, wenn ein HR 95% verdeckelt ist und der Honig tatsächlich 21% Wasser hat.


    Entdeckeln und wieder einhängen?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    ich bin in der Bewertung auch etwas ratlos. Nun bin ich mit dem Honigernten nicht ganz unvertraut (was für einen Satzbau :-? ), aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Der Honig ist beim Entdeckeln nicht aus der Wabe geflossen - beim Schleudern selbst ist mir aber seine dünne Konsistenz aufgefallen. Auf dem Doppelsieb bildete sich kein Türmchen.


    Eine Fehlerquelle könnte natürlich der Meßvorgang selbst sein. Deshalb werde ich heute mit einer Honigprobe und dem Refraktometer einen befreundeten Imker besuchen.


    Entdeckeln und wieder einhängen, dürfte kaum etwas bringen, die Bienen verdeckeln, wenn die Zellen voll sind. Die fragen dann auch nicht nach dem Wassergehalt.


    Die Farbe des Honigs deutet wirklich auf Blatthoniganteile: Die Bienen standen direkt in einem etwa 10 ha großen Rapsfeld. Daneben ein kleinerer Wald mit Eichen und Weiden.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Moin Christoph,


    hatten die Bienen mehr Platz als nötig? War also genug Platz zum mehrfachen umlagern des Nektars da? oder saßen sie recht eng?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Die saßen recht eng auf drei Zargen, der HR ist mit Absperrgitter abgetrennt. Sie hatten sehr viel Brut in allen Stadien und eine legefreudige Königin. Es könnte natürlich sein, dass die Bienen den Honig in den unteren Räumen kaum zwischenlagern konnten und ihn daher gleich ins oberste Stockwerk verbracht haben. Somit wären dann wichtige Reifungsprozesse ausgefallen. Aber das ist natürlich alles Spekulation. Das war aber bisher nur ein Volk - ich habe es mir angewöhnt jedes Volk einzeln zu schleudern, macht mehr Arbeit , ich bin aber jedesmal davon fasziniert , wie unterschiedlich die Honige ausfallen - es stehen aber zig Waben aus.


    Das alles selbst zu essen, dürfte kaum möglich sein.


    Grüße
    Christoph

  • Moin Christoph!


    Möchte gerade noch mal mit Nachdruck Henrys Ausführungen zum Refraktometer bestätigen!!!


    Ich hatte letztens auch einen ganz erheblichen Messfehler, der auf die von Henry genannten Fehlerquellen zurückzuführen war.


    Insbesondere kann ich große Abweichungen bei Temperaturunterschieden von Honig+Refraktometer bestätigen!!


    Es soll ja Refraktometer mit Temperaturkompensation geben, kenne aber niemanden der so eins hat. Funktioniert das Prinzip?

  • Moin Obstbrenner,


    Obstbrenner schrieb:

    Es soll ja Refraktometer mit Temperaturkompensation geben, kenne aber niemanden der so eins hat. Funktioniert das Prinzip?


    Ja, sehr gut, aber auch sehr langsam. Dabei wird die Skale durch Bimetallteile verschoben. Man muß recht lange warten bis Gerät, Prisma, Korrekturmetall und Honig wirklich die gleiche Temperatur haben und die Geräte sind nichts für's freie Feld und den Transport auf holprigen Waldwegen.


    Einfacher und wesentlich unempfindlicher sind die Refraktometer mit Korrekturthermometer. Das zeigt einfach einen +/- -Wert und keine Temperatur an. Dieser Wert muß addiert werden und schon stimmts. Diese Geräte sind sinnvoller, weil wesentlich schneller, preiswerter und robuster und man kann sie oft selbst eichen. Preislage etwas oberhalb 50 bis etwa 100 Euro. Kunststoffrefraktometer unterhalb 40 Euronen sind in aller Regel reine Tendenzschätzometer ohne wirklichen Absoluten Meßwert und damit komplett unnütz. Außerdem reagieren sie auf Temperaturschwankung unberechenbar und langsamer als metallne.


    christoph : Wäre auch schlimm, wenn's tatsächlich nur für's Selberessen reichen würde. :wink: Aber vielleicht kannste das Wasser mit etwas Honig aus den andern Völkern "verdünnen"? Dann macht's vielleicht die Mischung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder