Transport/ Haltbarkeit von Zuchtstoff

  • Hallo Leute !


    Mal angenommen ich will Völker eines Standes mit Königinnen aus der Nachzucht einer Königin eines anderen, weit entfernt liegenden Standes beweiseln. Was würdet ihr mir eher raten ?
    1. Ein Eistück ausschneiden und auf dem zweiten Stand daraus Königinnen ziehen lassen ? Wie beware ich ein Eistück optimal auf, wie lang können die Eier außerhalb eines Volkes maximal überleben ?
    2. Die Königinnen am Stand der Zuchtmutter ziehen lassen und die verdeckelten Zellen transportieren. Hie dann analog die Fragen: Wie beware ich Zellen optimal auf, wie lang können die Zellen außerhalb eines Volkes maximal überleben, an welchem Tag (den 10. ?) sollte ich sie umsetzen ?
    3. was ganz anderes


    Ich will aber wirklich nicht mit Begattungsvölkchen etc. anfangen und dann begattete Königinnen einweiseln. Ich werde nur ein paar Begattungsableger zur Reserve machen, für die Völker, wo das Umweiseln mit der Zelle mißlingt.


    Stefan

  • Moin Stefan,


    es kommt auch darauf an, wie Du anschließend einweiseln willst.


    Am einfachsten und sichersten in allen Hinsichten ist der Transport von geschlüpften Königinnen mit Begleitbienen und etwas Futter. Das fertige Insekt hält mehr Widrigkeiten unbeschadet aus, als die Zelle und es ist garantiert geschlüpft, was man von so einer Zelle ja nie genau weiß. Auch sieht man ihm an, ob es insgesamt i. O. ist. Eiern oder Larven sieht man sowas beim besten Willen nicht an. Und man weiß dann auch genau wieviele Königinnen ankommen werden.


    Ich würde deshalb die Königinnen an Ort und Stelle schlüpfen lassen und dann erst transportieren. Dabei ergibt sich auch ein größeres Zeitfenster, weil die jungen Königinnen durchaus noch warten können, wenn nebenan noch Zellen schlüpfen. Beim Zellentransport kann es durchaus sein, daß die Königinnen schlüpfen während man unterwegs ist und die brauchen dabei Wärme und gleich danach Futtersaft. Also müßte man sie in einer großen Menge Bienen transportieren.


    Insgesamt sind aber auch Zellen recht unempfindlich gegen Temperaturschwankungen und Erschütterungen. Zumindest sieht man den Königinnen nicht an, daß sie Schaden genommen haben. Da liegt wohl das Hauptproblem. Die Königin lebt zwar und sieht fit aus, ist aber nichts wert. Wenn ich Zellen transportiern muß, dann sind die schlupfreif und im Lockenwickler mit etwas Futter und in aller Regel in einem Ableger, der dann gleich am Zielort mit einer Zelle verbleibt. Erst hier kommt der Lockenwickler ab. Es ist aber dann auch nur ein kleiner Schritt die Königinnen auch gleich noch schlüpfen zu lassen und dann sicherer zu transportieren.


    Was anderes wäre der Transport von Zuchtstoff, also umgelarvt im Anbrüter. Das ist auch ein sehr sicheres Verfahren, aber Du behälst das Risiko, daß es eventuell nichts wird oder eben zu wenige oder auch zu viele Königinnen schlüpfen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry !


    Die Idee mit den geschlüpften Königinnen gefällt mir ganz gut. Du hast Recht, daß es gut ist, die Königinnen schon mal nach ihrem Äußéren zu bewerten . Es ergeben sich aber weitere Fragen: Läßt man sie besser im Durchgangsschlüpfkäfig (also mit Absperrgitter) schlüpfen oder in einem undurchlässigen Käfig. Wie lange halten sie es im Schlüpfkäfig bzw. später mit Begleitbienen aus ? Und das Wichtigste: Kann ich Jungköniginnen in Vöker einweiseln, wo die alte Königin 9 Tage gekäfigt war und erst kurz vorher entfernt wurde ?


    Stefan

  • Henry schrieb:

    Was anderes wäre der Transport von Zuchtstoff, ...


    Hallo Henry,


    was ist dabei zu beachten (Feuchte, Temperatur)? Wie lange darf der Transport dauern?


    Grüße, Thomas

  • StefanK schrieb:


    1. Ein Eistück ausschneiden und auf dem zweiten Stand daraus Königinnen ziehen lassen ? Wie beware ich ein Eistück optimal auf, wie lang können die Eier außerhalb eines Volkes maximal überleben ?
    Stefan


    Hallo Stefan,


    Bieneneier überleben, wenn diese 1 1/2 Tage alt sind in der Regel 24 Std. ausserhalb eines Bienenvolkes. Nach 2 Tagen muss man mit 60 % Verlust rechnen und nach 3 Tagen mit 80 % Verlust. Aber 20 % "Ausbeute" würden mir reichen. Idealerweise kann man solche Wabenstücke mit Eilversand senden.
    Zur Gewinnung von "Versandeiern" sperrt man die Königin in einer Bannwabe für 24 Std. auf eine unbestiftete Wabe und 1 1/2 Tage nach ihrer Freilassung kannst du ernten, z.B kannst du die Königin Sonntag Abend auf die Wabe sperren, am Mittwoch früh kannst du das Wabenstück rausnehmen und versenden.
    Das Stück mit den Eiern kann man dann aus der Wabe schneiden, packt es in Seidenpapier, normales Papier würde nämlich Feuchtigkeit saugen und dann in eine größere Schachtel, die mit Styroporflocken aufgefüllt wird.
    Das Wabenstück hätte bei mir die Bestimmung in einem entweiselten, ohne junge Brut bestehenden Volk, das als Aufzuchtsvolk dient, in eine Wabe geschnitten oder eingeklebt, unterzukommen.

  • Hallo, Xare,


    Zitat

    Idealerweise kann man solche Wabenstücke mit Eilversand senden.


    Als Ex-und-immer-noch-Postlerin : es gibt keinen Eilversand nicht mehr.
    Nur noch Kurier-Expreß-Sendungen für den zehnfachen Preis von vorher...


    Wie wäre es denn mit Einwickeln in Frischhaltefolie?
    Als das, was du zitierst geschrieben wurde, gab es die noch nicht, aber ich halte sie trotzdem für besser als Papier....


    Ich persönlich halte unbegattete Königinnen noch für am besten versandfähig, außerdem spart man damit Zeit.
    Mit einer Zweitschlupfzelle werden sie auch ziemlich gut angenommen (Danke, Harry! :wink: )

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin sabi(e)ne,


    sabi(e)ne schrieb:

    Ich persönlich halte unbegattete Königinnen noch für am besten versandfähig


    Nicht nur Du. :lol: Begattete lassen sich aber auch ganz gut verschicken und man hat kein Problem mit dem Zeitdruck bis zur Brunft. Doch dann kann man auch gleich die ganze Zucht und Vermehrung wo anders machen lassen. :lol: z.B. an der Saar :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    nein, bei begatteten hab ich immer die Legenot im Auge...
    Die werden ja erst verschickt, wenn sie schon anständig in Eilage sind.
    Ich stell mir das genauso schrecklich vor wie das Absperren auf einer Bannwabe für eine Woche fürs Varroafangen...*schüttel*
    Dann lieber unbegattete....und das Risiko mit dem Wetter.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne


    sabi(e)ne schrieb:

    Die werden ja erst verschickt, wenn sie schon anständig in Eilage sind.


    Nee, da liegen drei Eier im EWK und ab geht's. Das ist nicht das Wegfangen einer Königin aus einem aufstrebenden Trachtvolk. Und selbst wenn im EWK schon gedeckelte Brut da ist, was ja irgendwie auch eine Zeitverschwendung wäre, dann gibts die Legenot schon und sie trat langsam ein. Unbegattete sind immer doppelt riskant. Man riskiert die Königin, weil sie schwerer bzw. unsicherer einzuweiseln ist und man riskiert das Volk, weil das Risiko der Begattung noch nicht ausgeräumt ist.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,


    ein absolutes Nein!


    Bei van den Bongard mit seinen Spitzen-Buckis bekommst du begattete erst im August/September, wenn sie wirklich schon gut legen.


    Bei allen anderen eigentlich auch erst, wenn mindestens die erste Brut geschlüpft ist und auf Fehlbegattung kontrolliert wurde.


    ich verkaufe auch nix anderes; wie soll ich sonst sicher sein, daß bei Standbegattung nicht auch Carnis drauf waren oder gar Heidebienen? :o
    Klar kann das immer mal passieren, aber wenn die ersten Kinder "anständig" :wink: aussehen, kann ich davon ausgehen, daß ich das liefere, was bestellt wurde.


    Alles andere wäre in meinen Augen Abzocke....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,


    sabi(e)ne schrieb:

    ein absolutes Nein!

    Ein "Nein" das es "neiner" garnicht mehr geht :wink:

    Zitat


    Bei van den Bongard mit seinen Spitzen-Buckis bekommst du begattete erst im August/September, wenn sie wirklich schon gut legen.

    Wie bekommt man die? Etwa gequält mit Legestau? :cry:

    Zitat

    Bei allen anderen eigentlich auch erst, wenn mindestens die erste Brut geschlüpft ist und auf Fehlbegattung kontrolliert wurde.

    "Alle andern" wären 100%. Dafür bekommst Du mein absolutes "Nein". Die Belegstellen schicken zurück, wenn Stifta da sind. Die Vermehrer und Züchter verschicken, wenn die Königinnen von der Belegstelle zurück sind. Auch ich gebe Königinnen aus den EWK so früh wie möglich ab, weil es denen bestimmt nicht gut tut in den Kistchen hocken zu müssen. Die Königinnen, die schon in Ablegern oder eben größeren Begattungsvölkchen ein ordentlichen Brutnest aufgebaut haben und im Kreise ihrer Nachkommen geprüft werden konnten, sind die "Vorgeprüften" zu den ganz besonders guten Preisen.

    Zitat

    ich verkaufe auch nix anderes; wie soll ich sonst sicher sein, daß bei Standbegattung nicht auch Carnis drauf waren oder gar Heidebienen?

    Das ist das Risoko des Erwerbers bei Standbegattung und deshalb kauft man immer mindestens 5 Königinnen. Sonst kann man's nicht vergleichen.

    Zitat

    Alles andere wäre in meinen Augen Abzocke....

    Wieso? Wenn jemand Ende Mai legende Königinnen von ordentlicher Abstammung standbegattet (oder zur Standbegattung) für seine Ableger wünscht und die preiswert bekommt sobald die stiften, dann ist das doch genau das was er wollte. Sonst soll er halt gleich Ableger kaufen oder Völker im Frühjahr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Leute !


    Nochmal zurück zu der Zweitschlupfzelle: Macht ihr die selbst auf einem Holzstäbchen ? Ist das dem Ausfreßkäfig also überlegen ? Wie lange vorher sollte das Volk entweiselt werden ?


    lg
    Stefan

  • sabi(e)ne schrieb:


    ich verkaufe auch nix anderes; wie soll ich sonst sicher sein, daß bei Standbegattung nicht auch Carnis drauf waren oder gar Heidebienen? :o
    Klar kann das immer mal passieren, aber wenn die ersten Kinder "anständig" :wink: aussehen, kann ich davon ausgehen, daß ich das liefere, was bestellt wurde.


    Alles andere wäre in meinen Augen Abzocke....


    Seit wann selektiert man bei der Buckfast nach Aussehen? Bei der Standbegattung ist es doch relativ egal ob Carnica oder Buckfastdrohne, für Wirtschaftsvölker sind 2/3 der dadurch entstandenen Königinnen vollkommen akzeptabel.


    Aber darauf weiß Mr. Wirght sicherlich auch eine Antwort, gegen ein Entgeld von 10$ :lol::D .


    Ciao,
    Marco

    And that's the way it is (Walter Cronkite)